Archiv | August 2015

Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (17)

"Die schillerndste Figur im Untergrund" (FAZ): Dietrich Kuhlbrodt - Foto: Malte Ludwig

„Die schillerndste Figur im Untergrund“ (FAZ): Dietrich Kuhlbrodt – Foto: Malte Ludwig

Ausgefüllt von Dietrich Kuhlbrodt

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und im Sommer lassen wir nun mal auch gern andere für uns arbeiten.
Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Dietrich Kuhlbrodt: Nazijäger, Staatsanwalt i.R., Schauspieler, Opa16 , Filmjournalist, Buchautor („Deutsches Filmwunder. Nazis immer besser“, Konkret Literatur Verlag 2006)

 

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autornamen gemerkt und warum?

Hab ich was gemerkt?
2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?

Junge rettet Freund aus Teich

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Als kommentiert wurde, wie ich mich wegschlich.
4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Durch Sozialpädagogik.
5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?

Auf jeden ohne offline.
6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?

Wer hat denn noch nen Stift?
7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?

Staatsanwalt.
8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?

Die Queen.
9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?

zeitung.de mit viel Platz fürs Zeckenkommando und voll mit filmreifen Grafitti.
10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?
Gott tät für dingsda.de lieber was rappen. „Ich weiss nicht, wer du bist, ob du ein Film bist oder ein Riss, aber ich will dich was fragen“ (Die Sonne, audiolith)

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Helle und Dunkle Prinzessinnen? – ein Update!

Wichtige Neuigkeiten- aus aktuellem Anlass:


1. Im Büro für rosa Angelegenheiten werden derzeit keine Atombombenexplosionen simuliert.


2. Prinzessinnen gibt es übrigens weder in hell noch in dunkel. Wir sind einfach nur immer rosa.


3. Wir fordern Erdbeertörtchen & Zigaretten als Willkommensgeschenk für jeden, der unser Land betritt.


4. Der Journalismus wird fürderhin gerettet. Über das Wie haben wir eine neue Grundsatzdebatte begonnen, in der auch Fragen der Turbulenz und der allgemeinen Heiterkeit nicht unangesprochen bleiben werden.


5. So sind wir.


6. Heute schon gehuldigt?


7. Na dann!

 

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Dieser Eintrag wurde am 30. August 2015 veröffentlicht. Ein Kommentar

Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (16)

pphAusgefüllt von Jan-Philipp Hein

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und im Sommer lassen wir nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

 

Jan-Philipp Hein lebt im ersten Kulturschutzgebiet Deutschlands und arbeitet von dort aus für Focus, ehemals Berliner Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger, Kolumne SH:Z.  Auf Twitter findet man ihn als @aufmacher.

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann haben hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

… ufff. Ich bin vergesslich.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?

Diese Treppe ist für den Barsch (BILD über eine Fischtreppe, die sehr teuer und wenig hilfreich ist)

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Gilt auch Fremdschäden? Mitarbeiterin eines Lokalradios fragt Bremens damaligen Bürgermeister Henning Scherf nach seiner Funktion und der Schreibweise seines Namens.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Ist er in Gefahr? Höchstens dadurch, dass der Journalismus dauernd meint, Retter sein zu müssen…Klima, Umwelt, Mittelstand, Einzelhandel, etc.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?

Gibt es nicht.

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?

Jakob Augstein und Heribert Prantl

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?

Profisportler

8) Dein Wunschinterviewpartner/in?

Marcel Reif vor einem Werder-Spiel in einer der Kneipen am Rande des Weserstadions

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?

Wie „Die Woche“. Die Woche?

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?

Siehe 9)

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Die Heidenaus von gestern…

Von Gastprinzessin de Havilland
(Pseudonym)


„Neonazis gibt es in jedem Ort“ – Jürgen Opitz (BM Heidenau)

„Unser Ruf ist im Eimer“ – Michael Kretschmer (MdB Sachsen (CDU))
Jetzt erst?
Wahrscheinlich hätten mich in den 90er-Jahren keine zehn Pferde nach Heidenau oder gar Pirna gebracht. Dörfer in Sachsen, auf dem Weg nach Tschechien zum Beispiel, die man schnell und am besten im Auto hinter sich lässt. Zuhause in Leipzig Grünau war es nämlich nicht viel anders, zumindest dann, wenn man sich nicht dem uniformen Dress der sehr national gesinnten Jugendlichen anpasste. Und diese Erfahrung reichte völlig. Das Leipzig nämlich, welches heute vor Selbstbewusstsein strotzt, dass bei einem polemischen geforderten #saexit vorher noch den #lexit will, auf das man heute aus Dresden vielleicht etwas neidisch schaut, ist und war kein Vorzeigehort der Toleranz und Weltoffenheit, auch wenn diverse Marketingkampagnen das anders sehen verkaufen wollen.
Ein Sommer in Grünau im Jahr 1998, ich war damals 15. Zwei Jahre zuvor wurde das große Einkaufscenter, das Allee-Center eröffnet. Endlich musste man nicht mehr 30 Minuten in die Innenstadt tuckern, hieß es oder irgendwo auf der grünen Wiese einen Parkplatz suchen. Wie auch immer, jedenfalls war es wie so oft gut besucht. Es ist 17 Uhr, es ist Ende August, draußen ist es hell und mein Freund und ich stehen in einem Laden im Allee-Center. Während wir drinnen Aufnäher und T-Shirts mit durchgestrichenen Hakenkreuzen, Bad-Religion Motiven und ähnliches in Augenschein nehmen, versammeln sich vorm Eingang eine Handvoll Jugendliche. Vielleicht 16, 17, 18 Jahre alt, so in der Drehe. Faschos. Während mein damaliger Mitschüler weiter das Angebot überprüft, steigt in mir leichte Panik auf. Die Nazis vorm Eingang sprechen uns an, wann wir denn rauskämen, sie könnten auch auf uns unten warten und warum wir so aussähen wir eben aussahen. Lange Haare, Iro, Bundeswehrrucksack, Aufnäher, sowas eben. Ich frage die Verkäuferin, ob es einen zweiten Ausgang gäbe, fest davon ausgehend, dass das hier kein gutes Ende nehmen wird. Wieder Mal. Draußen ist eine Art Feuertreppe, wären wir schnell genug, dann könnte man vielleicht… Aber nein, die Tür ist versperrt und ich würde übertreiben und auch mein Freund mag sich der Gefahreneinschätzung nicht so recht anschließen. Er wohnt nicht in Grünau, wir teilen nur die Schule am Rande des Viertels. Fünf Minuten später ist die Gruppe weg, er sagt: „Siehste! Alles halb so schlimm.“ Wir verlassen den Laden. Meine Panik ist unverändert da. Wir gehen, recht schnell, Richtung Hauptausgang, dort sind immer die meisten Menschen und irgendwo da sind auch unsere Fahrräder. Wir verlassen das Allee-Center, betreten die Brücke, die die S-Bahn Gleise überquert, da zieht eine Hand an meinen Rucksack mich zurück. Ich stolpere, die Panik ist nun da, die sechs Faschos stehen um uns rum. Wir wollen kurz noch losrennen, über den Fahrradaufgang runter zu den Gleisen, da kommen auch von dort 2 weitere. Wir sind eingekesselt.
Ein Typ nimmt mich in den Schwitzkasten, ich soll zusehen wie mein Schulfreund zusammengeschlagen wird. Sie stoßen ihn auf den Boden, treten ein paar mal auf ihn ein, er stöhnt. Währenddessen laufen an uns Dutzende einkaufende Menschen vorbei.
Eine Frau in den Vierzigern bleibt stehen und schreit die Nazis an, schreit die Passanten an, dass hier alle wegschauen – das könne nicht sein, die Faschos schubsen sie weg und rufen, sie solle sich um ihre Sachen kümmern. Ich versuche mich loszureißen, es klappt nicht, sie schlagen mir die Brille vom Gesicht, er bekommt einen letzten Tritt und sie hauen ab, Richtung Schönauer Ring. Die Frau kommt wieder zu uns, hilft meinem Freund hoch, fragt, ob sie einen Krankenwagen rufen soll. Er sagt nein, er ist das gewohnt, es fühlt sich nicht schlimmer an als sonst. Aber ich will zur Polizei, eine Anzeige aufgeben, vor Allem er soll das tun. Er sagt das bringt nichts, da kommt nie was raus und am Ende haben sie seine Adresse aus der Akte. Ich überrede ihn trotzdem, wir fahren mit dem Fahrrad Richtung Ratzelstraße. Dort im Polizeirevier soll es einen Beamten der neu errichteten Soko Rex geben, er soll engagiert sein. Er zeigt uns diverse Fotos bekannter Grünauer Schläger. „Unsere“ sind nicht dabei, es kommen eben immer Neue.
Später sollten wir erfahren, dass soetwas am Allee Center mitunter mehrmals die Woche passiert.
Er sagt, dass Anzeigen wichtig sind. Er weiß von verschiedenen Nazis in Grünau und was sie alles tun – solange die Opfer sie nicht anzeigen, können sie aber nichts machen.

„Keine Macht den Zecken“ – Motto eines Naziaufmarsches 1998 in Grünau

Das Revier ist im sogenannten WK (Wohnkomplex) 8. In Laufweite zum Kulkwitzer See. Grünau wirkt manchmal gar nicht wie ein Teil von Leipzig, sondern eher wie ein Dorf. Die Bewohner schätzen die Nähe zu Kulkwitz, wer ein Auto hat nimmt die Ferne zur Innenstadt sowieso anders wahr.
Am See waren wir auch oft. Mit Kassettenrecorder, Getränken, Gummiboot und abwechselnden Wachschichten. Da man am Ufer nicht mehr wirklich gut die Zufahrtswege einsehen konnte, war immer irgendwo irgendjemand unterwegs, zu schauen ob die Nazis von der anderen Seite sich auf den Weg gemacht haben. Dann hieß es Fersengeld geben oder in die Pedale zu treten. Wir waren nie wirklich genug, um ihnen was entgegenzusetzen. Die Polizei war zu langsam, Handys noch eine Ausnahme und die meisten Antifas wohnten außerhalb Grünaus. Weit außerhalb. Jedenfalls klappte auch das nicht immer und wenn die Nazis mit Baselballschlägern und Gaspistolen anrückten, war es sowieso zu spät. Und Gaspistolen waren nicht nur einmal mit im Spiel.
Von der Schule nach Hause, eigentlich ein Fußweg von 20 Minuten, ging es auch immer mit dem Rad. Wenn das Rad kaputt war, versuchte man sich wenigstens gemeinsam zu verabreden, zusammen den Weg zu gehen. Wenn das Fahrrad geklaut war, versauerte man fast zu Hause. Zwischen dem WK7 und dem WK8 gab es auch eine S-Bahn Brücke.
An einem Tag fuhr vor mir eine Mitschülerin, auch sie eine Bewohnerin des WK8, auch sie auf dem Weg zur Brücke, den Fahrradweg ansteuernd . Uns beide verband nicht viel, außer fragliche Frisuren, die in Grünau unter Jugendlichen eben gleichbedeutend mit einer Zielscheibe waren. Ich fuhr weniger Meter hinter ihr, die Fahrradauffahrt war eher schwierig nebeneinander zu schaffen und realisierte schon vor Erreichen des „Gipfels“, dass sich dort auf der Brücke, in der Mitte, einige Jugendliche befanden, die diese andere Frisur pflegten. Also vornehmlich diese rasierten oder nur trocken scherten, wenn es nicht ganz so krass sein sollte. Im Prinzip der Zeitpunkt um umzukehren, aber die Zeit, die man braucht um ein Fahrrad zu wenden, ist genug für die um loszurennen. Also mussten die nicht rennen sondern einfach aufstehen, sich erheben, ihre Bierflasche zur Seite schieben und wie sie nun mit ihrem Fahrrad vor mir an ihnen als erstes vorbeikam, schleuderte der eine eine Metallkette in ihr Vorderrad. Es kam was kommen musste. Die Kette verhedderte sich in den Speichern und beim nächsten Umlauf schlug diese an die Gabel und und sie stürzte vom Rad. Ich hielt an, die Nazis johlten, nur schnell wieder aufs Rad und weg von hier. Solange es hell war, hatten sie nie Recht Lust einen zu verfolgen. Das passierte eher nach Einbruch der Dunkelheit. Dann änderte man seine Wege wieder, man wusste ja, wo welcher Nazischläger wohnte. Längst hatte ich unterbewusst eine Art Notfallstrategie entwickelt. Dazu zählte, dass ich 1996 schon ein Handy hatte, man Straßen und Plätze immer automatisch nach Seitenpfaden und Fluchtwegen absuchte und besonders Nachts jedes Grölen und Schreien als Gefahrenanzeiger wahrnahm und sei es auch noch so weit weg. Vieles davon wird man nicht mehr los und werden als Automatismen noch heute abgespult.

Irgendwann begann man sich wöchentlich zu treffen. Als Antifagruppe, die vor Allem die Vorkommnisse der letzten sieben Tage austauschte und protokollierte. Es gab immer was zu berichten. Eine Wohnungsgenossenschaft stellte ein Büro zur Verfügung, in der Nähe des besagten Allee Centers, gegenüber eine Tankstelle. Dort trafen sich allabendlich Nazis um Bier zu trinken und davor ein Straßenbahnbett: Schotter. Sie bekamen natürlich heraus, das und was dort jede Woche ablief. Teilweise verbarrikadierten wir uns, die Fenster wurden eingeschmissen, sie warteten auf uns, dass wir nach Hause gingen. Als sich das mehr und mehr zuspitzte, begann die Polizei dort zu patroullieren. Und nicht nur das: Mehrere Wochen lang wurden wir, vor allem die, die ins WK8 mussten, mit Polizeischutz nach Hause eskortiert. Wir auf dem Fahrrad auf dem Radweg, parallel auf der Straße ein Streifenwagen. Auf der anderen Seite die Nazis, die wieder johlten, stolz auf den Polizeischutz, den sie nötig gemacht hatten.

„Durch die Dominanz rechtsorientierter Jugendlicher im Stadtteil Grünau können derzeit Wanderungsbewegungen andersdenkender bzw. andersaussehender junger Menschen in andere Stadtteile beobachtet werden (…) Sie haben begründete Angst um ihre körperliche Unversehrtheit“
(Jugendhilfeausschuss Leipzig – zitiert in Süddeutsche Zeitung, 22.3.1999)

Das bedeute auch umgedreht, wollte ich Grünau verlassen und das nach Einbruch der Dunkelheit, ließ ich mich von Freunden, die außerhalb wohnten (oder eben in Leipzig, je nach Perspektive) mit dem Rad abholen. Alles war besser als das Viertel einmal komplett alleine zu durchqueren.

National befreite Zonen nannte man das. Und Grünau sollte so eine werden oder war es schon längst. Nach der Wende hatten hier diverse rechte Parteien den Boden betreten und den Kampf um die Köpfe in den Jugendclubs als Parole ausgegeben. Allen voran die Jugendorganisation der NPD, die JN. Und ohne Frage, das erfolgreich. Das Kirschberghaus wurde zum Synonym für akzeptierende Jugendarbeit und zur No-Go Area für uns. Die CDU war schon damals ein Freund der, sagen wir, klaren Worte:
„Die Jugendlichen vom Treff 2 sind ein Stück Grünau“ sagte Volker Schimpff damals in einer Pressemitteilung. Und während Nazis dort weiterhin ein- und ausgingen, stellte der sächsische Verfassungsschutz zu uns fest: „eine Gruppe bei deren Mitgliedern es sich (…) um linksextremistische Autonome handelt“. Danke für nichts.

Klar gab es auch mal kritische Stimmen, gefühlt einzelne, etwa als Thierse seine „Ostdeutschlandtour“ in Grünau begann, im Dezember 1999, das war wenige Tage nachdem zwei alternative Jugendliche mit Benzin übergossen und angezündet wurden. Oder direkt vor Ort, vor allem durch eine damalige junge Stadträtin der PDS, Juliane Nagel und einigen SozialarbeiterInnen, meistens nicht aus Grünau. Was wir eigentlich wollten war ein eigener Jugendclub, einen Rückzugsort. Die Alternative war eben der Wegzug. Dafür besetzten wir auch zeitweise das Büro des damaligen Jugenddezernenten Burkhard Jung im Rathaus. Es sollten noch über 5 Jahre ins Land gehen, bis andere, nun dort lebende Jugendliche die „Bunte Platte“ am Kulkwitzer See eröffneten. Wegen anhaltender neonazistischer Übergriffe, wurde diese vom Eigentümer 2007 schon wieder gekündigt.

Da war ich, da waren wir, aber schon längst weg.

Irgendwann im Verlauf des Jahres 2000, als – für Grünauer Verhältnisse – eine große antifaschistische Demo – „Wir wollen kein Teil einer Nazibewegung sein!“ – stattfand, klingelten Nazis in unserem Aufgang des Neubaublocks. Welcher zu der Zeit schon lange Zeit eine riesige Baustelle war, da die Sanierungsarbeiten, die damals gerade überall begannen, von einer nun insolventen Baufirma durchgeführt werden sollten.
Sie warteten eine Weile vor der Haustür, mehrmals und fragten irgendwann einen Nachbarn, ob und wo ich in diesem Haus wohnte. Und er antwortete. Sie hätten so nett gewirkt.

Wenige Wochen später zogen wir in eine Altbauwohnung in einem anderen Stadtteil Leipzigs.

 

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Rauchzeichen der Zivilisation

Auch Flüchtlinge haben ein Recht auf Rauch, von Gastprinzessin Bernhard Torsch.

Die Zigarette war mal das Rauchzeichen der Zivilisation. Bevor die technokratischen Berechner von Menschenkosten in Tateinheit mit von Todesangst besessenen Körperkultisten alles Übel, das dem Menschen widerfahren kann, auf das Verbrennen von Tabak schoben, galt es als zutiefst humane Geste, jemandem eine Zigarette anzubieten, und wenn´s die letzte vor dem Erschießungskommando war.
Aus. Vorbei.
Die Nazis, die ersten Nichtraucher-Aktivisten, haben ihren Krieg gegen alles Schöne und Wahre wenigstens auf dem Schlachtfeld der Volksgesundheit gewonnen. Wer immer noch raucht, gilt inzwischen als suizidaler Klotz am Bein der vorgeblichen Solidargemeinschaft der Krankenversicherten, als mutwilliger Beschädiger der Ware, die anzubieten ihn der Kapitalismus zwingt, seines Körpers nämlich. Der Mensch soll früh nützlich werden, es lange bleiben und, wenn der Verfall dieser Nützlichkeit nicht mehr aufzuhalten ist, rasch sterben. Am besten beim Paragliding oder durch Herzkasper beim Joggen, denn dies zieht keine, horribile dictu, Kosten für das Gesundheitssystem nach sich wie etwa Krebs oder COPD.

Eine Ahnung davon, was Zigaretten einmal waren und dort, wo noch nicht die Menschenoptimierer oder lebensfeindliche Fanatiker das Sagen haben, immer noch sind, gibt der Schlager „Ein Schiff wird kommen“. Im von Josefine Busch ins Deutsche übertragenen und von Lale Andersen gesungenen griechischen Lied, das von der Sehnsucht nach dem Geliebten und unterschwellig von der Sehnsucht nach dem wirklichen Leben handelt, haucht die Protagonistin an einer Stelle: „Und jetzt bist du da und ich halte dich in meinen Armen. Komm, gib mir noch nen Zug von deiner Zigarette! Schau, unter unserem Fenster, der Hafen mit den bunten Lichtern…“.
Zwei Menschen, die sich lieben und gerade geliebt haben, teilen sich eine Kippe und schauen auf den Hafen, das Sinnbild unendlicher Möglichkeiten und der Freiheit – das rührt etwas in Menschen, solange die noch nicht völlig zerstört und als Arbeitsvieh neu zusammengesetzt wurden, das erzählt von Dingen, die diejenigen nie verstehen werden, die das Leben nur als Tod auf Bewährung begreifen. Ganz sicher nichts damit anfangen können religiöse Eiferer wie der „Islamische Staat“ oder die Taliban, die in ihrem Wirkungsbereich das Rauchen streng untersagt haben.

Und dann kommen Menschen, die tausende Kilometer weit vor Krieg, Klerikalfaschismus und Zerstörung geflohen sind, und kaum jemand kommt auf die Idee, diesen Leuten, unter denen sich viele Raucher befinden, ein paar Kippen anzubieten. Wie es menschlich und zivilisiert wäre. Aber Genuss, der notwendigerweise irrational sein muss im armseligen Bezugsrahmen der Gesundheitspolitik, oder gar Sucht gesteht man Refugees nicht zu. Da wird selbst die netteste freiwillige Helferin zur gar strengen Erzieherin und hält lieber Predigten über die Schädlichkeit des Tabakkonsums, als ein paar Stangen Rauchware rauszurücken. Das Rauchen verschwindet zusammen mit einer Kultur, der trotz allem immer noch so viel vernünftige Unvernunft und Widerstandsgeist innewohnte, dass man dem Chef halt täglich einige Rauchpausen abringen konnte und der Chef das auch zuließ weil er wusste, es mit Menschen zu tun zu haben.
Heute herrscht in den Koben der Großraumbüros ebenso striktes Rauchverbot wie in den Todestrakten amerikanischer Gefängnisse, wo man inzwischen sogar den alten Brauch der letzten Zigarette abgeschafft hat, auf dass auch ja kein Henkersknecht gesundheitlichen Schaden davontrage.
Mit dieser neuen Unkultur müssen nun die Flüchtlinge neben Nazis und Kryptonazis auch noch klar kommen, obwohl so viele von ihnen tragischerweise annehmen, Europa sei ein Hort von individueller Freiheit, Kultur und Zivilisation.

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Dieser Eintrag wurde am 27. August 2015 veröffentlicht. 3 Kommentare

Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (15)

Prinzessinnenreporters Kollege: Oliver Tolmein

Prinzessinnenreporters Kollege: Oliver Tolmein

Ausgefüllt von Oliver Tolmein

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und im Sommer lassen wir nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

 

Oliver Tolmein ist Journalist, Autor von Büchern zu u.a. RAF und Bioethik und Rechtsanwalt.

 
1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autornamen gemerkt und warum?
Mit Autorennen kann ich nichts anfangen. Das ist Sache meines Sohnes Valentin. Amen.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?
Das weiß ich leider erst, wenn ich sie gelesen habe. Bislang hat es dafür noch nicht gereicht.

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?
Puh. Das ist schon sehr lange her. Und es war auch erst deutlich nach der Pressekonferenz. Worum es dort ging, erinnere ich nicht mehr. Aber gegen 3 Uhr morgens wurde ich auf dem Weg von Bonn-Süd nach Bonn-Beuel angehalten. Ich weiß auch nicht mehr, was ich getrunken hatte. Aber der Polizist hatte meinen äußerst kritischen Artikel in konkret über die Kritischen Polizisten gelesen. Und er fand ihn toll. Ich musste deswegen schnell weiterfahren und durfte nicht pusten. Voll peinlich.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?
Mit Engagement. Übrigens auch nicht mit dem Zeilenhonorar, das ich 1977 in der Meinerzhagener Zeitung verdient habe.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?
Ich befürchte, es gäbe dann auch eine Hölle für Journalisten. Und das würde für mich heißen: Zwangsarbeit am Kohleofen mit irgendwelchen lustigen Satirikern, deren Pointen ich nicht verstehe und deren Gesang mir nicht gefällt … schade eigentlich!

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?
Dem Islamischen Staat. Damit die keine Mohammed-Karikaturen mehr zeichnen können. Aber was soll ich dann mit dem blöden Stift machen?

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?
Rechtsanwalt. Und, der Witz ist, ich bin es geworden. Ha!

8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?
Verrate ich nur, wenn ich sie garantiert interviewen darf.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?
Sie hieß Junge Welt und sah auch so aus und ist es heute immer noch. Schlimm. Deswegen bin ich Rechtsanwaltsklave geworden. Und Hofnarr Elsässer musste leider nicht nach Elba. Weil die Globalisierung für ihn zu klein war.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?
Playboy? Bibel TV? Nein? Emma! Klar, das war doch klar! Sie nun wieder ….

 

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Was online passieren würde, wenn eine Atombombe über Berlin explodiert

Im Rahmen unserer Themenwoche „Allerlei spekulativer Blödsinn“ beschäftigen wir Prinzessinnenreporter, die letzte Bastion vor den Horden der Finsternis, uns heute mit den Auswirkungen einer Atombomben-Explosion auf den Onlinejournalismus.

Ein Nachspürerklärreportagenstück von Elke Wittich

10:00 Uhr: DPA-Eilmeldung „Berlin: Vermutliche Atombombe möglicherweise explodiert“

10:01 Uhr: Auf Twitter wird das Hashtag #BerlinAtom erfunden

10:02 Uhr: Mehrere Onlinepublikationen starten eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung von Themenwochen, Nachspürreportagen und Erklärstücken zum Thema Atombomben. Und Berlin.

10:03 Uhr: Erste Social Media-User verlangen Livestreams aus Berlins. Es sei mal wieder typisch, dass die etablierten Medien es nicht für nötig hielten, mehr als nur Agenturberichte zu liefern, lautet der allgemeine Tenor.

10:05 Uhr: Eine Onlinepetition mit dem Titel „ARD und ZDF: Livestreams von der Atombomben-Explosion in Berlin jetzt!“ wird gestartet.

10:06 Uhr: Das Twitter-Hashtag #Merkelschweigt trendet erneut.

10:07 Uhr: Erste Blogger stellen die Frage „Cui bono?“ beziehungsweise „Qui bono?“

10:08 Uhr: Die Livestream-Petition erreicht 100.000 Unterschriften.

10:09 Uhr: Ein getwitterter Augenzeugenbericht inklusive Fotos wird mehr als 25.000 Mal geteilt.

10:12 Uhr: Ein User stellt fest, dass der angebliche Augenzeuge aus Wanne-Eickel stammt, wo er grad eine Stunde zuvor noch ein Selfie vorm Drei-Männer-Eck gepostet hat. Und dass das angebliche Vor Ort-Foto ein nachkoloriertes Bild aus Hiroshima ist. Sein entsprechender Tweet wird 15 Mal geteilt.

10:13 Uhr: Erste Blogger beginnen mit dem Erstellen einer „Speaker- und Speakerinnen-Liste Atombombe“, in der Personen gesammelt werden, die „sehr gern auf Eurer Veranstaltung zum Thema sprechen wollen“.

10:14 Uhr
: Die wegen einer Party im Berliner Headquarter versammelten Prinzessinnenreporter werden telefonisch geweckt. Eine kurze Inspektionstour durch Kreuzberg ergibt: Alles ruhig. Keine Atombombe, in Neukölln wurde nur mal kurz geböllert. Und das Schweigen der Berliner lag nur daran, dass alle noch schlafen, ist ja auch noch früh.

10:15 Uhr: Der Onlinejournalismus wurde für diesen Tag erfolgreich gerettet. Die Prinzessinnenreporter gehen wieder ins Bett.

10:16 Uhr: Auf Twitter ist man kurz beschämt. Bei DPA auch. Anschließend wird bei Twitter über ein Komma gezankt.

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Dieser Eintrag wurde am 25. August 2015 veröffentlicht. Ein Kommentar

Treffen von Nürnberger und Ansbacher Juden in der Synagoge Ansbach

von Gastprinzessin Gerhard K. Nagel

Synagoge Ansbach (© by Alexander Biernoth)

Synagoge Ansbach (© by Alexander Biernoth)

So vielen herrlichen Sonnentagen folgt am besten etwas Nachdrückliches, das auch über die eigenen Zusammenhänge hinauswirkt. Das stand für die Chabad-Gemeinde der IKG (Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg) fest.
Was aber wird solchen Ansprüchen gerecht? – Ein Beter aus Ansbach, der seit Langem sonntäglich zum Schacharit (Morgengebet) nach Nürnberg reist, hatte eine einfache und griffige Antwort auf diese Frage: Ein Besuch bei den Juden in Ansbach.
Verwunderung? – Was kann denn an einem Besuch in einer anderen Stadt so Besonderes sein? – Eigentlich nichts. Besuche gehören doch zu den mit etwas Aufwand verbundenen Alltäglichkeiten, des Anstandes oder der Höflichkeit wegen. Mit Grundsteinlegungen hat das in der Regel nicht so viel zu tun.
Bei dem Vorschlag des Ansbacher Beters sah das etwas anders aus. Aber nicht so hastig, der Reihe nach und etwas strukturierter, damit kein textuelles Chaos entsteht….
Ansbach sagt den meisten Lesern wohl eher nichts. Füllen wir die Lücke: Ansbach ist eine Stadt im nördlichen Teil Bayerns mit heute etwas mehr als 40.000 Einwohnern. Sie ist der Sitz der Regierung und Bezirksverwaltung von Mittelfranken. In historischen Zeiten war die Stadt die Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Aus dieser Zeit stammen die vielen, interessanten Baudenkmäler, die zahlreiche Besucher in die Stadt locken. Im Reigen dieser Baudenkmäler findet sich auch ein Kleinod, das die Zeiten und im Besonderen auch die Zerstörungswut der Nazis heil überdauert hat: Eine wunderschöne, im Jahr 1746 eingeweihte barocke Synagoge. Juden allerdings gab es kaum noch, von einigen amerikanischen Soldaten abgesehen, die nach dem Ende der Nazibarbarei hier stationiert waren. Das änderte sich erst, als sich viele jüdische Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion hier niederliessen. Aber die damit verbundene Hoffnung, dass sich eine neue jüdische Gemeinde bilden und die Synagoge als Bethaus einer neuen adäquaten Nutzung zugeführt werden würde, erfüllte sich nicht.
Leider haben sich nur wenige der Zuwanderer, denen das Judentum in der ehemaligen Sowjetunion ausgetrieben werden sollte, auf die Suche nach ihren kulturellen und religiösen Wurzeln gemacht und den Weg zur persönlichen Restitution gelebten jüdische-religiösen Lebens gefunden. So gibt es nach wie vor keine jüdische Gemeinde und die Synagoge wird in der Regel nicht entsprechend ihrer Zweckbestimmung, sondern als Kulturdenkmal genutzt. Ausnahmen davon sind selten. So gab es am 03. Juli 1998 eine Bar Mitzwa-Feier des Enkel eines ehemaligen, in Ansbach stationierten US-Soldaten und ab und zu beten jüdische Besuchergruppen in der Synagoge.
In diese Situation hinein sollte der Besuch der Nürnberger ein Zeichen der Ermutigung für die wenigen religiösen Juden in Ansbach werden.
Am 23. August fanden sich in der Synagoge etwas über 20 Personen zusammen, also mehr als die zum Minjan erforderlichen zehn jüdischen Männer, etwa die Hälfte davon aus Nürnberg mit Rabbiner Eliezer Chitrik an der Spitze, die anderen aus Ansbach. Das Treffen wurde nicht nur für die Ansbacher zu einem sehr emotionalen und bewegenden gegenseitigen Kennenlernen und Austausch, sondern diente insbesondere auch dem religiösen Lernen und Erleben. So half Rabbiner Chitrik Unerfahrenen beim Anlegen des Tallits und der Tefillin, brachte ihnen die zugeordneten Brachot bei. Und er brachte auch eine Mesusa an.
Eigentlich ist es unüblich, eine Mesusa in einer Synagoge zu verwenden, da eine solche nur für nichtheilige Räume verpflichtend ist, die Räume einer Synagoge (wenn darin keine Büros und Sozialräume vorhanden sind), aber heilig sind. Rabbi Chitrik wies auf diesen Zusammenhang hin und machte deutlich, dass er die Handlung vornehme, um ein Zeichen der Aufmerksamkeit zu setzen für dieses Gebäude und die Menschen, die darin gebetet haben. Er erklärte den Anwesenden natürlich auch die Bedeutung der Mesusa, wie sie sich zusammensetzt und wie angebracht werden muss. Und er wies darauf hin, dass sie regelmässig überprüft werden muss, um zu vermeiden, dass sie nicht im Laufe der Zeit unkoscher wird. Es fand sich ein Jude aus Ansbach bereit, für die Erfüllung dieser Verpflichtung Sorge zu tragen.
Der Kiddusch, in einem Vorraum der Synagoge durchgeführt, verband die Anwesenden in Heiligkeit miteinander und da wir uns im Elul, dem Monat der Umkehr befinden, ertönte auch das Schofar.
Rabbi Chitrik sprach den Wunsch aus, dass „die Juden in Ansbach in Zukunft an den Feiertagen öfter und zahlreicher zusammenkommen als bisher“ und lud die Ansbacher Anwesenden zu Besuchen in die Nürnberger Gemeinde ein.
Die Grundsteinlegung ist abgeschlossen. Ein Stück Hoffnung wurde in die Welt gesetzt und hat seinen Weg in die Köpfe und Herzen der Anwesenden gefunden. Jetzt liegt es an den Ansbachern mit Unterstützung der Nürnberger Gemeinde das Gebäude wachsen zu lassen, damit in nicht allzuferner Zeit die Synagoge wieder zu einem Ort regelmässigen Gebets werden kann.
Das ist eine kleine Story, die im Spiegel tausendfältiger Ereignisse, die an diesem Tag in der Welt stattgefunden haben, nahezu bedeutungslos wirkt. Aber der Funke, gehoben aus den Kelipoth ist Teil des Tikkun Olam (der Reparatur der Welt) und er macht deutlich, dass jüdische Menschen auch unter schwierigen Bedingungen den Weg zueinander finden: Am Israel Chai.

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Royale Stellungnahme zur Atlantik-Brücke

So wird unsere Atlantikbrücke aussehen (Abbildung ähnlich) www.flickr.com/photos/andymag/

So wird die Atlantik-Brücke bald aussehen (Abbildung ähnlich)
www.flickr.com/photos/andymag/

Von Lügenpresse-Prinzessin Elke Wittich

Immer wieder kursieren unter Lügenpresse-Schreiern und sonstigen Verschwörung-Deppen längliche Traktate, in denen es um die sogenannte „Atlantik-Brücke“ geht. Ein Hort des Bösen soll sie sein, weil USA! Und Israel! Und die da oben! Und Befehlsempfänger-Journalismus!
Dazu halten wir Prinzessinnenreporter fest: Wir sind nicht nur alle Mitglieder der Atlantik-Brücke, nein, sie gehört uns sogar. Und demnächst streichen wir sie rosa an. Ha!

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Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (14)

 Ausgefüllt von Christian Nürnberger

„Wieso gibt’s eigentlich keine Prinzenreporter? Davon abgesehen kommen hier meine Knechts-Antworten auf die Prinzessinnenfragen“: Christian Nürnberger

„Wieso gibt’s eigentlich keine Prinzenreporter? Davon abgesehen kommen hier meine Knechts-Antworten auf die Prinzessinnenfragen“: Christian Nürnberger

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und im Sommer lassen wir nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Der Publizist und freie Autor
(unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit) Christian Nürnberger hat gerade das Buch „Die verkaufte Demokratie. Wie unser Land dem Geld geopfert wird“ veröffentlicht; http://christian-nuernberger.de.

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann haben Sie sich zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

Es fing an, als ich mit 16 begann die ZEIT zu lesen. Da merkte ich mir die Namen Marion Gräfin Dönhoff, Theo Sommer, Rudolf Walter Leonhardt und Fritz Raddatz und wollte so schreiben wie sie. Ich ahmte deren Schreibstil nach, und als ich es konnte, wurde gerade die Hamburger Henri-Nannen-Schule gegründet, ich bewarb mich und schaffte es auf Anhieb, einen der damals schon heftig begehrten zwanzig Plätze zu bekommen. Von jenem Moment an achtete ich auf jeden Namen, und heute lese ich manchmal Artikel aus dem einzigen Grund, weil darunter ein von mir geschätzter Name darunter steht, selbst dann, wenn mich das Thema eigentlich gar nicht interessiert. Und in der Regel werde ich nie enttäuscht.

2) Wie lautet Ihre Lieblingsschlagzeile?

Auf der Journalistenschule vor mehr als dreißig Jahren lautete sie: Deutscher Schäferhund leckt Inge Meysel Brustkrebs weg. Eigentlich gefällt mir diese Zeile immer noch. Heute würde man vielleicht Inge Meysel durch Daniela Katzenberger, Heidi Klum oder irgendein Dschungelcamp-Luder ersetzen. Und der Schäferhund wäre ein Portugiesischer Wasserhund oder ein Labradudel.

3) Ihr peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Ich meide Pressekonferenzen und gebe lieber selber welche.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Mit noch mehr vom Gleichen, noch mehr News, noch schnelleren Schnellschüssen, noch mehr Schielen auf Klickraten und Quoten und noch mehr Unterwerfung unter den Aktualitätsterror. Und dass ich an jedem heißen Tag im Hochsommer mehrfach auf allen Kanälen mitgeteilt bekomme, dass es draußen heiß ist, halte ich auch nicht für das größte Erfolgsrezept.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würden Sie sich freuen?

Börne, Heine, Tucholsky und die Propheten des Alten Testaments, das waren die ersten Journalisten der Weltgeschichte.

6) Und wem auf Erden würden Sie am liebsten den Stift klauen?

Allen, die mich langweilen, also ziemlich vielen.

7) Welchen anderen Beruf hätten Sie sich noch vorstellen können?

Ich hatte schon ein paar Berufe, bevor ich Journalist wurde: Bauernbub, Physiklaborant, Bundeswehroffizier, Lastwagenfahrer, Kellner, Barkeeper, Halbtheologe, Beinahepfarrer, Bundestagskandidat, und noch immer bin ich im Nebenberuf Vater, Hausmeister, Systemadministrator, Auto-zum-TÜV-und-in-die-Werkstattbringer und Ehemann des Gesichts des ZDF – also mein Bedarf ist gedeckt und bin daher jetzt eigentlich recht zufrieden mit meinem derzeitigen Hauptberuf.

8) Ihr/e Wunschinterviewpartner/in?

Angela Merkel natürlich – um sie endlich einmal aus der Reserve zu locken. Aber dafür bräuchte ich mindestens vier Stunden, soviel Zeit gäbe sie mir nie. Dann halt Jesus oder Maria.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Sie ganz alleiniger Chefredakteurkönig wären? Und wie würde sie heißen?

Heißen würde sie natürlich CNN’s Christian Nürnbergers Nachrichten, sie wäre politisch total unkorrekt, ungeheuer investigativ, kritisch, provokant, aufklärerisch, innovativ, aufrührerisch mit einem sehr werbefeindlichen Umfeld und darum sehr schnell pleite.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät er schreiben?

Er wäre eine Journalistin und schriebe exklusiv für Christiane Nürnbergers Nachrichten.

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