Archiv | Oktober 2015

beton, das überhippe Jugend-Portal ist da!

Mit dem Jugendportal beton beim Lunch – ein Nachspürinterview von Gastprinzessin Paula Schirmherr.

Hey Crowd. Wie wir dank unseres Digital-Content-Praktis Tim erfahren haben, gibt es für junge Leute im Internet genau: Nichts. Von Facebook über Twitter bis hin zu Snapchat ist alles ausnahmslos nur für Greise gedacht und seit damals (MSN Messenger) hat sich eigentlich nichts mehr getan.
Vice, Buzzfeed, 9Gag, alles nur interessant für Leute jenseits von Jenseits. Es reicht da auch einfach nicht, wenn so alte Hamas-Dudes sich den Nachnamen »Jung«  geben.
Es muss wirklich mal was passieren. Wir sind natürlich auch old am been hier, aber eben super offen für alles Neue und Unkonventionelle. Verrückt, durchgedreht, »Yolo«, verrückt – auch da sind wir dafür. Deswegen haben wir jetzt so eine Plattform für junge Leute am Start! Mit Nachrichten in komplett bescheuerter Pipikacka-Sprache.
Heute lunchen wir mit der junggebliebenen Midtwenties-Redaktion anlässlich der Veröffentlichung unseres neuen Angebots »beton«, gegründet vom ebenjenem ehemaligen Prakti Tim und Laptopbesitzerin Pia. Es gibt Käse.

Hey, Tim, hey, Pia. Na?

Tim: Rofl, wir heißen natürlich überhaupt nicht so.

Was ist denn jetzt dieses beton?

Pia: Irgendwas mit Inhalten und Internet. Jung, frisch, neugierig, anders, lebendig, frisch, spannend, frisch.

Was unterscheidet euch von dem, was es bisher so im Internet gab?

P: Die Antwort lautet Ja. Wir stellen zum Beispiel Listen auf, so Top 10. Oder fügen Gifs irgendwo ein, machen lustige Sprüche auf bunten Hintergrund. Wir sind auch sehr interessiert an Flüchtlingen und dem Herbst .

T: Was Pia sagt. Wir schauen durchaus auch mal bei StudiVZ oder 9Gag rein, klauen da Content, vereinfachen es sprachlich, klatschen unser Logo drauf, fertig. Oder Jodel… kennt ihr Jodel, gönnt euch das mal, so nice. Junge Leute bis 25 können meist einfach noch nicht richtig lesen, für die ist so eine Zeitungs-Facebookpräsenz spanische Dörfer. Da kommen wir ins Spiel.
Wer seid ihr eigentlich und was macht ihr, wenn ihr nicht gerade das Internet revolutioniert?

T: Alles total normale junge Leute. Also, wir sind natürlich aus reichem, konservativem Elternhaus, ist ja klar, lol. Meine Eltern haben mir schon mit 14 Praktika bei Springermagazinen und Start-Ups vermittelt. Lief bei mir.

P: Also irgendwelche Zeckenantifahippieloser dürfen hier nicht mitmachen,ne. Um uns haben wir fürs Image-Foto noch so paar Praktikantenfressen versammelt, die total selbstständig arbeiten, aber im Grunde sagen wir »Schreib mal Sachen über’n Herbst und klau Bilder bei Instagram« und dann machen die das.

T: Wir studieren logischerweise alle »in den letzten Zügen« Sachen, die sich dadurch auszeichnen, irgendwas zu exotisieren. Daher dann auch unser Interesse an fremden Kulturen und total abgefahrenem Zeug, wie zum Beispiel Essen und Freundschaft. Homos und Afrikaner, das ist alles so urban <3.
Was macht eure Generation aus?

P: Wir sind zum Beispiel total genervt, dass die alten weißen Männer da oben über uns so gut Bescheid wissen wollen. Sie sagen dann »Generation Y« oder so, wir seien ja ach so unentschlossen. Dabei wissen wir einfach noch nicht wie wir sein wollen. Einfach mal gucken. Neugierde. Mal sehen. Couchsurfing, Osteuropa, Blogs schreiben, Fotografie lernen, Street Art schön finden, Installationen besuchen, Containern, Urban Gardening, Koksen, Analfistorgie. Keine Pläne, ganz locker, bloß nicht festlegen. Das Leben einatmen. Oh, schon hab ich einen neuen Artikel fertig.

Wie läuft so ein Redaktionsalltag bei euch ab?

T: [instagramt gerade das Essen]. Genau so! Einfach machen, einfach alles worauf man Bock hat rausscheißen, also, uploaden, alles kann content sein, man muss es nur maken. Ein Redaktionsbüro haben wir nicht, das wäre so lame. Einfach schnell mit dem Handy posten, kleine Fehler machen ja nur menschlich und zeigen dass wir always on the run sind.
P: Auch mal 1 Hashtag oder Smiley einbauen. Alles nutzen! Wusstet ihr, dass das Internet unendlich viel Platz hat?
Und wie geht ihr mit Kritik um?
P: Total offen [grinst]. Wir sind wahnsinnig offen für Vorschläge und Anmerkungen.

T: Ja, offen. Wir fragen auch mal nach. Alle sind Teil unserer Entwicklung, wir brauchen ja das Feedback, wollen nicht nur unser Ding durchdrücken. Denn was wären wir nur ohne Input? Genau.
P: Irgendwas mit Zielgruppe.

Ja, Danke für eure Zeit. Wir sehen uns dann im Internet. Lasst es euch noch schmecken.

[Tim macht ein total weirdes Gesicht: Er lacht übertrieben und drückt Tränen aus den Augen, verharrt dabei und starrt mich an.]

Grundgütiger! Was soll das?

P: Das ist der Tränensmiley aus dem Chat, super Identifikationsmoment oder?

Tschüß.

krone

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Dieser Eintrag wurde am 30. Oktober 2015 veröffentlicht. 2 Kommentare

Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (32)

Gehörte nie zur Konferenzenpresse: Hermann L. Gremliza

Gehörte nie zur Konferenzenpresse: Hermann L. Gremliza

Ausgefüllt von konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

 

 

 

 

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann haben Sie sich zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?
1963 in der Tübinger Studentenzeitschrift „Notizen“. Der Name war leicht zu merken: Es war meiner.

2) Wie lautet Ihre Lieblingsschlagzeile?

„Bild“: „Sterben die Deutschen aus?“ Kein schönrer Traum in dieser Zeit.

3) Ihr peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Ich gehörte nie zur Konferenzenpresse.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Auf jeden Fall in keinem Fall. Warum auch sollte er?

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würden Sie sich freuen?

In irgendeinen Himmel kommen nur Gläubige. Leute, auf die ich mich freuen würde, sitzen in der ihnen versprochenen Hölle.

6) Und wem auf Erden würden Sie am liebsten den Stift klauen?

Animiert durch die Bemerkung von Karl Kraus, daß Preise, die der Aufmunterung dienen, „auf sämtlichen Gebieten der Kunst schon so viel Unheil angerichtet haben, während Abschreckungspreise, geknüpft an die Bedingung, nichts dergleichen mehr zu tun, sondern einen nützlichen Beruf zu ergreifen, ein wahrer Segen wären“, habe ich vor 28 Jahren den Karl-Kraus-Preis gestiftet und zweimal verliehen: an Günter Wallraff und an Fritz Raddatz. Keiner von beiden aber wollte sich verpflichten, künftig von der Veröffentlichung eigener Schriften Abstand zu nehmen und die mit der ausgelobten Summe von 30.000 Mark eröffnete Chance zu nutzen, den vom Namensgeber gewiesenen Weg einzuschlagen. Seitdem weiß ich, daß kein Journalist den Beruf herzlicher liebt als der, dem man ihn am liebsten verbieten möchte. Im Fall Wallraff kommt hinzu, daß man den Stift nicht ihm wegnehmen müßte, sondern den Dutzenden Ungenannten, die seine Texte schreiben.

7) Welchen anderen Beruf hätten Sie sich noch vorstellen können?

Radprofi. Ich liebe „Nahrungsergänzungsstoffe“. Leider braucht man für die Alpe d’Huez mehr Talent als für die Zeitung.

8) Ihr/e Wunschinterviewpartner/in?

Florian Silbereisen und Andrea Berg.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Sie ganz alleiniger Chefredakteurkönig wären? Und wie würde sie heißen?

Sie würde nicht, sie heißt, und zwar konkret.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?

Wieso „wäre“? Gott ist Journalist. Sie erscheint ihrer Gemeinde jeden Abend gegen 22 Uhr und in den Masken von Thomas Roth und Caren Miosga.

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Dieser Eintrag wurde am 29. Oktober 2015 veröffentlicht. 2 Kommentare

PR♕HQ-News!

Lange musstet Ihr auf einen neuen Insider-Bericht aus dem Prinzessinnen-Headquarter (kurz: PR♕HQ) warten, aber die Prinzessinnen waren allesamt enorm beschäftigt und es gab kaum eine Redaktionskonferenz in der letzten Woche, die komplett besetzt war. Prinz Leo beispielsweise hatte ständig Termine mit einem Shirt-Designer aus Tel-Aviv, der ihm sein Modell vorführen wollte, Prinzessin Svenna war zwar stets anwesend, aber nur hinter einem dicken Buchrücken schemenhaft erahnbar. Prinzessin Elke und Prinzessin Ramona waren auf Dienstreise, von wo sie allerlei Anregung mitbrachten: so will Prinzessin Elke, die in Österreich weilte,  künftig auch Wiener Kaffeehausspezialitäten in der roylen Kantine auf den Speiseplan setzen, wohingegen Prinzessin Ramona, die eine Kunstaustellung  besuchte, künftig  -gemeinsam mit der Obrist-von Gaza-Stiftung – Künstler fördern möchte, die sich der rosa Sache angenommen haben. Nur Prinz Kasimir und Prinzessin Marit haben hier im PR♕HQ dauerhaft die Stellung gehalten. Glücklicherweise sind inzwischen alle wieder  hier und mit einer neuen Grundsatzdebatte beschäftigt…
Über die Ergebnisse sprechen wir, wenn es Ergebnisse gibt.

Die Zukunft wird rosa! FUTURING von Eva & Adele auf der Völklinger Hütte

Die Zukunft wird rosa!
FUTURING von Eva & Adele auf der Völklinger Hütte

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Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (31)

Robert Kisch ist das Pseudonym eines preisgekrönten Journalisten, der mittlerweile in einem Möbelhaus arbeitet

Robert Kisch ist das Pseudonym eines preisgekrönten Journalisten, der mittlerweile in einem Möbelhaus arbeitet

Ausgefüllt von Robert Kisch

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten.
Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.


Robert Kisch ist das Pseudonym eines preisgekrönten deutschen Journalisten, einer sogenannten Edelfeder. Als er durch die Zeitungskrise seinen Job verlor, begann er, statt Interviews mit Hollywood-Stars zu führen, notgedrungen in der deutschen Provinz in einem Möbelhaus zu arbeiten. In seinem Tatsachenroman „Möbelhaus“  berichtet er davon, wie sich unter dem Eindruck der ganz normalen schikanösen Arbeitswelt auch sein Blick auf die ehemaligen Journalistenkollegen und die Medienbranche verändert.

 
1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann haben Sie sich zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

Der Mann heißt Johannes Bobrowski. Ich weiß nicht mehr, worüber er geschrieben hat und wovon die Geschichte handelte, aber es muss in der 7. Klasse gewesen sein, und dieser Text hat etwas sehr Starkes in mir ausgelöst. Die erste Reportage, bei der ich näher hingesehen habe, war von Ludwig Fels, meine ich, auf jeden Fall im SZ-Magazin, vor ungefähr 20 Jahren, über einen Mann, der Selbstmörder aus einem Fluss fischt. Das hat mich damals sehr berührt.

 
2) Wie lautet Ihre Lieblingsschlagzeile?

Ungeduscht, gedutzt und ausgebuht. Das ist aber weniger eine Schlagzeile, als ein Buchtitel. Der Autor dürfte wohl bekannt sein.

 
3) Ihr peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Ich kann mich leider nur an eine große Zeit der Langeweile erinnern. Obwohl, halt, einmal habe ich einem Vortrag einer USA-Korrespondentin lauschen müssen, und das Absurde war, dass die Einschätzungen dieser Frau allesamt so „papieren“ wirkten. Wie aus einem Artikel abgelesen. Obwohl sie doch in diesem Land lebte, war das alles so weltfremd. Und obwohl ich damals noch nicht in Amerika gewesen war, sondern nur darüber gelesen hatte, hatte ich das Gefühl, mehr zu wissen, als diese Korrespondentin.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Journalismus wird ja nicht aussterben, sondern nur gehörig an Mythos verlieren. Das empfinden etliche Journalisten sogar eher als positiv. Es wird halt irgendein normaler Beruf werden. Und wie in so vielen Unternehmen mit gutbezahlten, fröhlichen Führungskräften und einem Heer von unterbezahlten Fußabtretern.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würden Sie sich freuen?

Egon Erwin Kisch, Franz Jung, Hunter S. Thompson, Hemingway, Marc Fischer (aber das mehr aus persönlichen Gründen)

6) Und wem auf Erden würden Sie am liebsten den Stift klauen?

All jenen, die mir den Stift geklaut haben.

7) Welchen anderen Beruf hätten Sie sich noch vorstellen können?

Mir fehlt leider die Begabung, aber ich wäre gerne Mathematiker oder theoretischer Physiker geworden.

8) Ihr/e Wunschinterviewpartner/in?

Der CIA-Chef, aber mit der Vorgabe, dass er jede Frage wahrheitsgemäß und ausführlich beantwortet.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Sie ganz alleiniger Chefredakteurkönig wären? Und wie würde sie heißen?

Titel weiß ich nicht, aber sie wäre furchtbar „oldfashioned“. Reportagen über mehrere Seiten, mit vielen Fotos, alles opulent, und vor allem ohne jeden „Sinn“. Ohne jede Botschaft. Ohne jedes Redigieren. Ein Rausch aus Worten und Bildern (der vermutlich niemanden sonst interessiert).

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?

Theologisch gesehen schreibt Gott jeden Tag, und zwar überall, aber das nur am Rande. Ansonsten eher für die TAZ als für die FAZ, das ist schon mal sicher.

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Rosa Ideen erobern die Welt!

Das wir Prinzessinnen hinreißend, genial und inspirierend sind, war uns natürlich schon immer bewusst, -mit einer solchen Wirkung hatten wir aber dann doch nicht gerechnet. Dass die Idee unserer Gastprinzessin Sarah Hinney mittlerweile vom  Zentrum Demokratische Kultur (ZDK) in Berlin mit der Aktion „Hass hilft“ übernommen wurde und nun via Spiegel, der Süddeutschen  und den anderen medialen Riesen proklamiert wird, finden wir ja gut und richtig. Allerdings hätten wir einen Hinweis auf die rosa Seite durchaus als statthaft empfunden. Aber wir sind ja großzügig und sehen darüber hinweg. Hauptsache die rosa Ideen erobern die Welt!


krone

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Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (30)

Wäre gern Chefredakteur von "Das Nichts": Ismail Küpeli

Wäre gern Chefredakteur von „Das Nichts“: Ismail Küpeli

Ausgefüllt von Ismail Küpeli

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Ismail Küpeli ist Politikwissenschaftler und Journalist. Er analysiert die Konflikte in der Türkei und im Nahen und Mittleren Osten. Ebenso berichtet er über die sozialen Proteste und die Folgen der neoliberalen Krisenpolitik in Europa. Er schreibt für Tages- und Wochenzeitungen (Neues Deutschland, Jungle World), Zeitschriften (Analyse&Kritik) Onlinemedien (Vice) und bloggt unter http://kuepeli.blogsport.de/ . Gerade hat er das Buch „Kampf um Kobanê“ herausgegeben. 

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

1993, als im türkischen Fernsehen über die Ermordung von Uğur Mumcu berichtet wurde. Ok, so wird das kein lockerer Small-talk hier.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?

Mann beißt Hund“. Ist aber wahrscheinlich frei erfunden.

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Nie dabei gewesen.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Mit Tilo Jung.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?

Das wäre doch eine Hölle, richtig?

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?

Wer arbeitet noch mit Stiften?

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?

Postträger auf Helgoland.

8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?

Georg Elser. Wirklich.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?

Das Nichts“. 10 Seiten, leer, auf der Titelseite ein NeinQuarterly-Gag. Immer den gleichen.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?

Für die Welt. Ja, Gott und die Welt, total lustiges Wortspiel. Haha.

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Warum ich die Katzen gegen Akif Pirinçci unterstütze

Not in our name, Herr Katzenkrimiautor!

Not in our name, Herr Katzenkrimiautor!

Von Prinz Kasimir


Adorno und ich haben viele gute Gründe, Akif Pirinçci für einen Trottel zu halten. Daß er schlecht im Bett ist, hat Prinz Leo schon letztes Jahr aufgedeckt. In den Medien zu kurz gekommen ist bislang aber auch dieser Grund: Der Mann schreibt Katzenkrimis. Das ist ab sofort verboten. Insofern begrüße ich es auch, daß der Verlag die Felidae-Reihe wegen des (nicht korrekt rezipierten und trotzdem volltrotteligen) KZ-Zitats des Verfassers nun vom Markt genommen hat. Pirinçcis Reaktion: „Jetzt haben sie sogar die Katzenbücher aus dem Programm genommen. Was können denn die armen Katzen dafür.“ Die armen Katzen werden euch jetzt mal was husten!

 
1.) Katzenkrimis aus Menschenhand sind nicht spannend. Spannend ist es, den Protagonisten (mich) stundenlang vor einem Mäuseloch ausharren zu lassen, bis sich mein Spielgefährte endlich hervorwagt und der ideale Moment zum Angriff da ist und BÄHM!!! Das ist Action.
Nicht spannend ist es, wenn Katzen irgendwelche Menschenangelegenheiten in Tierfabelform aufklären sollen, denn Menschenangelegenheiten sind im allgemeinen furchtbar öde und vor allem so sinnlos (vgl. meine Rezension der angeblich von seiner Katze Socki geschriebenen Paul-Sahner-Biographie). 


2.) Daß der Autor für die Vergangenheit schwärmt, okay, haben wir begriffen, aber muß man dann einer Katze sowas ins Maul legen: „Die Geschichten, die guten Geschichten, die aufregenden und die, die das Herz berühren, jene, die es wirklich lohnt anzuhören ― wo kommen sie her? Wie könnte es anders sein: natürlich aus der Vergangenheit!“


3.) Da würden Katzen ja noch eher Whiskas kaufen, als einen Sermon abzusondern, bei dem ich bereits vor dem Punkt am Ende des Satzes weggenickt bin: „Denn die Jugend ist ein ambivalentes Geschenk, von dem der Beschenkte nicht weiß, daß es ihm überhaupt zuteil wurde … “

Bitte seht also davon ab, mir einen gänzlich unambivalenten Katzenkrimi zu schenken, und investiert das Geld lieber in ein modisches Shirt, mit dem ihr Katzenkrimiverbrechern zeigt, was ihr von ihnen haltet, und unterstützt die Prinzessinnenreporter sowie die Katzen gegen Akif Pirincii .

Euer alter roter Kater

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Dieser Eintrag wurde am 23. Oktober 2015 veröffentlicht. Ein Kommentar

Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (29)

Markus Hesselmann (Foto: Doris Spiekermann-Klaas)

Markus Hesselmann (Foto: Doris Spiekermann-Klaas)


Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten.
Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

heute beantwortet von Markus Hesselmann, Chefredakteur Online von Der Tagesspiegel

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen

über oder unter einem Text – wann haben hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

Wolfgang Kerkhoff, das war der Schalke-Reporter im WAZ-Sportteil. R.I.P.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?
„Das Tor geschlossen und alle sind Fragen offen.“ Damit wollte ein talentierter Berlin-Spätdienst bei uns in einer Aufmacherüberschrift zum nunmehr für den Autoverkehr gesperrten Brandenburger Tor noch rasch der Journalismushandbuchregel nachkommen, dass in Überschriften Verben gehören. Der Kollege qualifizierte sich über den Hohlspiegel für den Spiegel, wo er nun seit Jahren verdientermaßen reüssiert.

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Eher danach. Volontär Hesselmann kam von einem Termin, bei dem es um ein Immobilienprojekt der Schörghuber-Unternehmensgruppe in Berlin ging, zurück ins Wirtschaftsressort. Schörghuber? Josef Schörghober? Fragten die Experten. Das sei doch der Paulaner-Bierbrauer. Macht der auch in Immobilien? Offenbar und zwar in Berlin. „Ein Münchner in Berlin“, boah, Superpromoüberschrift für Seite 1. Porträtbild dazu, Personalisierung, stark! Der Hinweis, dass Josef Schörghuber im Jahr zuvor verstorben sei, kam mit beigelegter Handelsblatt-Todesanzeige per Leserbrief.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Durch Journalismusretter.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da
oben würdest Du Dich freuen?

Erik Reger.

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?

Allen, die Sätze wie „Was man in Deutschland nicht mehr sagen darf“ hinschreiben.

7) Welchen anderen Beruf hätten Sie sich/hättest Du Dir noch vorstellen
können?

Bademeister.

8) Dein Wunschinterviewpartner/in?

Jeff Lynne (Electric Light Orchestra).

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger
Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?

The Complicator, vgl. Jonathan Franzen („Purity“): „Start a magazine like nobody else’s. Not liberal, not conservative. A magazine that pokes holes in both sides at the same time.“

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?

When Saturday Comes

 

 

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Dieser Eintrag wurde am 21. Oktober 2015 veröffentlicht. Ein Kommentar

Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (28)

Verliebte sich immer in sarkastische Journalisten: Jacinta Nandi

Verliebte sich immer in sarkastische Journalisten: Jacinta Nandi

Ausgefüllt von Jacinta Nandi

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten.
Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Jacinta Nandi ist in London aufgewachsen und kam mit zwanzig nach Berlin. Sie ist Mitglied der Lesebühne Rakete 2000, schrieb für die taz die Kolumne „Die gute Ausländerin“ und bloggt als superfeministische „Riotmama“  über Deutschland und die Deutschen. Gerade hat sie das Buch „Nichts gegen blasen“ (Ullstein) veröffentlicht

 

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

Ich war immer so, immer daran interessiert. Als Kind las ich Smash Hits – ist so wie die Bravo, aber für jüngere Kinder – und ich verliebte mich in Mark Frith, wie er schrieb, was er sagte. Später las ich immer Melody Maker und mochte Miranda Sawyer, noch später las ich immer Barbara Ellen in Loaded, so eine Männerzeitschrift. Ich hoffe übrigens, dass ich die Frage richtig verstanden habe? Aber ja, ich verliebte mich immer in sarkastische Journalisten, auch als Kind und Teenager.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?

Wahrscheinlich würden alle Engländer jetzt dasselbe sagen: FREDDIE STAR ATE MY HAMSTER. Die Boulevardzeitungsschlagzeilen sind immer die besten, sie sind fast Poesie, teilweise.

 
3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Ich war nicht als Journalistin da, sondern als Moderatorin, und ich sagte Regenschirm statt Schirmherrschaft, und alle lachten.

 
4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Muss er gerettet werden? Ich finde es okay, dass Journalisten so hartnäckig sind und manchmal unmoralisch. Manchmal finden sie echt geile Sachen raus. Aber sie sollen nicht die Handys von toten Kindern abhören, das finde ich unnötig.

 
5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?

Nancy Mitford, obwohl ich natürlich Angst habe, dass wir uns hassen würden.

 
6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?

Laurie Penny!


7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?

Wenn ich groß bin, werde ich die Ehefrau von einem reichen Mann, und ich werde Kinderbücher schreiben und ihn zwingen, sein ganzes Geld an Arme zu spenden.

 
8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?

Ich will die Chefin (ich denke, dass es eine Frau ist?) der BVG interviewen und sie fragen, wie sie schlafen kann nachts, seitdem die Geldstrafe 60 Euro geworden ist, sogar für Menschen, die nur vergessen haben, ihr Ticket zu erneuern. Und auch die Sache mit dem Nicht-zurück-fahren-Dürfen. Ich denke, nach zwei Stunden mit mir in einem Zimmer und meinen Logik-Skills und Überzeugungsfähigkeiten, würde sie zugeben, dass man zurück fahren dürfen soll.


9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleinige Chefredakteurkönigin wärst? Und wie würde sie heißen?

Ich würde gerne für einen Tag die Bildzeitung leiten.

 
10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?

Gott ist eine Frau, und sie ist natürlich eine Bloggerin, oder?

 

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Glückwunsch, Pegida

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Ein Jahr Pegida – eine anlassbezogene Abrechnung von Gastprinzessin Samael Falkner

Pegida (und damit auch alle anderen Gidas) feiern Geburtstag. Ein Jahr für Wahnvorstellungen auf die Straße gehen. Glückwunsch! Zum Jubiläum zB. gegen die „Umvolkung“, ein Thema zu dem sie sich Pirincci dazugeholt haben, dessen neues „Buch“ diese ernstzunehmende Angst sachlich behandelt. Also sachlich. Wahrscheinlich nur 50mal „Verschwulung“, 30mal „Ficken“ und 15mal „linksgrüne Genderfaschisten“ je 100 Seiten. Angefangen hatte alles, wir erinnern uns, mit der “Islamisierung des Abendlandes”.
Pegida feiert sich selbst und fühlt sich nach wie vor immer ernster genommen von der Politik. Auf der Seite werden Söder und Seehofer als große Staatsmänner gepriesen, die sich endlich gegen die Bundeskanzlerin auflehnen, die für wahnsinnig erklärt wird, aber in Gesprächen auch immer wieder darauf verwiesen, dass Minister De Mazière ja auch auf ihrer Seite sei.
Das Zündeln von Seite der Politik muss aufhören. Nicht nächste Woche, sondern sofort. Es kann nicht sein, dass die CSU in Talkshows vom Befürworten einer Mauer um Deutschland faselt, „um das Landesgebiet zu schützen“. Schützen? Vor? Den „Invasoren“, wie die Rechten die Geflüchteten gern nennen? Und dann sind da noch Fähnchen wie Martin Dulig (SPD), dessen Büro von Nazis attackiert wird, was ihn eine Woche später dazu veranlasst, bekannt zu geben, man müsse für einen sofortigen Stopp der Asylantenströme sorgen.
Gut 200.000 sind bisher angekommen. In ein Land, das nicht nur stärkster Wirtschaftsfaktor Europas ist, sondern auch 80 Millionen Menschen ein sehr angenehmes Leben ermöglicht. Eines der wenigen Länder der Welt mit funktionierendem Sozialsystem, in dem jeder auch ohne Arbeit den Kühlschrank füllen und sich im Winter an die Heizung kuscheln kann.
Die Ängste sind irrational. Sie sind diffus. Sie richten sich gegen jeden, der nicht in das Pegida-Weltbild passt, welches auch immer das sein mag, denn mit starkalkoholisierten Schlägern, die am Rande der Demos auf Journalisten losgehen (LÜGENPRESSE!!!) und einem kriminellen Anführer hat man ja keine Probleme. Mit Nazijargon auch nicht. Aber rechts sei man nicht. Und mit den über 500 Anschlägen auf Geflüchtete seit Beginn des Jahres, also gut 50 pro Monat, nahezu 2 am Tag, habe man nichts zu tun. Aber damit hat ja ohnehin niemand etwas zu tun. Diese selbsternannten Retter Deutschlands, für die möchte niemand zuständig sein. Nicht De Mazière, nicht Söder, nicht Tillich, aber auch Merkel sieht kein Verschulden, das zum Bilden dieser Strukturen geführt haben könnte.
Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Hetze, allerseits. Zündet ein Yes!-Törtchen (AMERIKANISCHER AGGRESSOR!!!), oder ein Korovka-Wäffelchen (Freunde. Gut.) mit für mich an.

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