Archiv | Januar 2016

Der Countdown läuft

Der Zeremonienmeister probt die Lightshow für die Prinzessinnenreporter-Geburtstagsparty (Foto: Fritz Tietz)

Der Zeremonienmeister probt die Lightshow für die Prinzessinnenreporter-Geburtstagsparty (Foto: Fritz Tietz)

Großes ist im Gange im PR♕HQ. Prinz Leo macht Stimmübungen für spontane Tischreden. Prinzessin Ramona ist schicke neue Schuhe kaufen und Elke studiert vor dem Spiegel eine huldvolle und gespielt überraschte Mimik bei der Entgegennahme von Präsenten ein. Prinzessin Marit hat sich diesen Wachsoldaten vom Buckingham Palace ausgeliehen und arbeitet mit ihm an der perfekten Pirouette für den Festtagstanz. Und der Zeremonienmeister pustet unter Aufsicht der mitzählenden Prinzessin Svenna 365 rosa Luftballons auf.

War da was? Weil wir ausgesprochen freundliche Prinzessinnen sind, helfen wir unseren Qualitätslesern mal auf die Sprünge: Die Prinzessinnenreporter werden am Mittwoch 1 Jahr alt und gedenken, sich einen Monat lang zu feiern, wir sind schließlich Prinzessinnen und haben einiges geleistet im letzten Jahr. Je nach Laune und der Qualität der Mitbringsel könnte Prinz Kasimir ausgesuchte royale Besucher empfangen. U.a.w.g. (= Unternimm alles wegen Geschenken)

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Dieser Eintrag wurde am 31. Januar 2016 veröffentlicht. Ein Kommentar

Freies Wochenende für Qualitätsleser

Liebe Qualitätsleser,

aufgrund guter Führung habt Ihr Euch ein freies Wochenende verdient.
Zur zwischenzeitlichen Erbauung empfehlen wir Euch ein sehr lehrreiches Video der schwedischen Lebensrettungsgesellschaft:

Nichtqualitäts-Leser beschäftigen sich bitte bis Sonntagabend still für sich mit unseren Zertifizierungskursen, danke.

Mit huldvollen Grüßen,
die Prinzessinnenreporter

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Dieser Eintrag wurde am 30. Januar 2016 veröffentlicht. 2 Kommentare

Die neuen Krautreporter, verständlich erklärt

von Prinzessinnenreporter Leo Fischer

Ich habe vor kurzem wieder einen Text von den Krautreportern gelesen.
Da haben Sie aber Glück gehabt! Nachdem der Online-Journalismus gerettet war, wollten die Krautreporter die meisten Texte nämlich hinter einer Paywall verstecken. Aber auch ohne die Wall hat man heute wenig Chancen, auf eine Krautreportage aufmerksam zu werden.

Das war auch gar keine Reportage. Das war eher so ein seltsamer Psycho-Text, wo dieser süße Twink, Rico Grimm, Fragen stellt und sich dann selbst beantwortet. In so einer albernen Babysprache, wie sie auch bei Bento und Vice und den ganzen anderen Kindermedien gepflegt wird.
Ah, ja? Und wie haben Sie diesen Text erlebt? Haben Sie sich einigermaßen gerettet gefühlt?

Ich weiß nicht. Es ging unter anderem um Nazis. Aber halt auch wieder nicht. Denn Rico meint, es gibt gar keine Nazis mehr. Nur links und rechts und Neo-Nazis. Wobei diese Begriffe anscheinend auch bei verschiedenen Menschen Verschiedenes bedeuten. Weil ja alle Menschen auch ganz verschieden sind.
Ähä.

Ja. Er sagt zwar, daß sich der Leser über seinen Text ärgern wird, aber er schreibt alles so ganz vorsichtig, damit er die Leute, die tatsächlich rechte Positionen vertreten, nicht gleich zu Beginn abschreckt.
Das ist ziemlich clever von ihm.

Und dann meint er auch, daß man niemanden mehr Nazi nennen soll, weil die NSDAP ja seit 1945 nicht mehr gewählt werden darf. Und es deshalb auch keine Nazis mehr gibt. Sondern nur mehr Neonazis.
Also nicht einmal die Leute, die in der NSDAP waren und noch leben, darf man so nennen?

Tja, seltsam, oder? Dieser junge Mann scheint sein Weltbild hauptsächlich aus sehr langen WG-Gesprächen zusammmenzusetzen. Mit wirklich ganz verschiedenen Menschen mit ganz verschiedenen Wissenständen und Reflexionsvermögen.
Hm, das klingt jetzt erst mal ziemlich unerfreulich. Sollte ich den Text trotzdem lesen?

Das müssen Sie wissen. Er ist halt auch sehr lang. Ein sogenannter “long read”, wie er jetzt wieder stärker in den Vordergrund treten soll im führenden respektive rettenden Onlinejournalismus.
Hm, ach so. Naja.

Jaja.
Ja, dann freue ich mich, daß man sich mal wieder gesehen hat.

Ja ebenso. Machen Sie’s gut, Sie Nazi!
Nanana, nicht so stürmisch!

Oh sorry! Das müssen Sie jetzt mißverstehen. Bei mir bedeutet Nazi nämlich: Sie liebenswerter Geselle!
Ach so. Bei mir bedeutet Nazi nämlich Twink!

Haha! Das ist ja verrückt. Dabei habe ich meine wilde Twink-Zeit schon hinter mir.
Sehen Sie, genauso wie Rico Grimm die Nazizeit.

So, jetzt muß ich aber wirklich los.
Okay. Wir sehen uns dann im kostenpflichtigen Krautreporter-Kommentarbereich!

Auja! Ich habe mir auch eine wirklich kostspielige Meinung zugelegt. Bis dahin!
Tüdelü!

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Dieser Eintrag wurde am 28. Januar 2016 veröffentlicht. 4 Kommentare

Was Qualitätsleser von Nichtqualitäts-Lesern unterscheidet

Qualitäts-Hoodie für Qualitäts-LeserAnhand der Aufregung um einen angeblichen Toten am Lageso kann man sehr schön den Unterschied zwischen Qualitätslesern und Nichtqualitäts-Lesern erklären. Und deswegen tun wir das jetzt auch:

DIE QUALITÄTSLESER

1. Qualitätsleser wissen, dass guter Journalismus Zeit braucht – denn Fakten sind nicht immer das, was auf Facebook oder Twitter am lautesten herausgeschrien wird.

2. Qualitätsleser wissen auch, dass das Beamen noch nicht erfunden wurde und es deswegen eine gewisse Zeit dauert, bis Journalisten vor Ort sein können. Oder telefonisch alle Fakten eingesammelt haben.

3. Qualitätsleser wissen überdies, dass die Fakten in den irgendwann fertigen, gründlich recherchierten Artikeln nicht notwendigerweise mit ihrem Weltbild übereinstimmen.

4. Das macht ihnen aber nichts aus, weil die Welt eben kompliziert ist.

5. Dafür lieben wir sie.

DIE NICHTQUALITÄTS-LESER

1. Nichtqualitäts-Leser (egal, ob sie politisch links oder rechts sind) erwarten von Zeitungen unverzügliche Berichterstattung (und dass sie genau das schreiben, was sie, die Nichtqualitäts-Leser, lesen wollen, aber das ist eine andere Geschichte.

2. Unverzüglich bedeutet: Fünf Minuten nach Bekanntwerden eines Ereignisses, spätestens.

3. Und da ist es egal, ob sich das Ereignis mitten in einer Einöde ohne Nahverkehrsanbindung abspielt oder in einer Stadt , FÜNF!!!11! MINUTEN!

4. Korrigiere: DREI!!11! MINUTEN, wenn es um ein Thema geht, das dem Nichtqualitäts-Leser am Herzen liegt.

5. Denn, das weiß ja nun jeder, Ereignisse können nur dann als stattgefunden gelten, wenn sie in der Zeitung stehen. Wobei:

6. Es ist allerdings auch nicht auszuschließen, dass Nichtqualitäts-Leser nur deswegen auf schnelle Berichterstattung drängen, weil sie es einfach bloß in den Kommentarspalten nunja, kommentieren wollen. Ausdauernd.

7. Die Quintessenz ihrer Kommentare lautet übrigens immer „Lügenpresse!“.

von Prinzessinnenreporterin Elke Wittich

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Einige notwendige Anmerkungen zum Mord an einer schwedischen Flüchtlingshelferin

In Schweden wurde eine Frau ermordet, und nun wird wieder viel Meinung gehabt. In aller Regel, ohne die Fakten zu kennen. Hier sind sie:

Wer wurde umgebracht?
Die 22jährige Alexandra Mezher (die Namen von volljährigen Opfern und Tätern werden in Schweden veröffentlicht), deren Familie aus dem Libanon stammt.

Von wem wurde sie umgebracht?
Von einem 15-jährigen Jungen (dessen Name, siehe oben, nicht genannt wird, weil er noch nicht erwachsen ist).

Wo wurde das Opfer umgebracht?
In einem Heim für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge.

Was führte zu der Tat?
Das ist im Moment noch nicht bekannt, die Mölndaler Kripo ermittelt noch.

War denn niemand da, der dem Opfer helfen konnte?
Nein. Alexandra Mezher hatte Nachtschicht gehabt, im Heim ist nachts üblicherweise nur eine Aufsichtsperson. Ihre Kollegen von der Tagesschicht waren noch nicht anwesend.

Wer hat denn dann die Polizei gerufen?
Die Polizei wurde durch minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, die im Heim wohnen, gerufen.

Und wer hat den Täter überwältigt?
Der Täter wurde durch minderjährige unbegleitete Flüchtlinge entwaffnet und bis zur Ankunft der Polizei festgehalten. Christer Fuxborg, Pressesprecher der Polizei Mölndal, erklärte dazu, die Jugendlichen hätten damit vermutlich noch weitere Opfer verhindert.

von Prinzessinnenreporterin Elke Wittich

Rosa ist hier nur die Krone!

Rosa ist hier nur die Krone!

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Nebensatz der Woche: Felix Stephan, „Die Zeit“

 

 

snapshot2Der Nebensatz-der-Woche-Award wird diesmal für diese ebenso kluge wie schöne Formulierung verliehen. Sie stammt aus dem auch sonst sehr lesenswerten „Zeit“-Beitrag von Felix Stephan mit dem nicht minder schönen Titel „Niemand wird zu schlechtem Journalismus gezwungen“.

 

 

 

 

 

Design by Boris Mayer

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Hinterm Horizont geht’s weiter

Qualitäts-Hoodie für Qualitäts-LeserEine Rezension von Werner J. Patzelts Rezension eines Buchs über Pegida, die unter dem Titel „Vom störrischen Dagegenhalten“ am 5. Januar 2016 in der Sächsischen Zeitung erschienen ist


Von Gastprinzessin de Havilland (Pseudonym)

Werner J. Patzelt beginnt seine Rezension mit der Aussage, dass das Buch „Pegida. Spaziergänge über den Horizont.“ seine Leserschaft spalten werde und für Gegner der Bewegung eine echte Zumutung sei.
Das ist es – ohne Frage. Das ist alleine der Erwerb des Buches schon. Scrollt man auf der Website des Verlages zum hier besprochenen Buch, kommt man an fast schon Klassiker zu nennenden Büchern der sogenannten neuen Rechten vorbei. An Festschriften für Hans-Joachim Arndt, an Klappentexten zu „befreienden Essays“, die da sagen: „Man neige Ereignisse überzubewerten, nur deswegen, weil die Erinnerung relativ frisch ist. Die deutsche Politik ist vom Schuldkult mit dem Dritten Reich bestimmt.“ Oder man sieht einen „Klassiker der modernen Zinskritik“ oder ein „besprechendes Auswahlverzeichnis“ des „modernen Nationalismus“.
Patzelt beginnt dann mit tüchtiger Polemik und seine Rezension damit, sich über die Kritiker der „Bewegung“ zu mokieren. Vielleicht ist das seine Art, mit dem Verlagsprogramm umzugehen, denn eine Erwähnung des Verlagsnamens, des Arnshaugk-Verlags, oder gar eine ISBN findet man nicht.
Dabei findet Patzelt, dass aus dem „bezüglich Pegida höchst kundigen Verfasser“ „wohldurchdachte und wohlformulierte Beschreibungen der Gedanken und Gefühle von seinesgleichen“ (also der Pegida-Anhänger) „nur so strömen“ würden.

Vorwort
Um zunächst etwas über das Vorwort des Buches zu erfahren, muss man in der Rezension ans Ende springen. Michael Beleites wird da zitiert mit seinem Satz, dass es bei Pegida „nicht um ausländerfeindliche Vorurteile, sondern um eine tiefe Vertrauenskrise in die Wahrhaftigkeit von Politik und Medien“ gehe. Patzelt fragt daraufhin, was also nun zu tun sei.
Eine Antwort wäre, dass Vorwort in seiner Gänze zu lesen. Denn die angesprochene tiefe Vertrauenskrise, die ohne ausländerfeindliche Vorurteile auskommt, wird dort näher beschrieben. So beschwert sich Beleites: „Es blieb unwidersprochen, daß jeder, der die D-Mark wiederhaben will, so behandelt wurde wie einer, der Auschwitz wiederhaben will. Es blieb unwidersprochen, daß jeder, der die biologische Rassenvielfalt des Menschen als bewahrungswürdiges Erbe betrachtet, als „Rassist“ gebrandmarkt wurde. Es blieb unwidersprochen, daß Kritiker der parasitären Finanzwirtschaft deswegen als „Faschisten“ diffamiert wurden […]“
Wenn aber nun 2016 das Konzept von Rassen und einer Rassenvielfalt des Menschen im Kulturteil einer deutschen Tageszeitung damit indirekt unwidersprochen bleibt, scheint es ja eigentlich mit Beleites vermuteter Vertrauenskrise von Politik und Medien nicht so weit her zu sein.
Unklar ist sowieso, wohin der Autor des Vorwortes eigentlich will. Eine Leseempfehlung für das nun Folgende abgeben sicher einerseits, aber andererseits scheint er auch eine klare eigene Agenda zu haben.
Unter anderem wünscht er sich eine neue „kleinbäuerliche Siedlungsbewegung“, um die „Selbstversorgungsfähigkeit“ sicherzustellen. Ob die schon längst existierende völkische Siedlungsbewegung seinen Ansprüchen genügt, lässt er freilich offen.
Fast schon beiläufig erscheint der Lapsus des Autors, dass er dem Stammtisch keinen Vorwurf wegen dessen Diskussionen machen will, solange die „Zuwanderungspolitik“ nicht zwischen Flucht und Einwanderung unterscheide. Nur – schon zwei Seiten später würfelt er selbst Asyl und Migration zusammen, indem er behauptet, dass „jede Asylpolitik daran gemessen werden muss, ob sie auch an den Wurzeln der Migrationsursachen ansetzt“.
Mit Szenenapplaus muss das Ende des Vorwortes bedacht werden, denn es kommt freilich nicht ohne „Cui Bono?“-Frage aus. Wem es nütze, dass die Länder in Mittel-Europa mit entwurzelten Menschen „geflutet“ werden, fragt Beleites und bleibt eine Antwort schuldig, eben ganz im klassischen Cui Bono-Stil.  Pegida gefällt ihm jedenfalls, auch weil es keine Aufmärsche von Hooligans seien.  Hennig selbst wird allerdings zehn Seiten später davon schreiben, dass „viele starke junge Männer aus dem Hooligan-Milieu dabei sind“.

Chronik
Der laut Patzelt „analytische Halbdistanzierte“, dessen Frau beim spontanen Mittagsbesuch von Götz Kubitschek und dessen Familie schon mal tief in der Speisekammer kramt, darf nun also Kronzeuge für Patzelts „Neugier, Interesse und Diskurslust“ sein.
Hennigs „positive Gemeinschaftlichkeit“ wird aus seiner Sicht am meisten bedroht, würde man „sich voneinander distanzieren, Aussagen zurücknehmen und sich moderater ausdrücken“ und „trotziger als nötig werden und ohne innere Not wendigkeit noch einen Zacken zulegen“. Pegidas Sprache ist ihm also im Moment genau die richtige, das richtige Maß.
Seltsam erscheint einem als Beobachter des Ganzen, den es laut Patzelt allerdings nicht gibt, dass eben jene Sprache bei Pegida seit Beginn im Jahr 2014 genau das durchmachte: einen ganzen Zacken zugelegt hat und zweifelsohne trotziger geworden ist. Auch Hennig selber macht da kaum Gefangene und ist ganz enthemmt, wenn er zum Beispiel durchgehend von Asylanten spricht oder gar von „lebensechten Asylanten-Darstellern“, wenn er das Protest-Camp im letzten Frühling auf dem Theaterplatz meint. Deren Unterstützer und Gegendemonstranten im Allgemeinen seien allenthalben „linksradikale Aktivisten“ oder „selbsternannte Antifaschisten“, die bei Hennig ihren Antifaschismus schon dann verlieren, wenn sie bei McDonalds einen Latte Macchiato trinken, während er selbst ebenda Kaffee trinkt. Hingegen würden Rufe wie „Die Sau“ und „Hängt sie auf!“ aus der Pegida-Kundgebung freilich nur „Revolutionsromantik“ aus dem Vermittlungsfundus der DDR darstellen: „Revolutionäre Garden gegen rückständige Unmenschen. Keiner nimmt das wir klich ernst.“
Und dann sind da noch diese Karikaturen, die Patzelt übrigens als ironische Zeichnungen von Peter Willweber bezeichnet, die das Buch „bereichern“ würden. Zum Beispiel das Bild eines untersetzten kahlköpfigen ungepflegten Mannes, der, mit drei gewellten Strichen über dem Kopf, als Symbol seiner mangelnden Hygiene, zu einer Frau neben ihm spricht: „Lass mich dein kleiner Refugee sein…“
Diese antwortet, gedacht in einer Sprechblase: „Oh Gott, wenn ichs jetzt nicht mit dem treibe, stehe ich morgen als Nazihexe im Internet.“ Diese Vulgarität setzt sich fort.

Schlussbetrachtung
Wenn Patzelt seine Rezension mit Hennigs Festellungen eines „freudigen Gefühls der positiven Gemeinschaftlichkeit“, in der jeder willkommen ist, „solange er nicht die friedliche Form dieses Protests unterläuft“, schließt, ist er mit diesen Zitaten indes längst nicht beim Ende des Buches angekommen.
Im Gegenteil. War von Beleites biologischer Rassenvielfalt und dem Anklagen, dass Eurokritik behandelt würde wie die Forderung nach neuen Konzentrationslagern, gerade noch die eingangs erwähnte „Vertrauenskrise“ übrig geblieben, erwähnt er aus dem eigentlichen Schlusswort des Buches keine Silbe mehr. Seltsam, wird doch da tatsächlich das erste Mal der Blick des ganz und gar nicht halbdistanzierten Analytikers durchbrochen und Hennigs innere politische Überzeugung, am formalen und ästhetischen Blick auf Pegida festgemacht:
„Spätestens seit Pegida und vor allem seit den überzogenen Reaktionen darauf, kann ich nicht länger glauben, dass es spontane Pogrome in Deutschland je gab. Dass eine Mehrheit des Volkes sich in eine Hetzmeute gegen unterlegene Mitbürger verwandeln konnte, erscheint mir nach der Erfahrung der Friedfertigkeit bei Pegida unglaubhaft. Die Deutschen waren damals wie heute der Spielball der politischen Elite.“
Die „Friedfertigkeit bei Pegida“ also als Begründung, warum Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda ein gelenktes Ereignis von oben waren. Das Cui Bono des Schlusswortes? Wie auch immer, auch das lässt er offen. Doch muss man nur in alten Artikeln der NPD lesen, um diese Logik als alte Logik wiederzufinden. Dort hieß es seinerzeit, dass die „herrschende Politikerkaste viel zu viele Ausländer“ in die Zentrale Aufnahmestelle „stopfte“. Die Bewohner hätten daraufhin „Eingaben geschrieben“, gar eine Bürger-Initiative gegründet, nur die zuständigen Behörden reagierten nicht. Und dann trafen sich eben „Jugendliche, die naturgemäß ungeduldiger sind“ und heute würde nun ein „Schuldkult“ betrieben.
Hennig beschäftigt aber noch mehr: „Wenn dieser Bengel [der Begriff des Rassismus] noch größer werden sollte, muss er unverzüglich im Erziehungsheim abgegeben werden. Andernfalls wird er jedes Zusammenleben auf Erden zunichte oder zur Hölle machen.“ Schade, dass gerade solche lauten Kritiker, wie Beleites und Hennig, nie erklären, was denn nun eigentlich der korrekte Rassismusbegriff sei. Oder wie groß er eigentlich sein darf. Oder ob er überhaupt sein darf.
Dann, nach erfolgter Lobpreisung des Elbtals, also eben jener Stadt in diesem, erfährt man fast nebenbei:
„Der Phantomschmerz der Amputation Ostdeutschlands vom Deutschen Reich ist hier am stärksten zu spüren.“
All das ist Patzelt aber nicht einmal eine Randnotiz wert. Vielmehr ist seine Ankündigung, dass dieses Buch spalten wird und für Pegida-Gegner eine Zumutung sei, nicht an solchen Aussagen festgemacht. Im Gegenteil, weil er Hennigs Buchs für wohldurchdacht und wohlformuliert hält, würde es nicht ins Weltbild der von Patzelt definierten Gegnerschaft passen.
Er selbst jedenfalls scheint seine, immerhin schon zweite Rezension dieses Buches „Vom störrischen Dagegenhalten“ für die Sächsische Zeitung nur geschrieben zu haben, um eben selbst störrisch dagegenzuhalten.  Dagegen, dass die Kritiker und Gegendemonstranten von Pegida nicht weniger oder leiser werden. Fast sein gesamter Text behandelt nicht das Buch Hennigs als solches, sondern die „Gegner der Bewegung“ und deren vermutete Reaktion auf das Pegida-Buch. Patzelt scheint Spaß daran gefunden zu haben, sich an der Kritik „der Bewegung“ abzuarbeiten und dabei selbst unsachlich zu werden. Wenngleich ihm das Buch wirklich gut gefallen haben dürfte, schon in seiner ersten Rezension, die in seinem Blog erschien, war er froh: „Keine meiner damaligen und seitherigen Feststellungen meine ich nach Lektüre dieses Buches revidieren zu müssen.“
Und auch damals war es ihm ein persönliches Anliegen, schon im darauf folgenden Absatz wieder zu warnen, für wen dieses Buch also nicht geeignet ist. Damals gleich noch mit Verweis auf Brechts „Leben des Galilei“. Davor stellt er gar fest: „Doch um meine Einsichten aus diesem Buch soll es hier gar nicht gehen.“ Gleiches gilt offenbar zwei Monate danach ebenso.
Auf eine Einordnung oder zumindest einen Verweis, neben wem Hennig da schreibt, was für, weit über eine sogenannte Halbdistanz hinausgehende, politische Einordnungen man erwarten und lesen darf, auf all das verzichtet Patzelt und sucht sich die beiläufigsten Kalenderblattsprüche aus dem Buch heraus. Es ist eben eine höchst unpolitische Rezension (und dabei zeitgleich die x-te Abrechnung mit seinen Kritikern) eines Politikwissenschaftlers, dessen Blick und Wertung einer Bewegung, also der Pegida, seit Monaten und Aber-Monaten fest in Stein gemeißelt scheint.
Das Buch gibt also einerseits Auskunft darüber, was Patzelt für eine Arbeitsweise an den Tag legt. Wer darüber hinaus wissen will, wie die „neue Rechte“ tickt und was sie mit Pegida zu tun hat, kann sich durch dieses Buch arbeiten. Empfehlen kann man das aber niemandem.

Sebastian Hennig: Pegida. Spaziergänge über den Horizont. Eine Chronik. Mit einem Vorwort von Michael Beleites und Karikaturen von Peter Willweber. ISBN 3-944064-39-9

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Dieser Eintrag wurde am 25. Januar 2016 veröffentlicht. Ein Kommentar

„Puff unter den Talaren“

Screen Shot 2015-10-04 at 7.21.36 PMPR♕-Reporterin Marit Hofmann berichtet von der Demonstration der Organisation Regeka (Regensburger gegen die Katholisierung des Abendlands)

In seinem aktuellen Zwischenbericht über Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen spricht der Sonderermittler Ulrich Weber von mindestens 231 Fällen bis 1992, in denen es zu körperlichen Misshandlungen gekommen sei. Die Dunkelziffer liege deutlich höher. Spätestens seit 2010 ist es auch in Deutschland kein Geheimnis mehr, dass katholische Bedienstete Sexuladelikte in größerem Umfang an ihren Schutzbefohlenen begangen haben. Die Täter wurden größtenteils nicht strafrechtlich verfolgt. Der Bruder des Expapstes und ehemalige Leiter der Domspatzen Georg Ratzinger will vom Missbrauch nichts mitbekommen haben: „Schläge“ seien allerdings „nicht nur bei den Domspatzen, sondern in allen Erziehungsbereichen wie auch in den Familien üblich“ gewesen.

Besorgte Bürger fordern seit Bekanntwerden der neuen Zahlen jeden Montag auf dem Regensburger Marktplatz lautstark Abschiebungen katholischer Pfarrer, die schließlich „alle kriminell“ seien, in den selbsternannten Gotteststaat Vatikanstadt. Auf Transparenten der Organisation Regeka (Regensburger gegen die Katholisierung des Abendlands) ist zu lesen: „Kinderschutz statt Kirchenschmutz“, „Pfaffen, Pfoten weg von unseren Kindern!“, „Puff unter den Talaren“ oder auch „Katholiken stoppen. Wir bleiben Atheisten!“. Deutsche Mütter wollen ihre Kinder nicht mehr taufen lassen oder in den Kommunionsunterricht schicken. Unbestätigten Berichten zufolge soll der Küster des Regensburger Doms unmittelbar nach der Regeka-Demonstration am vergangenen Montag im Weihwasserbecken Spuren von Urin sowie einer  „milchartigen Flüssigkeit“ entdeckt haben.

Warum berichtet außer den Prinzessinnenreportern niemand über diese Bürgeraufstände? Wir tippen mal, dass die Lügenpresse sie totschweigt.

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Na vielen Dank, Quatschverzapferin vom WDR

Screen Shot 2015-10-04 at 7.21.36 PMWe are not amused.
Da retten wir Prinzessinnenreporter unermüdlich den Journalismus vor den Lügenpresse-Schreiern und allen anderen Horden der Finsternis, und dann setzt sich eine WDR-Journalistin in eine niederländische Rundfunk-Diskussion und erklärt auf die Frage, ob sie positiv über Flüchtlinge berichten musste: „Wir sind öffentlich-rechtlicher Rundfunk und darum angehalten, das Problem in einer mehr positiven Art anzugehen. Das beginnt mit der Willkommenskultur von Merkel bis zu dem Augenblick, als die Stimmung kippte und es mehr kritische Stimmen im Rundfunk und auch von der Politik gab.“
Nun ist ihre Entschuldigung, sie habe „unter dem Druck der Live-Situation in der Talkrunde totalen Quatsch verzapft“ so schlecht nicht, denn sie erklärt schließlich, warum Talkshows und Talkshow-ähnliche Sendungen generell unanguckbar sind, nämlich wegen Quatsch verzapfen.

Viel schlimmer als nur ein bisschen „da hat halt mal jemand Unsinn geredet“ ist die Sache aber schon – wie wir an diesem Montag und wahrscheinlich an allen folgenden Montagen bei Pegida und sämtlichen anderen Kundgebungen der besorgten Bürgerdarsteller hören werden. Und wie vielleicht, mit ein bisschen Pech, auch wieder der eine oder andere Journalist oder Fotograf zu spüren bekommen wird.

Wir Prinzessinnenreporter wünschen jedenfalls, dass das Verzapfen totalen Quatsches durch Journalisten künftig unterbleibt, danke.

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Dieser Eintrag wurde am 18. Januar 2016 veröffentlicht. 11 Kommentare

Das Rechtsstaatsdekret

von unserer Verfassungsschutzbeauftragten Svenna Triebler

Wir haben es zwar an anderer Stelle schon einmal gesagt, aber der Bedarf an Nachhilfe in Sachen Staatsrecht ist offensichtlich ungebrochen. So etwa bei der Berliner Polizei und diesem Herrn:

 

1. Rechtsstaat heißt nicht, daß der Staat recht hat.

2. Rechtsstaat heißt auch nicht, daß die Polizei Hausbewohnern Heizmaterial, Satellitenschüsseln und Kuchen klauen, Räume verwüsten, Anwälten den Zutritt verweigern und sich allgemein aufführen darf wie ein im Türstehermilieu angeheuertes Entmietungskommando.
2.1 So etwas bezeichnet man vielmehr als Polizeistaat.
2.2 Beziehungsweise als rechtsfreien Raum.

3. Rechtsstaat heißt vielmehr, daß die Insassen des Staates diesem gegenüber Rechte haben.
3.1 Und daß dieser sich ebenfalls an seine eigenen Gesetze zu halten hat.

4. Wir suchen immer noch nach einem Staat, auf den diese Beschreibung zutrifft.

5. Hinweis in eigener Sache: Polizeiberichte ungeprüft zu übernehmen verstehen wir nicht als Journalismus im rettenswerten Sinne.
5.1 Als löbliches Gegenbeispiel möchten wir an dieser Stelle das „Neue Deutschland“ erwähnen.

6. Kuchen für alle*!

*Angehörige der Staatsorgane ausgenommen

 

Torte

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