Archiv | März 2016

Aprilscherzfreie Zone

Liebe Qualitätsleser, aus gegebenem Anlass haben wir hier eine aprilscherzfreie Zone eingerichtet, in der Sie sich bei einem sehr entspannenden neunstündigen Eisenbahnvideo vom heutigen allseitigen Lustigsein erholen können. Wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt,
Ihre Prinzessinnenreporter, die letzte Bastion vor den Horden der Finsternis.

 

Update: Da wir von aufmerksamen Qualitätslesern darauf hingewiesen wurden, daß neun Stunden keinen kompletten 1. April ausfüllen, dürfen Sie den Tag hier fortsetzen.

Und hier:

Und hier:

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Zéro tolérance pour Marine Le Pen!

Prinz Kasimir

Von Prinz Kasimir

Lassen Sie sich eigentlich gern auslachen?  Oder beim Schlafen beobachten?  Es ist doch so: Selbst Katzen sind, obwohl sie stets unverschämt gut aussehen, nicht immer in Catwalkform. Auch wir wollen nicht ständig gefilmt oder fotografiert werden, auch wir haben mal einen Bad-Fur-Day,  Grießbreireste am Maul oder einfach nur miese Laune, weil das Rotkehlchen entwischt ist oder uns der dummdreiste junge Kater von gegenüber eine reingehauen hat.

Wenn man mal kurz nicht aufpasst, schlägt schon wieder ein Paparazzi zu

Wenn man mal kurz nicht aufpasst, schlägt schon wieder ein Paparazzi zu

Was wir Katzen aber man meisten hassen: wenn uns ein Exemplar der von der Natur nicht gerade vorteilhaft ausgestatteten Gattung Mensch, nur weil es größer und stärker ist, gegen unseren Willen auf den Arm zerrt und uns festhält, um sich mit uns ablichten zu lassen und so ein wenig von dem würdevollen Glanz der Felidae auf sich abstrahlen zu lassen  (und uns dabei womöglich noch mit albernen Acessoires wie einer Krone oder Weihnachtsmütze versehen!).

So richtig STINKSAUER werde ich, wenn man meine Artgenossen dazu missbraucht, für eine verabscheungswürdige Politik zu werben, so wie es derzeit Marine Le Pen in ihrem neuen Blog tut. Um ihr Image in Richtung sanft und fürsorglich aufzupolieren, zeigt sie sich dort mit niedlichen Kätzchen, denen man allerdings ansieht, wie unangenehm ihnen die Zwangslage in dieser nichtstandesgemäßen Gesellschaft ist. Dass die Frontfrau National, die die Unverfrorenheit besitzt, sich „mère à chats“ zu nennen, ihren Vater nur abserviert hat, weil dessen Dobermann eine „ihrer“ Katzen auf dem Gewissen hat, macht das Ganze nicht besser. Kleiner Tipp an den Dobermann: Das nächste Mal wende dich doch bitte direkt an die „mére à chats“.

Hiermit erlasse ich folgendes Dekret: Das Recht am eigenen Bild gilt fortan selbstverständlich auch für Katzen.

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Dieser Eintrag wurde am 31. März 2016 veröffentlicht. 2 Kommentare

Das Semikolon – einige notwendige Anmerkungen.

Design by Boris Mayer

Design by Boris Mayer

Das Semikolon, von manchen wilden Bergstämmen auch „Strichpunkt“ genannnt, ist die Hummerzange im Besteckkasten der Satzzeichen. Nur wenige haben eine, und von diesen wenigen wissen nur wenige, wie man sie korrekt benutzt. Wie die Hummerzange ist das Semikolon ein Luxusprodukt; man könnte Hummer auch mit gewöhnlicherem Werkzeug verputzen.
Von Gastprinzessin Bernhard Torsch

Sympathisch: Der Strichpunkt ist eine sehr liberale Interpunktion in dem Sinne, als die deutsche Sprache die Verwendung meist nicht vorschreibt, sondern nur nahelegt, oftmals sogar ganz dem Geschmack der Schreiberin überlässt. In fast allen Fällen ist das Semikolon mehr Stilmittel als Notwendigkeit, was aber nicht bedeutet, dass man ganz darauf verzichten sollte.

Will man dem Leser eine Pause zwischen zwei Hauptsätzen nahelegen, aber keine so lange, wie sie ein Punkt darstellen würde, kann das Semikolon diesen Job elegant erledigen. „Sie sank ermattet auf die Chaiselongue; das Opium begann zu wirken“.

Besteht eine inhaltliche Verbindung zwischen den Sätzen, ist das Semikolon sinnvoller als dort, wo diese Verbindung nicht besteht. Sinnvoll: „Er hielt es keinen Tag ohne Eiscreme aus; der Arzt diagnostizierte eine schwere Zuckersucht“. Nicht sinnvoll: „Sie hasste Katzenbabys und Hundwelpen; ihr Flug ging in einer Stunde“.

Zwingender ist der Strichpunkt bei der Aneinanderreihung von Wortgruppen gleicher Wertigkeit, die bereits in sich Kommata haben. „Sie liebte Zigaretten; Schokolade, Torten und Valium; verregnete Frühlingstage, Katzenschnurren und Barschecks“. Sind die Begriffsgruppen beistrichslos, schaltet das Semikolon aber sofort wieder in den antiautoritären Kann-man-muss-man-aber-nicht-unbedingt-Modus. „Seine Hobbys waren: Antiquarische Bücher und Japanologie; Astronomie und Kochen; Dentalhygiene und Softsexfilme“.

Verboten und wenigstens in katholischen Schulen auch körperlich bestraft wird der Gebrauch des Semikolons in Konjunktionen. „Ich würde ihr gerne die Hand küssen; aber das erschiene ihr wohl allzu affig“. Da schüttelt es Prinzen und Prinzessinnen.

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Dieser Eintrag wurde am 29. März 2016 veröffentlicht. 2 Kommentare

Das Wort zum Ostermontag

Glaubt dem Erzbischof gar nichts: Unser Zeremoniemeister Fritz Tietz

Glaubt dem Erzbischof gar nichts: Unser Zeremonienmeister Fritz Tietz

Vom PR-Zeremonienmeister und Autobahnpfarrer i. R. Fritz Tietz

Am Samstag machte ich drei Kreuze! Und pries und dankte Gott! Dass dieser penetrante Frömmler mit seiner redundanten Glaubensinitative endlich durch war. Heiner Koch sein Name. Erzbischof sein Beruf. Von Montag an hatte der Führungskleriker die täglichen Morgenandachten des Deutschlandfunks (DLF) unter dem Obertitel „Mehr als man glaubt – Von der Unmöglichkeit des Menschen ungläubig zu sein“ bestritten. Und ich, der deutschlandfunksüchtig bin, musste sie alle mit anhören. So wie ich mir auch sonst immer die jeden Morgen ab 6.35 Uhr das Frühprogramm durchkreuzenden, knapp fünfminütigen Ansprachen der mal evangelisch, mal katholisch konfessionierten Prediger und Predigerinnen mit anhören muss. Wie gesagt: Ich kann nicht anders. Oder bin einfach nur zu bequem, das Radio in der Andachtzeit auszustellen?

Ich will aber gerne zugeben, dass es, weißgott, nicht nur so religiös aufgepeitschter und im Glaubenstaumel ausgedünsteter Kokolores ist, den die Radiochristen da überwiegend verzapfen. Mitunter erweisen sich die andachtenschiebenden Brüder und Schwestern als recht aufgeweckte Autoren und Autorinnen, die mir schon mit manch geistreichem und seelenerhellendem Beitrag in den Tag halfen. Nie jedoch wirkte sich eine Predigtwoche so abtörnend auf mich aus wie die jenes erzenen Bischofs. Nie zuvor auch schien mir ein Kirchenmann so verbiestert und verbittert rüberzukommen. Als meinte sich hier einer auf dem Zenit seiner klerikalen Karriere noch einmal mit Gewalt einbleuen zu müssen, sein Leben im katholischen Kinderglauben nicht an einen Riesenirrtum vergeudet zu haben; aber hat er das nicht eigentlich?

Und dann noch dieser hanebüchene Vorwurf – ich glaube (sic!), in seiner Donnerstagpredigt -, Gott finde in zahlreichen Medien hierzulande nicht mal mehr an christlichen Feiertagen statt. Und das ausgerechnet von einem, der gerade an sechs Tagen hintereinander ungehindert seinen gläubischen Hokuspokus in einem mindestens deutschlandweit zu empfangenden Radiosender ausbreiten konnte! Ein Sender zumal, der – nicht nur an Sonn- und Feiertagen – in zahlreichen Sendungen das Christentum in Wort und Ritus verbreitet wie nichts Gutes.

Weniger davon!

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Dieser Eintrag wurde am 27. März 2016 veröffentlicht. 2 Kommentare

Die vier Regeln von Kurbjuweits Mitte

von Prinzessin am Rande des Zusammenbruchs Ramona Ambs

Kurbjuweit mal wieder. Immer wieder Kurbjuweit.

Wir sind ja schon seit längerem Kummer von diesem Mann gewohnt. Nicht nur der Journalismus, nein auch die Literatur leidet unter den massiven omnipräsenten Kurbjuerweiterisierungen. Schlimm genug, dass nun seit Jahren Generationen von Schülern mit seinen grottenschlechten Buch Zweier ohne endgültig von der Literatur vertrieben werden, nein, jetzt versetzt er auch noch dem Spiegel den endgültigen Tritt in die Gossenpfütze. Um genau zu sein: in die rechte Mitte der Gossenpfütze. Kurbjuweit erklärt nämlich in seinem neusten Leitartikel mit dem Titel Herzlich Willkommen die AFD zur Partei der Mitte. Seine intellektuell faszinierende Begründung: „ Eine Partei, die in Baden-Würrtemberg 15, und in Sachsen-Anhalt 24 % holt, ist eine Partei der Mitte…“

Das ist niedlich. Und sowas von Kurbjuweit.

Ich dachte immer, es läge an den Parteiprogrammen und Inhalten, wo eine Partei verordnet wird. Aber Kurbjuweit hat eine neue Definition: Wer viele Prozente holt, der is Mitte. Aber sowas von.

Und „die Mitte“ so denkt Kurbjuweit weiter, „sollte grade in Demokratien breit sein“ und es sei doch erfreulich, dass „die AFD wegen der Flüchtlingskrise so viele Bürger zum Wählen mobilisieren konnte“. Ja. Wir freuen uns alle sehr.

Die AFD findet er auch eigentlich ganz lieb. Er unterteilt sie nämlich in Konservative, Entkoppelte und  Hassprediger. Die Letzteren dürfe man natürlich nicht sooo lieb haben, aber mit ein paar einfachen kurbjuweitschen Regeln lässt sich prima mit der AFD politisch flirten. Um genau zu sein, sind es vier Regeln. Aber wenn man die beachtet, steht der Integration der AFD ins Parteiengefüge der BRD nichts im Wege.

Die erste Regel lautet: Fragen. -Das sei subversiv.

Die zweite Regel lautet: Differenzieren. -Vermutlich ist das auch subversiv, aber das schreibt er diesmal nicht dazu.

Die dritte Regel ist etwas komplizierter. Er nennt sie werbende Abgrenzung, hat aber offenbar selbst nicht ganz verstanden, was das sein soll, was jedoch direkt und unverzüglich zur vierten Regel führt: rote Linien malen.

Das ist alles sehr subversiv und wahnsinnig intellektuell findet Kurbjuweit.
Mit seinen vier Regeln wird alles gut.

kubju

Für uns Prinzessinnen ist das nun natürlich noch ein bisschen schwieriger geworden mit der Journalismusrettung. Heute ist also ein schwarzer Tag für uns.
Aber verzagt nicht. Wir geben nicht auf. Morgen ist ein neuer rosa Tag!
Es kann ja eigentlich nur besser werden…

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Dieser Eintrag wurde am 25. März 2016 veröffentlicht. 4 Kommentare

Nebensatz der Woche* – zu Ehren des Unbekannten Redakteurs

Nebensatz der WocheDaß wir in der besten aller möglichen Welten leben, bezweifelt selbst die Physik. Immerhin aber leben wir in einer Welt, die durch das segensreiche Wirken zumeist anonymer Redakteure und Redakteurinnen lesenswerter
wird. Unser Nebensatz-Award geht heute daher an die BBC.

* kein Streß!

 

 

 

 

Design by Boris Mayer

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Max Kruse zur Prinzessin h.c. ernannt

Wir haben ein Herz für Wirre! Prinzessinnenreporter

Wir haben ein Herz für Wirre!
Prinzessinnenreporter

Hiermit ernennen wir Max Kruse zur Prinzessin ehrenhalber.
Zur Begründung:
1. Er weiß königlich zu feiern.
2. Er rettet den Journalismus auf seine Weise. Immerhin hat er dafür gesorgt, dass eine BILD-Journalistin die Welt nicht mit Photos ohne jeden Nachrichtenwert zumüllt.
3. Weil wir es können.

Max Kruse darf sich übrigens natürlich fürderhin „eine der letzten Bastionen gegen die Horden der Finsternis“ nennen. Und das ist viel mehr wert als Nationalspieler sein.

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Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (41)

Wer das liest, lebt länger: Günther Willen mit einem seiner Bestseller

Wer das liest, lebt länger: Günther Willen mit einem seiner Bestseller

Ausgefüllt von Günther Willen

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Günther Willen (Jg. 1954). Mit der „Münsterländischen Tageszeitung“ groß geworden. War freier Werbetexter in Hamburg und fester Redakteur beim Humormagazin „Kowalski“, lebt und arbeitet seit 1994 als Autor und Bibliothekar in Oldenburg i.O. Letzte Buchveröffentlichung: „Füße hoch, das Niveau steigt“ (Heyne 2013).


1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?
Ach, ich konnte mir Namen noch nie gut merken, hatte aber schon immer eine Schwäche für originelle Anzeigen in Zeitschriften oder Zeitungen, und wenn mir eine Werbung besonders gut gefiel oder verblüffte, dann habe ich das Blatt gedreht, um zu schauen, welcher Agenturname da am Rande steht. Die erste Werbung in den Printmedien, die mich begeisterte, war die Jägermeister-Reklame, die von der Düsseldorfer Agentur GGK in den Siebzigern ausklamüsert wurde („Ich trinke Jägermeister, weil …“). Und ich dachte, das will ich auch mal machen, Werbetexter und so.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?
Ganz klar: „Lottozahlen immer blöder!“ – War mal eine balkendicke Schlagzeile in der „Bildzeitung“ auf Seite eins, wahrscheinlich 80er Jahre. Fand ich einfach elektrisierend; hab leider vergessen, welche Gewinnzahlen damals bei 6 aus 49 gezogen worden sind, wahrscheinlich 1, 2, 3, 4, 5, 6 oder so ähnlich. Jedenfalls war „Lottozahlen immer blöder!“ auch der Arbeitstitel meines Buches über Umfragen und wissenschaftliche Studienergebnisse (Ami-Forscher!), wofür ich jahrelang Zeitungsmeldungen gesammelte hatte, doch am Ende trug das Lexikon für alle Lebenslagen den schlichten Titel „Wer das liest, lebt länger“ (Scherz Verlag 2003). Genau.

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?
War noch nie auf einer Pressekonferenz. Ist damit eigentlich Häppchenjournalismus gemeint?

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?
Mit Bezahlschranken oder wenn Magazine plötzlich „Barbara“ heißen.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?
Auf die drei Tenöre: Ross Thomas, Hunter S. Thompson, Horst Tomayer.

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?
Ich ziehe es vor, mir in diesem Fall eine Meinung zu versagen. Und außerdem: Wer schreibt denn noch mit einem Stift?

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?
Es ist offensichtlich: Schreiben (Autor) und Lesen (Bibliothekar) ist genau mein Ding. Aber Zitronenfalter wäre auch ein schöner Beruf.

8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?
Homer Simpson („Das Internet? Gibt’s diesen Blödsinn immer noch?“)

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?
Aufklärerisch wie „The Guardian“, unabhängig wie „Der Postillon“, aktuell wie „Das Altpapier“, sachlich-elegant wie die „NZZ“ und lustig wie „Welt im Spiegel“ (WimS). Kurz: Eine Mischung aus Tiger und Ente. Vorbild für Aufmachung und Layout wäre das tolle Berliner Fanzine „Ich und mein Staubsauger“, das es Mitte bis Ende der 80er gab. Ach ja: Die kostenlose Zeitung würde „Revolverblatt“ heißen.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?
Weiß der Himmel, aber ich tippe auf „konkret“. Hatte erst Gottschalk gelesen, aber dass Thea Gottschalk schreiben können sollte, übersteigt meine Vorstellungskraft. Puh, Glück gehabt.

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Elefantenrunde

Nebenbei auch unser Kommentar zur Wahl  Flickr-Photo: Sadequl Hussain / Passion Images, 2012

Nebenbei auch unser Kommentar zur Wahl
Flickr-Photo: Sadequl Hussain / Passion Images, 2012

Von PR♕-Filmkritikkritiker Fritz Tietz

Lange habe er sich nicht mehr so geekelt wie bei der Elefantenszene des neuen Sacha-Baron-Cohen-Films „Der Spion und sein Bruder“, erklärte der Autor Frédéric Schwilden in einem Beitrag für die „Welt“. Er sei deshalb zusammen mit seiner Begleiterin Julia rausgegangen aus der Pressevorführung, nicht ohne zugleich registrieren zu müssen, wie sich das übrige Publikum mehrheitlich schier ausschütten wollte vor Lachen angesichts dieser für ihn und Julia so unerträglichen Szene. „Ich glaube,“ glaubte Schwilden hinterher, „wer bei so einem Film lacht, kann kein Mensch sein.“

Ich habe den Film auch gesehen. Und gehörte bei der Elefantenszene zu den Lachern. Wie auch meine Julia zu den Lacherinnen gehörte. Ja, sie lachte nicht nur einfach. Sie lachte, bis sie wackelte, und ich dachte, gleich wird sie von ihrem Wackellachen aus dem Kinosessel gerüttelt, und sie rutscht in den Fußraum runter, wo sie dann, hilflos zwischen Popcornresten und leeren Flaschen liegend, weiterhin so doll lachen muss, dass sie nicht wieder hochkommt, und folglich – das erfinde ich jetzt – den ausgerechnet in unserer Reihe sitzenden und aus dem Kino fliehenden Herrn Schwilden und seiner Julia den Fluchtweg versperrte. Ich aber kann ihr vor Lachen nicht beistehen und nicht aufhelfen, so dass Schwilden und seine Julia wieder umdrehen mussten, um ihr Fluchtglück am anderen Ende der Sitzreihe zu versuchen, und so hat meine Julia möglicherweise dafür gesorgt, dass Schwilden in seinem Artikel warnt: „Wer darüber lacht, hat absolut kein ästhetisches Empfinden. Wer darüber lacht, lacht auch über Mario Barth. Der wirkliche Angriff auf die Werte unserer Gesellschaft geht von Menschen aus, die über so was lachen.“

Über so was lachen? Für alle, die besagte Elefantenszene noch nicht kennen: Zu sehen ist darin, wie sich den Grimbsy-Brüdern Nobby und Sebastian auf der Flucht vor irgendwelchen Verfolgern inmitten einer afrikanischen Einöde überraschend die Vagina einer zufällig dort herumstehenden Elefantin als Versteck anbietet. Tatsächlich können sie so ihre Nachsteller austricksen. Als dann aber die Brüder die Elefantenkuh wieder verlassen wollen, passiert’s: Ein sichtlich erregter Elefantenbulle rückt mit seinem elefantös erigierten Glied an und …

Was, um Pimmels willen, denn daran komisch sein soll? Okay, es ist nur der armselige Versuch einer andeutenden Beschreibung von etwas, das man unbedingt gesehen haben sollte. Nur so wird man die Großartigkeit dieser Szene ermessen können. Nur so kann man auch verstehen, warum Menschen dabei so ablachen müssen wie in diesem Clip (ab Minute 2’10“) zu sehen. Nur so kann man schließlich begreifen, dass der Regisseur Louis Leterrier mit der Elefantenszene Filmgeschichte geschrieben hat und sie fortan in einer Reihe stehen wird mit bedeutenden Momenten wie dem die Treppen hinunterrollenden Kinderwagen in „Panzerkreuzer Potemkin“, dem Duschvorhang in Hitchcocks „Psycho“, der in den Pranken King Kongs zappelnden weißen Ann, dem nach Hause telefonierenden ET …

Nur einer hat diese Dimension nicht erkannt. Frédéric Schwilden. Dümmer kann es wohl kaum laufen, wenn sich ausgerechnet ein Totalreporter (Schwildens Twittername) einmal an einer Filmkritik versucht.

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Royaler Tadel für Sachsen-Anhalt

tadel Aus gegebenem Anlass (AfD) erteilen wir Prinzessinnenreporter, die letzte Bastion vor den Horden der Finsternis, einen schweren Tadel an das Bundesland Sachsen-Anhalt, dessen stimmberechtigte Einwohner bis morgen außerdem 100 mal „Wenn Trottelparteien auf dem Stimmzettel stehen, heißt das noch lange nicht, dass ich sie auch wählen muss“ schreiben.
Zusätzlich zu dem schweren Tadel und der Strafarbeit ergeht außerdem ein royales Erdbeerkuchen-Verbot für die Dauer der nächsten Legislaturperiode.

Weitere schwere Tadel gehen nach Rheinland-Pfalz und Baden-Würtemberg.

We are not amused.

Stellvertretend für alle Prinzessinnenreporter: Elke Wittich

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Dieser Eintrag wurde am 13. März 2016 veröffentlicht. Ein Kommentar