Archiv | April 2016

Nebensatz der Woche: Ein Prost auf Lars Fischer

Nicht nur wird dieser Tage das älteste Drogengesetz der Welt (sog. Reinheitsgebot) 500 Jahre alt, es ist auch wieder Zeit für unsere – äh, fast-wöchentliche Verleihung des Nebensatz-der-Woche-Awards. Der geht dieses Mal an Lars Fischer, der sich in diesem Beitrag für Spektrum der Wissenschaft einmal mehr um die Vermittlung der Naturwissenschaften verdient macht. Wir gratulieren!

Nebensatz1

 

 

 

 

 

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Happy Birthday Queen Elizabeth!

queen

hier ein gelungenes Beispiel aus der Rhein Neckar Zeitung. SO geht huldigen!


Happy Birthday dear Queen! 

Wir senden Dir unsere royalsten Grüße in den Buckingham Palast! Und wir begrüßen sehr, dass unsere hiesigen Kollegen von der Printpresse Dir ebenfalls huldigen. Anlässlich dieses Ehrentages bleibt heute das Prinzessinnen-Headquarter (kurz: PR♕HQ) für den Publikumsverkehr geschlossen. Wir essen Torte.
Manierlich.
Deshalb. 

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Dieser Eintrag wurde am 21. April 2016 veröffentlicht. 1 Kommentar

Sex Brüste Sex!

breast

 

 

aus der Reihe: Gastprinzessin Sarah Hinney erklärt Politikern die Welt:
Werter Herr Maas,

Sie haben es geschafft. Sie haben für einen kleinen Moment unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Das ist es doch, was Sie wollten, richtig? Aufmerksamkeit. Anders ist dieser vollkommen unsinnige Gesetzentwurf, zum Verbot von sexistischer Werbung nicht zu erklären. Pardon, Herr Maas, aber da sind Sie mit diesen pinkstinks auf den falschen rosa Zug aufgesprungen.
Wir haben überhaupt kein Problem mit Werbung. Hier oben rechts in der Ecke zum Beispiel, schauen Sie mal, da wäre eine hübsche Schuhwerbung sehr nett anzuschauen. Und wenn die Trägerin der Schuhe dann nicht nur hübsche Beine sondern auch hübsche Brüste hat, dann wäre das eine reizende Zierde für diese wunderbare rosa Prinzessinnenseite. Und es wäre in keinster Weise herabwürdigend sondern überaus ästhetisch.

Es mag durchaus sein, dass es auch sehr geschmacklose und sehr herabwürdigende Werbung gibt. Jene Werbung, die Senioren zu inkontinenten Trotteln degradiert, die mit Ach und Krach in der Lage sind, eine Tiefkühltorte aufzutauen, zum Beispiel. Und jene Werbung, die das pure Mutterglück im Wäschewaschen und der Bevorratung von Schokoladenriegeln sucht, ist auch ganz scheußlich anzuschauen.

Aber das liest sich halt nicht so geil, wie Brüste und Sex. Nicht wahr, Herr Minister?
Brüste, Sex, Brüste, Sex. Brüste. Sex. Brüste, Sex.
Schauen Sie mal, Maas, das können wir auch.
Aber letztendlich ist es wie Ziegenficker sagen. Im Endeffekt doch sehr schlicht. Und insgesamt auch sehr überflüssig. Und auch unglaublich verklemmt.

Merke, Maas: rosa ist nicht gleich rosa und pinkstinks sind keine Prinzessinnen. Und wenn hier einer etwas verbietet, dann sind wir das.

Und wir fordern: Brüste für alle!

Und Sie, Herr Maas, schauen sich jetzt zwecks Abhärtung ein paar Schmuddelheftchen an. Das ist ein Befehl. Und demnächst setzen wir uns dann gerne mal zusammen und machen uns gemeinsam Gedanken darüber, welche Menschen in diesem Land tatsächlich herabgewürdigt werden und was man daran ändern könnte.

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Darum machen uns Katzen im Home Office fauler und zufriedener

Sie können so nicht arbeiten? Gut so! Foto: Prinzessin Ramona

Sie können so nicht arbeiten? Gut so!
Foto: Prinzessin Ramona

Von unserem Gesundheitsexperten Doc Kasimir


Soso, die Wissenschaft (genauer: eine „US-amerikanische Tierklinik“ – Dr. Bob, kommen Sie aus Ihrem Versteck!) hat also festgestellt: „Vierbeiner am Arbeitsplatz“ fördern „die Produktivität der Mitarbeiter und erhöhen außerdem ihre Arbeitsmoral“.

Hierzu stelle ich fest:
Das Wort Vierbeiner ist hiermit allen Zweibeinern als Synonym verboten – zumal dann, wenn damit nur Hunde gemeint sind. Denn welche Katze oder welche schnuckelige Feldmaus würde sich jemals freiwillig in ein tristes Büro voller unbequemer Funktionsmöbel, ungenießbarer Gummipflanzen und unattraktiver Computermäuse mitnehmen lassen, ohne die Tastatur vollzukotzen?


Während Markus Beyer, der Vorsitzende des Bundesverbands Bürohund, erklärt: „Man muss endlich verstehen, dass ein Hund eine wirkungsvolle Maßnahme ist, um psychischer Überlastung am Arbeitsplatz entgegenzuwirken … Langfristig führt ein Bürohund zu einer deutlichen Ertragssteigerung für das Unternehmen“, erkläre ich in meiner Funktion als Vorsitzender des Weltverbands der Couchpotatoe Cats:


Die Nachteile liegen auf dem Hund. Die Mitarbeiter bewegen sich automatisch zu viel, weil Hunde schlecht stillsitzen können, kein Katzenklo benutzen und überhaupt so schrecklich unselbständig sind. Angestellte, die ihrem großzügigen Chef dankbar dafür sind, dass sie ihren begossenen Pudel zur Arbeit mitbringen dürfen, fühlen sich dem Unternehmen, das sie ausbeutet, völlig zu Unrecht verpflichtet und werden unnötig produktiv.


Eine Katze zu Hause sorgt dagegen dafür, dass Sie, egal, ob im Home Office oder im (Redaktions)Büro, nicht zuviel schuften und sich auch nicht gut auf die Arbeit konzentrieren können. Denn Sie wissen genau, es ist nicht irgendein Vorgesetzter, den Sie zufriedenstellen müssen, sondern auf Ihrem gemütlichen Sofa wartet ein vollkommen ausgehungerter Kater ganz schrecklich sehnsüchtig auf Sie. Zur Belohnung dürfen Sie sich nach der Fütterung an uns ein Beispiel nehmen: Katzen schlafen bis zu 16 Stunden pro Tag.

In diesem Sinne wünsche ich meinen Leserinnen und Lesern einen baldigen Feierabend.

 

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Dieser Eintrag wurde am 18. April 2016 veröffentlicht. 3 Kommentare

Frei.Wild mag nicht hässlicher als Pur sein

Ruhrbaron Stefan Laurin

Ruhrbaron Stefan Laurin

Das Blog Ruhrbarone wurde von der Band Frei.Wild abgemahnt. Prinzessin Elke Wittich hat Ruhrbaron Stefan Laurin exklusiv für die Prinzessinnnenreporter interviewt.


Elke: Was ist denn nun genau passiert?


Stefan: In einem Artikel über den Echo auf den Ruhrbaronen habe ich Frei.Wild als Drecksband bezeichnet, sie als hässlicher als Pur beschrieben und ihre Fans Spacken genannt, was eine Umschreibung für Trottel ist. Daraufhin wurden wir von Frei.Wild, also genau genommen der „Frei.Wild GbR Burger Forer Gargitter Notdurfter“ über eine Münchener Kanzlei abgemahnt.


Elke: Und warum unterzeichnet Ihr nicht einfach die Unterlassungserklärung?


Stefan: Weil wir der Ansicht sind, dass diese Aussagen durch das Recht auf Freie Meinungsäusserung gedeckt sind und gerade Frei.Wild ja auch nicht zimperlich ist und in einem Stück seine Kritiker in die Nähe von „Vollidioten“ stellt.


Elke: Was droht euch nun?


Stefan: Wir haben den Anwälten von Frei.Wild mitgeteilt, dass wir die Unterlassungserklärung nicht unterschreiben werden und gehen davon aus dass sie jetzt wie angekündigt gegen uns klagen werden. Wir gehen davon aus, dass wir gute Chancen haben, das Gericht von unserem Standpunkt zu überzeugen.


Elke: Wie kann geholfen werden?


Stefan: Das ganze Verfahren wird teuer, und wer uns helfen will, kann das am besten mit Geld tun, denn so ein Verfahren übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten. Die Ruhrbarone sind ein Hobby, hinter uns steht kein Verlag mit einer Rechtsabteilung. Wir werden die Spenden nur für das Verfahren verwenden, und wenn was übrig bleibt, leiten wir es zu gleichen Teilen an das Netzwerk Recherche, Correct!v und die Amadeu Antonio Stiftung weiter.

Spenden unter dem Stichwort „Frei.Wild“ an das Konto: Ruhrbarone IBAN: DE85 4245 0040 0071 0137 26

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Dieser Eintrag wurde am 15. April 2016 veröffentlicht. 1 Kommentar

Another Prick And His Wall

w1Von unserem Pop-Beauftragten Bernhard Torsch

Wenn man schon ein Abo bei einem Streaming-Dienst hat, will man das auch ausreizen, und so kam ich nun dazu, den Konzertfilm „Roger Waters: The Wall“ zu sehen. Der will mehr sein als nur halbwegs kompetentes Abfilmen von Waters‘ Tour zwischen 2010 und 2013, nämlich irgendwie auch Kunst, bisserl Biopic und natürlich politisches Statement. Ist ja von Roger Waters, dem größenwahnsinnigsten aller Musikanten, gegen dessen Megalomanie selbst die ägyptischen Pharaonen wie bescheidene Bauern wirken.

Hier ist alles so groß, dass der Küchenpsychologe in mir murmelt: „Der Waters hat sicher voll den kleinen Schwanz.“ Die Auftrittsorte: riesengroß. Die Bühne: irrwitzig groß. Die Pyrotechnik: gigantisch groß (hier wird an einem Abend mehr verfeuert als von allen Chinesen im ganzen Jahr). Die auf der Bühne gebaute Mauer: die größte aller jemals auf Bühnen gebauten Mauern. Ich sehe Roger Waters vor mir wie er mit seine Technikern über den Plänen hockt und immerzu drängt: „Größer! Das muss doch noch größer gehen!“

Ich gebe zu: Das ist alles sehr hübsch anzusehen. Wenn man Ästhetik mag, wie sie Riefenstahl und Eisenstein inszeniert hätten, hätte es die technischen Möglichkeiten damals schon gegeben. Da strahlen Scheinwerfer und Laser Lichtdome in den Himmel, da wird die knapp 100 Meter lange Bühnenmauer zu einer einzigen Leinwand voller flashiger Lichteffekte und Videospinnereien, da rasen nachgebaute Weltkriegsflugzeuge über das Publikum hinweg, da schwebt ein (natürlich riesengroßes) Schwein über den Zuseherinnen, da wird ’ne fucking Mauer aufgebaut und dann gesprengt, kurz: Da geht es showtechnisch so dermaßen heftig ab, dass selbst der abgebrühteste Acidhead nicht anders kann als leise „wow“ zu murmeln. Überwältigungsbudenzauber vom Feinsten. Die Absicht: Das Publikum und der DVD-Gucker soll sich ein bisschen so fühlen wie die Nazis in Nürnberg. Natürlich nicht beim Prozess, sondern beim Parteitag.

Waters tritt bei einigen Songs als Faschistenführer auf. Das ist sicher irgendwie kritisch gemeint, aber er fühlt sich ein bisserl sehr wohl in der Rolle, gibt den Ober-Fascho ein Spur zu überzeugend. Klar, er spielt das nur. Ist ja nur Showbusiness. Aber ihm scheint es zu gefallen. So wie dem Publikum, das brav den Faschistengruß mit den gekreuzten Armen nachmacht. Es gibt auch eine Art Rahmenhandlung zum Konzertfilm. Bei der geht es darum, wie Roger Waters im Rolls Royce durch Europa gurkt, um die Gräber seines Großvaters und seines Vaters zu besuchen. Kriegsgräber, denn beide hatten das Pech, als Soldaten jung zu sterben. Der Musikant tut auf den Soldatenfriedhöfen so, als würde er heulen. Er verpflichtet auch seine drei Söhne und seine Tochter dazu, betroffen an den Gräbern zu stehen. Alles sehr kalkuliert, wie man es von Waters kennt. Der Mann mag keine Spontanität.

Was hat der Kerl doch für Daddy-Issues! Seit 1979 singt er fast über nichts anderes mehr als über seinen Vater, den er nie gekannt hat. Vater im Krieg kaputt, also Krieg scheiße. Und zwar jeder Krieg. Kapitalismus ist irgendwie auch nicht gut, weil da ja doch wieder nur Krieg bei rauskommt. Eine überzeugende Weltanschauung – für Zwölfjährige. Wer die mit 70 vertritt, ist entweder doof oder ein zynischer Arsch. Waters ist nicht doof.

Männer verzehrende Vaginen und Davidsterne neben Hakenkreuzen
Und dann das Frauenbild! Du liebe Güte, dieses Frauenbild! Frauen sind in „The Wall“ entweder unterdrückende Mütter oder bösartige Schlangen, die den sensiblen Künstler vernichten wollen. Wie schon in Alan Parkers Verfilmung sehen wir auch hier wieder die ekelhaften Cartoons des Antisemiten Gerald Scarfe, der aus Frauen Monster macht, die nur aus Beinen, Augen und Vaginen bestehen. Männer verzehrende Vaginen. Die Darstellung passt aber zu der Rolle, die Frauen in Waters‘ Texten spielen. Treuelose, irgendwie angsteinflößende Wesen. Verlassen beispielsweise ihre armen Männer, nur weil die psychotische Schlägertypen sind. Verstehe einer das Weibsvolk.

Apropos Antisemitismus: Zwar konnte ich auf dem großen schwebenden Schwein keinen Davidstern ausmachen, wie es bei einigen Aufführungen der Fall gewesen sein soll, aber in einer Zeichentrick-Sequenz werfen Bomberstaffeln Dollarzeichen, Hakenkreuze, Hammer & Sichel, Konzernlogos und – Davidsterne ab. Der Zionismus in einer Reihe neben Nazismus und Stalinismus. Alles eine Soße und alles voll schlimm. Das ist massentauglich, da ist für jeden was dabei. Damit wird man reicher als viele von Waters so verachtete Kapitalisten und kann dann im Rolls über die Ungerechtigkeit der Welt sinnieren.

Der Über-Gassenhauer von „The Wall“ ist natürlich „Another Brick In The Wall, Part II“. Entsprechend geht das Publikum voll ab zu den regressiven Zeilen, die davon handeln, dass man keine Bildung nicht brauche. Zum pseudoantiautoritären Schlager lässt Roger Waters bestens abgerichtete Kinderlein streng choreografierte Tänze aufführen. Ist das eine Metaebene? Kunst? Ich weiß es nicht, ich hab keine Ahnung von Kunst. Ein bisschen Ahnung hab ich von Sachen wie Narzissmus, und Waters ist sich nicht zu blöd, den schwer zu erreichenden Narzissmus-Weltrekord aufzustellen, indem er ein Duett mit sich selber singt. Er lässt ein Video von einem alten Konzert einspielen und beklagt sich zusammen mit seinem jüngeren Ich über seine Mutter. Freudian shit ahoi.

Schüsse ins Publikum
Was Waters von denen hält, die ihn reich gemacht haben, zeigt eine Sequenz, in der er mit einem Sturmgewehr ins Publikum ballert. Klar, das Ding ist nur mit Platzpatronen geladen, aber es wirkt dennoch wie eine bedenkliche Eskalation jener Tournee von 1977, als Waters die Fans von der Bühne aus anspuckte. Fantasien hat der Mann!

In der das Konzert einrahmenden „Doku“ gibt es eine Szene, in der ein jüdischer Freund Waters davon erzählt, wie die Nazis und ihre Kollaborateure in Budapest wüteten. Der Rockstar stiert betroffen in seinen Drink. Denkt er nach? Oder überlegt er sich bloß, wie er das in sein selbstmitleidiges Sonnensystem mit dem Zentralgestirn Roger Waters einbauen kann?

Immerhin: Musikalisch ist das alles ganz erträglich. Waters kann inzwischen halbwegs akzeptabel Bass spielen, singt sogar weniger scheiße als in den 70ern, und die Begleitmusiker sind ohnehin die besten, die man für Geld engagieren kann. Und Waters hat einige wirklich gute Songs geschrieben. „Comfortably Numb“ zum Beispiel. Nein, Moment, das stammt von David Gilmour. Aber „Us And Them“ ist super. Ach Mist, das hat der Rick Wright geschrieben. Jetzt hab ich´s: „Astronomy Domine“! Nein, wieder nix, das schrieb Syd Barrett. Nun ja, sagen wir es so: Roger Waters kann gut mit Worten umgehen, ist sehr geschäftstüchtig und hat ein großes Selbstvertrauen. Ein netter Mensch und großartiger Songwriter ist er nicht.

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Dieser Eintrag wurde am 14. April 2016 veröffentlicht. 1 Kommentar

Schmutz total

Rosa ist hier nur die Krone!

Rosa ist hier nur die Krone!

Gastprinzessin Christian Y. Schmidt über eine mehr als 20 Jahre zurückliegende Schmähkritik in der Titanic und die Folgen.

„In dieser Form ist Schmähkritik – soweit ersichtlich – jedenfalls (noch) nicht vorgetragen worden.“

Schreibt der Verfassungsblog, und hat keine Ahnung. Zwar nicht in genau derselben Form, aber so ähnlich ist schon vor mehr als 20 Jahren Schmähkritik vorgetragen worden, und zwar von mir selbst in der Titanic vom Mai 1993. Im Heft davor hatten wir den damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm auf dem Titel in die Barschel-Wanne gelegt, und darunter geschrieben „Sehr lustig, Herr Engholm.“ Engholm hatte daraufhin eine Pressekonferenz einberufen, und behauptet, dieser harmlose Titel sei „Schmutz total“; er würde dagegen klagen.

Als Engholm sich mit dieser Klage Zeit liess, entschied sich die Redaktion dazu, Engholm einmal zu zeigen, wie wirklich schlimmer, totaler Schmutz aussehen könnte. Ich demonstrierte das dann anhand einiger Fotokollagen ( die Achim Greser montierte). Unter anderem trat Engholm hier als Long Dong Silver auf (untenrum nackt mit extrem langer Rute) und als Polizeichef von Saigon, der gerade einen Vietcong abknallt. Beschriftet wurde das ganze mit einem Text, der sinngemäß erklärte: „Wenn wir wirklich Schmutz total hätten bringen wollen, hätte das so ausgesehen. Haben wir aber nicht.“

Das war in etwa der Dreh, den sich jetzt auch Böhmermann zu eigen gemacht hat. Dieser „Schmutz total“-Beitrag – und nicht wie vielfach geglaubt, der Badewannentitel, der einfach nur verboten wurde – hat die Titanic 40.000 DM Schmerzensgeld für Engholm gekostet. Das höchste Schmerzensgeld, das für eine Pressebeleidigung bis dato gezahlt wurde. Ausserdem fielen nicht wenige Gerichtskosten an. Der Titanic-Verlag behauptet, damals insgesamt 192.000 DM bezahlt zu haben. Wegen dieser Geschichte hat mich Verleger Weihönig damals jahrelang geschnitten.

Der Verfassungsblog weiss das natürlich nicht, weil es damals praktisch noch kein Internet gab, und der Fall nicht zu googeln ist. Und wie man weiss, gibt es vor dem Internet und Google praktisch keine Geschichte.

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Dieser Eintrag wurde am 13. April 2016 veröffentlicht. 3 Kommentare

Diese acht Jogging-Regeln werden euer Leben für immer verändern

 

Gutes Schuhwerk ist das A und O beim Joggen. Es ist förderlich, wenn die Schuhe gut am Fuß sitzen und bequem sind. Viel wichtiger ist aber natürlich, dass sie gut aussehen. Auch in Sachen Accessoires ist jede Menge Spielraum. Überrascht doch einmal eure Mitläufer in dem ihr euch statt der Pulsuhr ums Handgelenk ein Einhorn um den Knöchel bindet

Gutes Schuhwerk ist das A und O beim Joggen. Es ist förderlich, wenn die Schuhe gut am Fuß sitzen und bequem sind. Viel wichtiger ist aber natürlich, dass sie gut aussehen. Auch in Sachen Accessoires ist jede Menge Spielraum. Überrascht doch einmal eure Mitläufer, indem ihr euch statt der Pulsuhr ums Handgelenk ein Einhorn um den Knöchel bindet

Acht Regeln zum Wohle der Allgemeinheit und zur Rettung der Würde sämtlicher Sport treibenden Großstadtbewohner. Von Gastprinzessin Sarah Hinney

Die Sonne scheint, die Erbeerpflänzchen sprießen. Das ist alles ganz wunderbar. Leider ist der Frühling auch jene Zeit, in der sehr viele Menschen, vor allem in dicht besiedelten Stadtgebieten, das dringende Bedürfnis verspüren, mal wieder kräftig Sport zu treiben. Man joggt. Man joggt morgens, wenn andere Menschen zum Bäcker schlurfen, man joggt mittags, wenn andere Menschen sitzend Kaffee trinken und man joggt besonders gern besonders demonstrativ am frühen Abend, wenn viele Menschen erschöpft in der Sonne sitzen, einen Erdbeersekt trinken und ihren Feierabend genießen. Ich bin sehr tolerant. Ich finde, jeder darf joggen, wann und wo er möchte. Aber es ist Zeit, Regeln für joggende Menschen festzulegen. Zum Wohle der Allgemeinheit und zur Rettung der Würde sämtlicher Sport treibenden Großstadtbewohner.
Die folgenden Regeln acht Regeln gelten ab sofort. Verstöße werden nicht geduldet.

Regel Nummer 1
Liebe Männer, bitte schnauft nicht so laut. Das macht den meisten Menschen Angst. Kinder könnten sich derart fürchten, dass sie vor Schreck auf die Straße hüpfen. Frauen könnten das Schnaufen mit Lüsternheit verwechseln. Das kann zu groben Missverständnissen führen. Wenn ihr dann noch im Solarium gewesen seid und euch deshalb südländisches Aussehen attestiert wird – dann haben wir den Salat.


Regel Nummer 2
Bitte fletscht nicht die Zähne. Das sieht sehr hässlich aus. Nicht nur bei Oliver Kahn.
Für Frauen gilt: Bitte nicht die Stirn verkrampft in Falten runzeln. Setzt Prioritäten. Was seht ihr öfter? Euren straff gejoggten Hintern oder euer faltig gejoggte Gesicht? Eben.

Regel Nummer 3
Es gibt sehr hübsche Anziehsachen zum Sporttreiben. Grundsätzlich empfehle ich rosa. Leider hat sich in den vergangenen Wochen neon-pink durchgesetzt. Das ist akzeptabel, aber nur unter unbedingter Beachtung von Regel Nummer 4.

Regel Nummer 4
Bitte achtet auf eure Gesichtsfarbe. Dieses angestrengte und meist fleckige Rot beißt sich ganz hässlich mit euren neon-pinkfarbenen Shirts. Das ist inakzeptabel.

Regel Nummer 5
Kein Weichspüler. Nie mehr. Hände weg vom Weichspüler. Schweiß riecht. Ja. Aber das ist nicht schlimm. Schlimm riecht die Kombination aus Schweiß und Weichspüler.

Regel Nummer 6
Atmet entgegenkommende Menschen nicht an, pustet sie nicht an – auch nicht ins Genick -, schnauft sie nicht an (siehe auch Punkt 1.) Tut das niemals. Auch und gerade dann nicht, wenn ihr gerade Melonenkaugummi kaut.

Regel Nummer 7
Lächelt! Immer. Dieser irre, verkrampft-verzweifelte Blick ist einfach fürchterlich albern, wenn man entspannt an einem sonnigen Flussufer entlang trabt. Und er macht allen anderen Menschen, die beispielsweise gerade Erdbeerkuchen essen, unglaublich schlechte Laune.


Und jetzt die wichtigste Regel Nummer 8
Hört auf zu überholen. Alle. Sofort. Wenn eine Dame vor euch joggt und ihr merkt, dass ihr schneller seid, dann lauft langsamer, biegt ab, kehrt um, trabt auf der Stelle oder macht hübsche Dehnübungen von mir aus, rennt auch rückwärts.
Aber rennt nicht einfach vorbei. Das ist nämlich sehr, sehr unhöflich.

PS: Und Körperflüssigkeiten wie Spucke oder Rotz bleiben beim Joggen bitte grundsätzlich im Körper.

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Dieser Eintrag wurde am 12. April 2016 veröffentlicht. 1 Kommentar

Die royale Kotti-Reportage

Kotti (Beipielbild)

Kotti (Beipielbild)

Wilder, rätselhafter Kotti – eine Nachspür-Reportage von 36-Prinzessin Elke Wittich

Rund um den Kotti stehen Häuser. Manche sind schön, manche sind nicht so schön, und ein paar sind gar nicht schön. Drinnen wohnen Menschen. Manche haben Gardinen vor den Fenstern und manche Satellitenschüsseln.
Draußen laufen Menschen herum. Manche sind nett, manche sind nicht so nett, und ein paar sind gar nicht nett.
Ein Gänseblümchen lugt schüchtern durch eine Gehsteigritze – was mag diese unschuldige Blume schon alles gesehen haben? Also jetzt außer Wuffi, dem in Nappaleder gehüllten Zwergmops von Immobilienmaklerin Karwunke, beziehungsweise dessen gehobenem Beinchen?
Wir werden es nie erfahren.
Wilder, rätselhafter Kotti.
Es dämmert. In manchen Wohnungen wird das Licht eingeschaltet. In manchen bleibt es dunkel. Und in einigen kündet bläulich-fahle Illumination davon, dass jetzt der Fernseher läuft.
Was schauen diese Menschen sich gerade an? Illegal aus dem Internet besorgte Filme, Gewaltpornos gar?
Wir werden es nie erfahren.
Wilder, rätselhafter Kotti.
Es ist dunkel. Journalisten stehen auf dem Kotti herum. Manche werden Stuss schreiben, manche großen Stuss und einige ganz großen Stuss.
Das Gänseblümchen ist schlafen gegangen. Wuffi hebt zum letzten Mal an diesem Tag sein Beinchen. Das Gänseblümchen zuckt nicht einmal mit seinen winzigen Blättchen.
Ihm doch egal.
Wilder, rätselhafter Kotti.

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Die Korrekturen der Lust und das Fremde

PRgeb2von Buchstabenprinzessin Ramona Ambs

Die deutsche Sprache ist eine reiche und schöne Sprache. Es gibt Wörter, die klingen so schön, dass man sofort auf die Knie fallen möchte und ihnen ein Huldigungsgedicht vortragen will. (Durchlauferhitzer wäre so ein Wort. Hinreißend ist es! Anbetungswürdig! Wahr! Grandios, ehrlich und unvergleichlich!)
– Allerdings ist die deutsche Sprache voll von absurden Regelungen, auf die die Deutschen sonderbarerweise sehr stolz sind. Selbst Leute, die sich sonst gern anarchisch geben, werden bei Orthographie zu Regelfetischisten (was ich kürzlich schon ausführte). So gibt es allerorten Genitiv-Nerds, Komma-Fuzzis und Grammatik-Anbeter, die zwar jede Abweichung von der Norm in einem Text bemerken, und in einem spontanen Anfall, der einem intellektuellen Orgasmus nahe kommt, innerlich den Penis- äh nee, pardon, ich meinte natürlich – den Rotstift spitzen und alles dick, fett und tiefrot unterstreichen und es dann hernach lautstark nach außen zu verurteilen. Andererseits haben eben diese oft keinerlei Gefühl für Rhythmus und Melodie eines Textes oder die Schönheit eines einzelnen neuen Wortes. Sie mögen keine Füllwörter und sie mögen keine Abkürzungen. Sie bestehen auf komplizierte Satzkonstruktionen, die dafür sorgen, dass der Plebs draußen bleibt. Echt deutsch halt.

Und sie haben hierzulande eine lange Tradition. Der Totengesang auf die deutsche Sprache durchzieht die Geschichte der akademischen Eliten:
Schon Schopenhauer wettere: „Der hohe Werth des Studiums der alten Sprachen beruht zu Theil darauf, daß wir lernen vor Grammatik und Lexikon Respekt zu haben: wäre es mit Ersterem bei den meisten unserer Sprachverbesserer nicht so elend bestellt; so würden sie nicht so freche Eingriffe in die Regeln und Wörter der Deutschen Sprache thun. – Ohne eine Ahndung davon, daß das Treffende, Bezeichnende, Genaue des Ausdrucks es ist, worauf es ankommt, sind sie bloß bemüht, Silben und Buchstaben abzuzählen, bereit, sich in allen Fällen mit dem à peu pres zu contentiren und dem Leser Einiges zu errathen übrig zu lassen, wenn es nur ein Paar Buchstaben weniger giebt. Dahin geht all ihr Denken und Trachten, und jeder Sudler legt, ohne Umstände, seine Tatzen an, die deutsche Sprache zu verbessern. – Was würde aus der Lateinischen, was aus der Griechischen Sprache geworden seyn, wenn Griechen und Römer sich einer solchen niederträchtigen Buchstabenzählerei ergeben hätten?“ und weiter führt er aus: „Das Schlimmste an der Sache ist, daß allgemach eine junge Generation heranwächst, welche, da sie stets nur das neueste liest, schon kein anderes Deutsch mehr kennt als diesen verrenkten Jargon des impotenten Zeitalters, welches sich ein Gewerbe daraus macht, die deutsche Sprache zu demolieren.

„An deiner Sprache, Deutscher, halte fest!
Weh dem, der diesen Schatz sich stehlen läßt:
Wer erst beginnt, das reine Wort zu fälschen,
Dem kann gar bald auch Kopf und Herz verwälschen.“
warnte auch Otto von Leixner. Das galt allerdings nur für Männer, denn Frauen waren, seiner Meinung nach, ohnehin nicht zu differenzierten guten Gedanken fähig:

„Unter den modernen Weibern greift der Geist der Vaterlandslosigkeit immer mehr um sich.(…) Es ist nöthig, die deutsche Frau auch in den Dienst des deutschen Gedankens zu stellen. Diesem aber widerspricht (…) die politische Streberei der Weiberrechtlerinnen!“

Friedrich Ludwig Jahn, der olle Turnvater, der aus Gründen . ! . kein Abitur machte, dafür aber ein Studium ohne Abschluss, sagte: “Ein Volk, das seine eigene Sprache verlernt,gibt sein Stimmrecht in der Menschheit auf und ist zur stummen Rolle auf der Völkerbühne verwiesen.“ und weiter: „Unglückliches Deutschland! Die Verachtung deiner Muttersprache hat sich fürchterlich gerächt. Du warst schon länger dir unwissend durch eine fremde Sprache besiegt, durch Fremdsucht ohnmächtig, durch Götzendienst des Auslandes entwürdigt. Nie hätte dein Überwinder so vielfach in einem andern Lande gesiegt, wo die Vergötterung seiner Sprache nicht mitgefochten […] Diese Sprache hat deine Männer betört, deine Jünglinge verführt, deine Weiber entehrt. – – – Deutsche, fühlt wieder mit männlichem Hochsinn den Wert eurer edeln lebendigen Sprache, schöpft aus ihrem nieversiegenden Urborn, grabet die alten Quellen auf, und lasset Lutetiens stehende Lache in Ruhe!
Und last: der wagemutige Richard Wagner sah die Sprache ebenfalls massiv bedroht: „Selbst seine Sprache, dieses einzige heilige, durch die größten Geister ihm mühsam erhaltene und neugeschenkte Erbe seines Stammes, sieht der Deutsche stumpfsinnig dem Verderbnisse preisgegeben.“
Man könnte diese Reihe beliebig und endlos fortsetzen… aber es gibt ja auch eine Gegenwart.

Die neuen Totensänger kommen natürlich viel gediegener daher als ihre Vorgänger. Sie sprechen allerdings ein deutsch, das man damals vermutlich als echt hammer-mega-krass-unterirdisch kategorisiert hätte. YOLO. Das hält sie natürlich nicht ab, an diesen alten deutschen Traditionen festzuhalten.
Uwe Hinrichs beispielsweise , hat nun in der Zeit Nr. 16 einen Artikel (Die deutsche Sprache wirft Ballast ab) verfasst, in dem er den Niedergang der Sprache unter anderem an den Migranten- und der „Multikulti-Schikeria“ festmacht: „den Sprachehütern gegenüber steht eine Multikulti-Schickeria, die jede Sprachmischung erst mal pauschal verherrlicht, aber oft naiv-romantisch daherkommt.“ Das heißt soviel wie: Die Romantischen sind unser Unglück. Sprachlich betrachtet jedenfalls. Sie befördern zumindest die sprachlichen Parallelwelten. Und denen hängt ja immer was Verruchtes an. Von der Parallelwelt zur Unterwelt ist es bekanntlich nur ein kleiner Schritt. -Sage keiner, er sei nicht gewarnt worden.
Defacto ist der Artikel übrigens nur eine verkürzte Neuauflage seines Buches MULTIKULTIDEUTSCH von 2013. Darin hatte er ebenfalls schon die vielen Neuzuwanderer als Sprachverderber ausgemacht. Verkürzte Präpositionen, Erosion der Wortendungen, grammatikalischer Umbruch, das Verschwinden und Vermischen von Genitiv, Dativ und Akkusativ und neue Fremdwörter- kurz: Man spricht seiner Ansicht nach immer schlechter deutsch, man vereinfacht und pfeift auf korrekten Satzbau. Schon damals blieb er empirische Beweise- oder wenigstens nachvollziehbare Untersuchungen schuldig. Ist ja auch nicht so wichtig. Wichtig ist nur eine neue Stimme im Chor des Untergangs zu singen. Gewisse Traditionen sind halt wichtig.

Lustigerweise auch denen, die die ursprünglichen Regeln gar nicht (mehr) beherrschen. Kürzlich korrigierte mich ein Mann, als ich zu meinem Begleiter sagte, dass die Straße wohl noch wegen des Regens nass sei. Er hielt mich offenbar für fremd, klopfte mir wohlmeinend auf die Schulter und sagte gaaanz langsam: „Wegen dem Regen ist die Straße nass. Der Regen heisst das. Regen, you know, rain, ist männlich in german!
Ich habe mich übrigens bedankt. Ich wollte mir den Genitiv eh schon lange abgewöhnen…
P.S. Ich halte es übrigens am liebsten mit Molière: Wer so spricht, dass er verstanden wird, spricht immer gut.

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