Chili con Talk

lauri

Chili geht bekanntlich durch den Magen – doch als ich das mir etwas experimentell vorkommende Chili von Ruhrbaron Stefan Laurin sah, wurde mir zugleich warm und mulmig ums Herz und ich fragte mich: Hat das seine Richtigkeit? Als Sachverständiger für Gourmet habe ich sogleich ein Interview mit dem Koch geführt – wohl bekomm’s.
Von Benjamin Weissinger

Herr Laurin, ich saß gerade auf dem Fauteuil und nippte an einem bekömmlichen Avocadoshake, da sah ich, wie Sie ein für mich doch recht ungeheuerliches Food…“Foodporn“, sagt man heute wohl, also Essensbild von einem offenbar sehr speziellen Chili auf Facebook posteten. Ist da etwa Currywurst drin?

Laurin: Nein, ich schneide immer zwei Cabanossi in mein Chili. Auf Curry verzichte ich.

Das machen Sie einfach so, ohne zu fragen, ob man sowas in ein Chili tut, oder wie?

Laurin: Man muss auch ein Chili zeitgemäß interpretieren.

Die Küche als postmodernes Experimentierfeld also. Nun. Dann nehme ich an, dass auch noch andere „seltsame“ Zutaten verwendet wurden? Ich sehe da zum Beispiel Laub im Chili…

Laurin: Was Sie für Laub halten, nennt sich Lorbeer. Es ist eine Gewürzpflanze aus der Familie der Lorbeergewächse. Es macht sich in vielen Gerichten gut.

Soso. Hahja…das wusste ich natürlich. Lordbeerblätter verwende ich auch viel, wenn ich kochen lasse. Und was überrascht dort noch als ungewöhnliches Beiwerk?

Laurin: Thymian und Marmelade. In diesem Fall Waldbeeren. Und die Bohnen kommen natürlich nicht aus der Dose, die habe ich gestern Abend in Wasser eingelegt.

Woher kamen denn die Bohnen, wenn nicht aus der Dose? Ich frage für einen Freund.

Laurin: Sie waren getrocknet und in einer Tüte. Ich hab sie dann über Nacht gewässert. Das mache ich mit Erbsen und Linsen auch. Es simuliert eine handwerkliche Tätigkeit. Das Gute ist: Man muss nichts tun.

Und die ziehen dann da Wasser, damit das Chili nass genug ist, nehme ich an.

Laurin: Genau – dann muss man sie nur noch weich kochen. Es macht keine Mühe, fühlt sich aber mehr wie richtiges Kochen an.

Verstehe, verstehe. Marmelade. Sie machen mir Spaß. Das war natürlich nur ein Scherz…

Laurin: Das Gute ist auch: 30 Minuten Arbeit und Portionen für viele Tage. Morgen frier ich den Rest ein. Zur Pommesbude zu gehen ist anstrengender und die Gewissensbisse die ich hätte, wenn ich einen Pizzaboten zu mir in den dritten Stock kommen lassen würde erspare ich mir auch.

Die Pizzaboten machen das gerne. Ich habe schon einige gefragt, die waren doch recht zufrieden mit ihrer Arbeit. Aber wie Sie meinen. Mich würde jetzt der Schärfegrad interessieren. Von 1 für sehr zartbesaitete Prinzessinnen bis 10 für Queen Elizabeth…wie ist das gelagert.

Laurin: Es sind drei Jalapenos drin. 9 – Princess of Wales

Von der Marmelade wohl etwas abgemildert hahaha. Köstlich. Serviert man sowas auch Gästen, und wenn ja, welchen?

Laurin: Ich hab das schon allen möglichen Freunde aufgetischt und den meisten hat es geschmeckt. Einem war es zu scharf, aber der arbeitete auch für die Grünen.

Das soll man ja auch nicht! Jetzt bin ich hungrig und möchte das Interview gerne beenden. Ich muss mich aber zwingen, noch zwei Fragen zu stellen, die mich aber auch interessieren. Also die erste: Was trinkt man dazu. Und jetzt sagen sie nicht „Bier“…

Laurin: Ich habe dazu eine Orangensaftschorle getrunken. 80 Prozent Sprudelwasser, 20 Prozent Saft. Gerolsteiner und Hohes C.

Letzte Frage, bevor ich Sie in Ruhe verdauen lasse (und das scheint mir bei diesem Gericht angezeigt): Ginge das Gericht auch noch mehr in Rosa, und was würden sie da noch hineinmengen?

Laurin: Ich würde da ganz der chemischen Industrie vertrauen und auf Farbstoff setzen. Angenehmer Nebeneffekt: Das schützt dann auch vor Grünen.

Chili mit Walderdbeeren und rosa Farbstoff. Den Prinzessinnen wird’s munden. Herr Laurin, ich danke Ihnen für das Gespräch. Gute Besserung.

Laurin: Ich habe zu danken.

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Dieser Beitrag wurde am 26. April 2016 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 1 Kommentar

Ein Gedanke zu „Chili con Talk

  1. Rosa Farbstoff, was ein Quatsch. Das macht man mit Sahne. Wie das aussieht zeig ich euch, wenn ich das nächte mal Erdbeergulasch mache. 😉
    Hab‘ wieder Probleme mit der Algebra, ich frag‘ mal meinen Junior…

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