Das weiße Rauschen der ARD

Von unserem Greenkeeper René Martens

Wenn man improvisieren muss, kommt nicht immer etwas Gutes dabei heraus, das liegt in der Natur der Sache. Aber für das, was die ARD am Dienstag zu Wege brachte, als ihr zur allerbesten Sendezeit kurzfristig das Programm wegbrach, lässt sich dann doch nicht allzu viel Verständnis aufbringen.

Zeigen wollte der Senderverbund in seinem Ersten Programm eigentlich das DFB-Pokalviertelfinalspiel zwischen den Sportfreunden aus Lotte und der Borussia aus Dortmund, doch eine Stunde vor Beginn der Partie bzw. eine halbe Stunde vor Beginn der Übertragung sagte der Schiedsrichter das Spiel wegen Unbespielbarkeit des Platzes ab. Nun könnte man natürlich denken, dass sie im Ersten Programm für Notfälle etwas in petto haben. Hatten sie aber offenbar nicht, jedenfalls nicht so schnell.

Man ließ dann statt dessen die Übertragung mit Moderator Alexander Bommes aus Lotte beginnen, obwohl es von dort nichts zu übertragen gab, und sendete 50 Minuten lang ein großes Nichts. Zunächst palaverten mehr als eine Viertelstunde lang vier auf dem Rasen stehende bzw. klebende (Mehmet Scholl: „Ich stecke fest“) Menschen darüber, warum genau der Rasen nicht bespielbar war. Schiedsrichter Felix Brych durfte dann an einer weiteren Interviewstation noch zweimal sagen, die Vereine hätten seine Entscheidung „voll mitgetragen“. Dazu auf der Bildebene immer wieder eingestreute Schneefall-vor-Flutlicht-Impressionen. Es folgte ein auf 25 Minuten aufgeblähter Zusammenschnitt des öden ersten Viertelfinalspiels des Abends, aber auch danach war Bommes, die arme Sau, noch nicht erlöst, unter anderem die Information, dass Lotte noch den Westfalen-Pokal gewinnen konnte, musste er in seiner Not noch unters Prime-Time-Publikum bringen, bis dann wenige Minuten nach 21 Uhr ein „Tatort“ von 2008 startete – offenbar hatte irgendein ARD-Mitarbeiter die DVD des Films „Blinder Glaube“ unter einer leeren Pizzaschachtel entdeckt.

Wenn schon der Ausfall eines Fußballspiels die ARD derart in Verlegenheit bringt: Wie wird sie sich dann in ernsteren Ernstfällen verhalten?

Der Text erschien zuerst im Rahmen der Altpapier-Kolumne des Autors.

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Dieser Beitrag wurde am 2. März 2017 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar

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