DEADLINERS (Folge 1)

Die Prinzessinnenreporter sind stolz, Ihnen an dieser Stelle den ersten Fortsetzungs-Horrorfilm der jüngeren Bloggeschichte zu präsentieren. Im Zentrum von “Deadliners” steht eine Gruppe junger Menschen, die lebensgefährliche Versuche mit Abgabeterminen veranstalten – immer darauf erpicht, die Grenzen zwischen Veröffentlichung und Totalem Organisatorischen Debakel (TOD) auszuloten… 

Eine Just-in-time-Produktion von Leo Fischer

 

DEADLINERS

Heute ist kein schöner Tag zum Schreiben

Aus dem Tagebuch von L. F. (M.A.), Forschungsassistent am reputierten Heike-Runge-Institut für Abgabewirtschaft

Heute nachmittag ist es wieder soweit.
Heute nachmittag werden wir wieder an die Grenzen gehen.
In einem alten Büro, in das keiner Einsicht hat. Verdunkelte Jalousien, abgestellte Klingel.

Meine Mitverschwörer werden das Inventar bringen. Eine Playstation, einen Fernseher, lauter neue Netflix-Serien, DVDs. Extrem laut gestellte Handys, haufenweise Snacks. Die gesammelten Jakob-Augstein-Kolumnen, ein Hirschhausen-Buch. Alles absolut tödliche Aufmerksamkeitskiller.

Ich werde meine Aufmerksamkeit ganz langsam herunterfahren. Alle meine Schreibfunktionen werden von den Kollegen überwacht. Bis schließlich die totale Schreibblockade eintritt – völliger Geistesstillstand. Gegen 17 Uhr, wenn in den Redaktionen allmählich Feierabend wird.

Natürlich gibt es erst mal Panikreaktionen des Körpers. Die Organe wehren sich gegen die unglaubliche Belastung, die eine ausgesetzte Deadline für alle Beteiligten bedeutet. Aber die Wissenschaft darf auf solche Reflexe keine Rücksicht nehmen. Wir müssen es einfach wissen: Ist eine Publikation auch JENSEITS DER DEADLINE möglich?

Eventuell werden sie mich nicht zurückholen können. Eventuell wird von mir nur ein Platzhalter oder ein Blindtext übrigbleiben. Eine leere Hülle ohne journalistische Persönlichkeit. Aber die Fragen, denen wir uns stellen, sind so alt wie die Menschheit. Gibt es eine Wochenendredaktion? Können wir eventuell sogar Kontakt zu den legendären Setzern herstellen? Und wie lange kann die journalistische Reputation ohne Verbindung zu einer Redaktion überleben?

Ich weiß nur eines: Heute abend ist die Stunde der Wahrheit. Oder spätestens Montagfrüh. Allerspätestens Montagnachmittag! Ehrlich!

Fortsetzung folgt … irgendwann demnächst.

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