Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (48)

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Beantwortet von Ralf Balke (Jg. 1962). Mit den Lurchi-Heften des Schuhherstellers Salamander groß geworden. War viel zu lange Researcher und Autor beim „Handelsblatt“, schrieb nebenher unter Pseudonym Beiträge für die „Financial Times Deutschland“ und ist seit vielen Jahren freier Mitarbeiter unter anderem für die „Jüdische Allgemeine“, „Jungle World“ und neuerdings „Business Insider“. Buchveröffentlichungen: „Hakenkreuz im Heiligen Land“ im Sutton Verlag sowie „Israel – Geschichte, Politik, Kultur“ bei C.H. Beck.

 

 

 

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

Ich glaube, das war Marion Gräfin Dönhoff von der „Zeit“. Sie ist irgendwie der Archetyp aller Prinzessinnenreporter. Selbst auf der Flucht vor den Russen aus Ostpreußen immer die besten Klamotten an und den edelsten Gaul geritten. Und bei der „Zeit“ bis zum letzten Atemzug die Peitsche geschwungen. Sogar Helmut Schmidt kuschte vor ihr. Solche im Stahl- und Säurebad geformten Frauen und Männer braucht der Online-Journalismus heute. Sonst ist alles nur noch Torten-Diagramm und Info-Grafik.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?

„Israel droht mit Selbstverteidigung“ aus der Postille „Focus“ zählt definitiv zu meinen Favoriten. Schöner kann man seine Liebe zum jüdischen Staat nicht in Worte fassen.

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Mit einem Virus im eigenen Darm auf einer Pressekonferenz ausharren. Und deshalb nicht als Erster ans Buffet können.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Wieso? Ist irgendwas nicht in Ordnung?

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?
 
Auf Franz Josef Wagner. Und ich wäre dort sein Zahnarzt. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum er trotz seines fetten Gehalts ein Leben lang als Dental-Ruine unterwegs sein muss. Da sollte man spätestens im Jenseits ändern.

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?

Eigentlich niemandem, warum auch? Außer vielleicht Veronica Ferres. Denn Buchtitel wie „Nein, mit Fremden geh ich nicht“, „Faß mich nicht an!“ und „Kinder sind unser Leben“ will man selbst verkatert in keiner Bahnhofsbuchhandlung erblicken. Die kauft doch höchstens ihr Gatte Carsten Maschmeyer en gros auf und verklappt sie heimlich mit den Restbeständen der Autobiographie von Gerhard Schröder in irgendeiner niedersächsischen Jauchegrube.

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?

Totengräber. Wenn man schon nicht dem Journalismus Rest geben kann, dann wenigstens die Leser_innen auf ihrer letzten Reise würdevoll begleiten.

8) Dein Wunschinterviewpartner/in?

Ich würde gerne eine Home-Story über den IS-Boss Abu Bakr al-Baghdadi schreiben. Wie es bei ihm zuhause so aussieht und was er so alles im Kleiderschrank hat. Und ihm die Frage aller Prinzessinnenreporter stellen: Wie viele Schuhe hast du?

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?

Irgendwas crossmediales. Aber innen noch schön blutig und saftig.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?

„Essen & Trinken“ – was sonst?

 

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