Die rosarote Presseschau (47)

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Die Welt ist gar nicht der große, einzig von den Horden der Finsternis bevölkerte Planet, auf dem ein typischer Tag damit beginnt, dass man sich am liebsten gleich wieder die Decke über den Kopf ziehen würde. Wirklich nicht. Warum nicht, erklären wir in unserer Rubrik mit Nachrichten, die die Horden der Finsternis gar nicht gerne hören.

 

 

 

Vor rund einem Jahr haben sich die USA böse verwählt, immerhin war dies aber auch Anlaß für den Start unserer Rubrik mit den besten Nachrichten weltweit. Wir beginnen unsere Jubiläumsausgabe deshalb mit einem großen US-Special.

„Vanity Fair“ hat bekannte TV-Autorinnen und -Autoren um Szenarien für das (vorzeitige) Ende von Donald Trumps Amtszeit gebeten, mit großartigen Resultaten. Unabhängig davon hat ein unbekannter Künstler ein Video gebastelt, das im Zuge der Ermittlungen in der Rußland-Affäre seit einigen Wochen die Runden macht.

 

Ganz so weit ist es noch nicht, dafür mußten Trumps Republikaner aber ganz reale Niederlagen einstecken: Sie verloren bei der Bürgermeisterwahl in New York sowie den Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey. In Virginias Parlament sitzt mit Danica Roem zudem erstmals eine Transgender-Abgeordnete; sie gewann ihren Wahlkreis ausgerechnet gegen den Republikaner Robert G. Marshall, den Urheber des gegen Transgender-Menschen gerichteten – und letztlich gescheiterten – „Bathroom Bill“.

 

Die Beliebtheitswerte der US-Regierung lassen sich nicht nur an Wahlergebnissen ablesen. So gelangte eine Radfahrerin zu Internetruhm, weil sie dem Fahrzeugkonvoi des Präsidenten den Mittelfinger gezeigt hatte. Als ihr Arbeitgeber ihr daraufhin kündigte (das Unternehmen ist unter anderem für die Regierung tätig), kamen innerhalb einer Woche mehr als 70.000 Dollar Spenden für die Frau zusammen, auch vor Jobangeboten kann sie sich kaum retten. Einen lockeren Finger hatte auch ein Mitarbeiter des Pentagons, der über den offiziellen Twitteraccount des US-Verteidigungsministeriums „versehentlich“ eine Rücktrittsaufforderung an Trump weiterverbreitete. Ob allerdings auch der Kampfpilot, der mit seinem Flugzeug ein männliches Genital an den Himmel über Washington malte, aus einer ähnlichen Geisteshaltung heraus handelte, ist ungeklärt.

 

Nun zu den Verkehrsnachrichten.

 

In Deutschland müssen die Standesämter intersexuellen Menschen eine Möglichkeit einräumen, ihr Geschlecht in amtlichen Dokumente einzutragen, etwa als „inter/divers“ oder „divers“. Dies hat das Bundesverfassungsgericht entschieden. Alternativ könnten die Behörden auch grundsätzlich auf geschlechtsbezogene Einträge verzichten, so das Urteil, doch diese Lösung scheint eher unwahrscheinlich.

Nach großem öffentlichen Druck, unter anderem durch Berlins Kultursenator Klaus Lederer, hat das Berliner Kino Babylon eine Preisverleihung an Ken Jebsen abgesagt. Jebsen war als Moderator beim RBB gekündigt worden und verbreitet als Querfront-Youtuber „Ken FM“ allerhand Verschwörungstheorien.

60 Prozent der Wähler haben sich bei einer Volksabstimmung in Australien für die Ehe für Alle ausgesprochen. Das Referendum ist zwar nicht bindend, die Regierung hat aber angekündigt, die Gesetze entsprechend zu ändern.

Während hierzulande die Debatte über eine Flexibilisierung der Arbeitszeit stets eine Drohung mit deren Verlängerung ist, zeigt Schweden, daß es auch anders geht: Dort macht man gute Erfahrungen mit dem Sechsstundentag, wie er derzeit vor allem im Sozial- und Gesundheitssektor getestet wird: Die Angestellten sind – Überraschung! – weniger gestreßt, der Krankenstand sinkt, die Produktivität steigt.

Wir unterbrechen das laufende Programm für eine wichtige Information.

 

Der australische Musiker Nick Cave hat sich nett bei der israelfeindlichen BDS-Bewegung bedankt: Deren Versuche, Künstler von Auftritten in Israel abzuhalten, hätten ihn dazu bewegt, nun erst recht Konzerte in dem jüdischen Staat zu geben.

Die seit Ewigkeiten geschlossene Besucherplattform des Hamburger Fernsehturms könnte in absehbarer Zeit wieder zugänglich sein. Nachdem der Bund seinen Anteil an der Sanierung freigegeben hat, plant der Senat der Stadt nun weitere Schritte für eine Wiedereröffnung. (Tadeln müssen wir allerdings den NDR, denn das schönste Gebäude der Stadt heißt natürlich Heinrich-Hertz-Turm und nicht „Telemichel“. Wir nennen das NDR-Funkhaus ja auch nicht „Funki“.)

In britischen Gewässern zeigen Umweltschutz- und Renaturierungsmaßnahmen Erfolge: In der Themse fühlen sich Seepferdchen wieder wohl, die auf sauberes Wasser angewiesen sind; und in Norfolk und Suffolk erholen sich die Bestände einer seltenen Wasserspinne, was ebenfalls für die Qualität des Ökosystems spricht.

Und wer sagt, daß Spinnen nicht niedlich sein können?

 

 

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