Prinzessinnen-Service

Zehn Tipps: So gehen Sie Journalisten am effektivsten auf die Nerven.

Ein lehrreicher Leitfaden von unserem royalen Servicebeauftragten Bernhard TorschScreen Shot 2016-06-09 at 16.52.39

1. Wandeln Sie die Artikel oder Bücher eines Autors, den Sie besonders schätzen, in PDF oder andere elektronische Formate um und verteilen Sie diese kostenlos unter ihren Freunden und in Internetforen! Durch nichts fühlt sich ein Autor so geehrt wie durch den Diebstahl seiner Werke. Autorinnen schreiben bekanntlich nicht für Geld, sondern allein aus Gefallsucht. Falls Sie politisch links sind, können Sie sich das als „Umverteilung“ schön lügen.

2. Insinuieren Sie, der Autor/die Autorin eines Textes, der ihnen nicht gefällt, würde von Merkel, Putin oder Netanyahu bezahlt! Wie könnte es auch anders sein? Schließlich vertritt da jemand eine andere Meinung als Sie, was nur an dessen Korrumpierung durch fremde Mächte liegen kann und nicht daran, dass er/sie eine andere Meinung hat.

3. Richten Sie Leserbriefe, E-Mails oder telefonische Beschwerden über einen Text, der Ihnen nicht zusagt, niemals an den Autor/die Autorin, sondern immer an die Chefredaktion! Menschen lieben es, übergangen zu werden.

4. Werfen Sie Autorinnen/Autoren, deren Lebensunterhalt davon abhängt, dass man Ihren Namen kennt, „Narzissmus“ vor, wenn diese ein bisschen Werbung für sich selber machen! Das machen die nämlich nicht, weil es das Business verlangt, sondern weil sie publicitysüchtige geisteskranke fame whores sind. Sie wissen das, denn Sie haben den Begriff „Narzissmus“ erst kürzlich auf Wikipedia nachgeschlagen oder sogar zwei Semester Psychologie studiert.

5. Vergessen Sie nie: Schreiben ist wie moderne Kunst – das können Sie auch, und natürlich viel besser als der Autor/die Autorin! Dass der Autor/die Autorin veröffentlicht wurde und nicht Sie, liegt nicht daran, dass er/sie besser schreiben könnte, sondern an Vetternwirtschaft, Merkel, Sexismus, Feminismus und den Illuminaten.

6. Setzen Sie jeden Text absolut und leiten Sie daraus die menschliche und moralische Verkommenheit des Autors/der Autorin ab! Ignorieren Sie das Gesamtwerk ebenso wie politische Veränderungen oder persönlicher Entwicklungen. Das wäre nämlich anstrengend, und anstrengend sind Sie schon selber.

7. Wenn Ihnen ein Text in einer Zeitschrift nicht gefällt, sollten Sie Ihre Kritik keinesfalls auf diesen Text beschränken, sondern in einem Aufwasch gleich die ganze Zeitschrift verdammen! Bei dieser muss es sich ja um widerliches Nazikommunistenantisemitenjuden-Schmierblatt handeln, wenn es Texte abdruckt, die Ihnen nicht gefallen.

8. Machen Sie stets deutlich, dass die Pressefreiheit dort aufhört, wo Sie mit dem, was die Presse schreibt, nicht einverstanden sind! Garnieren Sie das mit Drohungen, nach der Revolution und/oder dem Wahlsieg der AfD würden Sie schon dafür sorgen, dass „in den Redaktionsstuben weniger gelogen wird“ (Jörg Haider).

9. Glauben Sie Autoren/Autorinnen, die meist für wenig Geld für seriöse Medien hart arbeiten, nichts! Vertrauen Sie lieber Youtubekanälen und Blogs, wo ehrliche Menschen die reine Wahrheit verbreiten, denn wessen Einkommen von Clicks abhängt, wird sicher niemals lügen oder extrem übertreiben, nur um mehr Clicks zu erhalten. Faustregel: Je weniger jemand an journalistische Ethik gebunden ist, desto glaubwürdiger ist das, was er/sie verbreitet.

10. Verbreiten Sie Todesdrohungen und Vergewaltigungsaufrufe gegen Autoren und Autorinnen, die Sie nicht schätzen! Verleumden Sie diese und stalken Sie sie! Nichts ist einer unabhängigen Berichterstattung dienlicher als eingeschüchterte Journalisten.

Bis zur Umsetzung unseres Journalismus-Finanzierungs-Dekrets kann unsere Arbeit mittels eines einfachen Klicks auf den „Spenden“-Knopf gleich oben rechts unterstützt werden. Oder mit einem Einkauf in unserem Shop.

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Dieser Beitrag wurde am 25. November 2016 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar

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