Tod einer Schule

von Gastprinzessin Alexander Nabert
Früher, als wir noch nicht so viel über die AfD geredet haben, war die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) mal die relevanteste Partei am rechten Rand. Das war eine kleine, gehässige Nazipartei, in der Nazis waren, die Nazisachen gemacht haben. Zweimal wollte man diese Partei verbieten. Beide mal hat das nicht hingehauen. Das erste mal, weil viele Parteifunktionäre auf den Gehaltslisten der diversen deutschen Geheimdienste standen, und das zweite mal, weil die Partei nicht mehr relevant genug war, nachdem die Nazis von der staatlichen Alimentierung abgeschnitten wurden. Der letzte Versuch des Parteiverbots ist noch gar nicht so lange her. Viele haben das aber nicht mitbekommen, weil wir da gerade mal wieder über die AfD geredet haben. Jedenfalls gibt es diese kleine, gehässige Nazipartei noch immer. Weil das Bundesverfassungsgericht ihr gesagt hat, dass sie zwar verfassungsfeindlich, aber einfach nicht ernst zu nehmen ist, könnte sie sich jetzt noch weiter radikalisieren. Also noch gehässigere Nazisachen machen. Vielleicht mal wieder eine Rede über das „Finanzgebäude dieser Judenrepublik“. Sowas eben.
Um zu gucken, ob es schon irgendwelche neuen Gemeinheiten der NPD gibt, habe ich die Facebook-Seite von Frank Franz angeklickt. Das ist deren Vorsitzender, über den man nur weiß, dass er gut gestylte Haare hat und aus dem Saarland kommt.
So richtig radikal geht es auf seinem Profil aber nicht zu. „Die Frankfurter Schule muss geschlossen werden!“, heißt es da in einem Posting. Damit meint er nicht etwa, wie man vermuten könnte, eine Schule in Frankfurt an der Oder, sondern „eine Gruppe von Deutschlandhassern“, die dem „deutschen Volk“ schaden will. Diese „antideutsche Denkweise“ hätte, so Franz, „das gesamte öffentliche Leben der Bundesrepublik durchdrungen“ und wäre verantwortlich für den „uns eingepflanzten kollektiven Selbsthass“. Weil die Deutschen einen „positiven Bezug zu sich und ihrer Herkunft“ (falls das bisher nicht deutlich geworden sein sollte: diese Herkunft ist Deutschland) bräuchten, sollte diese „antideutsche Denkweise“ endlich auf die „Müllhalde der Geschichte“. Immerhin könnten wir (gemeint sind die Deutschen) stolz auf Deutschland sein. Es geht Franz also nicht um eine Brandenburger Bildungsinstitution, denn schließlich gibt es in der Ödnis rund um Berlin ohnehin kaum Schulen, und wenn es mal eine gibt, dann ist sie sicher keine Speerspitze einer „antideutschen Denkweise“. Wahrscheinlicher ist, dass er die „Frankfurter Schule“ genannte Gruppe von Wissenschaftlern und Philosophen um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno meint. Doch diese Gruppe ist längst tot und schon allein deshalb nicht in der Lage, Deutschlandhass zu verbreiten. Besonders viel rezipiert wird diese Gruppe auch nicht mehr. Was will Franz also schließen? Eigentlich sollte er doch selbst am besten wissen, dass tote Einrichtungen nicht dicht gemacht werden. Vielleicht ist es ja ganz gut, dass wir nicht mehr über die NPD und stattdessen über die AfD reden. Denn es scheint sich wirklich nicht wirklich zu lohnen, über eine irrelevante Partei zu reden, die eine Schule schließen lassen will, die schon längst ausgestorben ist.

Nabert

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One thought on “Tod einer Schule

  1. (Sorry, hier muss das hin.)
    Es ist ein erstaunliches (?) Phänomen, dass gerade die Deutschnationalen so gar keine Beziehung zur deutschen Sprache haben – wie diese Verlautbarung wieder deutlich vor Augen führt. Hätte dieser Franz doch bloß mehr Adorno gelesen, dann hätte er vielleicht (?) wenigstens von dessen wunderbarem Deutsch profitieren können. Hach, es ist aber auch ein Kreuz mit diesen arischen Herrenmenschen!

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