Schildbürger

Warum die Plöner Tourismuszentrale eine royale Lektion benötigt und der Schlossherr enteignet gehört.

Von der Plöner Prinzessinnenreporterin Marit Hofmann

Gewusst wie man Unschönes verschweigt: Info am Plöner Bahnhof

Besuch in der Heimatstadt. Am Bahnhof informiert neuerdings ein Plakat der Tourismuszentrale unter dem Titel »Plön! Schon gewusst …?« über die Historie des Städtchens in der „Holsteinischen Schweiz“. Nach einem Schnelldurchlauf (Eiszeit, Slawen, dänischer König, preußische Kadettenanstalt im Schloss) heißt es lapidar, Plön habe »zum Ende des 19. Jahrhunderts … immer mehr Bedeutung als Erholungsort« gewonnen. Und danach? »Aufgrund der zwei Weltkriege musste Plön viele Kriegsflüchtlinge aufnehmen.«

Diese mehr als knappe Zusammenfassung erinnert mich daran, dass noch zu meiner Schulzeit einem Schild am Plöner Schloss zu entnehmen war, dass das Gebäude seit der Kaiserzeit »zu pädagogischen Zwecken« genutzt worden sei. Die Lehranstalt, die von 1933 bis 1945 im Schloss »pädagogische Zwecke« verfolgte, hieß Napola. Erst seit Anfang der neunziger Jahre wird das auf Betreiben einer Geschichts-AG auf einem Schild am Schloss erwähnt.

Dass im Krieg in einem der saubersten der Gewässer nicht mehr einsatzfähige Zwangsarbeiter reihenweise »beim Baden ertrunken« (Polizeibericht) waren, gehört nach wie vor zu den bestgehüteten Geheimnissen des »Erholungsorts«. Auch auf seine Regierungsgeschichte scheint Plön irgendwie nicht stolz zu sein: In der »Stadt der Seen und Wälder« hatte der von Hitler zu seinem Nachfolger ernannte Admiral Dönitz unmittelbar vor Kriegsende sein Hauptquartier mit dem Tarnnamen Forelle aufgeschlagen.

Diente seit der Kaiserzeit „pädagogischen Zwecken“: Plöner Schloss (heute: Optikerschule, früher: Napola)

Brillenmogul Günther Fielmann, seit 2017 Ehrenbürger der Stadt, nutzt seine Funktion als heutiger Plöner Schlossherr, der hier seine Optiker ausbilden lässt, ebenfalls zu pädagogischen Zwecken: Die Fielmann AG wollte das breite Bündnis »Plön bleibt bunt«, das 2010 gegen eine DVU-Kundgebung mit dem Holocaust-Leugner Christian Worch protestierte und dem sich (in meiner Jugend undenkbar) auch Plöner Geschäftsleute anschlossen, nicht unterstützen und belehrte die Aktivisten: Man biete »Brillen für jedermann«, da könne man sich nicht »ideologisch« festlegen.

Wie lautete noch der bei Fielmann vergeblich eingereichte Werbeslogan des Dichters Horst Tomayer?

All dieses süße Werden

Und all dieses bittre Vergehn,

Kann ich mit der neuen Brille

Von Fielmann viel besser sehn.

 

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