Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (33)

Würde unter besonderen Umständen die Amtsgeschäfte den Prinzessinnenreportern überlassen: Alex Feuerherdt

Würde unter besonderen Umständen die Amtsgeschäfte den Prinzessinnenreportern überlassen: Alex Feuerherdt

Ausgefüllt von Alex Feuerherdt

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

 

 

Alex Feuerherdt schreibt für die Jüdische Allgemeine, konkret, Tagesspiegel und Jungle World und ist Betreiber und Autor des Blogs „Lizas Welt“. Seine thematischen Schwerpunkte sind Fußball, der Nahostkonflikt und Antisemitismus.

 

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?
Das dürfte Ende der 1970er Jahre gewesen sein. Da war ich noch ein kleiner Junge, habe aber schon den »Kicker« gelesen, in dem Karl-Heinz Heimann regelmäßig den »Scheinwerfer« drehte. Heimann war seinerzeit der Chefredakteur der Zeitschrift, später wurde er Herausgeber. Ich habe sein Blatt damals verschlungen, und für mich war nicht zuletzt seiner Kolumnen wegen klar, dass ich später unbedingt Sportjournalist werden will. 1983 habe ich ihn im Rahmen der ARD-Quizsendung »Alles oder nichts«, bei der ich mit 14 Jahren mal Kandidat war, persönlich kennenlernen dürfen. Das Thema der Sendung lautete »20 Jahre Fußball-Bundesliga«, Heimann saß in der Jury. Als sich anschließend alle in einem Münchner Restaurant zusammenfanden – die Kandidaten, der Moderator Max Schautzer, die Ehrengäste Sepp Maier und Helmut Schön, die Entourage des Bayerischen Rundfunks –, nahm ich all meinen Mut zusammen und bat ihn um Tipps zu meinem Berufswunsch. Als wir irgendwann beim Thema Fremdsprachen ankamen, sagte er: »Junge, wenn du kannst, lern Russisch!« Das habe ich dann auch brav getan, erst in der Schule, später an der Uni. Irgendwann fand ich seinen »Scheinwerfer« zwar nicht mehr so strahlend hell, aber der Mann wird mir unvergessen bleiben.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?
»Israel droht mit Selbstverteidigung«, eine Überschrift des »Focus« im Januar 2006. Nichts hat das gesamte Elend der deutschen Nahostberichterstattung jemals besser deutlich gemacht. Wenn sich die Juden respektive ihr Staat nicht einfach vernichten lassen wollen, ist das also eine Drohung. »Israelkritik« in a Nutshell. Ein paar Jahre später, Ende 2012, titelte dieselbe Zeitschrift: »Weiter Raketen auf Israel, aber Waffenruhe hält vorerst«. Gebrochen wird sie nämlich nur, wenn der jüdische Staat sich wehrt, nach dem Motto: »It all started when he hit me back.«

 
3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?
Ich selbst meide Pressekonferenzen, so gut es geht. Wenn ich aber Tilo Jung Fragen an die Bundesregierung stellen sehe, empfinde ich das, was man seit einiger Zeit »Fremdscham« nennt. Demonstrative Naivität als Geschäftskonzept, so viel Infantilisierung von Journalismus ertrage ich einfach nicht.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?
Durch Fragen, wie er gerettet werden kann. Und damit verbundene Rettungskonzepte.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?
Auf Walther Bensemann, den »Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte«, wie der Titel seiner ganz vorzüglichen, von Bernd-M. Beyer verfassten und beim Verlag Die Werkstatt erschienenen Biografie lautet. Der nämliche Verlag hat auch Bensemanns beste Glossen im Buch »Der König aller Sports« wiederveröffentlicht. Meisterwerke der Schreibkunst sind das.

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?
Jakob Augstein. Egal, worüber er gerade schreibt – am Ende sind immer Israel und die USA schuld. Seinen Platz in den vom Simon Wiesenthal Center erstellten »Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs« hat er sich 2012 deshalb auch redlich verdient. Und dass ihn seinerzeit das Gros der deutschen Medienlandschaft vom sehr berechtigten Vorwurf, dem Antisemitismus zu frönen, freigesprochen hat, spricht Bände. Hemmungen braucht der Mann deshalb auch nicht zu kennen. Angesichts des Pogrompöbels von Heidenau & Co. beispielsweise empfahl er kürzlich: »Die Leute im Osten sollten sich in die Demonstrationen gegen die Banken einreihen – nicht in die gegen Ausländer«. Dann werde aus »Wir sind das Pack« auch wieder »Wir sind das Volk«. So spricht ein nationaler Sozialist.

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?
Ich habe eine Ausbildung als Buchhändler und viele Jahre mit großer Freude in diesem Bereich gearbeitet. Vielleicht will ich nach dem Untergang des Journalismus ja auch wieder dorthin zurück, wer weiß.

8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?
Bixente Lizarazu habe ich immer sowohl für seine dynamische Eleganz auf dem Fußballplatz als auch für seine kosmopolitische Klugheit abseits des Rasens bewundert. Und finde es wunderbar, dass und wie er sein Leben nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn als Fußballer genießt. Wenn er zum Interview gebeten wird – was immer noch regelmäßig geschieht –, sagt er außerdem höchst vernünftige Dinge und salbadert nicht herum. Mit ihm ein Gespräch führen zu können – das wäre famos.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleinige Chefredakteurkönigin wärst? Und wie würde sie heißen?
»Nieder mit der Monarchie!« würde sie heißen. Ich würde mich dann selbst abschaffen und die Amtsgeschäfte den Prinzessinnenreportern überlassen. So viel Dialektik muss sein.

 
10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?
Gott schreibt nicht, sie lässt schreiben. Und sieht, dass es nicht gut ist. Womöglich sind Journalisten also doch nicht die Krone der Schöpfung.

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