Archiv | Februar 2019

Teenage Riot

Endlich! Klärende Worte von unserer Jugendschutzbeauftragten Prinzessin Elke Wittich über die Aufregung um Greta Thunberg

Aktivisten nerven. Immer. Alle. Teenager auch.

Und so wurde ein aktivistischer schwedischer Teenager namens Greta (dessen Vorname übrigens Gretta ausgesprochen wird) innerhalb kürzester Zeit zum Lieblingsaufregerthema – aber diese Geschichte sollte von Anfang an erzählt werden. Sie begann mit einem Artikel in einer schweizerischen Zeitung, in dem behauptet wurde, Greta gehe schon seit Monaten nicht mehr zur Schule, wegen des Klimawandels. Was nicht stimmt, das Mädchen schulstreikt lediglich freitagsnachmittags, aber wen interessieren schon Fakten, wenn man sich aufregen kann. Weiterlesen

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My Eternal Love

Harald Nicolas Stazol über sein Leben mit der kapriziösen Königin der Blumen

„Wer die Schönheit angeschaut mit Augen …“ (‚Tristan‘, August von Platen, 1796 – 1835)

Es begab sich aber zu einer Zeit, als ich wieder einmal an Bord der Concorde von British Airways von London nach New York jetsettete, um noch rechtzeitig zum Empfang der europäischen Modepresse anzulangen (was gelang!), dort begab es sich, dass der weltberühmte Couturier Geoffrey Beene der Gastgeberin, der nicht minder exquisiten 75jährigen Eleanor Lambert in ihrem 24-Zimmer-Apartment mit Blick auf den See im Central Park – es gibt keine bessere Lage -, nun, Geoffrey schenkte ihr eine kleine lila Orchidee, „from his own Glasshouse“, selbst gezüchtet, hieß es atemlos im Pressekorps, mondäner ging es kaum in diesen unseren Kreisen, und in dieser Sekunde erwachte meine unsterbliche Liebe zu ihnen, den Schönsten. Und ich beschloss unter die erlauchte Bruderschaft der Orchideenzüchter zu gehen. Aber nach meiner rasanten Karriere, erst bedauerlich erfolgreiche 20 Jahre später, fand ich die Muße und die Musen – und die Zeit dazu.

Ich habe es nie bereut. Liebe benötigt diese edelste aller Blumen wie Wasser, und sie liebt einen zurück. Ich spreche mit ihnen, wenn ich sie liebevollst mit einem Nebelgemisch aus im Nass aufgelösten Dünger benetze, und sie sprechen zu mir. „Nun, wirst Du noch erblühen?“ hauche ich dem einen Knöspchen zu, dass sich seit zehn Tagen nicht öffnen will, und manches Mal knospen sie nicht auf – nichts erschüttert mehr als erst verdorrende, dann hinabfallende Knöspchen vom strahlend weissen, porzellanenen KPM-Untersetzer aufsammeln zu müssen … es ist wie bei einer Urnenbeisetzung … aber wir gehen zu weit.

„Beautiful, it must be beautiful, and if it is not beautiful, it must be elegaaaaaante“ ruft der Tanzlehrer der blutjungen Fünftfrau von Heinrich XIII der bald kopflosen Catherine Howard zu – schön! schön! kalos, kalos! Das schrieben die griechischen Vasenmaler, wenn sie Orpheus und Euridyke 700 vor Christi Geburt schwarzgrundig geschaffen haben, und: „Tu es belle, adorable, ravissant!“ rufe ich manchmal, wie Yves Saint Laurent bei der Anprobe seiner letzten Collection, deren Zeuge ich einst sein durfte, „Hinreissend bist Du! Anbetungwürdig!“ Sowas sagt man sonst nur den wirklich Geliebten.

Sie sind kapriziös wie eine Belle-Epoque-Can-Can-Tänzerin, konsequent wie Marlene, elegant wie Kaiserin Eugénie und empfindlich wie Sissy. Und deswegen muss man viel Geduld mit ihnen haben.

Denn – wie jede Frau – lässt sie sich Zeit für ihr schönstes Kleid. Der Herzog von Windsor – ehemals Edward XII – weinte unten im Vestibül leise, wenn sich Wallis wieder einmal zwei Stunden Zeit liess zum Ankleiden – ich aber weine Tränen des Glückes, wenn ein Blüte nach der nächsten sich zart, ach so zart, anschickt, zu erblühen, und allein dieser Prozess nimmt schon die Elegance vorweg, mit der sie dann ihre ganze Pracht entfalten. Doch bis es dazu kommt, wird viel Zeit vergangen sein.

Sie scheuen das helle Licht wie die Mutter Oscar Wildes. Sie brauchen wohltemperierte Atmosphäre, wie Grace, Lady Darlington. Und niemals! Niemals darf man sie bewegen, wie eine Aphrodite von Phidias, so empfindlich sind sie.

Somit sind mit meine heiligen Pflanzen in dieser allzu eiligen Welt eine Art Lebensuhr. Denn jedes Mal, wenn ich durch einen kunsthistorischen Vortrag oder einen essayistischen Abdruck oder eine kundige Stilberatung ein paar Taler übrig habe, klingeln die nicht lange in meiner Tasche. Denn am Sonntag nach dem Petit Déjeuner und einem kühlen Glas Cremant strebe ich meinem entzückenden Blumenladen entgegen, er gehört einer vietnamesischen Familie, und ich wähle mir eine neue Braut, fast wie der englische Kronprinz, und „Du hast drei Bälle Zeit, um unter die Haube zu kommen“ sagt die Tante der Tatiana in Puschkins Eugen Onegin, „dreimal musst Du blühen“. Doch eines jener grazilen Geschöpfe flammte nur noch einmal kurz auf und dann fielen die Blätter, fast ein Freitod, und mit dem Iphone dokumentierte ich die Tragödie, und ging damit zur Ehefrau des Vietnamesen und zeigte ihr jene, dreimal hätte ich ihren Gatten befragt, aber die Grazie hatte schon dort zu lange im kalten Luftzug der Tür gestanden, und siehe! Ich darf mir – „sind Sie ja Stammkunde“, ein neue aussuchen. Und ihr kleiner Sohn packt sie dann ein, in Seidenpapier. Und dann trage ich sie – Vorsicht, nur Vorsicht – schnell über den nassen Siemersplatz mit der holden Jungfrau zu ihren Schwestern, die nun ja blütenlos eine Weile schlummern.

Aber wenn sie wieder aufwachen aus ihrem Dornröschenschlaf, meine immer wieder jungen Freundinnen, dann ist es fast wie sich frisch verlieben.

Und alles nur wegen eines alten Grandseigneurs, einem amerikanischen Couturier, einem Gentleman alter Schule: Geoffrey Beene.

 

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Mein treuer Gefährte

Rad & Tat: Lord Harold und sein Matthew

Der silberne Drahthengst Matthew und ich – eine Ode aufs Fahrrad.
Von Lord Harald Nicolas Stazol

„1993/94 Deore XT/LX mit Grip Shift“, so heißt mein Fahrrad. Nein, eigentlich heißt es Matthew. Matthew ist ein Mountainbike, silbern, ohne Aufschrift, aufwendig verschweißt mit einer genialen Gangschaltung – man dreht die Handgriffe zu 24 Gängen. Er bringt mich getreu zum Zigarettenkiosk und zu Budnikowsky und wohl auch bald zu Aldi. „1993/94 Deore XT/LX mit Grip Shift“ ist nur sein Familienname, sein Stammbaum sozusagen. Es ist eine gute Familie, 2.000 Mark hat er mal gekostet, darauf sind wir noch heute stolz. Weiterlesen

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Dieser Eintrag wurde am 7. Februar 2019 veröffentlicht. 1 Kommentar

Sonntags an der Elbe

In Memoriam Wulf Beleites. 

Von Fritz Tietz 

 

Da liegt der Hund, nein, leider nicht begraben, sondern mitten im Café. Wer zum Klo will, muss über ihn rüber. Seine Halterin merkt nichts. Ihre Töle darf sich da breit und lästig herumfläzen und jetzt abermals trägen Auges registrieren, wie schon wieder jemand über sie hinweg steigen muss. Ein älterer Herr ist’s, gehbehindert. Wird Frauchen wenigstens jetzt das Tier von seinem Liegeplatz verscheuchen? Doch Frauchen denkt gar nicht daran. Nippt unbeeindruckt an seinem Kaffee, stippt ungerührt seinen Keks in das Getränk, bewischt gleichgültig sein Handy.

Das mit ansehen müssen und sich wünschen: „Ach, wäre doch die afrikanische Schweine- eine deutsche Hundepest“ ist eins. Ja, hätte sich doch Kamerad ASP-Virus den deutschen Hund zum Wirtstier genommen. Das Wort „Anleinpflicht“ hätte gleich einen noch lieblicheren Klang und dem Damoklesschwert namens „massenhafte Keulung“ haftete überhaupt nichts Bedrohliches mehr an. Und vor allem: Dieses an sich nette Café an der Elbe winterlichem Strand wäre tatsächlich ein nettes, weil garantiert hundefrei.

Dann erlebte man dort jetzt nämlich nicht den Auftritt dieses partnerlookbeanorakten Paares, das einen recht muskelmassigen, zudem schneematschnassen Hund mit sich und selbstverständlich mit rein führt in die warme Gaststube, statt ihn draußen anzuketten, wie man das eigentlich erwarten dürfen sollte, und zwar in jeder gastronomischen Einrichtung weltweit. Erst recht, wenn sich Menschen darin aufhalten, die trinken, speisen und einander zugetan sein wollen, ohne dabei den Anblick und Geruch eines feuchten Köters ertragen zu müssen.

Der aber gerade in das Café gehechelt kam, muss sich nun erst mal kräftig schütteln. Und darf dies inmitten der recht üppig besetzten Gaststube. Schau nur, welche Mengen feuchten Unrats dabei aus seinem dichten Winterfell abgehen. Deutlich kann man eine immense Brocken-, Flusen- und Tropfenwolke aufsteigen und weiträumig sich im Café verteilen sehen. Und guck mal, und haste es nicht eben schon befürchtet: Jetzt fährt da der mittlerweile am Tisch seiner Besitzer Sitz machende Rüde auch noch spitz und rosa sein Ding aus. Da hilft nur eins: „Ober, bitte zahlen.“

Ehe der aber die Rechnung bringen kann, kommt sein Lokal vollends auf den Hund. Zum Kloganglieger und Pimmelzeiger gesellt sich nun auch noch ein dritter, eher kurzbeiniger Zausel. Als Freigänger wedelt der plötzlich in die Gaststube hinein, von einem Herrchen oder Frauchen ist jedenfalls weit und breit nichts zu sehen. 
Und schon geht das Theater los: Kaum hat der Pimmelzeiger den Neuankömmling erspäht, stürzt der sich mit einem knurrend-gurgelnd-krachenden Geräusch in dessen Richtung. Die Leine, die ihm seine Besitzer zum Glück ließen, spannt so stramm, dass man sie meint sirren zu hören. Ohne sie hätte es jetzt ein Gemetzel gegeben. Trotzdem darf der Angeleinte den anderen noch eine Ewigkeit lang mit geblecktem Gebiss und belfernd ankläffen, ohne dafür auch nur einmal die Eier malträtiert oder sonst wie Mores gelehrt zu bekommen.

Nichts wie raus aus dieser Hundehütte! Und noch einmal deutlich diesen Wunsch formuliert: Wenn schon eine gefährliche Tierseuche sein muss, dann bitte eine, deren konsequente Bekämpfung es erforderte, den deutschen Hund so dingfest als möglich oder aber ihm gleich den Garaus zu machen, dem gefährlichen Virenüberträger. 

Und sieh nur, was da jetzt auf dem Elbwanderweg angejappst und angesprungen kommt: Ein Trumm von Hund. Unangeleint. Sein Besitzer, hundert Meter weg vom Geschehen. „Keine Angst!“, ruft er erwartungsgemäß, „der will nur spielen!“ – Aber wir nicht! denken wir und das sowieso: Wäre die afrikanische Schweine- eine deutsche Hundepest, auch dieser Kötz dürfte die längste Zeit nur spielen gewollt haben.

 

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