Kontrafaktur

Unser Hofpoet Martin Jürgens seziert einen Hausdichter der Deutschen

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Dieser Eintrag wurde am 18. August 2022 veröffentlicht.

Das bisschen Wind im Hirn

von Prinzessin Ramona Ambs

Sie ist ein Symptom. Ein Symptom für eine Haltung, die man in „linken“ Kreisen immer wieder antrifft. Julia Neumann hat in Dortmund Journalistik und in Marokko Gender Studies & Internationale Beziehungen studiert. Das ist schon mal per se woke und ungeheuer hipp. Sie hat einen Master in Soziologie und Geschichte des Vorderen Orients von der Universität Erfurt und der Université Saint Joseph in Beirut. Auf ihrem Freischreiberprofil heisst sie Julia Viktoria Neumann und bewirbt sich damit, dass sie eine feministische Rapperin in Tunesien interviewt hat, mit Heavy Metallern in libanesischen Tonstudios war und mit Mönchen in Marokko gesprochen hat. Ihre Beiträge erscheinen u.a. in der taz.die tageszeitung bei qantara.de und jetzt.de; Audio-Geschichten erzählt sie im Deutschlandradio, WDR sowie der Deutschen Welle. Kurz: eine gemacht Frau, die sich auch natürlich auch engagiert für gendergerechte Sprache einsetzt. 

Gendern ist nämlich sehr  wichtig.

Wer nicht gendert, ist frauenfeindlich.

Mindestens.


Gleichzeitig hat Neumann aber nicht das geringste Problem, Frauen in ihrem Freiheitskampf zu verunglimpfen. In ihrem neusten taz-Artikel Das bisschen Wind im Haar beschäftigt sie sich mit der Aktivistin Alinejad, die aus dem Exil Proteste unterstützt, bei denen Frauen im Iran das Kopftuch ablegen und die Videos davon ins Netz stellen. Für die Frauen dort ein lebensbedrohlicher Befreiungsakt. Für Neumann hier sind diese Proteste vor allem  „von westlicher Ideologie dominiert“ und sie kommentiert: „Als ob das Abnehmen eines Kleidungsstückes aus Protest den Weg zur Gleichberechtigung und dem Schutz von Frauen ebnen könnte.“

Well, – wie sag ichs ihr?
Liebes Julchen,- es kann.


Jedenfalls sollte es IMMER die freie Entscheidung einer Frau sein, ob sie sich verschleiert oder nicht, ob sie ihr Haar offen trägt, lang, gefärbt oder kurz. Und nur weil es im Westen teils einen subtilen Druck zur Entschleierung gibt, macht das den Verschleierungszwang und die Unterdrückung im Iran doch nicht weniger traumatisch. Aber Frau Neumanns Abneigung gegen den Westen geht so tief, dass sie sogar die Männer als Opfer sieht, denn auch diese seien ja dem Kleidungszwang im Iran unterlegen: „Auch sie sollen ihre Knie und Schultern verdecken.“. Das ist natürlich ungefähr gleich schlimm wie als wandelndes Zelt durch die Gegend zu rennen und einem Peitschenhiebe drohen, wenn aus Versehen der Knöchel unten vor scheint..

Aber Frau Neumann hat ein reiches Repertoire an schrägen Vergleichen. So schreibt sie weiter: „Wer käme in Deutschland auf die Idee, Nonnen zu ermuntern, ihr Kopftuch abzulegen – und so gegen das Patriarchat der Kirche zu kämpfen? Und selbst wenn sie es täten, würde es einen Unterschied machen? Könnten Frauen dann katholische Priesterinnen werden, mit gleicher Bezahlung und Ausstrahlung auf die ganze Gesellschaft?“ 

….

……..

Und an dieser Stelle steige ich mental dann auch aus. Manche Vergleiche sind dermaßen schräg, dass man sie nur unnötig adeln würde, wenn man sie ernsthaft inhaltlich auseinander nähme.

Vermutlich gibt es für Frau Neumann nur einen Weg für Reformen im Iran: Kopftuch erstmal auflassen (um sich dem Westen nicht zu unterwerfen) und dann aber auf persisch gendern. So geht Emanzipation a la neufrau.

🙂 

Blöd nur, dass es im persischen kein grammatisches Geschlecht gibt. Weder bei Nomen, noch bei der Hinzufügung von Adjektiven. Man sieht es den Worten schlicht nicht an, ob es sich beispielsweise bei „einem Leser“ um ein weibliches oder männliches Wesen handelt… soll heißen: die absolut geschlechtsneutrale Sprache ist im Iran schon erreicht. Dann ist ja soweit alles in Ordnung für die Neumänner und Neufrauen dieser „Gendern ist ja so wichtig und der Westen so böse-Fraktion“.
Pech für die Frauen, die auch im Iran ein bisschen Wind im Haar haben wollen….

Dieser Eintrag wurde am 12. August 2022 veröffentlicht.

Gothaer Bekenntnisse

Gestern hab ich kurz tagesthemen eingeschaltet. Und hab mich gewundert… da stand Deniz Yücel in einem Seniorenheim und war umgeben von wild gestikulierenden Bewohnern… es hat etwas gedauert, bis ich verstanden hab, was ich da eigentlich sah: der PEN tagte in Gotha… 

von Ramona Ambs 

Gotha steht als Begriff schon immer unter einem besonderen Stern. Das Wort besteht aus fünf Buchstaben, die aber eigentlich nix dafür können: GOTHA
Ganz Offenbar Tobt Hier Alles! Da steppt also per se der Bär.
Gotha ist eine Residenzstadt, deren Name von einer Siedlung Villa Gothaha, abstammt, was soviel wie „gutes Wasser“ bedeutet. Die Stadt hat ein schickes Schloss mit dem betörenden Namen Friedensstein; es gibt das berühmte Gothaer Programm und neuerdings das Gothaer Softwarepaket und dann gibt es noch den Gotha, – quasi das deutsche Adelsverzeichnis. Es taugt aber übrigens nix, weil wir Prinzessinnenreporter dort weder an prominenter Stelle aufgeführt sind, noch auch nur Erwähnung finden. Stattdessen findet man dort aufgelistet die lebenden Mitglieder der aus Europa stammenden, regierenden Häuser, andere fürstliche Häuser Europas sowie die deutschen, ehemals reichsständischen gräflichen Familien. Also der Gotha ist quasi eine Vereinigung von Adligen, die ihre Ehre (und die Verachtung für den Plebs) qua Geburt erworben haben, -und nicht per Bleistift und Füller wie die Mitglieder des PEN, der wiederum den literarischen Hochadel abbildet, aber eben zusätzlich noch eine politische und moralische Instanz sein wollte. Und eigentlich war das eine sehr notwendige Vereinigung, denn angesichts von Verfolgung, Unterdrückung und Zensur von Schriftstellern und Journalisten in aller Welt, war es vor allem der PEN, der sich für deren Schutz und die Durchsetzung freier Meinungsäußerung einsetzte. 

Diesem unbotmäßigem Treiben wurde gestern dann jedoch Einhalt geboten. 

Der Adelsverein der schreibenden Zunft hat bereits im Vorfeld durch die lautstarken Rücktrittsforderungen einiger Mitglieder und dem Lancieren interner mails den eigenen Ruf beschädigt, so dass jedem, der noch ein wenig auf diesen Verein gesetzt hat, Angst und Bange werden musste. Dabei war der PEN auf einem guten Weg. Mit der Wahl von Deniz Yücel hatte man jemanden gefunden, der sowohl konkrete Ahnung von Verfolgung aufgrund von Meinung hatte, als auch einen talentierten – und für PEN-Verhältnisse- jungen Schreiberling. Aber es fehlte ihm der Stallgeruch. Es mangelte ihm einfach an der nötigen Flatterie, um sich die Gewogenheit der altehrwürdigen eingesessenen PENler zu erhalten. Man muss buckeln können, wenn man von draußen kommt und bleiben will. Das hatte man dem Migrantensohn, schon bei der Begrüßung, mit eben dieser Bezeichnung, vermittelt. 

Das man die ohne Stallgeruch nicht wirklich dabei haben will, ist eine alte Geschichte. Besonders in literarischen Kreisen. Es hat nämlich durchaus Tradition. 

Mich erinnert das Geschehen auch an die berühmte Gruppe 47. Als Paul Celan 1952 nämlich erstmals in Deutschland sein Gedicht Todesfuge bei der Gruppe 47 vorlesen durfte, wurde er von der anwesenden deutschen Literaturelite barsch kritisiert und verspottet. Jüdischer Singsang hieß es. Unbotmäßig sei es.-

Tatsächlich aber war es die Abwehr von einem, der Ahnung hatte, wovon er schreibt. Einem, der wirklich verfolgt war- und die Verfolgung nicht nur literarisch erfand. Einem, der nicht distanziert, mit kühlem Kopf und fein ziseliert darüber schrieb, sondern brutale Sprachbilder schuf, die beim Lesen weh taten.
– Und damit war Celan draußen und gehörte eben nicht dazu. 

Yücel gehört nun auch nicht mehr dazu. Er hat seinen Hut genommen- nach einer Abwahl um die Ecke. Man kann den PEN nun also getrost in PENN umbenennen, – nein,- nicht weil da so viele Alte sind (mit Lebensjahren hat es nämlich nix zu tun), sondern weil da so viele Penner sind, denen das eigene sich stets selbst ehrbeuzeugende Wohlfühlklima wichtiger ist, als die politische Bedeutung, die Literatur und Schreiben haben kann, soll und muss.
Das sind offenbar die Gothaer Bekenntnisse.
Ein literaturpolitischer Offenbarungseid. 

Dieser Eintrag wurde am 14. Mai 2022 veröffentlicht.

Offener Brief an Scholz, aber in gut!

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz,

am 24.2.2022 begann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Dieser russische Überfall war völkerrechtswidrig und durch nichts seitens der Ukraine provoziert.

Seitdem schauen wir gebannt auf das, was einem souveränen Staat, vielleicht wichtiger aber, was seinen Menschen angetan wird.

Wir sehen es im Fernsehen, im Internet, lesen es in den Zeitungen und Zeitschriften, betrachten Bilder und Videos, und können es gleichwohl nur erfassen, nicht aber wirklich verarbeiten:

Millionen Menschen flüchten durch ganz Europa vor dem Krieg – die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Währenddessen beschießt der russische Aggressor Zivilisten, Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser. Frauen werden vergewaltigt. Einfache Bürgerinnen und Bürger werden wahllos erschossen.

Das Massaker von Butscha – mit Leichen, die in den Straßen verstreut lagen, hastig verscharrten Körpern in Massengräbern und Berichten von Folter und Exekutionen – hat uns alle nachhaltig berührt, verstört und wohl endgültig gezeigt: Putins Russland kennt keine moralischen Grenzen mehr. Die völlig entmenschlichende Barbarei wird willkommen geheißen und genutzt.

Wie kein anderes Land kennt Deutschland aus eigener Täterschaft, was eine solche Barbarei bedeutet und wohin sie unweigerlich führt. Das Leid, das das barbarische Deutschland über Millionen Menschen gebracht hat, darf nie vergessen werden. Dieses Leid wurde nur durch das entschiedene Eingreifen äußerer Kräfte beendet, das den deutschen Terror brach und dabei half, Deutschland und die Deutschen zurück in den Kreis zivilisierter Staaten zu bringen.

Die besondere Verantwortung Deutschlands besteht, auch aufgrund seiner Geschichte, darin, anderen demokratischen Staaten und ihren Bürgerinnen und Bürgern zu helfen, wenn die Barbarei danach trachtet, zu töten und zu zerstören.

In den letzten Tagen und Wochen hört man nun Stimmen, die das russische Unrecht zwar anerkennen, aber gleichwohl empfehlen, diesem nicht entschlossen zu begegnen. Sie wägen dabei reale Massaker gegen theoretische Szenarien ab, und weigern sich nach über zwei Monaten des Krieges immer noch, anzuerkennen, dass der Aggressor nicht durch rationales Handeln begrenzt werden kann und dass die von ihm eingesetzten Waffen nicht eine Reaktion auf das Handeln der Ukraine, der NATO, des Westens sind.

Niemand käme hierzulande auf die Idee, einem individuellen Opfer von Gewalt die Verantwortung für das Handeln des Täters zu geben. Bei einem Gewaltakt daneben zu stehen, ihn sich anzuschauen, zu bedauern, ihn abscheulich zu finden – aber nicht einzugreifen, da man Sorge hat, der Täter könnte sich gegen einen selbst wenden, ist feige und unmoralisch; und es bestärkt den Täter, mit seiner Gewalt weiterzumachen.

Man geht dem Täter auch auf dem Leim, wenn man blind seinen Narrativen folgt. Viele hierzulande tun das, wenn sie die Aufnahme selbstbestimmter Staaten in die NATO, die Existenz von Extremisten in der Ukraine oder die historische Verbundschaft zwischen der Ukraine und Russland als Rechtfertigungen für den russischen Angriffskrieg übernehmen.

Eben dies gilt auch für weitergehende Droh- und Paniknarrative aus Moskau.

Es ist wichtig, dass die Bundesrepublik Deutschland ihren Beitrag dazu leistet, den russischen Irrsinn, zumindest in der Ukraine, zu beenden. Worte allein sind dafür nicht ausreichend und auch für Deutschland unangemessen, zum einen wegen seiner politischen und wirtschaftlich Ressourcen, zum anderen vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte.

Die Ukrainerinnen und Ukrainer brauchen Hilfe. Wir können helfen. Wer helfen kann, muss helfen.

Es ist eine Zeitenwende, wie Sie völlig richtig sagten: Deutschland muss sich als wehrhafte Demokratie behaupten. Dazu gehört ideelle, aber eben auch militärische Wehrhaftigkeit. Sie haben das erkannt. Und es ist der richtige Weg, Sanktionen gegen Russland zu verhängen.

Doch das alleine reicht nicht, das sehen wir. Die Menschen in der Ukraine müssen sich gegen Granaten, Panzer, Raketen und Gewehre verteidigen. Dafür reichen Sanktionen und Embargos nicht aus. Die traurige Wahrheit ist, dass einen Krieg nicht derjenige gewinnt, der die Moral und Solidarität auf seiner Seite, sondern der die bessere Armee, die besseren Waffensysteme hat.

Man könnte jetzt argumentieren, dass Russland bei einem Sieg in der Ukraine nicht haltmachen wird. Dass weitere Staaten folgen werden. Dass weitere Frauen vergewaltigt, Zivilisten ermordet werden. Doch das ist nicht der Impetus des Handelns: Es muss geholfen werden, weil eben jetzt das Grauen in die Ukraine eingezogen ist und der Artikel 1 unseres Grundgesetzes nicht differenziert, welcher Nationalität ein Mensch sein muss, um unantastbare Menschenwürde zu haben.

Wir bitten Sie: Helfen Sie der Ukraine, den Ukrainerinnen und Ukrainern. Gehen Sie entschieden und mit allen, auch militärischen Mitteln gegen den russischen Völkermörder und seine Truppen vor; und lassen Sie sich nicht von denen beeindrucken, die hierzulande ihre Prominenz oder Intellektualität über die Menschlichkeit stellen.

Erstunterzeichner

Dr. Sebastian Bartoschek, Psychologe und Journalist

Robert Herr, Vorsitzender der SPD Hartenberg-Münchfeld

Gunnar Scholz, Student

Annette Hartmann

Andreas Kemna, Bundeswehrveteran

Richard Schüll

Stefanie Mandolla

Thomas Mandolla

Rebecca Trost, Biologin

Oliver Debus, Astronom

Ralf Neugebauer, Jurist 

Mirja Dahlmann, Sprachdozentin und freie Journalistin

Dietmar Herzog, Lokomotivführer

Wolfgang Walk, Game Designer

Thomas Roth, Diplom Physiker, Systemanalytiker Kraftwerke und Energieerzeugung

Anke Meeuw, Tierärztin

Monika Kreusel

Denise Gnad

Stefan Menzel, Fachinformatiker

Ina Boy

Andreas Fehler, M.A.

Mario Ohle, Rechtsanwalt/ Soldat

Daniel Anders, Blogger

Julie Anke Martin

Maximilian v. Lütgendorff, Sänger und Schauspieler

Jeanny Passauer, Gründungsmitglied Partei der Humanisten

Peter Ansmann

Bastian Salier, Verleger

Doreen Beinlich

Dane Dillge, Unternehmensberater

Julian Rosenbaum, Elektroniker

Robert Dupuis

Dieter Wachholz, Reisejournalist

Christian Schiffer

Ivonne Höffelmeyer, Zahntechnikerin

Alexander Stürze, Chemiebranche

Susanne Scheidle, freischaffende Künstlerin

Christine Odenthal, Psychologin und Psychotherapeutin (KJP)

Dr. Holm Gero Hümmler, Physiker/Autor/Unternehmensberater

Sigrid Herrmann-Marschall, Islamismusanalystin, Dozentin

Amardeo Sarma, Ingenieur/SPD-Mitglied

Till Oliver Becker, Journalist

Jaqueline Huck, Jugend- und Heimerzieherin

Navina Sarma, Historikerin

Kristiane Sarma

Anna Veronika Wendland, Osteuropahistorikerin

Laura Dümpelfeld, Autorin

André Sebastiani, Referent/ SPD-Mitglied

Dieser Eintrag wurde am 4. Mai 2022 veröffentlicht.

Exkanzlermadonna

Eine Bildbetrachtung von unserem Gastpoeten Martin Jürgens

Allein den Betern kann es noch gelingen“              

Reinhold Schneider

Und als der Krieg

Nach beinah vierzehn Tagen

Keinen Ausblick auf Frieden

Bot, da machte sich ein Paar

Hocheilig auf gen Osten, um

Dem Guten aufzuhelfen, aber ja.

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Hemden innen

Ein Lob des Fehlschlusses und eine kleine Ablenkung in miesen Zeiten von Gastprinzessin Ilse Bindseil

Foto: Marit Hofmann

Im Alter vermehren sich die Fehlschlüsse. Das Gehirn ist nun mal schneller als die Sinne, so empfinde ich es. Ich könnte es auch anders beschreiben: So vollgestopft ist es mit früheren Erlebnissen, dass es als sein eigener Reiz-Reaktions-Apparat funktioniert. Die Außenwelt hat kaum „ping“ gemacht, schon sagt es im Gehirn: „Pong“. 

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Auch in meinem Staat

Zum dritten Advent eine Fortsetzung der Reihe „In meinem Staat“, einer Träumerei von unserer Gastprinzessin Ilse Bindseil

Auch in meinem Staat findet eine Justizreform statt. Honi soit qui mal y pense. Gegenstand ist das Strafrecht. Weiterungen für das Zivilrecht sind nicht ausgeschlossen.

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Dieser Eintrag wurde am 12. Dezember 2021 veröffentlicht. 2 Kommentare

Unorthodoxe Wolkensöhne

Ramona Ambs


Juden sind das Volk des Buches. Das wissen alle, vielleicht bekommen wir deshalb zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Bücher geschenkt. Tragischerweise sind es immer die gleichen Bücher, die man als Jude von Nichtjuden geschenkt bekommt. Jüdische Bücher nämlich. Und zwar vor allem solche, in denen Juden noch „echte Juden“ sind. 

Zu den häufigsten mir mehrfach geschenkten Büchern gehören „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ von Thomas Meyer und „Unorthodox“ von Deborah Feldman. 

Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was ich verbrochen habe, um seit Jahren(!!!) regelmäßig und immer wieder damit beglückt zu werden. 

Denn so unterschiedlich diese beiden Bücher auch sind: sie drehen sich in ihrer je eigenen Weise um die Lieblingsjuden der Deutschen: also den optisch und akustisch jederzeit identifizierbaren Juden mit Kippa, jiddelnd und jammernd,- und mit mindestens einem obligatorischem Klischee gesegnet: entweder mit übergriffiger Mame (bei Meyer), oder eben einem grausamen Bubenverstümmler (bei Feldman). Die Juden- mal als niedliche Schmunzelfiguren mit absonderlichen Gebräuchen, mal als bedrohliche Gestalten. Wie die Mumins und der Kuklux-Clan- nur eben nicht in weiß, sondern eher in schwarz und mit Pejes. In beiden genannten Romanen jedenfalls, befreit sich der Held /die Heldin aus dieser schlimmen jüdischen Umklammerung.
Hmmhmm.
Jetzt könnte ich mal munter drauf los spekulieren, warum das bei deutschen Lesern so wahnsinnig gut ankommt und warum sie das beinah missionarische Bedürfnis haben, derlei an Juden zu verschenken… (und ich kann Euch versichern, dass ich drei vier originelle, aber vermutlich nicht sehr schmeichelhafte Analysen aus der Hüfte schießen könnte…) – aber das Analysieren überlass ich Euch, denn es gibt noch eine andere Kategorie jüdische Bücher, die auf mich niederprasseln: israelische Krimis. 

Nun bin ich eigentlich kein Krimifan- ich find das normale Leben schon aufregend und kriminell genug, aber das kann ja nicht jeder wissen… – Also kenne ich nun mittlerweile alle israelischen  Ermittler von Avi Avraham über Michael Ochajon bis Assaf Rosenthal und war nun schon in jeder dubiosen Gegend rund um den Negev literarisch unterwegs… -Spannend, keine Frage. Aber eigentlich so gar nicht meins…

Ich hab nichts gegen israelische Krimis, aber mein gelobtes Land sind nun mal die Niederlande. Und jeder weiß, wie sehr ich dieses Land mag, aber noch nie hat mir jemand einen niederländischen Roman oder Krimi geschenkt. Stattdessen bekomme ich  immer „was aus meinem Kulturkreis“, wie mir die Leute wohlmeinend versichern. Einmal bekam ich sogar die „Einführung ins Judetum“ von Johnny Magonet. Ein ehrlich ganz gutes Buch find ich – für Nichtjuden! 

Ich hingegen kenn das im Grunde ja… „Bomen naar het bos dragen“ würden die Niederländer dazu sagen. Bäume in den Wald tragen heisst das auf deutsch und meint die Eulen in Athen. Jedenfalls hab ich inzwischen genug Eulen und ich würd im Zweifel lieber einen schlechten goyischen Groschenroman lesen, als noch weitere unorthodoxe Wolkensöhne in mein Bücherragel aufnehmen zu müssen. Ehrlich. Schenkt mir doch einfach mal Bücher, die nicht „aus meinen Kulturkreis“ sind oder – falls Ihr doch ganz unbedingt jüdische Autoren verschenken wollt: Schenkt mir halt meine eigenen Bücher. Die kenn ich zwar auch schon, aber die dann verdien ich wenigstens noch was an der Nummer… und egal, was Ihr für Bücher verschenkt- legt unbedingt eine Tafel Schokolade bei. Das versüßt jeden Buchstaben und stärkt die Nerven. 

Dieser Eintrag wurde am 11. November 2021 veröffentlicht. 1 Kommentar

Was ist der Mensch?

Robert Friedrich von Cube

Seit Jahrtausenden fragen sich Philosophen, was einen Menschen ausmacht. Ist es die unsterbliche Seele? Ist es das Bewusstsein? Die Fähigkeit zur Empathie?Dabei ist die Antwort so einfach. Ein Mensch ist jemand, der sich innerhalb der EU-Außengrenzen aufhält. In diesem Fall gelten die Menschenrechte, hat man einen Anspruch auf Obdach, Existenzsicherung und Nothilfe. Deswegen sind Pushbacks auch illegal: Das, was Sie da zurückschubsen ist ja ein Mensch. Anders wäre der Fall gelagert, wenn man zum Beispiel mit einer langen Stange durch den Grenzzaun pieksen würde. Ungeklärt ist lediglich die Frage, ob es zum Status der Menschlichkeit ausreicht, wenn ein Teil des Körpers über die Grenze ragt oder ob diese vollständig passiert werden muss. Hier können die Erfahrungen mit Torlinien-Kameras helfen und wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass mehr als 50 % der Person zur Menschwerdung über die Grenze gelangt sein müssen. Ob auf der Flucht verlorene Körperteile hierbei zu berücksichtigen sind, ist dann wieder eine Detailfrage.

Ist das ein Mensch oder kann das weg?
Dieser Eintrag wurde am 10. November 2021 veröffentlicht. 1 Kommentar

Revolution, Baby! (8)

Eine Gastprinzessinnenserie von Sibylle Berg

Folge 8: Von avanti popo zu Brigate RoséEine literarische Träumerei von Kuku Schrapnell

Das alte System ist am Ende. Prost!

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Dieser Eintrag wurde am 24. September 2021 veröffentlicht. 2 Kommentare