Das bessere Ende (1)

Heute: Das Männchen mit den Zündelhölzern

In der neuen Reihe „Das bessere Ende“ schreibt Märchenprinz  Sebastian Bartoschek in unregelmäßiger Folge bessere Enden für News. Zum Einstieg hat er sich Martin Lejeunes Rausschmiss aus dem Maritim-Hotel vorgenommen.

prbarot

Klirrend kalt ist die Luft in Düsseldorf. Die Sonne wirft ihre Strahlen durch die Bäume, sie brechen sich im Glasdach der Rezeption des Maritim, bevor sie durch die Fliesen der Vorhalle in einen Teil ihrer Spektralfarbe zerlegt werden.

Martin steht nicht in der Halle. Er steht auch nicht in einem überheizten und nach Hotelteppich riechenden Raum innerhalb des Hotels. Da, wo all die anderen Jungs stehen, deren Freund er doch so gerne wäre. Martin steht an der linken Seite des großen Hotelkomplexes, ein Busch verdeckt die Sicht auf ihn für all die Autofahrer, die durch den nahe gelegenen Kreisel fahren – zum Flughafen, zu ihren Liebsten, vielleicht zu einem der Parkhäuser, um danach in ein Flugzeug zu steigen, um dem Irrsinn des Alltags zumindest für ein paar Tage zu entfliehen. Martin bemerkt sie nicht – sie bemerken Martin nicht. So war es immer. Martin weiß, so wird es wahrscheinlich auch bleiben. Vielleicht aber auch nicht.

Leicht vorn über gebeugt und etwas in den Knien nestelt er vor seinem Körper. „Was machst du da?“ ertönt eine Stimme hinter Martin. Er fährt herum, und ist mit einem unauflösbaren Dilemma konfrontiert: „Allah, du, hier? Ich soll mir doch kein Bild von dir machen. Und jetzt stehst du vor mir.“ „Nicht mein Problem,“ erwidert Allah, „zurück zu meiner Frage: was machst du da?“ Martin lässt die Streichhölzer sinken, die er vorhin noch flugs in der Maritimlobby hat mitgehen lassen. „Ich, äh,“ Martin ist unsicher, „ich, äh, vollende die Strafe Gottes. Feuer. Und so.“ „Einen Scheiß tust du, Martin, einen Scheiß, ehrlich“, tadelt Allah. „Aber, aber, die Juden, Israel, die Zionisten …“ „Martin, bitte, werd erwachsen, es ist schlimm genug, dass wir beide nominell den gleichen Glauben teilen. Lass es einfach gut sein. Jahwe macht schon Witze über meine Gläubigen. Das tut mir weh. Wirklich. Lass es.“

„Na gut,“ sagt da Martin. Ist peinlich berührt. Schleicht von dannen. Und fragt sich, ganz heimlich, ganz tief drinnen, ob dieser Allah nicht eigentlich auch ein Zionist sein könnte …

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