Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (23)

11094347_10201089429154103_5205771120707525300_nDer Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten.

Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Heute ausgefüllt von Peter Finkelgruen, Rundfunkredakteur, Korrespondent und Autor.


1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?


Es war der
Name Conrad Ahlers. Des Journalisten, der vom Staat aus dem Ausland geholt und in den Knast gesteckt wurde. Dies führte dann zum Rücktritt des Verteidungsministers. Daran fühlte ich mich erinnert, als ich mir die Namen Markus Beckedahl und Andre Meister notierte. Jetzt warte ich auf den Rücktritt des Chefs des Verfassungsschutzamtes und seines Dienstherrn, des Innenministers.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?

Jede, bei der ich mit Vergnügen registriere, dass sie von Menschen verfasst wurde, die die deutsche Sprache beherrschen.

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Gibt es diese Einrichtung noch immer? Es ist schon sehr lange her, dass ich mal bei einer war.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Durch Abschreiben von Wikipediawissen.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?

Auf so manchen. Aber ganz sicher auf Stefan Heym. Mit dem ehemaligen Journalisten und Schriftsteller, der es schaffte, seine Unabhängigkeit in der DDR zu bewahren. Mit ihm würde ich gerne über die Möglichkeit diskutieren, konservativ zu sein, ohne marxistische Einsichten aufzugeben.

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?

Eigentlich keinem. Jede/r soll sich so gut blamieren wie er/sie kann.

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?

Ich glaube, dass ich ganz gerne die Juristerei ins Auge gefasst hätte. Ob um in die Fußstapfen meines Vaters zu treten, der Jura studiert hat, aber den entsprechenden Beruf nicht ausüben durfte, oder um die Obrigkeit zu ärgern, kann ich nicht sagen. Leider hatte ich kein Latinum. Statt dessen legte ich das Hebraicum ab.

8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?

Salman Rushdie, Objekt einer noch immer gültigen Fatwa aus dem Iran. Jemand, der seine Erfahrungen gemacht hat mit feigen und opportunistischen Reaktionen und Verhaltensweisen von Politikern und Publizisten aus zahlreichen Ländern. Seiner Stimme sollte heute angesichts einer beispiellosen Offensive des extremen religiösen Fundamentalismus ein größeres Gehör verschafft werden.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?

Einmal habe ich das versucht. Die Zeitung hieß „Freie Jüdische Stimme“. Bis Henryk Broder und ich beschlossen haben, dem linken Antisemitismus in der Bundesrepublik den Rücken zu kehren und uns nach Jerusalem zu begeben. Vielleicht ist es Zeit für die „Neue Freie Jüdische Stimme.“

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?

Keine Zeitung würde Platz dafür hergeben. Er/Sie würde sich dauernd selber (aus der Bibel) zitieren. Das könnte den Werbekunden missfallen.

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