Prinzessinnenreporter proudly presents: Die zehn am wenigsten furchtbaren Weihnachtslieder

Whams „Last Christmas“ führt bei Euch zu akuten Anfällen von Weihnachtshass? Ihr fragt euch genervt, wie lange Chris Reas Arbeitsweg wohl ist, wenn er zwei Monate braucht, um mit seiner Karre rechtzeitig an Weihnachten zuhause zu sein? Ihr könnt es nicht mehr hören, wie John und Yoko einander „Happy Christmas“ wünschen?
Fürchtet euch nicht, denn wir haben zehn Antidote gegen die musikalische Winterüberzuckerung parat, vorgestellt von Popkulturprinzessin Bernhard Torsch.

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Half Man Half Biscuit: „All I want for Christmas is a Dukla Prague Away Kit“

Die Kinderlein, die zu Weihnachten gemäß dem alten Liede „kommen“ sollen, verstehen den Titel dieses Songs wohl nicht mehr, aber 1986 war der FK Dukla Prag noch eine große Mannschaft, die im Europapokal der Pokalsieger, der Vorgängerveranstaltung der Champions League, bis ins Halbfinale kam. In den 60er und 70er Jahren war Dukla eines der europäischen Top-Teams. Der surreale Text der englischen Indy-Band hatte mit dem Wunsch nach einem Auswärtsdress von Dukla Prag als Weihnachtsgeschenk also durchaus eine gewisse Erdung in der Wirklichkeit

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The Goodies: „Father Christmas, do not touch me!“

Santa ist auch nur ein schmutziger alter weißer Mann, der seine Pfoten nicht bei sich behalten kann. WeihnachtsMANN sagt eh schon alles. Die britische Komikertruppe The Goodies machte sich darüber schon Ende der 70er Jahre ernsthafte Gedanken.

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The Kinks: „Father Christmas“

1977 in Großbritannien. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und alle haben Angst vor der IRA. Ray Davies und seine Lads singen mit einem flotten punkrockigen Song gegen die verlogene Weihnachtssentimentalität an. In „Father Christmas“ überfällt eine Jugendbande den Weihnachtsmann und fordert Bargeld. Die Spielsachen soll er ruhig behalten und an die reichen Knaben verschenken. Das Anti-Weihnachtslied wurde etliche Male gecovert, unter anderem von Green Day und Bad Religion.

Father Christmas, give us some money / Don’t mess around with those silly toys / We’ll beat you up if you don’t hand it over / We want your bread so don’t make us annoyed / Give all the toys to the little rich boys

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Bob Dylan: „Must be Santa“

2009 überraschte Bob Dylan mal wieder alle und veröffentlichte ein Album voller Weihnachtslieder. Darunter auch eine Polka-Punk-Version von „Must be Santa“. Dylan führt den auf einem deutschen Trinklied beruhenden Song auf dessen inhaltliche Wurzeln zurück, die da sind: Saufen, grölen, raufen. Wie Weihnachtsfeiern halt allzu oft sind.

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John Cale: „A Child’s Christmas in Wales“

Auf seinem Jahrhundertwerk „Paris 1919“ versuchte sich der Mitbegründer von Velvet Underground unter anderem auch an einem ernsthaften Weihnachtslied. Heraus kam eine herzerwärmende, dennoch unsentimentale und stellenweise zynische Erinnerung an seine Kindheit in der walisischen Provinz – inspiriert von, aber nicht basierend auf Dylan Thomas´gleichnamigem Buch.

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The Pogues & Kirsty MacColl: „Fairytale Of New York“

Gewiss, der Song ist auch schon in Gefahr, abgenudelt zu wirken, weil er in jeder Aufzählung vom Mainstream abweichender Weihnachtslieder vorkommt, aber wie Shane MacGowan und Kirsty MacColl hier ein irisches Junkie- und Säuferpaar geben, das sich in New York streitet, fetzt, versöhnt und wieder streitet, ist allzu schön. Dass MacColl im Jahr 2000 ausgerechnet kurz vor Weihnachten bei einem grauenhaften Badeunfall in Mexiko verstarb, gibt dem Song nachträglich eine bittere Note. In dem Sinne: „Happy Christmas, you arse, I pray God it’s our last!

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Bessie Smith: „At the Christmas Ball“

Die Blues-Pionierin, die den Standard für alle kommenden Blues- und Jazzsängerinnen setzte, war sich schon 1925 über die wahre Natur von Weihnachten im Klaren: Es ist ohne Alkohol nicht auszuhalten. „Christmas comes but once a year, and to me it brings good cheer, and to everyone who likes wine and beer“. Smith starb 1937 an den Folgen eines schweren Autounfalls – auch weil der Rettungswagen sie in ein Krankenhaus für Schwarze brachte statt in ein viel näher gelegenes für Weiße.

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John Denver: „Please, Daddy (don’t get drunk this Christmas)“

Nachdem wir euch nun einige Sauf- und Rauflieder ans Herz gelegt haben, müssen wir natürlich als verantwortungsbewusste Prinzessinnen auch vor den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums warnen. Hierzu nehmen wir John Denver (wen sonst?) und seinen erschütternden Song mit sozialrealistischen Text-Edelsteinen wie diesem: „Just last year when I was only seven / now I’m almost eight as you can see / you came home a quarter past eleven / and fell down underneath the Christmas tree“.

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Nina Simone: „Who knows where the time goes?“

Prinzessinnen altern zwar nicht und falls doch, dann mit äußerster Würde, aber ihr, die ihr ganz gewöhnlich bürgerlich älter werdet, fragt euch bestimmt jede Weihnachtszeit: „Was, schon wieder ein Jahr vorbei?“ Die unvergessene Sandy Denny brachte dieses Gefühl auf den Punkt und die ebenfalls unvergessene Nina Simone singt Dennys Song wie niemand sonst.

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Maddy Prior & Tim Hart: „Serving Girl’s Holiday“

Prinzessinnen haben immer frei und wissen Feiertage daher kaum noch zu schätzen. Das einfache Volk aber, gefangen im Zwang, seine Lebenszeit zu verkaufen, genießt seit jeher die paar Tage im Jahr, an denen man nicht jemand anderem gehört. Maddy Prior grub 1971 ein Gedicht aus dem 15. Jahrhundert aus, in dem ein Dienstmädchen seine Vorfreude auf die freien Weihnachtsfeiertage beschrieb:
I’ve waited longing for this day / Spindle, bobbin and spool, away! / In joy and bliss I’m off to play / Upon this high Holidy“.

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