Übergewichtige Trumpfreunde mit Hirnschäden (Ein kleines FAQ zum Super Bowl, der dieses Jahr ungewohnt politisiert ist)

  1. Making America Great Again: Tom Brady.

    Making America Great Again: Tom Brady.

    Was ist der Super Bowl?

Der Super Bowl ist jedes Jahr aufs Neue das Endspiel der National Football League (NFL), der American Football-Meisterschaft. Nach einer regulären Saison kommen 12 von 32 an der NFL teilnehmenden Mannschaften in die Playoffs, eine K.O.-Runde, deren krönenden Abschluss eben der Super Bowl bildet. Dieses Jahr wird die Meisterschaft in dieser Form zum 51. Mal ausgespielt – daher heißt die diesjährige Edition Super Bowl LI. (Übrigens sind die Super Bowl-Nummern neben unzähligen Rocky-Teilen der Hauptgrund, römische Zahlen zu lernen.) Ausgetragen wird das Finale dieses Jahr in Houston, Texas, und es stehen sich dabei Atlanta Falcons und New England Patriots gegenüber.

 

  1. Wie American Football? Und was hat das mit Bowling zu tun?

Nichts. Im Gegensatz zu Bowling, bei dem übergewichtige Mittelschichtler eine schwere Kugel eine kurze Bahn hinunterrollen lassen, ist Football der Sport, bei dem übergewichtige Millionäre ein leichtes Lederei über ein langes Feld werfen. Dabei hauen sie sich so doll auf die Schädel, dass nur die wenigstens von ihrer Karriere keine lebenslangen Hirnschäden davontragen. Weil Football aber nur einmal pro Woche gespielt wird und die NFL-Saison inklusive Playoffs lediglich fünf Monate dauert, hauen die Footballer in der Zwischenzeit – aus Langeweile, angestauter Aggression oder eben aufgrund der Hirnschäden – gerne mal auch auf ihre Lebenspartnerinnen.

Der Begriff “Super Bowl” jedenfalls kommt vom schüsselförmigen (bowl = Schüssel) Rose Bowl-Stadion, in dem frühe Football-Meisterschaften ausgetragen wurden.

 

  1. Und warum soll es mich interessieren?

Der sportliche Wert der Veranstaltung dürfte recht klar sein, zumal im Football im Gegensatz zu den ebenfalls in den USA beliebten Baseball, Eishockey und Basketball die Meisterschaft nicht in ganzen Serien ausgespielt wird, sondern in einem einzigen Finale, an dem alles passieren kann. Sepp Herberger, der vom Fernsehen nicht so viel hielt, sagte einmal: “Die Leute gehen ins Stadion, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.”

Doch der Super Bowl hat eine Bedeutung weit über das reine Interesse an Sport hinaus. Es ist – wie das Finale der Fußballweltmeisterschaft für Europäer und Südamerikaner – das eine Spiel, das sich alle anschauen, und daher ein mediales und kulturelles Großereignis. Wer viel Geld für einen der begehrten Slots in den Werbepausen ausgibt, will, dass seine Message ankommt – und produziert innovative, oft später Kult gewordene Werbespots. Bei der Show in der Halbzeit versucht sich die NFL jedes Jahr aufs Neue zu überbieten, und sorgt manchmal für mehr Gesprächsstoff als das Spiel selbst. Kurzum, in den Worten des amtierenden Präsidenten:

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  1. Was ist dieses Jahr so besonders?

Damit wären wir auch schon bei dem hyperaktiven Kleinkind im Körper eines 70-jährigen baldigen Bypass-Patienten. Denn es ist der erste Super Bowl mit dem Whiner-in-Chief als Anführer der freien Welt, und ich weiß ja nicht, ob Sie es mitbekommen haben, aber die Personalie ist gelinde gesagt kontrovers. Da ist es kein Wunder, dass die politischen Debatten auch um das NFL-Finale keinen Bogen machen; alleine schon, um zu erfahren, wie die bekennende Liberale Lady Gaga, die die diesjährige Halbzeitshow gestalten darf, auf die Ereignisse reagieren wird, lohnt es sich einzuschalten. Davor darf aber Trump selbst sprechen: In dem traditionellen Super Bowl-Interview wird Präsident Pussygrabber von Fox News-Anheizer Bill O’Reilly in die Mangel genommen. Erste Ausschnitte lassen vermuten, dass man erneut die ganze restliche Woche nicht aus dem Kopfschütteln herauskommen wird.

Zudem bietet kaum ein Team im Kollektivbewusstsein einen besseren Fußabtreter über die Frustration mit dem Freund pissgelber Vorhänge und anderer Textilien, als die in Foxborough, Massachusetts beheimateten New England Patriots. Vielleicht liegt es daran, dass die Patriots schon vier Mal den Super Bowl gewonnen haben, zuletzt erst vor zwei Jahren, ihr heutiger Gegner die Atlanta Falcons aber noch nie. Vielleicht auch daran, dass das Wort “Patriot” in Zeiten von Sith Lord Darth Bannon ein wenig von seinem Lack abgekriegt hat. Vielleicht aber auch daran, dass der Besitzer, der Chefcoach und der Spielmacher der Patriots allesamt mehr oder weniger eindeutig ihre Sympathiebekundungen für die derzeitige Regierung ausgesprochen haben. Während Besitzer Robert Kraft ein Kumpel Trumps ist, entblödete sich Chefcoach Bill Belichik nicht, noch vor der Machtergreifung während der Wahlkampagne an den einstigen Reality TV-Star einen Brief voll heißer Bewunderung über dessen Führungsqualitäten zu verschicken; ähnliche Töne schlug auch Quarterback Tom Brady an.

Die Marketing-Abteilung der Atlanta Falcons hat jedenfalls verstanden, wie sie zumindest den Titel des Super Bowl-Siegers der Herzen zu gewinnen vermag: Ihr Anfeuerungsslogan, “Rise up”, kann so gesehen werden, dass er sich nur auf den Flügelschlag des Wappentiers Falke bezieht – oder eben als Aufruf zum politischen Protest gegen eine zutiefst unbeliebte Regierung.

 

von Alexander Rasumny

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