Wunschzettel (staatstragend)

kroneEin Stoßseufzer von Svenna Triebler

Werte demokratische Parteien!

Politikberatung ist ja nicht so unsere Hauptaufgabe; aber auch wir sind im kommenden Herbst aufgerufen, unser Wahlrecht wahrzunehmen. Und das würden wir wirklich gerne nutzen, um für „Aufklärung, Anstand und Eleganz im Umgang mit Mitmenschen“ (Mely Kiyak) und gegen die Arschlochisierung des Abendlands zu stimmen.
An dieser Stelle kommt Ihr ins Spiel – beziehungsweise, Ihr könntet es, tut es aber nicht. Dabei wäre es gar nicht so schwer, wir suchen einfach nur eine Partei, die folgende Kriterien erfüllt:

1. Sie sollte realistische Chancen haben, in den Bundestag einzuziehen. Sorry, liebe PARTEI, so gerne einige von uns Dich in den vergangenen Jahren gewählt haben: Diesmal geht es leider darum, die AfD, wenn es schon nicht gelingt, sie aus dem Bundestag fern-, dann doch wenigstens so kleinzuhalten wie möglich.

2. Sie sollte – und da liegt unser Problem mit Euch – vor allem aber auch dafür einstehen, die Ideologie der AfD aus der Politik fernzuhalten, statt dieser hinterherzurennen wie der sprichwörtliche Esel der vor der Nase baumelnden Möhre. Damit gewinnt Ihr keine Wähler von den Arschisten zurück, die wählen nämlich lieber das Original.

3. Sich darauf zu verlassen, daß alle anderen irgendeine von Euch schon als kleineres Übel wählen werden, kann böse schiefgehen. Fragt mal Hillary Clinton.
3.1. Zumal wir wirklich nicht wissen, worin das kleinere Übel von Parteien bestehen soll, deren Spitzenpersonal wahlweise Interviews bei RT Deutsch gibt (Wagenknecht), in Onkel-Gottfried-Manier über „political correctness“ jammert (Kretschmann), auf „Überfremdungsängste eingehen“ will (Gabriel) oder aber persönlich vielleicht sogar halbwegs okay ist (Merkel), aber leider der gleichen Partei angehört wie Thomas de Maizière und Erika Steinbach.

4. Wählenswert wäre dagegen eine Partei, die zur Abwechslung mal die Sorgen und Ängste jener 84 Prozent der Bevölkerung ernst nehmen würde, die laut ARD-Deutschlandtrend die größte Gefahr im Land in rechtsextremen Anschlägen und Übergriffen sehen.
4.1. Die sich für das Grundrecht auf Asyl einsetzen würde, statt es ständig weiter einzuschränken.
4.2. Und für eine Sozialpolitik, die diesen Namen verdient.
4.3. Und die himmelarschundzwirnherrgottnochmal einfach so viel Selbsterhaltungstrieb besäße, nicht den Wahlkampf der AfD zu betreiben.

Ihr seht, wir verlangen nichts Unmögliches und nicht einmal „das Einfache, das schwer zu machen ist“ (Brecht). Wir möchten bloß einmal im Leben nicht sagen müssen: „Wir haben’s euch ja gesagt, aber ihr wolltet ja nicht hören.“ Also überlegt noch einmal gründlich, ob Ihr wirklich als die verantwortungslosesten und hirnverbranntesten Anwärter auf den politischen Darwin-Award des frühen 21. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher eingehen wollt oder doch lieber auf uns und unseren Kollegen Ismail Küpeli hört.

 

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Dieser Beitrag wurde am 8. Dezember 2016 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar

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