Das Madame Tussaud-Dekret

Wachsfiguren Prominenter führen in Redaktionen regelmäßig zu albernen Überschriften und neckischen Fotos. Und das nun schon seit Jahrzehnten. So kann das nicht weitergehen, deswegen ergeht nun folgendes Dekret
von Nichtswachsfigurenprinzessin Elke Wittich

1. Madame Tussaud stellt Wachsfiguren von Prominenten her (beziehungsweise, um genau zu sein: Viele Madame Tussaud-Filialen auf der ganzen Welt bilden mehr oder weniger oder zumindest bei ihnen vor Ort berühmte Personen in Wachs nach und stellen diese dann aus).

2. Und das geht schon so seit 1802, als Madame Tussaud zum ersten Mal ihre Sammlung von den Wachsköpfen während der französischen Revolution Guillotinierter in London ausstellte.

3. In Journalistenkreisen hätte man eigentlich also genug Zeit gehabt, sich daran zu gewöhnen, dass Promi und Puppe sich relativ ähnlich sehen.

4. Niemand käme auf die Idee, hymische Artikel darüber zu verfassen, dass sich im örtlichen Zoo Tiere befinden, die dazu auch noch genau so aussehen, wie wie sie auszusehen haben. Entsprechend ist es auch nicht nötig, Texte über Madame Tussaud zu verfassen, in denen das Evidente gefeiert wird, nämlich dass dort Wachsfiguren Prominenter anzuschauen sind, die wie diese Promis aussehen.

5. Neckische Überschriften, in denen es sinngemäß heißt: Wer ist denn nun die/der echte XX und wer die Puppe? sind grundsätzlich fehl am Platz, vor allem dann, wenn ein Bild darunter einen lustige Verrenkungen machenden Promi und seine deutlich als solche zu erkennende, statisch dastehende Wachspuppe zeigt.

6. Weil: Leser, zumindestens Qualitätsleser, sind nicht doof und können Original und Nachbildung auf einen Blick unterscheiden.

7. Mit solchem Unfug wird uns die Rettung des Journalismus nur unnötig erschwert. Wir bitten davon in Zukunft abzusehen, danke.

 

 

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