Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (13)

 Ausgefüllt von Michael Sailer

 

Brachte die britische Sängerin P. J. Harvey zum Abbruch einer Pressekonferenz: Michael Sailer

Brachte die britische Sängerin P. J. Harvey zum Abbruch einer Pressekonferenz: Michael Sailer

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und im Sommer lassen wir nun mal auch gern andere für uns arbeiten. 
Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Weil er es in der Schule nun einmal gelernt hatte, fing Michael Sailer irgendwann an zu schreiben, und weil er aber sonst kaum etwas gelernt hat, hat er bis heute nicht damit aufgehört. Seine Texte sind in allen möglichen Zeitschriften, Zeitungen und Büchern erschienen und tun das auch weiterhin (siehe auch michaelsailer.de). Eine Auswahl seiner taz-wahrheits-Kolumne „Schwabinger Krawall“ ist gerade als Hörbuch bei Antje Kunstmann erschienen.

 

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autornamen gemerkt und warum?
Ich glaube, das war Josef Joffe, der Grund war Empörung.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?
„Aufschwung kommt bei den Bürgern an“ (SZ)  und „Viele Deutsche dafür: Prügelstrafe für dumme CSU-Politiker“ (Schwabinger „Bild“-Fake, 1994)

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?
Ich war nur auf zwei. Bei der ersten fragte ich Polly Jean Harvey nach dem Unterschied zwischen Wahrheit und Schönheit, woraufhin sie die PK abbrach. (In der Biographie von James Blandford wird die Frage, die sie „deftly avoided“ habe, „a French journalist“ zugeschrieben.) Bei der zweiten fiel niemandem etwas ein, was sie/er David Bowie fragen könnte.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?
Ökonomisch.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?
Wahrscheinlich doch Karl Kraus.

6) Und wem auf Erden würden Sie/würdest Du am liebsten den Stift klauen?
Einigen. Damit sie (schriftlich) schweigen.
7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?
Ich habe keinen Beruf, aber vorstellen kann ich mir alles mögliche.

8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?
Alles erledigt.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?
Das wäre mir zuviel Arbeit.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?
Ich wäre mehr am Teufel interessiert. Die Zeitung wäre mir dann egal.

 

 

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Dieser Beitrag wurde am 19. August 2015 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare

5 Gedanken zu „Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (13)

  1. Auch DU, Michael?! – Karl Kraus im Himmel der Journalisten: Das ist doch wie Schopenhauer im Elysium der Daseinsbejaher, Karl May im Limbo der Wahrheitsfanatiker oder Prinz Kasimir im Nirwana der Veganer. Menno!

  2. Aber, lieber Kay: ein Himmel der Preßköter OHNE Kraus? Statt dessen ein Kraus-Himmel mit niemandem als Kraus? Das wäre eine grause Vorstellung. Wer möchte da hinein (außer denen)?

  3. Lieber Michael – aber das ist doch gerade der Witz: Daß die Journalisten dort alle unter sich sind, niemanden zum Verleumden, Falschzitieren und Anprangern haben als sich selbst, niemand ihnen dabei hilft, sich vor der eigenen Dummheit zu schützen, niemand sie von der eigenen Ödnis und Wichtigtuerei erlöst! Frei nach Sartre: Die Hölle, das sind die anderen Journalisten.
    Und KK? Muß sich mit Schopenhauer rumärgern. Excelsior!

    • Ja … aber: Ist die Hölle der Journalisten denn ihr Himmel zugleich? Jessas, daß wir mal in die Theologie hineingeraten …

      • Das Konzept einer seelischen Unsterblichkeit finde ich, je älter ich werde, desto infernalischer. Ganz ohne Theologie. – Und nun sage ich an dieser Stelle nichts mehr, weil sonst die prinzesslichen Hoheiten zu Recht genervt sein dürften.

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