Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (14)

 Ausgefüllt von Christian Nürnberger

„Wieso gibt’s eigentlich keine Prinzenreporter? Davon abgesehen kommen hier meine Knechts-Antworten auf die Prinzessinnenfragen“: Christian Nürnberger

„Wieso gibt’s eigentlich keine Prinzenreporter? Davon abgesehen kommen hier meine Knechts-Antworten auf die Prinzessinnenfragen“: Christian Nürnberger

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und im Sommer lassen wir nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Der Publizist und freie Autor
(unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit) Christian Nürnberger hat gerade das Buch „Die verkaufte Demokratie. Wie unser Land dem Geld geopfert wird“ veröffentlicht; http://christian-nuernberger.de.

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann haben Sie sich zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

Es fing an, als ich mit 16 begann die ZEIT zu lesen. Da merkte ich mir die Namen Marion Gräfin Dönhoff, Theo Sommer, Rudolf Walter Leonhardt und Fritz Raddatz und wollte so schreiben wie sie. Ich ahmte deren Schreibstil nach, und als ich es konnte, wurde gerade die Hamburger Henri-Nannen-Schule gegründet, ich bewarb mich und schaffte es auf Anhieb, einen der damals schon heftig begehrten zwanzig Plätze zu bekommen. Von jenem Moment an achtete ich auf jeden Namen, und heute lese ich manchmal Artikel aus dem einzigen Grund, weil darunter ein von mir geschätzter Name darunter steht, selbst dann, wenn mich das Thema eigentlich gar nicht interessiert. Und in der Regel werde ich nie enttäuscht.

2) Wie lautet Ihre Lieblingsschlagzeile?

Auf der Journalistenschule vor mehr als dreißig Jahren lautete sie: Deutscher Schäferhund leckt Inge Meysel Brustkrebs weg. Eigentlich gefällt mir diese Zeile immer noch. Heute würde man vielleicht Inge Meysel durch Daniela Katzenberger, Heidi Klum oder irgendein Dschungelcamp-Luder ersetzen. Und der Schäferhund wäre ein Portugiesischer Wasserhund oder ein Labradudel.

3) Ihr peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Ich meide Pressekonferenzen und gebe lieber selber welche.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Mit noch mehr vom Gleichen, noch mehr News, noch schnelleren Schnellschüssen, noch mehr Schielen auf Klickraten und Quoten und noch mehr Unterwerfung unter den Aktualitätsterror. Und dass ich an jedem heißen Tag im Hochsommer mehrfach auf allen Kanälen mitgeteilt bekomme, dass es draußen heiß ist, halte ich auch nicht für das größte Erfolgsrezept.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würden Sie sich freuen?

Börne, Heine, Tucholsky und die Propheten des Alten Testaments, das waren die ersten Journalisten der Weltgeschichte.

6) Und wem auf Erden würden Sie am liebsten den Stift klauen?

Allen, die mich langweilen, also ziemlich vielen.

7) Welchen anderen Beruf hätten Sie sich noch vorstellen können?

Ich hatte schon ein paar Berufe, bevor ich Journalist wurde: Bauernbub, Physiklaborant, Bundeswehroffizier, Lastwagenfahrer, Kellner, Barkeeper, Halbtheologe, Beinahepfarrer, Bundestagskandidat, und noch immer bin ich im Nebenberuf Vater, Hausmeister, Systemadministrator, Auto-zum-TÜV-und-in-die-Werkstattbringer und Ehemann des Gesichts des ZDF – also mein Bedarf ist gedeckt und bin daher jetzt eigentlich recht zufrieden mit meinem derzeitigen Hauptberuf.

8) Ihr/e Wunschinterviewpartner/in?

Angela Merkel natürlich – um sie endlich einmal aus der Reserve zu locken. Aber dafür bräuchte ich mindestens vier Stunden, soviel Zeit gäbe sie mir nie. Dann halt Jesus oder Maria.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Sie ganz alleiniger Chefredakteurkönig wären? Und wie würde sie heißen?

Heißen würde sie natürlich CNN’s Christian Nürnbergers Nachrichten, sie wäre politisch total unkorrekt, ungeheuer investigativ, kritisch, provokant, aufklärerisch, innovativ, aufrührerisch mit einem sehr werbefeindlichen Umfeld und darum sehr schnell pleite.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät er schreiben?

Er wäre eine Journalistin und schriebe exklusiv für Christiane Nürnbergers Nachrichten.

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