Na vielen Dank, Quatschverzapferin vom WDR

Screen Shot 2015-10-04 at 7.21.36 PMWe are not amused.
Da retten wir Prinzessinnenreporter unermüdlich den Journalismus vor den Lügenpresse-Schreiern und allen anderen Horden der Finsternis, und dann setzt sich eine WDR-Journalistin in eine niederländische Rundfunk-Diskussion und erklärt auf die Frage, ob sie positiv über Flüchtlinge berichten musste: „Wir sind öffentlich-rechtlicher Rundfunk und darum angehalten, das Problem in einer mehr positiven Art anzugehen. Das beginnt mit der Willkommenskultur von Merkel bis zu dem Augenblick, als die Stimmung kippte und es mehr kritische Stimmen im Rundfunk und auch von der Politik gab.“
Nun ist ihre Entschuldigung, sie habe „unter dem Druck der Live-Situation in der Talkrunde totalen Quatsch verzapft“ so schlecht nicht, denn sie erklärt schließlich, warum Talkshows und Talkshow-ähnliche Sendungen generell unanguckbar sind, nämlich wegen Quatsch verzapfen.

Viel schlimmer als nur ein bisschen „da hat halt mal jemand Unsinn geredet“ ist die Sache aber schon – wie wir an diesem Montag und wahrscheinlich an allen folgenden Montagen bei Pegida und sämtlichen anderen Kundgebungen der besorgten Bürgerdarsteller hören werden. Und wie vielleicht, mit ein bisschen Pech, auch wieder der eine oder andere Journalist oder Fotograf zu spüren bekommen wird.

Wir Prinzessinnenreporter wünschen jedenfalls, dass das Verzapfen totalen Quatsches durch Journalisten künftig unterbleibt, danke.

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Dieser Beitrag wurde am 18. Januar 2016 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 11 Kommentare

11 Gedanken zu „Na vielen Dank, Quatschverzapferin vom WDR

  1. Es ist wie so oft: Die Größe des Kamms entscheidet nicht über Akkuratheit des Scheitels! Und wo wir schon bei den Haaren sind: Aus der Tatsache, dass ein Pariser einen schwarzen Schopf hat, lässt sich nicht schließen, dass alle Pariser schwarzes Haupthaar trügen! Im Berliner Kabinett (ebenso wenig wie im bayerischen) sitzen nicht ausnahmslos Nobelpreisträger: Man möchte aber Herrn Dobrindt auch nicht mit Herrn Steinmeier verwechseln (obwohl?). Aber nähern wir uns nicht den Knalltüten der Pegida, wenn wir von einer Äußerung einer Journalistin auf die Seriosität aller schließen? Davon unbenommen bleibt natürlich die Forderung, dass das Verzapfen … gefälligst zu unterbleiben habe. Wenn schon Kraus, dann den: „Das Niveau wird immer höher, aber keiner ist mehr druff!“

  2. Damen, Herren, Hochwohlgeborene!

    Wer hier das Lesen propagiert, macht sich mit jedweder Lügenpresse gemein! Richtiger Journalismus wird niemals auf das Schreiben verzichten, aber Qualität zeichnet sich dadurch aus, nicht gelesen zu werden.

    Dieses zu leugnen macht nicht verdächtig, es enttarnt!
    Think!

    1+88? Das soll ja wohl wieder ein perfider Trick sein, damit ich nicht gelesen werde…

  3. Ich halte das Zitat für passend. Aber der Zusammenhang von „unpassend“ und „ihn vielleicht mal lesen“ erschließt sich mir nicht. Liegt hier ein logischer Schluckauf vor? Worin der Zusammenhang von Qualität und Rezeption bzw. Nichtrezeption besteht, auch nicht. Ich thinke und thinke und mir will es einfach nicht in den Kopf.

    • Denken statt „thinken“ und überhaupt etwas mehr Respekt vor der Sprache können – neben intensiver KK-Lektüre – auch nicht schaden, lieber „Protagoras“ (warum eigentlich nicht gleich „Plato“ als Pseudonym?). – Aber ich will versuchen, Ihnen die Angelegenheit in möglichst schlichten Worten zu erklären.
      1) Die Verachtung der Presse als solcher hat mit dem Pegidazi-„Lügenpresse“-Gebrüll nichts zu tun. Dem Faschopack ist nur die Presse verhaßt, die nicht faschistisch sein will. Wenn Sie nun die Pressebeschimpfung untersagen wollen, weil der Schimpfer (in diesem Fall: ich) sich damit in die Nähe der „Knalltüten“, besser: Nazis, begeben würde, zeigen Sie damit nur, daß Sie im Leben noch nichts von Karl Kraus gelesen haben.
      2) Woher haben Sie eigentlich das Kraus-Zitat? In der „Fackel“ steht es nicht; über eine exakte Quellenangabe würde ich mich freuen. – Bis dahin erfreue ich wiederum Sie mit einem Zitat, das tatsächlich zum Blogpost der verehrten Prinzessinnen paßt: „… eine Presse, die bereits die Zuchtrute jener Verworfenheit ist, deren Vertretung sie übernommen hat, weil sie alles übertrumpft, was tagszuvor die satirische Entrüstung ihr andichten wollte, und vor der wirklich nichts zu tun übrig bleibt als sie unaufhörlich nachzudrucken“: So Meister Kraus im „Untergang der Welt durch schwarze Magie“; ein Text, den Sie zweifellos und zu Ihrem Schaden nicht kennen.
      3) Und wie wahr alles bleibt, was KK jemals zur Presse schrieb, können Sie aktuell hier überprüfen:
      http://www.bildblog.de/75651/ich-dachte-es-gibt-ethische-grenzen/
      4) Für den Schluckauf in Ihrer Logik wünsche ich gute Besserung.

  4. Ojemine, jetzt auch noch einen Philologendisput! Sollte Ihnen entgangen sein, dass hier der Platz der Ironie, der Hyperbel, des Spaßes ist? Ihren Vorschlag Platon als Pseudonym in Betracht zu ziehen, weise ich brüsk zurück. Er scheint mir als Ihr Schutzpatron geeigneter, falls Ihr Meister zwei Herzen in Ihrer Brust zulässt. Hier liegt der Hase im Pfeffer: Protagoras, den ich zu meinem Namensgeber erkoren habe, vertrat sehr im Gegensatz zum Akademiker, die Möglichkeit zweier Sichtweisen, gar entgegengesetzter Meinungen, ein und derselben Sache. Wenn Sie sich gleich Ihrem Meister dem fanatischen Kampf gegen die Presse verschrieben haben, sei´s drum: Dann ist das Ihrer beider Kampf. Aber mit noch so viel Beteuerungen, Bekenntnissen, Empfehlungen werden Sie kein guter Diener Ihrer gemiensamen Sache sein. Ach die Wahrheit, welch schillernde Kanaille, die Gewissheit vorgaukelt, wo Demut angebracht wäre. (Nein, von keinem Meister, von mir.) Gerade in diesem Blog zeigt sich auf wunderbare Weise, welches Potential dem Humor innewohnt, dem die Knalltüten damals wie heute nichts entgegenzusetzen haben. Mit sprachpolizeylichen Maßnahmen werden Sie nicht dagegen halten können. Ihrem Meister soll zu Hitler auch nichts mehr eingefallen sein. Lachen Sie mehr! Dionysischer, mein Lieber, werden Sie dionysischer, tanzen Sie mehr oder lassen Sie wahlweise die Tasten tanzen, aber grämen Sie sich nicht, die Ignoranz ist die Rache der Schwachen an der Klugscheißerei der Wissensbesitzer, der Ohnmächtige dreht dem Experten die lange Nase. Tja, so ist das.

  5. Nein, nein so geht das nicht! Sie können mir mit noch so schlichten Worten erklären, was Sie wollen, es will mir nicht einleuchten. Nur weil Sie „dionysisch“ hören, reagieren Sie reflexhaft mit „Nietzsche“? Sie unterstellen zu viel – das ist keine gute Technik. Wenn Ihnen so viel an der Quelle liegt, googeln Sie doch, oder ist das nicht fundiert genug? Meine Kraus-Bände stehen im Keller, nicht weil ich ihn missachte, sondern weil ich nirgendwo anders Platz habe. Überdies beherzigen Sie doch einfach die Botschaft, die behält ihre Gültigkeit, selbst wenn die Quellenangabe fehlt. Im Land der Fußnote gilt das vielleicht nicht viel, der Bildungshuber redet gern vom Reiten, freilich ohne jemals ein Pferd bestiegen zu haben. Sie wollen nicht den Dialog, Sie verlangt es nach Selbstdarstellung, Ihr Meister ist ja auch gern öffentlich aufgetreten. Ach, ich eigne mich so schlecht als Adressat von Predigten. Mir ist die Frage wichtiger als die Antwort, die Unsicherheit erscheint mir verlässlicher als all die Gewissheiten. Ich bin kein Platoniker, kein Nietzscheaner, kein … Da steht mir Valéry näher: „Ich bin nicht immer meiner Meinung.“ (Nein, wieder keine Quellenangabe, verdammt!) Sie sehen, selbst Ihre schlichten Worte, erreichen mein thumbes Gemüt nicht. Oh Gott, bin ich verloren?

  6. „Die Visionen der Eliten überschreiten niemals ihr Portemonnaie, man muss auf das Schlimmste gefasst sein.“
    Maurizio Lazzarato, Die Fabrik des verschuldeten Menschen, Bln. 2012, S. 9

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