Reportage relativer Relation

Seriöser Reporter: Lord Harald Darlington Stazol

Oder: „Die wahre Ware Wahrheit (Golo Mann)

Was stimmt hier und was nicht. Ein Report von Harald Nicolas Stazol 

Gerade gestern ist meine auf eigene Kosten instandbesetzte Concorde fertig geworden – für 300 Millionen ein Pappenstiel! – und ich fliege Überschallgeschwindigkeit, mit schweißnassen Händen am Steuer über die noch nicht fertiggestellte mexikanische Mauer, während der mandschurische Reisbauer Lieu di Dieu, 109, fast, nur fast, einem Herzinfarkt erliegt – Ginsengwurzeln zum Frühstück, verhindern es, und seine drei unmündigen Kinder, Fing, 3, Han, 5 und San, 8 und seine Drittfrau Peng Fing, 17, sie leidet an einem eingewachsenen Zehennagel, eben nur fast, alleine zurücklässt, frage ich mich: Warum haben wir Deutschen unsere ganz fertige Mauer einfach nicht eingelagert und jetzt exportiert? Die Chinesen der Ming-Zeit, oder war es Song, oder Tang haben es mit ihrer Mauer ja auch geschafft, fast im Alleingang, und nun springen die wohl in die Bresche,oder darüber, warum nur, warum?

Der Champagnerwinzer René de Corque, 54, fragt es sich auch, er liest die Trauben jeden Tag, aber was soll es, sein Cremant, 2014, der mir in der 6 Quadratmeter großen Pilotenkanzel von meinem englischen Butler Jorge, Alter unbekannt, serviert wird, perlt, wie ein Huhn von 16 Monaten.

Ich muss ein wenig lächeln, nein eigentlich schmunzeln, recht eigentlich aber lachen, dass da plötzlich drei F-16 der US Luftwaffe neben uns auftauchen und sofort abdrehen, als mein indischer Copilot – seinen Namen kann ich leider nicht aussprechen, er ist aber recht jung, ich nenne ihn zärtlich Tea Bag – über Funk durchgibt, „There is no problem, hat alles seine Richtigkeit, es ist nur Lord Darlington, Donald weiß Bescheid!“ – „Roger!“ funkt Fighter-Pilot James Cook, 22, er liebt es, frei zu sein wie ein dunkelfiedriger Adler, er funkt also zurück und wirft einfach ein paar Bömbchen über den endlos-unbesiedelten Weiten New Mexikos ab – er hat gerade nichts anderes zu tun (und der Erfolgsdruck ist sehr, sehr groß!) – mit den Worten, auch er hat deutsche Vorfahren: „Ick wünsche guten Waiterfluck!“.

Was mich an den Waiter im Maxim´s, Table 12, Blick aufdie Champs Elysées (une surprise,  un miracle, recht überraschend, da die Adresse 3, Rue Royal ist), erinnert, den ich 1998 beim Lunch mit Yves Sein Laurence, so hieß er doch, naja, lange her, aus Versehen „Kellner“ rief, wo doch „Gascoigne“ viel richtiger gewesen wäre, und der mir auf der lila-hellblauen Rechnung von 280000 Alten Francs die Worte, „Je suis versklavt, retten Sie misch, s´il vous plait“ schrieb. Ich gebe 1000 druckfrische Dollar Trinkgeld. Ich hoffe, das rettet ihn ein bisschen.

Denn leider habe ich, damals vielleicht 22, womöglich gefühlte 18, tatsächlich weiß ich es beim besten Willen nicht mehr, soll doch jemand anderes in meine bald erscheinende Autobiographie gucken, eben anderes vor. Ganz anderes. Wenn ich nur wüsste was, aber Yves eben hat auch noch nen Plan, und wir trennen uns um 22.34 Uhr MEZ, und ich breche aus irgendeinem Grunde nach Metz auf, ach ja, dort soll mir von Cora Schnippisch wieder einmal irgendein ein Preis verleihen werden, kein Wunder, ich habe vor zwei, drei Wochen ja auch etwa 10000 Neue Francs überwiesen, nach einem Spendenaufruf für Notleidende Kirchenbauer, ein Jean de Clochard hatte mich privat angeschrieben, und ich konnte die Spende ja auch abschreiben, abschreiben mag ich eh gern. Aber, und hier muss man mir glauben, sowas tue ich sonst eigentlich nie.

Tolle, wichtige, also bedeutende Leute suchen immer meine Nähe, viele geben dafür freiwillig Geld, das ich meist spende, meist für Renovierungen von prächtigen Schlössern und grasgrünen Parks, oft im Osten, wofür man mir sehr dankbar ist!

Ach, Leute, wie etwa The Donald! Mon vieux ami. Er weiß ja, dass ich ihn mag.

Das war nicht immer so! Als wir uns kennenlernen, 1996, in seinem auf das Geschmackvollste über und über in goldschimmernden Silber dekorierten Plaza Hotel, direkt am Hyde Park, weil seine Tochter, Ivanka, damals 14, noch schwarzhaarige Christin und nur Model auf einer Calvin-Klein-Schau läuft. Da winkt er mich zu sich auf den freien Platz neben ihm, Reihe 1, Nummer 5, (war es doch bei Chanel?). Und dankbar nehme ich auf dem fragil-winzigenGoldstühlchen, Platz.

Damals ist er noch Pleitier, er hat halt ein wenig Pech gehabt, und ich sage höflich, „your daughter ist very beautiful!“, und er sagt, rotgesichtig vor Stolz, fast purpurn, nunja, mit einem Anflug von Rosa, was wunderbar mit seinem Goldblond harmoniert, „my wife, too“, und von da an sind wir unzertrennlich.

Mein Auftrag, der weit vorausschauende, niemals zurückschauende BND hatte die Idee am grünen Tisch, ihn kurzerhand zu garottieren, nur eben blitzschnell und gezielt, auf dass er tot aufrecht sitzen bleibt, sein Gesicht langsam blau werdend. Ich aber eben hochschnellend, dann die schneeweißen, eisglatten Marmortreppen des Plaza hinunter, ins auf regennasser Fifth Avenue wartende gelbe Taxi.

Zu Mahmoud, meinem koptischen Fahrer, oder war er jüdischen Glaubens, jedenfalls ist er, das sehe ich auf seiner winzig am Rückspiegel baumelnden Lizenz mit Foto, 22 1/2. Und ab zum Flughafen KFC, zur Concorde nach Paris halt, auf Nimmerwiedersehen, Problem gelöst! 

Was mich daran erinnert, dass ich ja jetzt, dort hinten schimmert schon der der azurblaue Pazifik, in meiner einfach pfeilschnellen, modernisierten, nun atomgetriebenen Concorde sitze …

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Dieser Beitrag wurde am 29. Dezember 2018 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 1 Kommentar

Ein Gedanke zu „Reportage relativer Relation

  1. „der mir in der 6 Quadratmeter großen Pilotenkanzel von meinem englischen Butler Jorge, Alter unbekannt, serviert wird, perlt, wie ein Huhn von 16 Monaten“ – ein Huhn von 16 Monaten würde ich zurückweisen. Alles was recht ist!

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