Deadliners (Folge 2)

leo-barockEine Just-in-time-Produktion von Leo Fischer

Die Prinzessinnenreporter sind stolz, Ihnen die neueste Folge des ersten Fortsetzungs-Horrorfilms der jüngeren Bloggeschichte zu präsentieren. Im Zentrum von “Deadliners” steht eine Gruppe junger Menschen, die lebensgefährliche Versuche mit Abgabeterminen veranstalten – immer darauf erpicht, die Grenzen zwischen Veröffentlichung und Totalem Organisatorischen Debakel (TOD) auszuloten …

 

 

 

 

DEADLINERS

Heute ist kein schöner Tag zum Schreiben

 

Aus dem Tagebuch von L. F. (M. A.), Forschungsassistent am reputierten Heike-Runge-Institut für Abgabewirtschaft

Folge 2: Stimmen aus dem Dunkel

 

Nach und nach nimmt meine Schreibaktivität ab. Nur mehr wenige Worte pro Minute erreichen die Tastatur. Dann sind es nur mehr wenige Buchstaben. Ich kann mich kaum darauf konzentrieren. M-i-r-f-ä-l-l-t-n-i-x-e-i-n, steht irgendwann auf dem Bildschirm. Vielleicht schon ein Zeichen? Ein Zeichen von drüben?

Meine Betreuer starren gebannt auf die Uhr, mit dem sie den Eintritt der Deadline messen. Noch vierzig Sekunden bis zur endgültigen Druckfreigabe. Der Zeitpunkt, an dem jegliche redaktionelle Aktivität aufhört. Der Zeitpunkt, an dem normalerweise der Artikel gestorben sein müßte. Noch zehn Sekunden. Fünf. Mein Atem stockt. Mir wird ganz kalt. Deadline.

Schwärze umgibt mich. Druckerschwärze. Eigentlich sollte ich nicht mehr bei Bewußtsein sein. Doch merkwürdige Visionen peitschen auf mich ein. Ich sehe E-Mails mit drei Ausrufezeichen im Betreff, die auf mich zurasen. Ich sehe meinen Namen in riesigen Buchstaben – verflucht, geschmäht. Als hätten sich die Dämonen der Hölle seiner bemächtigt. Ist das schon das Jenseits? Oder nur eine sogenannte Nahdruckerfahrung?

Dann höre ich plötzlich eine Stimme. Sie klingt verzerrt, kaum menschlich – vor Zorn? Oder weil sie aus einem winzigen Loch in meinem Handydisplay dringt, das plötzlich ganz nah an meiner Wange liegt? “L.”, ruft sie meinen Namen. “L.! Wir sagten Montag! Mooontag! Wir drucken in zwei Stunden. Hast Du denn irgendwas? IRGENDWAS?”

Schweißgebadet erwache ich aus der künstlichen Schreibblockade, in die mich die Kollegen versetzt haben. Es war definitiv eine Botschaft. Aber was hat sie zu bedeuten? War es ein rachsüchtiger Geist? Eine verdrängte Erinnerung aus meinem Unbewußten? Oder die geheimnisumwitterte Schlußredaktion?

Es ist klar, daß wir das Experiment wiederholen müssen, um eindeutige Ergebnisse zu erhalten.

Fortsetzung folgt … irgendwann

 

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