Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (25)

René Martens vorm Plöner Schloss

René Martens vorm Plöner Schloss

Ausgefüllt von René Martens

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten.
Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.


René Martens schreibt frei u.a. für taz, Zeit Online, Medienkorrespondenz und konkret – und gehört zum vierköpfigen Autorenteam der werktäglich erscheinenden Medienwatchkolumne Altpapier. Er hat diverse Bücher über den FC St. Pauli geschrieben und arbeitet regelmäßig in den Jurys beziehungsweise Nominierungskommissionen des Grimme-Preises mit.


1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?
1978 oder 1979 Ingeborg Schober und Harald Inhülsen. Die schrieben damals für den Musik Express. Inhülsen pflegte einen stakkato-artigen/schrägstrich-lastigen Stil, der mich damals beeindruckt hat. Heute würde ich die Texte wahrscheinlich unlesbar und manieriert finden. Gewiss habe ich mir auch die Namen der Autoren gemerkt, die in der Saison 1977/78 – als der FC St. Pauli zum ersten Mal in der 1. Liga spielte – für die Wochenzeitung Sport Megaphon geschrieben haben. Das war eine Konkurrenz zum Kicker – aber mit Amateurfußballberichterstattung. Diese Autorennamen habe ich aber mittlerweile vergessen. Ausnahme: Ernst Werner. 2009 habe ich für 11 Freunde und die Jungle World über dessen braune Vergangenheit geschrieben (die auch vielen seiner Nachkriegstexte anzumerken war).
2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?
Von meinen Altpapier-Überschriften der jüngeren Vergangenheit gefällt mir „Hooligans gegen Helmut Schmidt“ am besten.

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?
Ansprachen von ARD-Programmdirektor Volker Herres.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?
Von Leuten, die zu diesem Thema Artikel verfassen und Vorträge halten.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?
Christian Schultz-Gerstein. Die Suche nach der Artikelsammlung „Rasende Mitläufer“, 1990 in der Edition Tiamat erschienen und antiquarisch noch zu bekommen, sei hiermit dringend angeraten.

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?
Der Verlockung, hier jemanden zu nennen, der sich aufgewertet fühlt, möchte ich dann doch widerstehen. Also sage ich mal: fast alle Hamburger Sportjournalisten.

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?
Keinen. Immer noch nicht.
8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?
Das Wunschthema wäre das Cover der Chrysanthemums-EP „The XXXX Sessions“, erschienen 1988. Die Gesprächspartner wären dann wohl Alan Jenkins und/oder Yukio Yung.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?

Ich würde mir da eher eine Zeitschrift aussuchen, und die wäre dann eine Mischung aus – in alpabetischer Reihenfolge: The Atavist, The Believer, Cargo, konkret, Merkur, Sight & Sound, Spex und The Wire.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?
Sie wäre Senior Consultant beim Altpapier. Da die Kolumne unter dem Dach von evangelisch.de erscheint, wäre Gott da ja ganz gut aufgehoben.

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