Archiv | Februar 2016

Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (39) Heiko Werning

Heiko Werning, Foto: Axel Völcker

Heiko Werning, Foto: Axel Völcker

Heiko Werning wirkt bei den Lesebühnen „Reformbühne Heim & Welt“ und „Die Brauseboys“ mit, schreibt für Titanic, taz und Jungle World und ist Redakteur von Fachmagazinen über Reptilien und Amphibien.

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorenamen über oder unter einem Text – wann /hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?
Ich glaube, Hermann L. Gremliza war der erste Journalist, der mir namentlich bekannt war. Ohne dass ich je etwas von ihm gelesen hatte. Ich muss so um die 15 Jahre alt gewesen sein. Ein gleichaltriger Freund von mir erzählte von Gremliza-Konkret-Artikeln. Ich vermute, der hatte die auch gar nicht selbst gelesen, sondern nur sein älterer Bruder. Jedenfalls kamen bei mir für mein damaliges westdeutsches Provinz-Bürgersöhnchen-Weltbild äußerst schräg klingende Ansichten an, die ich aber auf eine merkwürdige Weise faszinierend fand. Das selbst zu überprüfen, indem ich mir mal die „konkret“ besorgt hätte, habe ich mich aber nie getraut. Mir gefiel es besser, die Geschichten über den verrückten Hund aus zweiter bis dritter Hand zu hören.
Dann war es erst mal andersherum. Anfang der 1990er hatte ich gerade Wiglaf Droste im „Benno-Ohnesorg-Theater“ in der Volksbühne für mich entdeckt, was anders war als alles, was ich bis dahin in meinen zarten Anfang-Zwanziger-Jahren kennen gelernt hatte. Dann stieß ich in der taz auf ihn als Autor, womit die kleine Zeitung mich als Leser gewonnen hatte. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich tatsächlich auf Autorennamen in Zeitungen geachtet habe. Dann wurde es aber schnell chronisch.
Heute lese ich meist nur noch die Artikelüberschriften und die Autorennamen, dann weiß man ja schon Bescheid in aller Regel.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?
Immer noch der alte Titanic-Titel: „Endlich handelt Bonn: Helmpflicht für Ausländer“.

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?
Ich war zum Glück noch nie auf einer Pressekonferenz, falls ich es nicht verdrängt habe.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?
Ist er denn rettungsbedürftig?
Natürlich gibt es viel grauenhaftes Zeug, schlechte Recherche, Volldeppen allüberall. Aber „Rettung“ impliziert ja, es sei jemals besser gewesen. Davon bin ich eher nicht überzeugt.
Wenn ich daran zurückdenke, wie in meiner Schülerzeit in Münster in den 1980ern die Lokaljournalisten bei einem Konzert oder einer Theateraufführung auftauchten, ein paar Fotos machten und dann flugs wieder verschwanden, um dann am nächsten Tag eine halbseitige Veranstaltungskritik zu veröffentlichen – das kann heute eigentlich auch nicht viel schlimmer sein. Und meine erste große Medienkritik-Suada habe ich irgendwann Ende der 1980er in unserer Schülerzeitung veröffentlicht, indem ich der Münsteraner Lokalpresse all ihre Fehler im Gebiet meines schon damals ausgeprägten Fachidiotentums in Sachen Reptilien und Amphibien vorrechnete. Da stimmte praktisch nie ein Artikel, in jedem Zeitungsbeitrag über diese Tiere fand ich haarsträubende Fehler. Das hat mein Misstrauen gegen Journalisten früh auf eine sehr empirische Basis gestellt. Warum sollten die besser über politische oder gesellschaftliche Zusammenhänge schreiben, wenn sie es nicht mal bei den Fakten über ein paar Frösche hinbekamen, die man in jedem besseren Sachbuch einfach hätte nachgucken können?

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?
Erfreulicherweise leben die, die ich besonders schätze, eigentlich noch alle. Obwohl, mal mit Herrn Tucholsky darüber parlieren, wie das damals war, als er und seine Kollegen quasi die Lesebühnen in Berlin erfunden haben, das fände ich vielleicht doch ganz interessant. Und gilt Douglas Adams als Journalist? Wegen „Last Chance to see“? Dann den!

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?
Als auch satirisch arbeitender Autor lebe ich ja letztlich von den ganzen Wahnsinnigen. Wenn Martenstein, Schupelius oder von Altenbockum in Rente gingen, bräche mir ein wichtiger Teil meines Einkommens weg. Aber sagen wir mal: Dieser Frank Lübberding, der auf der FAZ-Homepage dauernd auf sagenhaft krude Weise die Talkshows des Vorabends nacherzählt, der könnte doch wirklich besser seine Zeit mit Erdbeerzucht verbringen, das wäre für alle ein Gewinn.

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?
Ich kann mich immer so schlecht entscheiden, deswegen habe ich einfach noch ein paar, die auch ganz gut finde und denen ich nachgehe: Reptilien- und Amphibienexperte, Lesebühnen-Aktivist, Plattenmogul. Ist doch alles ganz schön. Aber am liebsten wäre ich Zoodirektor geworden. Ich fürchte, dafür ist es inzwischen zu spät für mich. Zum Glück habe ich wenigstens Freunde, die das dann tatsächlich geschafft haben, daran kann ich mich ein bisschen wärmen.

8) Deine Wunschinterviewpartner/in?
Irgendwie sind alle so erreichbar geworden. Früher hätte ich mich verzehrt, um mal mit bestimmten Leuten zu sprechen. Heute muss man ihnen ja nur eine Mail schicken und spricht dann mit ihnen. Also, die, die mich interessieren jedenfalls. Aber am ehesten dann: Martha Crump. Eine legendäre Froschforscherin, die das Aussterben der Goldkröte in Costa Rica beobachtet hat. Die Vorstellung, wie sie da Jahr für Jahr im Dschungel saß und ohnmächtig mit ansehen musste, wie es immer weniger der einst massenhaft vorkommenden Tierchen wurden, und niemand hatte auch nur einen blassen Schimmer, warum eigentlich, die hat mich schon arg inspiriert und beschäftigt damals. Vielleicht schicke ich ihr mal eine Mail.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleiniger Chefredakteurkönig wärst? Und wie würde sie heißen?
Reptilia oder Terraria/elaphe. Und die sähe so aus: http://www.reptilia.de/

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?
Dafür müsste es sie natürlich erst mal geben. Aber klar, Transferleistung, für den Fall, dass wir doch falsch lagen mit unserer Einschätzung der Verhältnisse: Dann, selbstverständlich, würde sie für die Reptilia schreiben. Und in jeder Ausgabe eines dieser großartigen Tiere vorstellen, die sie da geschöpft hat einstmals. So richtig, mit Blick hinter die Kulissen und allem. Dafür könnte ich glatt gläubig werden.

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Dieser Eintrag wurde am 12. Februar 2016 veröffentlicht. 1 Kommentar

Die Krönung

Prinz Kasimir begeht das einjährige ♕PR♕-Jubiläum standesgemäß und wird sich von seinem Ziel, sich für die im Internet unterrepräsentierte Gattung der Katze mit vollem Körpereinsatz zu engagieren, auch 2016 nicht abbringen lassen.

Eine Nachschleckreportage von Prinz Kasimir und Prinzessin Marit

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Rückblick mit Aussicht

von Svenna Triebler zum einjährigen ♕PR♕-Jubiläum

Ein Jahr Prinzessinnenreporter: ein Grund um Feiern, aber auch Anlaß zu einem selbstkritischen Rückblick. Die angekündigte Norwegen-Reisereportage etwa harrt noch immer ihrer Niederschrift. Beziehungsweise zunächst einmal ihrer Finanzierung.
Glücklicherweise können Sie, geschätzte Qualitätsleser, durch das Betätigen des Spendenbuttons oder einen Einkauf in unserem Shop zur Realisierung des Projekts beitragen. Bis es so weit ist, hier schon einmal ein kurzer Vorgeschmack darauf, was Sie erwartet.

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Dieser Eintrag wurde am 7. Februar 2016 veröffentlicht. 6 Kommentare

Torte, Glitzer und die Rettung der Literatur

trinkt Vitamine nur aus Schachteln Ramona Ambs beim literal posing

trinkt Vitamine nur aus Schachteln
Ramona Ambs beim literal posing

ZU unserem einjährigen Jubiläum der Journalismusrettung haben die Prinzessinnen und der Hofstaat sich dazu herabgelassen ein jeweils eigenes Statement abzugeben:

heute von Prinzessin Ramona Ambs:

Wir Prinzessinnen haben nun endlich Geburtstag. Das ist schön. Vor allem wegen der Torte und der neuen Schuhe, die ich mir zu diesem Anlass gekauft habe. Neben der Journalismusrettung, bei der wir schon einiges erreicht haben (siehe Archiv), werde ich mich künftig auch noch vermehrt auf die Rettung der Literatur konzentrieren… -denn da gibt es ebenfalls viel zu tun.

Schlimm gebeutelt sind ja die Autoren, die, wegen der Alliteration in ihrem Namen, literarisch gehemmt sind. Das zeigt sich besonders in ihrem alliterativen (kurz: a-literarischen)Verhalten. So musste beispielsweise Helene Hegemann bei anderen abschreiben, um dem doppelten Anspruch, der auf ihr lastet, gerecht zu werden, –Ronja von Rönne hingegen hat gelernt mit diesem Anspruch kreativ umzugehen. Sie schreibt seitenlang langweilig über ihre Langeweile oder allgemein von Alltäglichkeiten des Alltags.
Derlei kann jedoch schnell zum literarischen Untergang führen.

Zum Glück haben die Beiden gelernt, ihre Texte stets mit einer literaturerotischen Pose (Bild) zu versehen, so dass das versammelte deutsche Feuilleton abspritzen kann. Ohne das wärs schwer. Aber gerade deshalb werden wir Prinzessinnenreporter uns künftig auch um all die  Autoren kümmern, die an einer Alliteration im Namen oder einer anderen literarischen Hemmung leiden. Einige Analysten meinen ja, diese Probleme seien durch zuviel Vitamin B verursacht. Eine Überdosierung dieses Vitamins führt bei vielen Nutzern zu Sehstörungen und vorhersehbarer Aussprache. Diesem Ansatz werden wir nachgehen und dann eventuell Abhilfe beschaffen. Außerdem werden wir das sogenannte literal posing (literarisches oder literaturerotisches Posen) mit den Kandidaten noch genauer einstudieren. Wichtig dabei ist ein Accessoire: eine Zigarette, eine Capri-Sonne oder wenigstens eine Schmolllippe, die den Betrachter dermaßen verzückt, dass der literarische Text vollkommen in den Hintergrund treten kann. Wir Prinzessinnenreporter werden Kurse und Wochenendseminare anbieten, wo wir diese Technik verfeinern und professionalisieren werden.

Die Details und Anmeldeformalitäten werden wir nach Ablauf unseres Feiermonats noch mitteilen.

Bis dahin jedoch werden wir erstmal weiter feiern.

Es ist nämlich noch Torte da. Sehr sehr viel Torte!

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Dieser Eintrag wurde am 5. Februar 2016 veröffentlicht. 1 Kommentar

Geburtstagsglückwünsche, die wir leider nicht annehmen konnten

www.flickr.com/photos/eldriva/

www.flickr.com/photos/eldriva/

Heute feiern wir uns einjähriges Jubiläum! Die Redaktion ist rosast dekoriert, der Erdbeersekt gekühlt und die Törtchen gezuckert!
Unter den zahlreichen Geburtstagsglückwünschen, die die Prinzessinnenreporter heute zu ihrem Einjährigen erreichten, waren auch einige, die wir leider nicht annehmen konnten:


Bundespräsident Gauck wollte Prinz Leo zum Geburtstag umarmen und knuffen. Der Zeremonienmeister musste einschreiten und den Buprä in ein unsicheres Herkunftsland (DDR) abschieben.


Prinzessin Elke hat mit einer sehr huldvollen Geste Wolf-Dieter Poschmann den angebotenen Moscow Mule mit Gurkenmatsch über den Kopf gekippt.


„Keinen Fußbreit den Poschisten!“, schmetterte Prinzessin Ramona, dem mit mehreren Schuhkartons anwanzenden Ulf Poschardt entgegen.


Jan Fleischhauer wollte auf der Prinzessinnenhomepage einen schleimigen Glückwunsch hinterlassen, scheiterte aber an einer einfachen Rechenaufgabe, die der Royal Tech Chief Boris Mayer als Nichtqualitätsleserhürde eingebaut hatte.


Helmut Markwort forderte Prinzessin Marit zum Tanz beim Bundespresseball auf. Wegen eines mehrtägigen Lachanfalls mußte sich Prinzessin Marit vom Zeremonienmeister entschuldigen lassen.


Hamburgs Bürgermeister und Brechmitteleinsatzleiter Olaf Scholz wollte Prinzessin Svenna ihren Herzenswunsch erfüllen und den Fernsehturm für sie persönlich freigeben, nahm aber leider das Wort „Tele-Michel“ in den Mund. Was dann passierte, möchten Sie gar nicht wissen.


Kai Diekmann bot uns an, eine taz -Ausgabe zu gestalten. Abgelehnt. Aus Verzweiflung über die Ablehnung bettelt Diekmann nun, daß wir seine Fresse gestalten (Fressefreiheit). Angenommen, da Prinz Kasimir seine frisch geschärften Krallen ausprobieren möchte.


Alphamännchen Harald Martenstein schickt uns seine getragenen rosa Schlüpfer. Return to sender, weil sie unserem Zeremonienmeister Fritz von Tietz nicht passen (mehrere Nummern zu klein).


Herr Matussek fragte an, ob er nicht wenigstens bei uns im Weinkeller tätig werden dürfe, aber wir haben diesbezüglich keinerlei Bedarf, da dieser Bereich unseren Dauergastautoren Bernhard Torsch, Benjamin Weissinger und S
amael Falkner vorbehalten ist. Die müssen es ja irgendwie mit uns aushalten …


Stefan und Dieter von Holtzbrinck wollten mit uns über eine Printausgabe der Prinzessinnenreporter verhandeln, aber sie hatten leider nicht ausreichend finanzielle Mittel uns unseren täglichen Erdbeerbedarf zu finanzieren.


Nichtsdestotrotz machen wir heute natürlich Party. Und morgen auch noch. Und übermorgen. Also noch die ganze nächste Woche und den gesamten Monat, der extra wegen unserer Feierlichkeiten noch einen Tag dran gehängt hat.

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Dieser Eintrag wurde am 3. Februar 2016 veröffentlicht. 1 Kommentar