Lyrische Ernte 8

Heute präsentieren wir Euch ein weiteres Gedicht aus unserem royalen Gedichtwettbewerb.
Simon Wagner will ebenfalls seinen Teil beitragen und ließ sich zu unserer Freude zu einer postmodernen Synthese eines bereits vorhandenen Gedichts und seiner eigenen Betrachtung des Online-Journalismus‘ hinreißen:


An den Online-Journalismus


von Simon Wagner
und
Johann Wolfgang von Goethe
(Original: „Zueignung“ aus Faust I)

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Ich habe euch zunächst für tot gehalten,
Jetzt bettelt ihr darum, dass man euch liket.
Die Netzgemeinde reagiert verhalten,
Denn viele meinen, dass ihr das vergeigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Redakteur, der eure Texte twittert.

Oh, Journalisten, euer Weg ist vage,
Und manche schlechten Blogger steigen auf;
Gleich einer alten, halbverklungnen Sage
Klingt’s, dass es mit euch einmal ging bergauf;
Und fast verzweifelt klingt die dreiste Frage,
Ob ich mir einen Online-Zugang kauf‘.
Manch Medium ist suchend schon nach Kunden
Vom Glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden.“

Was zieht ihr das unnötig in die Länge?
Ihr seid verdammt zum Online-Untergang;
Zerstoben ist das freundliche Gedränge,
Zu Ende ach! der schnelle Klickvieh-Fang.
Dein Leid ertönt der undankbaren Menge,
Um deren stete Achtsamkeit man rang.
Das macht, dass ihr euch nicht mehr davor scheuet,
Dass ihr das Netz mit Sex and Crime erfreuet.

Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
Nach jenem stillen, ernsten Info-Reich.
Nicht Krautreporter, denn das ruft nur Gähnen
Und Leid hervor, beim Lesen wird man bleich.
Drum wünsch‘ ich mir, das möchte ich erwähnen,
Was den Prinzessinnenreportern gleicht:
Was die so schreiben, loben die Gescheiten,
Und was sie tun, wird mir zu Wirklichkeiten.

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