Bitte Turnschuhe mitbringen

flickr Martin Fisch

Ein Appell von unserem Volkssportreporter Malte Mackenrodt

Diverse Quellen im Internet berichten über den nahenden Tod eines Volkssports: Kegeln.
Es treibt mir die Tränen in die Augen, dass die Menschen mittlerweile lieber Schwarzlicht-Minigolfen, sich bei winterlichem Gebäck aus ihren geheimen Jugendtagebüchern vorlesen oder gar Yoga machen – in jedem Fall aber für all diesen Quatsch, den sie Happening, Automedialität oder Heilung nennen, Geld bezahlen. Nicht mehr mein Land.

Sofort erinnere ich mich an die Kegelbahn im Restaurant Alexandros, dem Griechen in meinem kleinen Heimatdörfchen. Erinnere mich an die Freudensprünge, die ich machte, jedes Mal, wenn mich einer meiner Schulfreunde zum Geburtstag einlud und in der handgeklöppelten Einladung, vorne mitunter ein Diddl-Maus-Motiv, dieser eine, alles sagende Satz stand: „Bitte Turnschuhe mitbringen!“ Erinnere mich an die Wohlgerüche des verranzten Linoleumbodens, der durchgepupsten Stuhlpolster im „Speiseraum“, der Melange aus handschweißgetränkten Kegelkugeln, der alten Holzvertäfelung, den staubigen Stammtischwimpeln.

flickr Fukami

Diese Geräusche, diese Pracht, dieses naive Männlichkeitsgebaren. Das allgemeine Rumgeprolle beim Kegeln, meist doch eher ein Kugelstoßen. Nur die geilsten Typen trauten sich, die Kugel ganze 5 Meter hinter der Abwurflinie auf die zerschlissene Bahn krachen zu lassen. Nur die Mutigsten wagten sich ganz nah an die Kegelsortierapparatur, um die Kegel zu enttüddeln oder hängengebliebene Kugeln zu befreien – auch wenn das streng verboten war.

Fanta und Bockwurst, Pommes und Salzstangen. Oder, wenn es Kinder/Gastgeber aus weniger royalen Elternhäusern waren, auch mal ein Spezi, mit dem Koffein darin.

Der ungebremste Siegestaumel des Gewinnerteams. Das alles soll nun vorbei sein? 

Freunde, so geht es nicht. Wo sind sie, die letzten Kegelbahnen dieser Nation, zu denen wir uns ab sofort gegenseitig einladen?

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Malte „Franz Josef“ Mackenrodt

 

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