Oury Jalloh, eine Gedenkveranstaltung und erwartbare Widerwärtigkeit

Ein Kommentar von Malte Mackenrodt. Gestern vor 13 Jahren ist Oury Jalloh an Händen und Füßen gefesselt in einer Polizeizelle im sachsen-anhaltinischen Dessau verbrannt. Der erste Amtsgerichtsprozess gegen die damalig diensthabenden Polizeibeamten endete mit einem Freispruch. Dennoch warf der Richter Steinhoff der Polizei „Schlamperei“ und „Falschaussagen“ vor, die jede Chance auf ein rechtsstaatliches Verfahren sowie die Aufklärung des Sachverhaltes verhindert hätten. Sein Schlussplädoyer endete mit deutlichen Worten: „(Polizisten haben) ‚bedenkenlos und grottendämlich‘ falsch und unvollständig ausgesagt, sie haben dem Land Sachsen-Anhalt ‚aufs Übelste geschadet“ […] „Ich habe keinen Bock, zu diesem Scheiß noch irgendwas zu sagen.“

Nur dem unermüdlichen Engagement und Durchhaltevermögen diverser Initiativen und Aktivisten ist es zu verdanken, dass ein professionelles neutrales Brandgutachten erstellt werden konnte, welches die polizeiliche Behauptung, Jalloh hätte sich trotz Fesseln mit einem Feuerzeug selbst angezündet, stark in Zweifel zieht. Demnach konnte die Verbrennung Oury Jallohs bis in die tiefsten Hautschichten, die bei seiner Obduktion gefundenen Cyanide und die vollständige Verbrennung der Matratze nur mittels Einsatzes von zwei bis fünf Litern Brandbeschleuniger erklärbar sein. Das war 2013, 8 Jahre nach seinem Tod.

Mitte November 2017 veröffentlichte dann ARD Monitor Details aus den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, Ermittlungen, die aufgrund des o.g. Brandgutachten überhaupt erst wieder aufgenommen wurden. Aus diesen Akten geht hervor, dass Oury Jalloh mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ von Dritten getötet wurde. Nun beschäftigt sich die Generalstaatsanwaltschaft erneut mit diesem durch Falschaussagen, polizeilichen Korpsgeist und Vertuschung geprägten „Todesfall“ von Oury Jalloh. Nochmal:
Nur dem unermüdlichen Engagement und Durchhaltevermögen diverser Initiativen und Aktivisten ist es zu verdanken, dass dieser Fall nicht schon längst ad acta gelegt wurde.

Gestern haben erneut 3.000-5.000 Menschen dem Feuertod von Oury Jalloh gedacht, damit diese Scheiße nicht in Vergessenheit gerät. Die AfD hat dazu eine Gegendemo veranstaltet. Eine Demonstration gegen eine Gedenkveranstaltung für einen Menschen, der mutmaßlich durch Dritte (Polizisten) angezündet und ermordet wurde! Allein das ist schon unfassbar.

Nun aber noch das. Auf der AfD-Kundgebung sagte der Landtagsabgeordnete Mario Lehmann folgenden Satz:

„Die deutsche Laschheit beim Abschieben hat Oury Jalloh damals das Leben gekostet.“

Nur, damit mal klar ist, welche Grenzen von Anstand, Logik und Mitmenschlichkeit hier schon lange überschritten sind. 13 Jahre kämpfen solidarische Menschen dafür, dass von Seiten der Justiz weiterverfolgt wird, was schon längst offensichtlich war. 13 Jahre lang. Und dann steht da so ein xxx mit Landtagsmandat daneben und sagt sinngemäß: „Tja, wenn man ihn rechtzeitig abgeschoben hätte, wäre er auch nicht in einer deutschen Polizeizelle verbrannt.“

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Ein Gedanke zu „Oury Jalloh, eine Gedenkveranstaltung und erwartbare Widerwärtigkeit

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