An die Israel-Kritiker

Gastprinzessin Michael Höntsch ist derzeit in Israel. Und schreibt einleitend: „Ich weiß es nicht, ob man sich das in Berlin oder London wirklich vorstellen kann, wie es wäre, wenn pausenlos Raketen bis in die Nähe der Vorstädte fliegen.
Wir sind hier, wir erleben es und es ist zeitgleich völlig surreal“

Liebe Kritiker!

Es gibt sie hier, die Kritik.
An jeder Ecke.
Die Kritik an den hohen Mieten, die Kritik an den niedrigen Löhnen, die vielen jungen Leute, die ohne ein Studium keine Chance haben, beruflich Fuß zu fassen.
Die Kritik an den Lebensmittelpreisen und natürlich dementsprechend auch die Kritik an der Regierung.

Am Iron Dome gibt es keine Kritik, auch nicht an seiner angestrebten Weiterentwicklung.

Hier zu sein hält große Herausforderungen bereit. Wenn sich an Tagen wie diesen im Süden und darüber hinaus die Angst breit macht, dann ist verfehlte Sozialpolitik eine Petitesse.

Wenn du ums Leben fürchten muss, wenn die ersten Opfer zu beklagen sind und die Kinder ihrer Angst nichts mehr entgegenzusetzen haben, dann reduzieren sich für die meisten Menschen hier die Probleme auf nur eine einzige Alternative.

Wir oder sie?

Und so entscheiden sie dann auch.

Dafür brauchen sie keine wohl gemeinten Ratschläge von denen, die Krieg nur noch aus den Erzählungen von Uropa kennen.

Diese Stadt baut an jeder Ecke Bühnen auf für diesen Song-Contest. Der Strand wird eine einzige Partymeile. Gerne ist Tel Aviv Gastgeberin. Die Gelassenheit und der Mut dieser Stadt beeindrucken stark.

In dieser Stadt ruft der Muezzin zum Gebet. Den Rabbi in Gaza und Ramallah gibt es nicht.

Seit kurz vor 8 fliegen keine Raketen mehr.

„Sich in den anderen hineinversetzen“, das forderte die ältere Dame aus Berlin gestern im Café von einem Israeli. Sie fordert dazu auf und hat doch zeitgleich Verständnis für Attentäter.

Tag 3 in Israel. Ich genieße, ich höre zu, ich denke nach.

Würde die hiesige Situation in Deutschland ausgehalten werden? Bei unseren Wutbürgern?

Shalom
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