Der Bart ist ab

Stets gründlich und glatt rasiert: Unser royaler Stilbeauftragter Lord Harald
(Foto: Prinzessin Marit)

Von unserem Modediktator Harald Nicolas Stazol

Haarig, zugegeben. Wäre ich Staatsminister für guten Geschmack, ein Portefeuille, das von der Großen Koalition leider erst noch geschaffen werden muss – meine Hoffnungen gehen dahin -, ich würde eine Bartsteuer erheben.

Nehmen wir einmal an, Sie, meine Herren, sind der letzte Zar. Oder sein Cousin, Georg der V. Die Monarchen konnten sich so ziemlich alles erlauben. Sie, Messieurs, können das nicht! Jedenfalls: Die beiden Monarchen – der eine absolut, der andere immerhin konstitutionell – sahen sich so ähnlich, dass sie sogar -Tante des einen, Mutter des anderen – Königin Victoria verwechselte. Warum? Wegen ihrer Bärte.

Womit wir zum Thema kommen: Mein Freund Florian, ein junger Künstler, der gerne Champagnerkorken höchst dekorativ in systemkritisches Kunstharz gießt, sieht aus wie beide Herrscher. Wegen seines Barts. Und wir reden hier nicht von einem Drei-Tage-Bart. Wir sprechen von einem Gewölk, das 30 Zentimeter hinab Richtung Bauchnabel strebt.

Die Bartsteuer ist übrigens kein neuer Gedanke: Kein Geringerer als Peter der Große erhob sie in Russland. Er wollte sein Reich nach europäischem Vorbild revolutionieren. Der gemeine Bojar konnte sich mit extra zu diesem Zwecke eingeführten Münzen von der ästhetischen Forderung seines Landes befreien. Er hatte die Münzen beim Betreten der größeren Städte bei Betreten der Zollhäuschen abzugeben bzw. vorzuzeigen. Ansonsten wurde er noch vor Ort barbiert.

Genau diese Münze würde ich heute prägen lassen, den Bart-Euro, ich dächte da an eine Abgabe von 29 Euro pro Monat. Bei der Häufigkeit von Gesichtsmatten, mit denen ich mich jeden Tag höchst unfreiwillig konfrontiert sehe, könnte man das gesamte deutsche Gesundheitssystem refinanzieren.

In China führte Ming-Taizu Hongwu schon sehr viel früher eine Bartsteuer ein. Als sich in seinem Reich das Tragen von Bärten in den Gesellschaftskreisen verbreitete, weil er selbst über einen solchen verfügte, benötigte er finanzielle Mittel für die Renovierung eines Sommerpalastes, und kassierte seine Untertanen ab.

Kleine Haarspalterei

Wollen wir also, als kleine Haarspalterei, einmal den Haarwuchs, der allein zu einem wann immer auch gegebenen Tage in der Öffentlichkeit gewahr zu werden ist, in mehrere Kategorien unterteilen (ich weiß selbst noch nicht genau, in wieviele).

♕ Da wäre einmal der Schnurrbart. Im sogenannten Menjou-Stil, eine Minilinie über der Oberlippe, noch fast verzeihlich – falls Sie Errol Flynn sind oder waren oder es zu sein vorhaben. Schon bei einem mir bekannten Redakteur des Gentlemen´s Quartely, DER Stilbibel des modernen Mannes von heute – jedenfalls nach eigenem Empfinden -, bordet es an die Grenzen der Lächerlichkeit, und das wollen wir doch nicht, Gentlemen?

Es folgt die Gesichtsbürste – vom Nazi-Bart eines nicht als besonders menschenfreundlich geltenden Diktator der deutschen Geschichte und seiner Schergen nehmen wir historisch angewiderten Abstand – aber, quasi während ich diese Zeilen zu Papier bringe, fährt mir auf dem Weg zum Zigarettenkiosk ein Mann auf dem Fahrrad entgegen, dessen Kinnbart genügte, um die Zigarettenstummel an der Bushaltestelle problemlos aufzuwischen.

 Der Kinnbart: Ich glaube ja treu und fest an das hervorstechende Mal der Habsburger, das lange Kinn. Warum man sich allerdings freiwillig einer optischen Vergrößerung desselben anvertrauen mag, entzieht sich meinem Verständnis. Eine mich zweimal auf das Äußerste beglückende Affaire kitzelte derart, dass der Akt an sich an den Sex mit einer Handbürste gemahnte, aber damit genug aus dem Nähkästchen.

♕ Der Backenbart. Sind Sie der Kommandeur eines U-Bootes im Nordmeer? Etwa um 1943? Nein? Dann ab damit.

Ob der Bart an sich in der westlichen Hemisphäre nicht ohnehin gewisser osmanisch-maghrbinischer-islamistischer Einflüsse geschuldet ist,, lassen wir einmal dahingestellt … Wir sprachen noch nicht von der Hygiene. Tabak, E 605, Insekten  … „Wie findest du Bärte?“, frage ich mein Zigarettenmädchen, und wie aus der Pistole geschossen kommt die Antwort: „Ekelhaft“. I rest my case, ich beende gleich mein Plädoyer.

Halt! Noch nicht ganz! Schon im alten Rom galt ein frisch rasiertes Gesicht als Auszeichnung des gepflegten Mannes. Und was gibt es 2000 Jahre später schon für Hilfsmittel (Wilkinson und Gillette sind zu erwähnen oder auch nur die Marderpinsel, „Pure Badger“ von Mason Pearson, London, nach dem Brexit zugegebenermaßen schwer erhältlich)!

♕ Der Vollbart? Sollten Sie nicht Sokrates, Perikles, mein Vater oder wenigstens ein späteuropäischer Monarch sein: Please shave! Rasieren Sie sich gefälligst!
Ihre Freundin, Gattin, oder auch der gelegentliche One-Night-Stand, wird Ihnen in ewiger Dankbarkeit verhaftet sein.

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