Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (49)

Für mehr Stil im Journalismus: Der letzte Dandy Harald Nicolas Stazol

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten.
Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Heute ausgefüllt von: Harald Nicolas Stazol, „Deutschlands letzter Dandy“ („GQ“), Kultur- und Modereporter u.a. für den Stern,  heute konkret-und Buchautor

 


1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann haben Sie sich zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

Joachim Kaiser in der Süddeutschen über Bernstein. Da dachte ich, das kann ich auch. Mit 18 fing ich bei der Frankfurter Rundschau an.

2) Wie lautet Ihre Lieblingsschlagzeile?

„Ist Arbeit wirklich der Güter höchstes?“ aus der NZZ und „Norman Conquest“ von mir – die normannische Eroberung – für ein Konzert meiner Interviewpartnerin Jessey Norman. Als die nämlich im Sheraton on the Park in London plötzlich sagte: „Oh, Sie kennen diese Stelle bei Stravinsky?“ – die Fenster der Suite vibrierten, mein Aufnahmegerät gab den Geist auf und draußen ging plötzlich über dem Hyde Park ein Gewitter nieder. – Ich sag ja, eine Göttin.

 3) Ihr peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?
Mir war nie was peinlich. Nur das Interview mit dem amerikanischen Regisseur David Mamet. Der hasste mich auf den ersten Blick. Lag wohl an meiner Cartier am Handgelenk. Ich war eigentlich gut vorbereitet, aber er mochte mich wohl einfach nicht. Furchtbarer Mensch. Und dabei so gute Filme! Denken Sie nur an „Wag the Dog“! Der Film zum Interview kam in Deutschland übrigens nie in die Kinos.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?
Nur schreiben reicht nicht mehr. Man sollte viele Medien bedienen können. Warum denn nicht mal einen Werbespot auf dem iPhone drehen? Neulich schrieb ich über die Thomas-Gainsborough-Ausstellung. Wollte keiner haben. Einen Text über die weitaus trivialere Jil-Sander-„Ausstellung“ in Frankfurt, eigentlich nur eine Werbeaktion, rissen sie mir aus den Händen. Ruhig mal die Sparten überqueren – dann ist die Zukunft der Journalisten gerettet.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würden Sie sich freuen?
Dominik Dunne von der Vanity Fair. Ich begegnete ihm in London im Old Bailey, beim Prozess gegen den Butler Lady Dianas. Ich stand schon hinter dem Panzerglas der Sicherheitsschleuse, und er verstand etwas schwerhörig den Bobby durch die Scheibe nicht – „Officer“, sagte ich, „that Gentleman is Dominik Dunne.“ – „But how should we know that, Sir?“ Er sprach übrigens in der Verhandlungspause mit dem Beklagten, Paul Burrell, gemäß der Unschuldsvermutung, in der Cafeteria des Gerichtshofs. Da hatte die britische Pressemeute ihn schon vorverurteilt.

Dann Gore Vidal so gerne. Erinnere mich an den herzlichen Empfang, den er mir in seiner Villa in Positano bereitete. Er fluchte, dass Hillary Clinton bald kommen wolle, das passte ihm gar nicht. Einmal bat ich ihn um eine Manuskript zur Lage Amerikas. Es kam schreibmaschinengeschrieben, voll von Rand zu Rand des Papiers.

6) Und wem auf Erden würden Sie am liebsten den Stift klauen?
Dem Emir von Dubai. Der hat ‘nen Montblanc aus weißen Brillanten

7) Welchen anderen Beruf hätten Sie sich noch vorstellen können?
Psychologe, so fing ich ja auch an. Eine kleine, feine Praxis für hysterische Gattinnen der Oberschicht.

8) Ihr/e Wunschinterviewpartner/in?
E.R.

 9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Sie ganz alleiniger Chefredakteurkönig wären? Und wie würde sie heißen?
Darlington Daily – Vogue, GQ, Vanity Fair bekämen Tränen in die Augen. In enger Kooperation mit der New York Times und dem New Yorker. Mit einer Prise AFP und Daily Mal. Das ganze online.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?
Nature.

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