Opern-Tratsch aus der Hansestadt

Eine Rezension von George Benjamins „Lessons in Love and Violence“ in deutscher Erstaufführung an der Hamburger Staatsoper. Von unserem Hochkulturexperten Lord Harald Nicolas Stazol

Was hätte man nicht alles daraus machen können! „Lessons in Love and Violence“ von George Benjamin in deutscher Erstaufführung an der Hamburger Staatsoper. Und da hängt man nun in der Loge im vierten Rang mit Höhenangst, und schon bei der Ouvertüre macht die moderne Musik von sich reden, etwas Benjamin Britten, eine Prise Philip Glass, und weil eine sehr beleibte Dame oben an der Treppe sitzt, kann man auch nicht fliehen …

 

Und was für ein Thema! Aufstieg und Fall des zweiten Edward (1284 – 1327), der erste offen schwule König mit seinem Favorit Piers Gaveston, und da stehen sie nun in billigen, schlechtsitzenden Anzügen, eben sah man sie noch am Bühneneingang rauchen, wo die alten Damen und Herren hoffen, doch noch eine Karte zu ergattern, die Armen. Das Bühnenbild ist von solcher Biederkeit, dass auch ein riesiges Aquarium nicht fehlen darf, dass man im zweiten Akt – oh Wunder! – einmal umplatziert hat.

Da achtet man auf das Aquarium mehr als auf die Sänger, die heute nur markieren und sich für die Premiere am kommenden Sonntag schonen, aber man hört auch abgesehen von der zurückgenommenen Stimme nichts Epochales, und nun heraus mit dem Opernglas, und dann, Skandal, Skandal, küssen sich zwei Männer im besten Alter auf der Bühne – ein atemloser Moment, da steht dann sogar der Chor etwas peinlich berührt abseits.

Der Tod Edwards II ist umstritten. In Derek Jarmans Verfilmung „Edward II“ (nach Christopher Marlowes Theaterstück von 1592) wird er vom rebellierenden Adel mit einem glühenden Spieß an peinlichster Stelle durchdrungen – tatsächlich ließ man ihn im Schloss verhungern.

Da hört man nun auf NDR Kultur am Sonntag ab sieben die Oper eben nochmal live und bildet sich womöglich rein akustisch eine andere Meinung … Was hätte man nicht alles daraus machen können!

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