Short Story of the Sort of Shorts

Unser Autor kann es tragen

Zum Sommerende erörtert unser royaler Modeberater Lord Harald Nicolas Stazol die diffizile Kurze-Hosen-Chose

„Man kann alles sehen!“ schrie mein Vater, als er mich 1986 am Verlassen des Hauses hindern wollte – ich hatte Radlerhosen in Lila zu einem Leinensakko an und einem lila Seiden-T-Shirt, und mein Adoleszenten-Gemächt zeichnete sich tatsächlich deutlich ab. Für Bayern zu deutlich. Ich hatte es in der Vogue Hommes International bei Jean Paul Gaultier gesehen – die Zeitschrift selbst erradelte ich 12 Kilometer weit am Hauptbahnhof, die einzige Ausgabe, auf die ich sparte, 14 Mark und 70 Pfennige, aber ich war bei dem neusten Trend ganz vorn. Gerade waren Radlerhosen hundertfach an jeder Straßenecke zu sehen, ach so, es waren ja Cyclassics gerade, bei einer Schweinehitze und ich – ja ich, Gentlemen – trage eine Flanell-Bermuda-Shorts mit Bügelfalte, dazu lange, schwarze Kniestrümpfe und natürlich ein enges Sakko – wofür mich 1988 im Jugendzentrum Klassenkameraden (die gerne auch mal „Stazol nach Auschwitz“ charmant über den Schulhof skandierten) schallend ausgelachten. Paris in Ingolstadt? Eher friert die Hölle zu.

Dass dieses Spießrutenlaufen aufgehört hat, ist leider nicht wahr: Mein Freund Karl ist in diesem kurzen Outfit im Sommer immer unterwegs, und man hat ihm auch schon „HJler“ nachgerufen, aus einem extra langsam fahrenden BMW an der Außenalster, nicht weit vom Hotel Atlantik.

Da kann ich nur sagen: Vorsicht, meine Herren! Ihnen ist das Schlimmste geschehen, das einem Mann von Welt zustoßen kann – Sie sind out. Und damit gesellschaftlich tot wie ein Türnagel.

Ludwig XIV. war derart stolz auf seine Beine, dass er auf dem offiziellen Staatsportrait von LeBrun, wenn ich nicht irre, den Hermelin zur Seite rafft, um sie in weißen Seidenstrümpfen prominent in den Vordergrund zu rücken. „Ein Stück Scheiße in einem Seidenstrumpf“ nannte Napoleon Bonaparte seinen Minister Talleyrand – nun soweit, meine Herren, wollen wir nicht gehen!

Aber was Sie da in Bus und Bahn und den Boulevards zeigen, behaarte Schenkel zumeist – Dabei tun es ja schon die Halbwüchsigen den Schwimmern gleich und rasieren! – in unförmigen Plastikshorts, oft optisch noch quälender, wenn es eine abgetrennte Multi-Funktions-Hose ist … Von den Farben ganz zu schweigen. Dass Sandalen mit kurzen Socken jetzt sogar bei Stilisten und bei den Schauen in Paris – hier meist Birkenstocks – beliebt sind, macht es nicht besser.

Und: Ihre Beine sollten schon ein wenig ansehnlich sein, am besten befragen sie dazu eine Frau Ihrer Wahl!

Die Briten hielten den Raj, ihre Herrschaft über den indischen Subkontinent, in weißen Bermudas, die bis heute auch auf indischen Staatsempfängen zu sehen sind, und auch der Herzog von Windsor trug sie, als man ihn während des Krieges zum Gouverneur der Bermudas machte, um ihn, den Nazi-Sympathisanten, ungefährlich und ganz weit weg aus dem Weg zu halten. Er behielt den Look im Hochsommer auf seinem Landsitz bei, und da er der wohl eleganteste Mann des Planeten war, wie der Auktionskatalog von Sotheby´s bei der Versteigerung des Windsor´schen Nachlasses  vom 11. bis 19. September 1997 dokumentiert, konnte er es auch.

Nun, wenn Sie, Messieurs also kein Herzog sind, haben Sie eigentlich schon ziemlich schlechte Karten.

Nun ist der Sommer vorbei – Kopf hoch, meine Herren, die Shorts-Saison beginnt dann nächstes Jahr von neuem. Und jetzt wissen Sie ja, wie es geht!

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