Warum er schenkt

Last but not least unseres Monatsreigens: das Dezembergedicht unseres Hofdichters Robert von Cube

 

Der Weihnachtsmann hat keine Freunde, nein, der Mann ist ganz allein.

Falls sich mal ein Freund andeutet, soll es gleich sein bester sein.

Ach, dann fängt er an zu prüfen, wie und wann und wer was sagt.

Wenn der „Freund“ sich mal nicht meldet, wird sogleich enttäuscht geklagt.

„Das habe ich gleich erwartet, das war doch mal wieder klar,

nee, der will mich gar nicht kennen, ist was Besseres, nicht wahr?

Gut, der hat auch keine Zeit, und kennt sicher feine Leute.

Ich lass ihm noch eine Chance, warte aber nur noch heute.“

Wenn ein Freund zwei Tage schweigt, fällt dem Weihnachtsmann dann ein,

dass er ihn ja eh nicht mag, lieber ist er ganz allein.

Menschen bringen nur Enttäuschung und sie wollen immer was.

Jeder will ihn nur gebrauchen, wünscht sich dies und wünscht sich das.

Auszunutzen ist ihr Ziel, jedes einzelnen von ihnen.

Jeder will sich feiern lassen, und beschenken und bedienen.

Nein, er braucht gar keine Freunde und er bittet auch nicht gern.

Jemanden um was zu fragen, liegt dem Weihnachtsmann sehr fern.

Niemals gibt er sich die Blöße, Menschen seine Not zu zeigen.

Lieber zahlt er Taxi-Kosten, als bei Freunden einzusteigen.

Nein, er fragt nicht gern um Hilfe, Hilfe soll von selber kommen.

Wer nicht sieht, wie arm er ist, sieht ja offenbar verschwommen.

Keiner ahnt, wie es ihm geht, weil das keinen interessiert.

Und dass er es einem zeigt, ist daher auch nie passiert.

Niemals will er Schwäche zeigen, dieser rücksichtslosen Welt.

Daher – falls mal doch wer hilft – gibt er immer etwas Geld.

Schenken tut er immer gern, ja er ist von großem Herzen.

Wer was gibt und nicht was nimmt, schützt sich effektiv vor Schmerzen.

Hat er kurz mal einen Freund, schenkt er ihm andauernd Sachen.

Allerdings, so ist das nun, soll der dafür auch was machen.

Doch die sind so undankbar, gar kein Anruf seit drei Tagen.

Tausend Euro vorgestreckt, kann man da mal Danke sagen?

Nein, er gibt sich keine Blöße, lieber gibt er, was er hat.

Nie würde er Freundschaft wagen, ohne einen Trumpf im Blatt.

So beschenkt er lieber alle, die er jemals kennen kann.

Jedes Jahr die Super-Runde, jede Frau und jeden Mann.

Jeder steht in seiner Schuld, kleinste Mädchen schon und Knaben.

Bedingungslose Freundschaft aber, wird er nie und nimmer haben.

 

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