Die rosarote Presseschau (17)

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Die Welt ist gar nicht der große, einzig von den Horden der Finsternis bevölkerte Planet, auf dem ein typischer Tag damit beginnt, dass man sich am liebsten gleich wieder die Decke über den Kopf ziehen würde. Wirklich nicht. Warum nicht, erklären wir in unserer Rubrik mit Nachrichten, die die Horden der Finsternis gar nicht gerne hören.
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Die rosarote Presseschau (16)

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Die Welt ist gar nicht der große, einzig von den Horden der Finsternis bevölkerte Planet, auf dem ein typischer Tag damit beginnt, dass man sich am liebsten gleich wieder die Decke über den Kopf ziehen würde. Wirklich nicht. Warum nicht, erklären wir in unserer Rubrik mit Nachrichten, die die Horden der Finsternis gar nicht gerne hören.
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ZEITmagazin La La Land

Titel_Spezial_720x600Sie lieben Deutschland, stehen fest an der Seite Harald Martensteins und lehnen jede Kritik an Marion Gräfin Dönhoff ab. ZEITmag-Redakteure sind eine sehr seltsame Gruppe innerhalb der bourgeoisen Presse. Ursprünglich wollten sie nur mal über den roten Teppich beim Deutschen Filmpreis flanieren und sich am Büfett gütlich tun – und haben sich dabei furchtbar überfressen. Was sind das eigentlich für Leute? Eine Reise in die Redaktion.
Von PR♕-Reporterin Marit Hofmann

Eigentlich verwahren sie sich gegen Lügenpresse-Vorwürfe, sie seien schließlich Qualitätspresse. Aber dann fielen inmitten der Selbstbeweihräucherung einige bemerkenswerte Sätze des Kolumnisten Martenstein, der die Lügenpresse-Schreier verteidigte und AfD-Positionen vertritt: „Zuerst lässt man Hunderttausende herein, ohne sie sich vorher genau anzuschauen. Eine humane Großtat war das nicht. Die Opfer von Terroranschlägen sind nämlich auch Menschen.“
Das Zeitmagazin, verrät Wikipedia, bringt regelmäßig themenbezogene Sonderausgaben, die „u. U. eine größere Anzahl von Anzeigenseiten“ beinhalten, „so z. B. die Reihe Designheft oder seit 2008 das jährliche Uhrenspezial, das sich dem Thema Uhren widmet“. Die weitere Recherche führt ins Archiv, zu Ausgaben mit der Schnarchgesprächsreihe Giovanni di Lorenzos „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ und Wolfram Siebecks Edelcuisinetipps. Man präsentiert sich als Sprachrohr einer kulturellen und politischen Elite mit dem Schlachtruf „Deutschland muss wieder Ansehen gewinnen, damit wir im Ausland die besten Plätze am Pool bekommen!“
In einem mondänen Café in einer großen deutschen Hansestadt schält sich ein dicker alter Mann aus einem Lodenmantel und einem Kaschmirschal. Theo ist 79 Jahre alt. Er heißt eigentlich anders, seine Kollegen im Büro, das stellt der Geisteswissenschaftler ganz am Anfang des Gesprächs klar, sollen nicht wissen, wie er privat tickt. Theo kennt das Leben da draußen nur aus dem Arte-Programm. Jeden Tag fährt ihn sein Chauffeur in die Redaktion, wo der Redakteur seine Sekretärin elektronische Post beantworten lässt. Um die Jahrtausendwende hatte er sich der „Zeitmag“-Redaktion angeschlossen, die vorgibt, über das wahre Leben da draußen Bescheid zu wissen. Statt zu recherchieren, schickt er einen Praktikanten nach draußen, der zwei bis drei unglaubwürdige „Zeit“-Zeugen auftreiben soll.
Es begann eigentlich harmlos. Theo hörte gern Wagner-Opern und aß gern gut, konnte aber nicht kochen. Zum ersten Mal sah er die Gefahr, nicht genug Geld für seinen hohen Lebensstandard zu haben, als er 14 Jahre alt war. So suchte er sich einen anständigen Redakteursposten.
So begeistert vom Edelfederjournalismus wie als Jugendlicher ist Theo heute nicht mehr. Die Gehälter werden nicht mehr erhöht, die Büfetts und Pressereisen haben deutlich an Niveau verloren. Einige seiner Kollegen finden, dass Thilo Sarrazin eigentlich recht hat. Theo ist irgendwann in den letzten Jahren skeptisch geworden, ob sein schwarz-weißes Operettenbild von der Welt eigentlich mit der Realität vereinbar ist und ob es tatsächlich diese Online-Welt gibt, von der die Sekretärin ihm so oft erzählt.

Hinter der Geschichte:

Mehr als ein Jahr lang recherchierte Marit Hofmann für diese Reportage. Sie sprach insgesamt mit ein bis zwei ZEITmagazin-Redakteuren, von denen die meisten nach einer Bedenkzeit doch nicht zitiert werden wollten.

Bis zur Umsetzung unseres Journalismusfinanzierungsdekrets kann unsere Arbeit mittels eines einfachen Klicks auf den „Spenden“-Knopf gleich oben rechts unterstützt werden. Oder mit einem Einkauf in unserem Shop.

 

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Dieser Eintrag wurde am 17. März 2017 veröffentlicht. Ein Kommentar

Die rosarote Presseschau (15)

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Die Welt ist gar nicht der große, einzig von den Horden der Finsternis bevölkerte Planet, auf dem ein typischer Tag damit beginnt, dass man sich am liebsten gleich wieder die Decke über den Kopf ziehen würde. Wirklich nicht. Warum nicht, erklären wir in unserer Rubrik mit Nachrichten, die die Horden der Finsternis gar nicht gerne hören.
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I bims, Darknet! : Internet, das unbekannte Wesen

Kennen Sie das. Sie sollen für Ihre Redaktion eine in der Entwicklung befindliche Geschichte, eine Story, recherchieren, geben dem Praktikanten die Anweisung, mal zu gucken ob der flüchtige Täter in diesem weltweiten Netz, Internet genannt, etwas geschrieben hat und bekommen dann abfotografierte Bildschirme (Screenshots) vorgelegt, mit denen Sie nichts anfangen können? Wenn Sie nicht wissen, was das ist und der fünf Jahre jüngere Praktikant schon, dann ist klar, womit Sie es zu tun haben. 

von Samael Falkner

 

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Draußen in der Küche (Teil 2)

Draußen in der Küche. Gibt es das? Wo befindet sich dieser Ort? Und ist es überhaupt ein Ort? Oder vielmehr der Anfang eines frauenfeindlichen Witzes? In Teilen Afrikas ist es aufgrund des mangelndes Platzes noch bis heute üblich, seine Küche im Hof zu haben, aber darum geht es hier nicht. Was darf man sich also unter „draußen in der Küche“ vorstellen und warum heißt dieser Text so? Mercedes Nabert ist über die Wendung gestolpert und versucht, ihr auf die Spur zu kommen.

Teil 2: Mysterium und Zufluchtsort: Projektionen von Schriftstellern

In Theodor Fontanes bedeutendem Werk „Effi Briest“ ist „draußen in der Küche“ ganz einfach dort, wo die Tochter der damalig 18-jährigen Protagonistin und ihres doppelt so alten Ehemannes sich gerne aufhielt: „Ja, Innstetten sehnte sich nach Unterbrechung von Arbeit und Einsamkeit, und verwandte Gefühle hegte man draußen in der Küche, wo Annie, wenn die Schulstunden hinter ihr lagen, ihre Zeit am liebsten verbrachte, was insoweit ganz natürlich war, als Roswitha und Johanna nicht nur das kleine Fräulein in gleichem Maße liebten, sondern auch untereinander nach wie vor auf dem besten Fuße standen.“ 
Die darauf folgenden Absätze handeln von den sich allmählich herauskristallisierten Spannungen der beiden hausangestellten Frauen, sowie ausführlich von deren beider spezifischer Form der Fettleibigkeit. Der vorletzte Satz des Kapitels lautet: „Aber eh er dazu kam, kam Johanna, um zu sagen, dass das Essen aufgetragen sei.“
Bei dem Schriftsteller Peter Rosegger, um bei prominenten Beispielen zu bleiben, für die Krimiautorin Frederieke Schmöe und auch bei dem weniger bekannten, aber anspruchsvollen Autoren Eugen Banauch ist die Küche draußen offenbar ein einziger Quell störender Geräusche. „Draußen in der Küche“ beschreibt immer wieder einen passiven, durch Frauen allein lebendig gemachten Ort, weit entfernt. Die Autoren wissen nichts von ihm oder wollen nichts von ihm wissen. Nur wenige urgieren sich hin, um dort Trost oder Beistand zu erfahren. Zuletzt ist dies wohl dem Drehbuchautoren Bernd Fischerauer passiert, dessen erster und vielversprechender Roman erst jüngst erschienen ist. Da schreibt er: „Aber ich bin in die Küche hinaus, wo meine Mutter beim Kochen war, und hab gebrüllt wie am Spieß.“
Selbst der Spiegel bedient sich 1966 dieses Kunstgriffs und unterstreicht durch ein deplatziertes „draußen“ die Passivität einer bemerkenswerten Angelegenheit: „Doch eines Abends, in Torsholt, die Frauen warteten draußen in der Küche, da hängten Ruppe und Rheinheimer eine 2 x 3 Meter große Nazifahne auf.“

Ab nach draußen!

Abgesehen von emotionaler Distanz, was schließlich nicht einmal ganz korrekt ist, lässt sich mit „draußen“ noch einiges andere, inklusive Freiheit assoziieren. Somit hatten untergetauchte Juden zu Zeiten der Shoah, für die die Küche ihrer Retter zu den Orten zählte, die sie allenfalls nachts aufsuchen konnten, historisch die einzige legitime Begründung, sie draußen zu wähnen.
In der Wikipedia heißt es: „Als Küche wird ein Raum innerhalb einer Wohnung, einer gastronomischen Einrichtung oder einer Einrichtung zur Gemeinschaftsverpflegung bezeichnet, der vorwiegend zur Zubereitung und teilweise zur Lagerung von Speisen genutzt wird.“
Wenn Frauen einem heute sagen, sie hätten draußen in der Küche noch Saft, so ist das schwer bedenklich. Sie müssen, bewusst oder unbewusst, die Vorstellung übernommen haben, ihr Reich, die Küche, sei vom eigentlichen Leben im Haushalt abgeschieden. Vielleicht glauben sie, lediglich darin etwas bestimmen zu können oder sehen sogar ihre „Bestimmung“ in ihr. Vielleicht ist ihre Familie auch so furchtbar, dass sie die Küche als einen Rückzugs- oder Zufluchtsort begreifen. Tatsache ist jedenfalls, dass die Küche ein Ort der Arbeit ist und nicht erst seit gestern ist bekannt, dass ohne eine kritische Auseinandersetzung mit der Arbeit im „home office“, die sogenannte work-life bance entschieden unter ihr leidet. Somit ist diesen Frauen anzuraten, dass sie ihr „Draußen“ in Richtung richtiges draußen verlassen. Oder sogleich ihre Ehe, oder ihren Wahn.
Wer außerhalb seiner Wohnung arbeitet, kann in der Regel auch häufiger auswärtig essen. Und sollte man sich dann für die klassische, gehobene Gastronomie entscheiden, schadet es nicht, einen Gedanken daran zu verschwenden, dass der Küchenchef vermutlich männlich ist und dass „Hausmannskost“, als eine Bezeichnung aus dem 16. Jahrhundert, nichts bezeichnet, was von Männern entwickelt wurde, sondern wiederum einfach Mahlzeiten, die ihnen schmeckten. Aus alledem ergibt sich, dass es ganz akkurat wäre, „draußen in der Küche“ als den Anfang eines sexistischen Witzes zu verstehen.

Die Autorin lebt und isst in Berlin, meistens nur Indisch vom Lieferservice oder bei Geschäftsessen, die sie absetzen kann. In ihrer Küche hängen die Wäsche und ein Weinregal. Auf ihrem Herd stapeln sich Bücher und Zeitschriften.

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