Gib alles


Letzte Anrufung des Herrn
.

Von unserem Gastpoeten Martin Jürgens

Herr, du warst groß,

Doch jetzt nicht mehr.

Du nahmst, was sich 

Dir bot, von allen. 

Gib es wieder her, 

Gib alles, los!

Erst – mach ihn auf – 

Erst alles aus dem Safe:

Bares, Unbares, wie es kommt,

Verträge und Belege, Schmuck,

Besitzurkunden, Wertpapiere, auch die Uhr

Von Breitling, teuer, hässlich, schwer,

Und auch das Döschen da aus

Elfenbein und voll mit

Koks, gib’s her! 

Herr, du warst groß,

Doch jetzt nicht mehr,

Und es ist Zeit,

Dass man dich

Nicht mehr kennt.

Wir sind am Ziel,

Du bist am End.

Gib alles her und

Und du wirst sehn,

Wie selig geben ist,

Wenn denen, die da nehmen

Die Wünsche nicht vergehn:

Zu essen und zu trinken

Brot, Salz und Wein,

Vom grünen Veltliner bis hin

Zum Chateauneuf du Pape,  

Und Kuchen ab und zu,

Und von der Entenleber

Ein Parfait mit Trüffeln

Aus dem Périgord und eine

Keule vom Poulet de Bresse

Und drei ganz kurz mit

Armagnac flambierte Gambas,

Dann das Zitroneneis mit

Einem Hauch von Gin.

Jedoch: kein Blumenkohl!

Kein „knackiger Salat“!

Kein Sauerkraut, solang es

Auberginen und Oliven hat.

Und wenn es Schinken gibt, dann

Den vom schwarzen Schwein,

Das sich von Eicheln nährt.

Groß warst du, Herr. 

Das ist vorbei und dein

Verachtetes Gescherr

Nimmt alles, was du hast.

Und was du nicht hast, Herr,

Sieh zu, dass du es kriegst

Und gib es ab: 

Vor allem das Blaue 

Vom Himmel und das

Gelbe vom Ei und den

Schönen schwarzen Gedanken, 

Der sich als Tango tanzen 

Lässt und eine Stimme für 

Ein Halleluja, als gäbe 

Es der Menschheit

Unschuld noch.

Und was zu wünschen bleibt, 

Besorgen wir uns in den 

Gegenden, die du nicht kennst:

Ein leichtes Herz, 

Vor allem das, wir

Hatten es noch nie,

Und von der guten Wut, 

Jenseits von jedem Schmerz

Ein ungeheuer großes Faß,

Das nie zur Neige geht. 

Das wird im Keller aufbewahrt

Und gut gekühlt. Und um nicht

Kalt zu werden – ja wir sind nett

Zu uns – auf die Empfehlung Heines 

Hin zum Zudecken des Nachts, das

Beste, was es gibt auf Erden: 

Das deutsche Federbett.

Und eine Freundlichkeit, die

Nicht das Ihre sucht,

Langmütig, unerbittlich,

Und verbittert nie.

Herr, du warst groß,

Und es ist alles aus 

Und niemand, der  

Dich jetzt noch kennt,

Denn deine Zeit liegt hinter dir.

Wir sind ihr weit voraus,

Wir leben in der Gegenwart

Von morgen, morgen schon

Weit im Futur, und du bist

Nichts als ein Gerücht aus

Einer Zeit, die man die

Vorgeschichte nennt.


Mein Staat II

Wäre mein Staat dafür zuständig, dass er nicht an der Spanischen Grippe stirbt? Der Träumerei zweiter Teil, mit eingebautem Update. Von unserer Gastprinzessin Ilse Bindseil

♕ 1 Mein Staat ist kein Sozialstaat. Er ist kein fürsorglicher Staat. Er ist kein Beschwichtigungsstaat. Er verweigert die Kohabitation oder Symbiose mit Aufgaben, die definitiv nicht polizeilich, sondern fürsorglicher Natur sind. Vor die Alternative, Polizei oder Fürsorge, gestellt, entscheidet er sich für die Polizei. Na gut, sagt er, dann bin ich eben ein Polizeistaat. Aus der Geschichte weiß er, dass das Zusammengehen von Polizei und Fürsorge der Anfang oder die Grundlage des Faschismus ist. Faschismus, weiß er, ist Polizei plus Fürsorge, damit fängt es an. Oder: So hört es nie auf. In dieser Verklammerung ist der Faschismus immer eine Option. Er ist immer gegenwärtig. Er ist immer das, was beschwichtigt werden muss.* Wenn der Staat es ernst meint mit der Konstruktion eines nicht faschistischen Staats, muss er darauf also verzichten. Auch wenn er dann mit leeren Händen dasteht. Dieses Gefühl, mit leeren Händen dazustehen, ist sozusagen das Kriterium eines nicht faschistischen Staats.

*Als beschwichtigendes Fernsehen hat ein Kommentator das deutsche bezeichnet und damit punktgenau die Kalamität getroffen.

2 Mein Staat weiß, wenn er nicht über sich nachdenkt, dann tut es keiner. Seine Geschichte nimmt er ernst, er hat sich mit ihr befasst, nicht als Anhängsel und Ausdruck von allem Möglichen, sondern als die Geschichte, die von ihm handelt, in der erkennbar wird, was es mit ihm auf sich hat. Prompt wirkt er kleiner. Nicht mehr so aufgebläht. Nicht mehr so verbacken. Nicht mehr so natürlich. Nicht mehr so persönlich. Nicht mehr so – dinglich. Kaum mehr scheint er als eine Form.

Jeder, der über den Staat nachzudenken meint, macht ihn ja zum Spiegel seiner eigenen Bedürfnisse, schreibt ihm dies und jenes zu, erhöht ihn im Maßstab seines Größenwahns und saugt aus der Schwierigkeit, ihn zu beschreiben, noch den Honig der allerhöchsten Unbegründbarkeit und Souveränität. Zeit, dass der Staat dieser Fremdbestimmung eine Schranke setzt. Er tut das, indem er sich selbst bestimmt. Sich selbst bestimmen heißt, alles das aus sich herausschneiden, was man nicht ist. Es heißt nicht, zu sagen, was man ist, sondern was man nicht ist. Damit ist dem Bedürfnis der Ideologen, den Staat zu bestimmen, eine wirksame Schranke gesetzt. Auch das Staatsvolk unterscheidet höchstens zwischen Gut und Böse, kapiert nicht, warum er sich der guten Eigenschaften, wenn es sie ihm zuschreibt, genauso erwehrt wie der schlechten. Sobald es um das Nicht geht, klappt es die Ohren zu, sagt ratlos: Was will er? Das oder das? Ist er vielleicht der Allerhöchste, der über den Eigenschaften thront? Nein, auch das ist er nicht. Wäre er der Allerhöchste, hätte er noch mehr Mühe: aus sich herauszuschneiden, was das Allerhöchste ist. Deshalb ist er glücklich, wenn es eine Nummer kleiner geht und er nur das Paternalistische aus sich herausschneiden muss, das Zugewandte, das jedem ansteht, der mit Menschen zu tun hat, sofern er ein Mensch ist, aber er ist ja ein Staat. Er kommt damit seiner Selbstbestimmung nicht nur näher – obwohl, wer weiß, wo das endet −, viel unmittelbarer ist der Effekt, dass das Nicht, dass jedes seiner Selbstzuschreibungen, wie die Philosophen sagen, „begleiten können muss“, sich wie eine Membran um ihn herum legt, so dass die Verehrung, auch die beständige Forderung nicht andocken kann. Wie willst du zu jemandem erfolgreich ja sagen, wenn er beständig nicht sagt. Nicht nein, wohlgemerkt, das ginge ja noch an, sondern nicht. Sogar das Volk wendet sich schließlich von ihm ab. Hört auf zu lamentieren und macht sein eigenes Ding.

♕ 3 In meinem Staat geht das große Gesellschaftsspiel zu Ende, das da lautete: Was bekommen wir vom Staat? Wie werden wir versorgt? Was ist er uns schuldig? Was enthält er uns vor? Warum tut er nichts für uns, warum sieht er uns nicht! Es war ein seltsames Gesellschaftsspiel, das Rechte und Linke einte, denn auch die Linke wendete sich an den Staat, fordernd und vorwurfsvoll, vorzugsweise im Irrealis, denn dieser Modus galt ihr ja für links. Er gibt nicht, sagte sie anklagend, aber er müsste. Er müsste, aber er tut’s nicht! In meinem Staat kann man studieren, worüber die Linke redet, wenn sie nicht mehr sagen kann: Der Staat hat wieder nicht. Wie sie kommuniziert, wenn sie nicht mehr in diesem seltsamen Dreieck agiert: sie, der Staat und die Leute. Sondern ohne einen Dritten, den sie als Gegner präsentieren kann, aber als Verstärkung  im Auge hat. Der für alles zuständig ist, aber noch das Mindeste versäumt, dem man dies Mindeste also vorwerfen kann. Gibt es dies Mindeste nicht, müsste man sich statt seiner mit dem Größten beschäftigen, aber womit, wenn nicht mit dem Staat? Mit der Gesellschaft, der Wirtschaft, dem Leben? Verzeiht, dass ich schmunzele. Wirtschaft klingt ja, als wollte man einen heben gehen. Ökonomie hat sich im Elfenbeinturm der Wissenschaft verbarrikadiert. Gesellschaft? Ein Schimpfwort für die Soziologen, die sich etwas zurechtgemacht haben, einen Zombie für die Zombies. Leben? Hat’s auf allen Ebenen verspielt. Ungleich angenehmer ist die Rede vom Staat als dem großen Übersetzer des Wirklichen ins Politische,  ins Symbolische. Was ist das Symbolische? Ein Raum, wo man sich verhalten kann, wo man sich unterhalten kann. Eine Sphäre, in der sich wunderbarer Weise immer ein Spielraum auftut, ein Verhandlungsgegenstand sich anbietet, eine Kommunikationssituation genutzt werden will. Der Staat tritt dem Volk als Partner gegenüber. Wir und der Staat, sagt das Volk, das sind zwei gegen den Rest der Welt.

4 Mein Staat ist nicht der Statthalter des Politischen. Ich sagte es bereits: wenn, dann der Statthalter des Polizeilichen. Soll ich zuerst sagen, worin das Polizeiliche besteht oder was für meinen Staat die größte Herausforderung ist? Wer ein ernsthafter Konkurrent ist, wollt ihr das zuerst hören?

Der ernsthafte Konkurrent kommt als siamesischer Zwilling daher: Es sind dies der bürgerliche Staat, der sich auf seine demokratischen Werte rückbesinnt, und der autoritäre Staat, der sie überwindet. Kurz, es ist der bürgerliche Staat, der einen Schritt zurück und der autoritäre, der einen Schritt vorwärts macht, beide in Übereinstimmung mit dem Schritt des jeweils anderen, so dass man auch sagen kann: Der ernsthafteste Konkurrent meines Staates ist die Krise. Sie lässt das Bild eines Staates entstehen, der sich sei’s auf seine Werte, sei’s auf seine Stärke besinnt und in dieser Konstellation den Eindruck vermittelt, sich selbst im Blick und das Land im Griff zu haben, entweder den Staat sans phrase oder den Staat als Phrase. 

Was hat der Staat, dass ich ihn verteidigen mag? Diese Frage bewegt den nachdenklichen Bürger. Sie produziert die Inbrunst, die meinen Staat blass aussehen ließe, gälte sie nicht bloß für die Krise. Aber sie wächst mit ihr und schwindet mit ihr. In der Krise entsteht das Schattenbild eines Staates, der wie eine Verkörperung der aristotelischen Mitte ist, wo nicht der Superlativ gilt, sondern der Elativ. Elativ? Das, was sich nicht steigern lässt, was das Größte ist, wenn man es denn erreicht, aber man kann sich ihm nur annähern. Großmut und Großzügigkeit, Selbstbeherrschung und Selbstlosigkeit, Mut. Aristokratische Werte allzumal, geben wir es doch zu. Eine Quadratur des Kreises, wenn der Bürger sie zu seinen erklärt. Ein Schattenbild, wie gesagt, bei dem die Krise dem Piefigen Flügel verleiht.

Was fehlt dem Staat zum Staat? fragt die autoritäre Rhetorik. Ein Anführer, jemand, der sich traut. Der die Sache übernimmt, so dass  ich mich einklinken oder ausklinken kann. Dass ich ebenso gut sagen kann „Ich und mein Staat“ und „Die da oben. Sollen sie doch machen.“ Es ist ja alles da: die großen Worte, die Werte. Nur die Traute fehlt. 

Meinem Staat fehlt alles, bloß stark ist er. Jeden Annäherungsversuch, jeden Anbiederungsversuch wehrt er ab. Lässt es gar nicht erst zu, dass sich Übernahmefantasien an ihn heften. Hier gibt’s nichts zu übernehmen, bedeutet er den Interessenten.

♕ 5 Mein Staat, wenn er sich mit sich selbst beschäftigt, schickt nicht in Gedanken Truppen an die Grenze oder lässt Tiefflieger über seine Weizenfelder donnern. Nein, er beschäftigt sich mit sich wie ein Bürger, der nach des Tages Mühe durchs Fernsehen zappt, die sozialen Kontakte prüft und einen Blick aufs Dating-Portal wirft, einen entspannten, wohlgemerkt, keinen verkrampften. Gelegentlich, wenn mein Staat  mal nicht mit Abwehren und Ausmisten zugange ist, wirft er einen neugierigen Blick auf jene andere Welt, in der es Dinge gibt, von denen er nur träumen kann. Wie gesagt, er träumt nicht von Armeen, Grenzzäunen, hoch wie der Eiffelturm, er träumt sich ins normale Leben hinein. Zivil, träumt er, hat das mit mir zu tun? Bürgersprechstunde, nur mal als Beispiel, wär das was? Aber wer spricht und wer hört zu?

Weiß nicht, sagt mein Staat und denkt an was Einfacheres. Verwaltung, denkt er. Bin das ich?  Ist das ein Staat ohne Staat? Sachlichkeit pur: faszinierend. Allein schon die Idee bringt Hasser und Verehrer hervor. Aber die Verwaltung ist die Sache der Verwaltung. Meine Sache, denkt mein Staat, ist der Staat. Wollen doch nichts durcheinander bringen. Wenn jeder sich zurückzieht aus dem Gebiet, auf dem er nichts zu suchen hat, dann kann das Freigeräumte einen freien Blick auf sich werfen. Mal sehen, was dabei herauskommt. Gewiss nichts, was mit dem Staat zu tun hat: the less you put in the less you get out, zu Deutsch: was du nicht reingetan hast, kann auch nicht rauskommen. Der Staat mag es bedauern, wenn das Feld, das er geräumt hat, sich nun ohne ihn entwickelt. Verwaltung, denkt er, das wär wie ein Puzzle mit 15 000 Teilchen. Samt Unterlage zum Zusammenrollen und Fixierer.

Mein Staat sehnsüchtelt vielleicht ein bisschen, aber er verliert sich nicht. Wenn es ganz kritisch wird, gerät er ins Träumen, wer träumt, der sündigt nicht. Immer wieder kommt er auf die Verwaltung, was hat er nur mit der? Um mal ein Beispiel zu nehmen, Max Weber, der war für die Verwaltung zuständig, will sagen, er hatte es drauf. Wäre mein Staat dafür zuständig, dass er nicht an der Spanischen Grippe stirbt? Hätte Max Weber über die Verwaltung nachgedacht und mein Staat ihn gerettet? Mit jener Mixtur aus Verwaltungs- und polizeilichen Maßnahmen, für die ein Staat wie geschaffen ist? Wie geschaffen für die Spanne zwischen Verwaltung und Krankheit?

Ich nicht, denkt mein Staat und hält sich die Ohren zu. Weder hätte ich ihn gerettet noch bin ich dafür geschaffen. Erbittert tönt es von allen Seiten, dass man es schon ein Ohrgeräusch nennen kann. Ist aber nur das Rauschen, nein, nicht des Blätterwalds, auch nicht – sic! − des Seins, sondern der Leere, die sich bemerkbar macht, wenn man einmal nicht das denkt, was man immer denkt.

Bis zur Umsetzung unseres Journalismusfinanzierungsdekrets kann unsere Arbeit mittels eines einfachen Klicks auf den „Spenden“-Knopf gleich oben rechts unterstützt werden. Oder mit einem Einkauf in unserem Shop.

Kant oder Sex

Macht hat in den heutigen Debatten den skandalösen Status von etwas, was nicht erklärt werden muss, und Sexualität – überhaupt keinen Status. Da ist unserer Gastprinzessin Ilse Bindseil der alte Trieb lieber

 

Kant fällt mir ein. Wenn er die Ehe als eine vertragliche Übereinkunft zum wechselseitigen Gebrauch der Geschlechtswerkzeuge beschrieb, so diskreditierte er sich damit bei allen fühlenden Menschen – so nannte man sie in der hohen Zeit der Literatur −, die sei’s von der Ehe, sei‘s vom Sex mehr erwarteten als das, was ein trockener Vertrag oder ein sachlicher Gebrauch zu bieten haben.

Weiterlesen

Dieser Eintrag wurde am 17. März 2020 veröffentlicht. 1 Kommentar

In meinem Staat – Update

Aktualisierung (aus gewissen Thüringer Anlässen) der Träumerei von unserer Gastprinzessin Ilse Bindseil

 

♕1 In meinem Staat ist eine Minderheitsregierung nicht erlaubt, weil diejenigen, die gewählt haben, allenfalls denen gegenüber, die nicht gewählt haben, in der Minderheit sein können, ansonsten aber schlechthin die Mehrheit sind. Sie durch eine Minderheit ihrer Repräsentanten repräsentieren zu wollen, wäre absurd. Dem Wahlvolk eine Repräsentanz zu verschaffen ist ja das Ziel der Wahl, und dieses Ziel kann nicht aufgegeben werden, nur weil keiner zahlenmäßigen Mehrheit eine politische Mehrheit entspricht. Eine solche Lösung beschädigt das Vertrauen in die repräsentative Demokratie. Sie drückt aus, dass die Wähler falsch wählen können, obwohl nichts am Wahlmodus sie darauf hinweist. Sie drückt aus, dass die politische Klasse wichtiger ist als das Wahlvolk. Sie setzt die Wahrheit der Politik über die Wirklichkeit des Wahlvolks und treibt die Politik damit in einen imaginären Raum, in dem Vermeidung und Verleugnung die Oberhand haben und das So-tun-als-ob dominiert. Weiterlesen

Dieser Eintrag wurde am 28. Februar 2020 veröffentlicht. 1 Kommentar

The End of Lilibeth

Lord Harold Stazol

Unser royaler Hofreporter Harald Nicolas Stazol weiß jetzt schon, was passieren wird, wenn die Queen stirbt

Am 2. Juni 1953 wird Elisabeth II. zur Königin gesalbt. Seine Exzellenz, der Bischof von Canterbury hält inne, bevor er einen Tropfen des heilige Öls auf das Decolletée der jungen, wunderschönen Frau dort auf dem uralten Thron Arthurs tupft, einmal vergisst er seinen Text, und im Moment, da die Königin die Staatskrone mit dem Cullinan-Diamanten, des größten, der je gefunden, auf ihr nun auch gesalbtes Haupt gesetzt bekommt, setzt sich die Crème de la Crème des britischen Hochadels die eigenen Kronen auf die erlauchten Köpfe. Weiterlesen

Der Täter als Zeuge

Von unserem royalen Hofhistoriker Stephan Linck

Was ist ein Zeitzeuge, eine Zeitzeugin? Jemand, der irgendwas aus seiner Jugend erzählt, mal Richtiges, mal Falsches, mal ist es interessant, mal weniger. Das Zeitzeugenportal vom Haus der Geschichte hat da so einiges online gestellt. Weiterlesen

Dieser Eintrag wurde am 12. Februar 2020 veröffentlicht. 1 Kommentar

In meinem Staat

Eine Träumerei von unserer Gastprinzessin Ilse Bindseil

 

♕ 1 In meinem Staat werden Beleidigungen von Personen, die hoheitliche Aufgaben wahrnehmen, unnachsichtig bestraft. Richtschnur ist nicht die Höhe der Bestrafung, sondern das Prompte daran. So wird der Verachtung des Staates, die das Bedürfnis nach einem Führer fördert, Einhalt geboten. Die Beteiligten werden angehalten, sich darüber Gedanken zu machen, was der Staat ist, nämlich ein Abstraktum, das man gar nicht beleidigen kann. Es dennoch zu tun ist die Dummheit, die prompt und unnachsichtig bestraft wird. Auch dem Schutz seiner Repräsentanten vor ihrer Verwechslung mit dem Staat wird damit Genüge getan.

Weiterlesen

Dieser Eintrag wurde am 7. Februar 2020 veröffentlicht. 1 Kommentar

Harry, Meghan und die Folgen

Lord Harold Stazol

Unser royaler Royalty-Observer Harald Nicolas Stazol verrät, wie es mit dem britischen Königshaus weitergeht

Es ist die größte Krise des Königshauses seit der Abdankung Edwards des VIII. Es ist der Bankrott der „Firm“, wie die Royals sich nennen, Prince Phillip wird kraftvoll fluchen, der Queen fiel die Krone vom Kopf und Prince Charles, der Thronfolger, schlackert noch immer mit den Ohren. Gerade hat die Affaire Andrew den Palast in den Grundfesten erschüttert, nun rieselt der Stuck im Treppenhaus des Buckingham Palastes, die Damen haben auf dem tennisplatzgroßen Teppenabsatz mit dem rotgoldenen Teppich unter einem riesenhaften, alten Meister links emporzusteigen, die Herren rechts, auch der Premier, – und also Margeret Thatcher und Theres May eben, wohl widerstrebend, links.

Weiterlesen

Dieser Eintrag wurde am 24. Januar 2020 veröffentlicht. 1 Kommentar

Laissez-vous célébrer, Monsieur Stazol!

Zum 50. Geburtstag unseres hochverehrten royalen Stilberaters Lord Darlington aka Harald Nicolas Stazol bringen wir heute Auszüge aus „Darlingtons Manieren“ zum Jahresbeginn.
Laissez-vous célébrer, Eure Lordschaft! Die Krone dankt für die Treue und winkt huldvoll rüber zu den Feierlichkeiten à Lyon.

„Nun gilt es, am Jahresanfang, sich von allen gutgemeinten Vorsätzen und ihrem Diktat zu befreien, und bei jenen zu bleiben, mit denen man in realistischer Satire sich selbst zwar zu nahetritt, sie aber auch umzusetzen vermag: Doch wann man damit begönne, dafür ist das Datum einerlei, es sei denn, man sei abergläubisch – und allein mit Letzterem aufzuhören, wäre schon der erste gelungene Vorsatz.“

(Darlington‘s „Manieren“ – Kapitel „Strenge gegen dich selbst“, Seite 308)

Votre gâteau d’anniversaire (www.flickr.com/photos/eldriva/)

„Und so sich das Jahr nun schon in den ersten Tagen anschickt, derer höchsten Erwartungen gegenüber ja man die Latte soeben noch aufs höchste gelegt hatte, schon jetzt das nicht zu erfüllen, was man sich erhoffte, sollte man möglichst oft kalt duschen und jeglichen Tatort meiden“

(Darlington‘s „Manieren“ – Kapitel „Tempus Fugit“ Seite 424 ff.)

„Nun, nach der ersten überstandenen Woche des noch so jungen Jahres, empfiehlt es sich, erst einmal zu verreisen, etwa nach Lyon, den Laptop im Anschlage, falls doch noch wichtige Dinge ihrer Ordnung bedürfen. Sollten die Umstände eine Reise verunmöglichen, empfiehlt sich mancher Gang in ein Museum, ein Theaterbesuch vielleicht, oder eine Ballettpremiere. Oder man lese Molière.“

(Darlington‘s „Manieren“ – Kapitel „Was tun?“ S. 168)

„Gen Abend, in diesem verflucht kurzen Jahreslicht – das Schloss auf der Île of Skye hat nur zwei Stunden Helligkeit -, sind dreier Gefahren zu gewärtigen: Des frühen Whiskys, der langen Telefonate und des tiefen Grübelns.“

(Darlington’s „Manieren“ – Kapitel „Vom auf sich hören“, S. 55 f.)

„Nun ist es noch und schon oder wieder dunkle Nacht. Wohlan und entzündet die Kerzen und Photographien! Die belastenden Amtsbriefe, die alten der Liebe, der Nie-abgeschickten! Und das Jahr wird das Deine sein!“

(Darlington’s „Manieren“ – Kapitel „Zum Wesentlichen“ S.110)

„Vor Bahnreisen gilt es, ein wenig Kau- und Schnupftabak mitzuführen, ein, zwei, drei Metternich, belegte Brote, einen Red Bull, Downton-Abbey-DVDs, das KONKRET-Archiv und eine Flasche Evian zum Aufsprühen, das Dalì Tarot und „Der Blaue Kammerherr“ von
Wolf von Niebelschütz. Und natürlich Billets und die Reisepapiere und Empfehlungsschreiben.“

(Darlington‘s „Manieren“ – Kapitel „Auf Reisen“, S. 54)

Lord Darlington à Paris 2002. Photograph by Kathryn Millan

Bis zur Umsetzung unseres Journalismusfinanzierungsdekrets kann unsere Arbeit mittels eines einfachen Klicks auf den „Spenden“-Knopf gleich oben rechts unterstützt werden. Oder mit einem Einkauf in unserem Shop.