Frau S. äußert sich (1)

Eine Miniserie von unserer Gastprinzessin Ilse Bindseil

Torte für Frau S. zum Serienstart www.flickr.com/photos/eldriva/

1. Folge: Frau S. äußert sich über ihr Gewicht

Frau S., mit der wir durch besondere Umstände verbunden waren, erzählte uns über die Fatalität ihrer Leibesfülle Folgendes. Sie hasse ihren unförmigen Körper, aber sie liebe es zu essen. Das Fatale sei, dass sie zwischen Letzterem und Ersterem keinen Zusammenhang erkennen könne. Sie wisse um diesen Zusammenhang, sie sei ja nicht blöd, aber sie könne sich ihn nicht aneignen. Für sie gebe es kein fremderes Wissen als dies.

Normalerweise sei es doch so, sagte Frau S., indem der Verstand eine Sache durchdringe, stelle er die Verbindung zum Menschen her, der von ihr nun auch moralisch und gefühlsmäßig geprägt werde. Das verbinde sie übrigens mit dem Wort „durchdringen“, dass eine fremde Sache bis zu jenen Schichten der Person vordringt, die mit dem abstrakten Wissen wenig zu tun haben, aber, wie solle sie es ausdrücken, sich mit ihm arrangieren müsse.

Nichts bleibt ohne Folge, sagte sie nachdenklich, und deshalb könne Folgenlosigkeit auch nur ein beschönigender Ausdruck für eine Blockade mit ihrerseits schwerwiegenden Folgen sein. Ihr unförmiger Leib, zum Beispiel, sei die sichtbare Folge davon, dass sie den Zusammenhang zwischen Essen und Zunehmen nicht wirklich begriffen habe. Was aber sei die Ursache? 

Die Ursache sei, dass für sie essen und vertilgen eins sei, die Vorstellung des Zuführens, gar des Erhaltens und Vermehrens habe daher keinen Platz. Ernähren, sie gebe es zu, sei für sie bestenfalls ein Fremdwort, gut für die Wissenschaft, schlecht für das Leben, im Zusammenhang des letzteren beinahe unanständig. Essen, so wie sie es verstehe, sei Beseitigen, es sei Aufräumen. Nicht ein aggressiver Akt gegen einen äußeren Feind, das nicht, sondern die Wiederherstellung der lichten Klarheit, wie sie bestanden hat, bevor das Essen auf den Teller kam. Mag es noch so sorgsam bereitet, so ingeniös ausgedacht sein, wenn es denn fertig ist, gehört es der Ordnung der Materie, nicht des Geistes an, was man daran erkenne, dass es seinen eigenen Verfallsprozess habe, wie er am abgegessenen Teller, später dann beim Sturz in die Biotonne zu beobachten sei. Kauen, so betrachtet, sei ein Akt der Wiederherstellung eines Zustands, der ursprünglich geistig war, die Beseitigung von Materie durch Geist. Schlucken, um auch das noch gesagt zu haben, sei die primitive Form davon. Hier gehe es nur noch ums Beseitigen, nicht mehr um Geist.

Sie sei eine unbedingte Anhängerin des Geistes, sagte sie, aber von diesen Höhenflügen abgesehen sei es schlechterdings unverständlich, dass, was an der einen Stelle, durch Essen, vernichtet werde, sich an einer anderen Stelle wieder anbaue. Vom Betrug, den die Verdauungsmaschinerie darstelle, ganz zu schweigen. Stoffwechsel, das habe sie bitter gelernt, bedeute, was das Wort sage: der fremde werde zum eigenen Stoff. Sie habe dagegen immer geglaubt, der Stoff wechsle vom Sein zum Nichtsein. Also, nicht er wechselt sich, so kleingeistig, wie das gedacht ist, sondern er hört auf zu existieren.

Sie strich über das großzügig geschnittene Kleid. Befühlte, was darunter war. Andere, sagte sie, konnten mit dem hier umgehen. Sie kannte ja auch Leute, die ihre Wohnungen mit allem Möglichen vollstellten, ohne Platzangst zu kriegen oder sich überflüssig vorzukommen. Sie dagegen habe so eine komische Art, sich von den Dingen nicht recht unterscheiden zu können, sie empfinde sie als Konkurrenz, nicht als Ergänzung. Ungeachtet ihrer Körperlichkeit sei sie wohl fragil, einfach leicht umzuhauen. Und so geistig von Natur, dass schon die geringste Ansammlung von Stofflichem sie an die Wand drücke. 

Eine seltsame Dichotomie beherrsche ihr Leben, ein Entweder-oder, das sie nicht gut heißen müsse, mit dem sie vielmehr auf die Welt gekommen sei. So könne sie, einmal die Grenze der normalen Nahrungsaufnahme  überschritten, nicht mehr aufhören zu essen. Logisch, so komme es ihr vor, wo doch die Grenze überschritten sei. Man denke nur: Hannibal, überschritt die Alpen! Was die andern denken, wolle sie gar nicht wissen, offensichtlich dächten sie anders. Sie aber werde von einer gewissen Neugier, beinahe hätte sie gesagt einer wissenschaftlichen Unruhe gepackt. Entweder strebe ihre Unförmigkeit einer neuen Form entgegen, was sie nicht verpassen wolle. Oder aber der Kampf Geist gegen Materie sei verloren. Wär ja auch möglich. Und wo bleibe sie dabei?

Sie lächelte geheimnisvoll.

Ich kaue.

Wir dürften jetzt einmal nicht an das Ergebnis denken, sagte sie. Tastend strich sie über ihr Gewand. Das, sagte sie, und was dazu geführt habe, habe doch nichts miteinander zu tun, es sei, um die Philosophen zu zitieren, nun einmal nach Art, nicht Grad verschieden.

Kauen sei Tätigkeit, der Körper ein Gegenstand. Kauen, wenn wir es denn philosophisch wollten, sei auf der Welt das einzige zu unendlicher Wiederholung befähigte Nein, der Körper ein Gegenstand wie jeder andere, ein tumbes Ja. Kauen sei Leben. Nicht zufällig sei sie, wenn sie sich überhaupt zu einer Diät überreden ließ, einer Methode gefolgt, die nicht zu hungern, sondern zu kauen empfahl. Sie erinnere sich an hartgekochte Eier ohne Ende. 

Kauen, sagte sie, das sei für sie wie die Schwingen rühren. Es sei nicht bloß Leerlauf, sondern die Bereitschaftserklärung der Maschinerie, die das Leben in Gang halte. Kauen sei Leben, Nahrung Brennstoff für die Seele, sonst könnten wir ja Steine schlucken. Das Kauwerkzeug, pathetisch ausgedrückt, der Wächter am Eingang zu einem Gebäude, das wie ein Körper aussieht, aber ein Tempel ist. Wenn du hier eintrittst, droht es, wirst du zerkleinert! 

Aber es müsse ein Trick bei der Sache sein, sie tippte auf ihr Kleid, oder ein Haken. Denn wir sähen ja, es gelinge ihr nicht, ihren Körper auf Abstand zu halten. Er sei immer dabei. Es sei schlechterdings unbegreiflich, wie etwas, was weder erwähnt noch benannt geschweige denn angeredet werde, fortdauernd existiere, ja, sich vermehre wie die Herden Abrahams, auf dem Gottes Segen ruhte. Das hier, sagte sie, ist meine Herde. Vergeblich sage sie sich, es sei ein Ausdruck ihres Reichtums, etwas was sie habe, nichts, was ihr fehle. Es könne ein Reichtum sein, ihrer jedenfalls nicht.

Manchmal dämmere ihr die Armseligkeit des Geistes. Dass die Übereinstimmung zwischen Geist und Gerippe ersteren womöglich nicht komplimentiere, sondern bloßstelle. Dass Fleisch und Fett schön, Knochen hässlich seien. Sie könne das nur so in den Raum stellen, es sei nun mal nicht ihr Ressort. Manchmal sehe sie bei andern eine Linie, von der ihr aufgehe, dass sie schöner sein könne als alle Geraden der Welt. Oder sie beobachte einen Schwung, der mit der linearen Geometrie nichts zu tun habe, eine Präsenz, die an die immerwährende Anwesenheit der Bühne im alltäglichen Leben erinnere, eine Inanspruchnahme von Raum, die ihr nun einmal nicht gegeben sei. Wie gesagt, mit ihr habe das alles nichts zu tun, und mit dem hier, sie strich erneut über ihr Kleid, auch nicht. Im Gegenteil. Es sei einfach ein Irrweg, sich einen Körper anzufressen, wenn man ihn nicht beseelen könne. Aber zu glauben, keinen Hintern zu haben, garantiere schon Seele, das sei es auch nicht. Wenn Brecht zitiert werde, dann dürfe sie auch Eichendorff ins Spiel bringen. In der Tat habe sie es immer für eine Conditio sine qua non ihrer Existenz gehalten, jederzeit auf und davon fliegen zu können. Ohne ins Detail zu gehen, könne sie sagen, dieser Vorbehalt sei in ihrer Familie, die ansonsten für ihre Aufopferungsbereitschaft berühmt gewesen sei, geradezu erblich gewesen. Dann kann ich ja gehen, war der Lieblingssatz derer, die fürs Tägliche gesorgt und die Karre am Laufen gehalten hatten. Konnten sie aber nicht. Das Herz habe es ihr zerrissen beim Zusehen.

Sie wies auf die Terrassen unter ihrem Kleid. Sie sei traurig, sagte sie abschließend. Sie komme einfach nicht darüber hinweg. In ihrem ganzen Wesen sei sie aufs Geistige gerichtet, und jetzt das hier. Das sei sie nicht. Ein Pamukkale sei es, ein Ding mit Eigenschaften. Sie sei vielleicht auch ein Ding, aber mit anderen Eigenschaften. Sie könne niemals ein Pamukkale sein. Sie würde sich ja damit abfinden, wenn sie einen Weg fände, das, was nicht sie sei, als ihr zugehörig zu betrachten. Aber so sei sie nun einmal nicht. Mochten andere ganze Kuraufenthalte damit verbringen, „meins“ zu etwas zu sagen, was nicht ihrs war, oder gar „ich“.  Sie nicht.

Manchmal gehe ihr auf, was es heißt, im falschen Körper geboren zu sein, ein Ausdruck, den sie normalerweise nicht möge, weil er suggeriert, man wisse um den richtigen. Aber manchmal spüre sie die Bedeutung des Wörtchens „falsch“ so deutlich, dass ihr klar sei, man muss gar nicht wissen, was ein richtiger Körper ist. Falsch sei ein Ding für sich. Wohlgemerkt, nicht der Körper, sondern dass er falsch ist. Falsch, um ihn zu charakterisieren, reiche. Richtig sei dafür gar nicht nötig. Das eine sei das eine und das andere das andere.

Vermutlich, schloss sie, sei es für sie überhaupt falsch, in einem Körper geboren zu sein. Immerhin könne sie „ich“ sagen, also müsse sie ja irgendwie existieren. Sollte sie sich selbst in einer möglichst körpernahen Weise definieren, dann würde sie sagen, von etwas Festem sei sie das Bewegliche. Dieser Vergleich hinkt? Aber wenn er rüberbringe, was sie sich unter ihrem Körper vorstelle und wie sehr sie in ihrer Erwartung betrogen worden sei, dann habe er seinen Dienst erfüllt. 

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sommer gedicht

von unserer gastprinzessin kuku schrapnell

ich wünscht ich könnt beim paddeln stehn
und müsste niemals untergehn 
mein körper glatt in neopren 
und extra schuhe mit so zeh’n

beruflich würd es auch gut gehn 
manchmal kleine dinger drehn
ein bisschen was am staat vorbei
auch echt nicht viel, nur eins, zwei, drei

milliönchen nicht, nur hunderttausend
mein mann sagt auch, dass die erlaubt sind 
zumindest schon auch gern gesehn 
denn die konjunktur soll aufwärts gehn 

ich wünscht, ich könnt beim paddeln stehn
und müsste niemals untergehn
der stand ist fest, die wirtschaft auch
die sonne scheint mir auf den bauch

Die Stones und ich

Aus dem Familienalbum unseres Gastprinzen Harald Justin

Fotos: Harald Justin

Die Rolling Stones gehörten immer schon zu meiner Familie. Oder ich zu ihrer. Ich erklärte mich zu ihrem Familienmitglied, ohne ihr Wissen, bin mit ihnen aufgewachsen, so wie mit der Sonne, dem Mond und den Sternen. Sie waren immer da, die bessere Familie. Vom wem sonst sollte man in den 60er Jahren juvenilen Tugendterror erlernen? Den ersten hysterischen Kreischalarm übte ich 1965 ein, als mir die anderen Erziehungsberechtigten den Besuch des Rolling Stones Konzerts in der Essener Gruga-Halle untersagten.

Opferbereitschaft erprobte ich 1973, als ich meine damalige Freundin während ihres zweistündigen Konzertes auf den Schultern trug. Danach hatte ich Rücken. 1976 schlug ich mir eine Stunde vor dem Kölner Konzert einen Vorderzahn ’raus, 1982 schluckte ich beim Baden im See vor dem Konzert in Hannover einen Magendarmvirus und litt. Alles, was ich über die Verletzbarkeit des Körpers wissen musste, hatte ich dank Mick und Keith verinnerlicht. Auch gewisse Charakterstärken gaben sie mir mit auf den Weg. Etwa das Geldausgeben für Konzerttickets, Fan-Artikel und den gewissen Rock ’n’ Roll-Lifestyle.

Eine weitere Lektion in Sachen Charakterbildung gab es 1995, als die Zeitschrift, für die ich arbeitete, die Einladung zu einem Fototermin mit den Stones anlässlich ihres bevorstehenden Köln-Konzerts erhielt. Natürlich sagte ich zu, obwohl ich kein Fotograf und ohne Kamera war. In Köln lernte ich dann die ebenfalls herbeigeeilten, wahren Meister der Zunft kennen. Ihre Jackentaschen waren prall gefüllt mit Filmrollen, sie waren ausgestattet mit Stativen, mehreren, salopp getragen Kameras mit langen, langen Objektiven und behängt mit schweren Kamerataschen. Wir alle wurden mit dem Bus aufs Rollfeld gekarrt, wir nahmen hinter einer Absperrung Platz, sie, die Profis und ich mit einer Pocketkamera, die ich mir am Abend vorher von der 11-jährigen Tochter einer Freundin ausgeliehen hatte.

Es war ein denkwürdiger Moment, als nach mehrstündiger Verspätung erst Mick Jagger, dann Keith Richards Arm in Arm mit Ron Wood aus dem Flieger tänzelten, sekundenlang vor uns posierten und dann in ihre Limousinen stiegen, um ins Hotel zu entschwinden. 50 Meisterfotografen ließen es klicken, die Objektive surrten zu beträchtlicher Größe heran. Während die Profis ihre Filmrollen wie Gunmen ihre Magazine wechselten, drückte ich tapfer auf den Auslöser meines Winzlings, mitleidig beäugt von Männern, die besser ausgestattet waren. Harhar. Zugegeben, für die seriöse Fotokritik taugen meine unscharfen Fotos nicht, aber fürs Familienalbum reicht es. Was an Schärfe und Detailgenauigkeit fehlt, macht das Wunschdenken wett. So kann ich es den Kindern erzählen. Von der Lektion Demut, die ich erhielt, von der Portion Selbstironie, die es braucht, um Peinlichkeiten die Stirn zu bieten. Man kann, wie es meine Familienmitglieder sangen, eben nicht immer alles bekommen, was man will. Aber irgendwann bekommt man, was man braucht.

Dieser Eintrag wurde am 14. Mai 2020 veröffentlicht. 1 Kommentar

Reich und Naiv: Die Corona-Proteste

von unserem Demokratiebeauftragten Benjamin Weissinger


Als Demokratiebeauftragter haben ich lange geschwiegen – vielleicht zu lange. Als dieses fürchterliche Virus sich in Deutschland ausbreitete und es zu sogenannten „Lockdown“-Maßnahmen kam, nickte ich sie zunächst ab. Klar, wir müssen zuallererst uns selbst und dadurch gerne auch andere vor Ansteckung schützen. Schnell fiel mir aber auf, dass meine Rechte als reicher Bürger in Frage gestellt waren. Freier Zugang zu Autohäusern und meinen Lieblingsrestaurants war versperrt. Meine Angestellten blieben zuhause: Isolation! Dass jemand wie ich nie gelernt hat zu kochen oder „mal eben“ im Supermarkt einzukaufen, hatte die Politik nicht bedacht. So musste ich mir wie ein Student jeden Tag Essen bestellen. Am Anfang war das ja noch urig. Aber irgendwann will man auch mal wieder an einem vernünftig gedeckten Tisch sitzen und bedient werden. Und die Gespräche und Anekdoten, mit denen ich die Kellner immer unterhalte – die vermissen mich. Soziales Erleben total runter gefahren. Dazu sorgen um mein Aktienportfolio. Sicher, ich habe auch in Immobilien investiert, ich bin ja nicht blöd. Aber trotzdem, reicher bin ich jetzt nicht geworden. Weiß nicht, ob das wirklich im Sinne des Erfinders ist. 
Lange Vorrede, kurzer Sinn, ich fand die Maßnahmen dann auch nicht mehr gut. Von Bekannten hörte ich, dass sich Widerstand formiert – allerdings seien unter den Demonstranten oft Nazis, Verschwörungstheoretiker und Obskuranten, die die Demokratie generell ablehnen. Das schockierte mich. Es muss doch möglich sein, dass man wieder machen darf, was man will, ohne unsere demokratischen Werte abzulehnen. Komisch. Ich entschloss mich, an einer solchen Demo teilzunehmen, um mir selbst ein Bild zu machen. Mit Maske und Schutzanzug natürlich. Ich bin zwar nicht unbedingt ein Risikopatient, aber Krankheiten aller Art sind meine Sache nicht. Also lieber „Nummer sicher“.
Als ich bei der Demo ankomme, haben sich schon einige Menschen versammelt. Die Stimmung ist teils heiter, teils aufgebracht. Auffällig viele tragen keine Maske. Naja, freies Land. Als ich für meinen „Aufzug“ kritisiert werde, erinnere ich die Leute daran, dass jeder machen und meinen darf, was er will. Das Argument zieht. Gut gelaunt höre ich den Redebeiträgen zu. Ein Herr Gates will alle Deutschen mit einer Fernsteuerung kontrollieren und in den U-Bahn-Schächten der Stuttgart 21-Baustelle warten kampfbereite Flüchtlinge, die im Falle eines Bürgerkriegs auf uns Deutsche losgelassen werden sollen. Das wusste ich zum Beispiel alles nicht. „Das ist noch nicht mal die Hälfte der Scheiße, die momentan hier abläuft“, raunt mir seitlich einer zu. Das klingt ja nicht so gut, denke ich. Aber so ganz verstehe ich die Zusammenhänge zur Öffnung der Biergärten und Opern jetzt noch nicht. Plötzlich erhebt sich ein Sprechchor: „Mei-nungs-frei-heit, Mei-nungs-frei-heit!“ Da stimme ich gerne mit ein. Ein etwas rotnackiger Herr mit Runen auf dem T-Shirt geht an mir vorbei und schreit „Volksverräter“, ein Lehrer Mitte 50 fordert das „Ende der Besatzung“, dann wieder so eine Art Blumenkind, auf dessen Schild steht, dass man Corona wohl mit Engelwurz behandeln kann. Ehrlich gesagt wird mir das alles ein bisschen viel, merke, wie ich den Überblick verliere. Hieß es nicht mal bunt statt braun? Jetzt ist wohl bunt und braun angesagt. Ich weiß es nicht, ihr Lieben. Einen Waffelstand gibt es leider auch nicht und unter meiner Schutzkleidung werde ich furchtbar durstig. Habe genug gesehen und fahre nach Hause. 
Dort angekommen, bin ich irgendwie seltsam froh, wieder alleine zu sein. Als Demokratiebeauftragter kann ich nur sagen, man sollte mit meinen Grundrechten etwas vorsichtiger umgehen, aber was die anderen da alles sagen und fordern, ist eher mit Vorsicht zu genießen. Müssen die nicht auch arbeiten eigentlich? Der Wirtschaft geht’s ja nicht so gut. Also vielleicht mal mehr arbeiten und weniger Quatsch erzählen. 
Mein Fazit der momentanen Lage fällt gemischt aus: Demokratie und Meinungsfreiheit scheinen momentan noch zu bestehen. Es gibt aber viele verschiedene, teils krude Ansichten, wie es weiter gehen soll. Ich habe so das Gefühl, es wäre wirklich wichtig, wenn Vergnügungsparks und Sportveranstaltungen wieder stattfinden, dann kommen die Leute auf andere Gedanken und ich kann auch wieder zum Pferderennen. 

Dieser Eintrag wurde am 10. Mai 2020 veröffentlicht. 1 Kommentar

Gib alles


Letzte Anrufung des Herrn
.

Von unserem Gastpoeten Martin Jürgens

Herr, du warst groß,

Doch jetzt nicht mehr.

Du nahmst, was sich 

Dir bot, von allen. 

Gib es wieder her, 

Gib alles, los!

Erst – mach ihn auf – 

Erst alles aus dem Safe:

Bares, Unbares, wie es kommt,

Verträge und Belege, Schmuck,

Besitzurkunden, Wertpapiere, auch die Uhr

Von Breitling, teuer, hässlich, schwer,

Und auch das Döschen da aus

Elfenbein und voll mit

Koks, gib’s her! 

Herr, du warst groß,

Doch jetzt nicht mehr,

Und es ist Zeit,

Dass man dich

Nicht mehr kennt.

Wir sind am Ziel,

Du bist am End.

Gib alles her und

Und du wirst sehn,

Wie selig geben ist,

Wenn denen, die da nehmen

Die Wünsche nicht vergehn:

Zu essen und zu trinken

Brot, Salz und Wein,

Vom grünen Veltliner bis hin

Zum Chateauneuf du Pape,  

Und Kuchen ab und zu,

Und von der Entenleber

Ein Parfait mit Trüffeln

Aus dem Périgord und eine

Keule vom Poulet de Bresse

Und drei ganz kurz mit

Armagnac flambierte Gambas,

Dann das Zitroneneis mit

Einem Hauch von Gin.

Jedoch: kein Blumenkohl!

Kein „knackiger Salat“!

Kein Sauerkraut, solang es

Auberginen und Oliven hat.

Und wenn es Schinken gibt, dann

Den vom schwarzen Schwein,

Das sich von Eicheln nährt.

Groß warst du, Herr. 

Das ist vorbei und dein

Verachtetes Gescherr

Nimmt alles, was du hast.

Und was du nicht hast, Herr,

Sieh zu, dass du es kriegst

Und gib es ab: 

Vor allem das Blaue 

Vom Himmel und das

Gelbe vom Ei und den

Schönen schwarzen Gedanken, 

Der sich als Tango tanzen 

Lässt und eine Stimme für 

Ein Halleluja, als gäbe 

Es der Menschheit

Unschuld noch.

Und was zu wünschen bleibt, 

Besorgen wir uns in den 

Gegenden, die du nicht kennst:

Ein leichtes Herz, 

Vor allem das, wir

Hatten es noch nie,

Und von der guten Wut, 

Jenseits von jedem Schmerz

Ein ungeheuer großes Faß,

Das nie zur Neige geht. 

Das wird im Keller aufbewahrt

Und gut gekühlt. Und um nicht

Kalt zu werden – ja wir sind nett

Zu uns – auf die Empfehlung Heines 

Hin zum Zudecken des Nachts, das

Beste, was es gibt auf Erden: 

Das deutsche Federbett.

Und eine Freundlichkeit, die

Nicht das Ihre sucht,

Langmütig, unerbittlich,

Und verbittert nie.

Herr, du warst groß,

Und es ist alles aus 

Und niemand, der  

Dich jetzt noch kennt,

Denn deine Zeit liegt hinter dir.

Wir sind ihr weit voraus,

Wir leben in der Gegenwart

Von morgen, morgen schon

Weit im Futur, und du bist

Nichts als ein Gerücht aus

Einer Zeit, die man die

Vorgeschichte nennt.


Mein Staat II

Wäre mein Staat dafür zuständig, dass er nicht an der Spanischen Grippe stirbt? Der Träumerei zweiter Teil, mit eingebautem Update. Von unserer Gastprinzessin Ilse Bindseil

♕ 1 Mein Staat ist kein Sozialstaat. Er ist kein fürsorglicher Staat. Er ist kein Beschwichtigungsstaat. Er verweigert die Kohabitation oder Symbiose mit Aufgaben, die definitiv nicht polizeilich, sondern fürsorglicher Natur sind. Vor die Alternative, Polizei oder Fürsorge, gestellt, entscheidet er sich für die Polizei. Na gut, sagt er, dann bin ich eben ein Polizeistaat. Aus der Geschichte weiß er, dass das Zusammengehen von Polizei und Fürsorge der Anfang oder die Grundlage des Faschismus ist. Faschismus, weiß er, ist Polizei plus Fürsorge, damit fängt es an. Oder: So hört es nie auf. In dieser Verklammerung ist der Faschismus immer eine Option. Er ist immer gegenwärtig. Er ist immer das, was beschwichtigt werden muss.* Wenn der Staat es ernst meint mit der Konstruktion eines nicht faschistischen Staats, muss er darauf also verzichten. Auch wenn er dann mit leeren Händen dasteht. Dieses Gefühl, mit leeren Händen dazustehen, ist sozusagen das Kriterium eines nicht faschistischen Staats.

*Als beschwichtigendes Fernsehen hat ein Kommentator das deutsche bezeichnet und damit punktgenau die Kalamität getroffen.

2 Mein Staat weiß, wenn er nicht über sich nachdenkt, dann tut es keiner. Seine Geschichte nimmt er ernst, er hat sich mit ihr befasst, nicht als Anhängsel und Ausdruck von allem Möglichen, sondern als die Geschichte, die von ihm handelt, in der erkennbar wird, was es mit ihm auf sich hat. Prompt wirkt er kleiner. Nicht mehr so aufgebläht. Nicht mehr so verbacken. Nicht mehr so natürlich. Nicht mehr so persönlich. Nicht mehr so – dinglich. Kaum mehr scheint er als eine Form.

Jeder, der über den Staat nachzudenken meint, macht ihn ja zum Spiegel seiner eigenen Bedürfnisse, schreibt ihm dies und jenes zu, erhöht ihn im Maßstab seines Größenwahns und saugt aus der Schwierigkeit, ihn zu beschreiben, noch den Honig der allerhöchsten Unbegründbarkeit und Souveränität. Zeit, dass der Staat dieser Fremdbestimmung eine Schranke setzt. Er tut das, indem er sich selbst bestimmt. Sich selbst bestimmen heißt, alles das aus sich herausschneiden, was man nicht ist. Es heißt nicht, zu sagen, was man ist, sondern was man nicht ist. Damit ist dem Bedürfnis der Ideologen, den Staat zu bestimmen, eine wirksame Schranke gesetzt. Auch das Staatsvolk unterscheidet höchstens zwischen Gut und Böse, kapiert nicht, warum er sich der guten Eigenschaften, wenn es sie ihm zuschreibt, genauso erwehrt wie der schlechten. Sobald es um das Nicht geht, klappt es die Ohren zu, sagt ratlos: Was will er? Das oder das? Ist er vielleicht der Allerhöchste, der über den Eigenschaften thront? Nein, auch das ist er nicht. Wäre er der Allerhöchste, hätte er noch mehr Mühe: aus sich herauszuschneiden, was das Allerhöchste ist. Deshalb ist er glücklich, wenn es eine Nummer kleiner geht und er nur das Paternalistische aus sich herausschneiden muss, das Zugewandte, das jedem ansteht, der mit Menschen zu tun hat, sofern er ein Mensch ist, aber er ist ja ein Staat. Er kommt damit seiner Selbstbestimmung nicht nur näher – obwohl, wer weiß, wo das endet −, viel unmittelbarer ist der Effekt, dass das Nicht, dass jedes seiner Selbstzuschreibungen, wie die Philosophen sagen, „begleiten können muss“, sich wie eine Membran um ihn herum legt, so dass die Verehrung, auch die beständige Forderung nicht andocken kann. Wie willst du zu jemandem erfolgreich ja sagen, wenn er beständig nicht sagt. Nicht nein, wohlgemerkt, das ginge ja noch an, sondern nicht. Sogar das Volk wendet sich schließlich von ihm ab. Hört auf zu lamentieren und macht sein eigenes Ding.

♕ 3 In meinem Staat geht das große Gesellschaftsspiel zu Ende, das da lautete: Was bekommen wir vom Staat? Wie werden wir versorgt? Was ist er uns schuldig? Was enthält er uns vor? Warum tut er nichts für uns, warum sieht er uns nicht! Es war ein seltsames Gesellschaftsspiel, das Rechte und Linke einte, denn auch die Linke wendete sich an den Staat, fordernd und vorwurfsvoll, vorzugsweise im Irrealis, denn dieser Modus galt ihr ja für links. Er gibt nicht, sagte sie anklagend, aber er müsste. Er müsste, aber er tut’s nicht! In meinem Staat kann man studieren, worüber die Linke redet, wenn sie nicht mehr sagen kann: Der Staat hat wieder nicht. Wie sie kommuniziert, wenn sie nicht mehr in diesem seltsamen Dreieck agiert: sie, der Staat und die Leute. Sondern ohne einen Dritten, den sie als Gegner präsentieren kann, aber als Verstärkung  im Auge hat. Der für alles zuständig ist, aber noch das Mindeste versäumt, dem man dies Mindeste also vorwerfen kann. Gibt es dies Mindeste nicht, müsste man sich statt seiner mit dem Größten beschäftigen, aber womit, wenn nicht mit dem Staat? Mit der Gesellschaft, der Wirtschaft, dem Leben? Verzeiht, dass ich schmunzele. Wirtschaft klingt ja, als wollte man einen heben gehen. Ökonomie hat sich im Elfenbeinturm der Wissenschaft verbarrikadiert. Gesellschaft? Ein Schimpfwort für die Soziologen, die sich etwas zurechtgemacht haben, einen Zombie für die Zombies. Leben? Hat’s auf allen Ebenen verspielt. Ungleich angenehmer ist die Rede vom Staat als dem großen Übersetzer des Wirklichen ins Politische,  ins Symbolische. Was ist das Symbolische? Ein Raum, wo man sich verhalten kann, wo man sich unterhalten kann. Eine Sphäre, in der sich wunderbarer Weise immer ein Spielraum auftut, ein Verhandlungsgegenstand sich anbietet, eine Kommunikationssituation genutzt werden will. Der Staat tritt dem Volk als Partner gegenüber. Wir und der Staat, sagt das Volk, das sind zwei gegen den Rest der Welt.

4 Mein Staat ist nicht der Statthalter des Politischen. Ich sagte es bereits: wenn, dann der Statthalter des Polizeilichen. Soll ich zuerst sagen, worin das Polizeiliche besteht oder was für meinen Staat die größte Herausforderung ist? Wer ein ernsthafter Konkurrent ist, wollt ihr das zuerst hören?

Der ernsthafte Konkurrent kommt als siamesischer Zwilling daher: Es sind dies der bürgerliche Staat, der sich auf seine demokratischen Werte rückbesinnt, und der autoritäre Staat, der sie überwindet. Kurz, es ist der bürgerliche Staat, der einen Schritt zurück und der autoritäre, der einen Schritt vorwärts macht, beide in Übereinstimmung mit dem Schritt des jeweils anderen, so dass man auch sagen kann: Der ernsthafteste Konkurrent meines Staates ist die Krise. Sie lässt das Bild eines Staates entstehen, der sich sei’s auf seine Werte, sei’s auf seine Stärke besinnt und in dieser Konstellation den Eindruck vermittelt, sich selbst im Blick und das Land im Griff zu haben, entweder den Staat sans phrase oder den Staat als Phrase. 

Was hat der Staat, dass ich ihn verteidigen mag? Diese Frage bewegt den nachdenklichen Bürger. Sie produziert die Inbrunst, die meinen Staat blass aussehen ließe, gälte sie nicht bloß für die Krise. Aber sie wächst mit ihr und schwindet mit ihr. In der Krise entsteht das Schattenbild eines Staates, der wie eine Verkörperung der aristotelischen Mitte ist, wo nicht der Superlativ gilt, sondern der Elativ. Elativ? Das, was sich nicht steigern lässt, was das Größte ist, wenn man es denn erreicht, aber man kann sich ihm nur annähern. Großmut und Großzügigkeit, Selbstbeherrschung und Selbstlosigkeit, Mut. Aristokratische Werte allzumal, geben wir es doch zu. Eine Quadratur des Kreises, wenn der Bürger sie zu seinen erklärt. Ein Schattenbild, wie gesagt, bei dem die Krise dem Piefigen Flügel verleiht.

Was fehlt dem Staat zum Staat? fragt die autoritäre Rhetorik. Ein Anführer, jemand, der sich traut. Der die Sache übernimmt, so dass  ich mich einklinken oder ausklinken kann. Dass ich ebenso gut sagen kann „Ich und mein Staat“ und „Die da oben. Sollen sie doch machen.“ Es ist ja alles da: die großen Worte, die Werte. Nur die Traute fehlt. 

Meinem Staat fehlt alles, bloß stark ist er. Jeden Annäherungsversuch, jeden Anbiederungsversuch wehrt er ab. Lässt es gar nicht erst zu, dass sich Übernahmefantasien an ihn heften. Hier gibt’s nichts zu übernehmen, bedeutet er den Interessenten.

♕ 5 Mein Staat, wenn er sich mit sich selbst beschäftigt, schickt nicht in Gedanken Truppen an die Grenze oder lässt Tiefflieger über seine Weizenfelder donnern. Nein, er beschäftigt sich mit sich wie ein Bürger, der nach des Tages Mühe durchs Fernsehen zappt, die sozialen Kontakte prüft und einen Blick aufs Dating-Portal wirft, einen entspannten, wohlgemerkt, keinen verkrampften. Gelegentlich, wenn mein Staat  mal nicht mit Abwehren und Ausmisten zugange ist, wirft er einen neugierigen Blick auf jene andere Welt, in der es Dinge gibt, von denen er nur träumen kann. Wie gesagt, er träumt nicht von Armeen, Grenzzäunen, hoch wie der Eiffelturm, er träumt sich ins normale Leben hinein. Zivil, träumt er, hat das mit mir zu tun? Bürgersprechstunde, nur mal als Beispiel, wär das was? Aber wer spricht und wer hört zu?

Weiß nicht, sagt mein Staat und denkt an was Einfacheres. Verwaltung, denkt er. Bin das ich?  Ist das ein Staat ohne Staat? Sachlichkeit pur: faszinierend. Allein schon die Idee bringt Hasser und Verehrer hervor. Aber die Verwaltung ist die Sache der Verwaltung. Meine Sache, denkt mein Staat, ist der Staat. Wollen doch nichts durcheinander bringen. Wenn jeder sich zurückzieht aus dem Gebiet, auf dem er nichts zu suchen hat, dann kann das Freigeräumte einen freien Blick auf sich werfen. Mal sehen, was dabei herauskommt. Gewiss nichts, was mit dem Staat zu tun hat: the less you put in the less you get out, zu Deutsch: was du nicht reingetan hast, kann auch nicht rauskommen. Der Staat mag es bedauern, wenn das Feld, das er geräumt hat, sich nun ohne ihn entwickelt. Verwaltung, denkt er, das wär wie ein Puzzle mit 15 000 Teilchen. Samt Unterlage zum Zusammenrollen und Fixierer.

Mein Staat sehnsüchtelt vielleicht ein bisschen, aber er verliert sich nicht. Wenn es ganz kritisch wird, gerät er ins Träumen, wer träumt, der sündigt nicht. Immer wieder kommt er auf die Verwaltung, was hat er nur mit der? Um mal ein Beispiel zu nehmen, Max Weber, der war für die Verwaltung zuständig, will sagen, er hatte es drauf. Wäre mein Staat dafür zuständig, dass er nicht an der Spanischen Grippe stirbt? Hätte Max Weber über die Verwaltung nachgedacht und mein Staat ihn gerettet? Mit jener Mixtur aus Verwaltungs- und polizeilichen Maßnahmen, für die ein Staat wie geschaffen ist? Wie geschaffen für die Spanne zwischen Verwaltung und Krankheit?

Ich nicht, denkt mein Staat und hält sich die Ohren zu. Weder hätte ich ihn gerettet noch bin ich dafür geschaffen. Erbittert tönt es von allen Seiten, dass man es schon ein Ohrgeräusch nennen kann. Ist aber nur das Rauschen, nein, nicht des Blätterwalds, auch nicht – sic! − des Seins, sondern der Leere, die sich bemerkbar macht, wenn man einmal nicht das denkt, was man immer denkt.

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Kant oder Sex

Macht hat in den heutigen Debatten den skandalösen Status von etwas, was nicht erklärt werden muss, und Sexualität – überhaupt keinen Status. Da ist unserer Gastprinzessin Ilse Bindseil der alte Trieb lieber

 

Kant fällt mir ein. Wenn er die Ehe als eine vertragliche Übereinkunft zum wechselseitigen Gebrauch der Geschlechtswerkzeuge beschrieb, so diskreditierte er sich damit bei allen fühlenden Menschen – so nannte man sie in der hohen Zeit der Literatur −, die sei’s von der Ehe, sei‘s vom Sex mehr erwarteten als das, was ein trockener Vertrag oder ein sachlicher Gebrauch zu bieten haben.

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Dieser Eintrag wurde am 17. März 2020 veröffentlicht. 1 Kommentar

In meinem Staat – Update

Aktualisierung (aus gewissen Thüringer Anlässen) der Träumerei von unserer Gastprinzessin Ilse Bindseil

 

♕1 In meinem Staat ist eine Minderheitsregierung nicht erlaubt, weil diejenigen, die gewählt haben, allenfalls denen gegenüber, die nicht gewählt haben, in der Minderheit sein können, ansonsten aber schlechthin die Mehrheit sind. Sie durch eine Minderheit ihrer Repräsentanten repräsentieren zu wollen, wäre absurd. Dem Wahlvolk eine Repräsentanz zu verschaffen ist ja das Ziel der Wahl, und dieses Ziel kann nicht aufgegeben werden, nur weil keiner zahlenmäßigen Mehrheit eine politische Mehrheit entspricht. Eine solche Lösung beschädigt das Vertrauen in die repräsentative Demokratie. Sie drückt aus, dass die Wähler falsch wählen können, obwohl nichts am Wahlmodus sie darauf hinweist. Sie drückt aus, dass die politische Klasse wichtiger ist als das Wahlvolk. Sie setzt die Wahrheit der Politik über die Wirklichkeit des Wahlvolks und treibt die Politik damit in einen imaginären Raum, in dem Vermeidung und Verleugnung die Oberhand haben und das So-tun-als-ob dominiert. Weiterlesen

Dieser Eintrag wurde am 28. Februar 2020 veröffentlicht. 1 Kommentar

The End of Lilibeth

Lord Harold Stazol

Unser royaler Hofreporter Harald Nicolas Stazol weiß jetzt schon, was passieren wird, wenn die Queen stirbt

Am 2. Juni 1953 wird Elisabeth II. zur Königin gesalbt. Seine Exzellenz, der Bischof von Canterbury hält inne, bevor er einen Tropfen des heilige Öls auf das Decolletée der jungen, wunderschönen Frau dort auf dem uralten Thron Arthurs tupft, einmal vergisst er seinen Text, und im Moment, da die Königin die Staatskrone mit dem Cullinan-Diamanten, des größten, der je gefunden, auf ihr nun auch gesalbtes Haupt gesetzt bekommt, setzt sich die Crème de la Crème des britischen Hochadels die eigenen Kronen auf die erlauchten Köpfe. Weiterlesen