Tragischer Absturz aus dem Country Olymp : Sie war doch einmal so beliebt!

Gefallen, vergessen, eine tragische Parodie ihrer selbst. All das ist Dolly Parton leider nicht.

von Samael Falkner

Was macht eigentlich Dolly Parton? Erstaunlich viel. Allerdings erfährt man in Deutschland aus irgendeinem Grund selten davon. Während Aktivistinnen wie Angelina Jolie und Amal Clooney weitestgehend als “Frau von [Schauspieler, Singer/Songwriter, Universalgenie]” in den Medien vorkommen, selbst wenn sie eigene wichtige Stiftungen leiten oder mit der UN zusammenarbeiten, finden weibliche Ex-Stars nur noch Verballerung als Dschungelcamp-Teilnehmerinnen.

Und so war ich nicht wenig überrascht, als @FrauFrohmann darauf hinwies, dass Dolly Partons Bücherprogramm für Kinder so eben einen Erfolg des 100 Millionsten Buches feierte. Ebenso war mir praktisch unbekannt, dass die Countrysängerin mittlerweile beliebte Kinderbuchautorin ist und ihre Bücher mehrfach neu aufgelegt wurden. In “Coat of Many Colors”, ein Buch das bereits verfilmt wurde, berichtet sie von einer Kindheit in Armut. “I Am a Rainbow” soll Kindern dabei helfen, ihre Emotionen durch Farben ausdrücken zu lernen.

Beide trugen auch zur Gründung der “Imagination Library” bei, dem erwähnten Programm, das einmal im Monat Kindern neue Bücher zusendet, die sich keine Bücher leisten können. Das Programm deckt dabei die “Versorgung” mit Lese- und Lernstoff von Geburt bis Kindergarten ab, also die Zeit, in der die Eltern möglicherweise mittellos keine Bücher anschaffen können, während die meisten Kindergärten und Schulen dann Bücherschränke oder kleine Bibliotheken zur Verfügung stellen.

„Es kostet mich eine Menge Geld, so billig auszusehen!“

(Dolly Parton, 2007 im Interview mit dem Evening Standard)

Hätte man mich gefragt, was Dolly Parton gerade macht, hätte ich aus Erfahrung mit dem üblichen Boulevard wohl gewettet, sie sitze tief verschuldet in irgendeiner eigenen Show im Privatfernsehen fest. Stattdessen organisiert sie Leseabende gemeinsam mit der Library of Congress. Und auch der Artikel, der in verschiedenen Medien die Runde macht, sie setze sich aktiv für Trump ein und er sei im ersten Jahr bereits besser als “Bush und Obama zusammengenommen”, stellte sich als Hoax heraus, im Rahmen dessen die Sängerin in eine politische Meinung gedrängt werden sollte, die sie öffentlich seit Jahrzehnten ablehnt zu äußern.

Aber wäre das nicht schön gewesen, die etwas doof scheinende Dolly mit den vergrößerten Brüsten und mutmaßlich aufgespritzten Lippen, heute gescheitert, abgerockt, den blöden Trump lobend?

Klischees, sie bröckeln so leicht.


Artikelbild: Dolly Parton 2014 / Kris Harris King, Wikicommons unter CC BY-SA 3.0
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3 Gedanken zu „Tragischer Absturz aus dem Country Olymp : Sie war doch einmal so beliebt!

  1. Das passiert, wenn man Dolly Parton mit Dolly Buster verwechselt. 😉
    Parton war Oprah lange vor Oprah, sie kommt aus unfassbar ärmsten Verhältnissen, ihre Karriere dauert jetzt schon über 60 Jahre an, sie hat sehr früh auf sich selbst gesetzt und die Rechte an ihren über 3000 Songs behalten, sie ist eine supersmarte Businessfrau mit dem allergrößten Herzen im Showbiz, sie hat einen Vergüngungspark namens Dollywood in ihrem Heimatstaat Tennessee eröffnet, weitab der Touristenzentren an den Küsten, der stets gut gefüllt ist; sie ist immer eine unterhaltsame und kluge Interviewpartnerin und einer der positivsten Menschen, die mir einfallen und eine große Philantrophin, alles, ohne großes Gewese darum zu machen.
    Sehenswert ist ihre Commencement Speech an der Universität von Tennessee, 2009: https://www.youtube.com/watch?v=EuOm2lLIOoU

    • Dolly Buster, so zumindest ihre Website, schreibt Unterhaltungsromane, betätigt sich in der Gastronomie und malt. Es ist zwar alles keine wahnsinnig tiefschürfende Hochkultur, aber die Karriere einer Erotikdarstellerin orientiert sich vermutlich oft an anderen Ansprüchen entlang als die einer Musikerin. Ich weiß, das war nicht der Punkt, aber ich wollte wenigstens nachgeschaut haben. In der Tat ist mir Dolly Parton beim Nachschlagen für den kurzen Text recht sympathisch geworden. – Samael

  2. Pingback: Lesestoff - Ausgabe 161 - DenkfabrikBlog

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