Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (35)

„Humor ist das Einzige, was hilft, wenn Fassungslosigkeit einem alles andere raubt“: Nicole Diekmann

„Humor ist das Einzige, was hilft, wenn Fassungslosigkeit einem alles andere raubt“: Nicole Diekmann

Ausgefüllt von Nicole Diekmann

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten.
Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

Nicole Diekmann ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin.

 

 

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann haben Sie sich zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

Sibylle Berg. In den 90ern in der „Allegra“. Ich denke, das erklärt sich von selbst.

2) Wie lautet Ihre Lieblingsschlagzeile?

Es gibt 3. Die eine stammt – natürlich – von der taz, der Meisterin der Schlagzeile. „Türkische Regierung tritt zurück“. Ein enger Mitarbeiter von damals noch Ministerpräsident Erdogan war fotografiert worden, wie er auf einen Kritiker eintrat nach einem Unglück in einer Kohlegrube. Erschreckend brutales Bild – und eine Schlagzeile, die den unweigerlichen Wunsch ausdrückte, den es weckte. PLUS Humor. Humor ist überhaupt das Einzige, was mir – und anscheinend nicht nur mir – im ersten Moment hilft, wenn Fassungslosigkeit einem alles andere raubt.

Die zweite ist schon ein paar Jahre alt. Es gab eine weltweite Häufung von mittelgroßen Naturkatastrophen. Und eine aus Gründen nicht zu nennende Zeitung titelte: „Will die Erde uns loswerden?“ Entweder war das ernst gemeint und dann in der Naivität, die sie bei ihren Lesern voraussetzt, unfreiwillig komisch. Oder sie war ironisch. Auch dann: sehr witzig.

Die dritte stammt von meinem lieben Ex-Kollegen Fiete Stegers. Der schrieb für tagesschau.de ein Porträt über Hartmut Mehdorn, damals noch Oberschaffner. Überschrift: „Vorname: Bahnchef“. Super!

3) Ihr peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?

Ich rechne noch mit dem Schlimmsten. Wir dürfen alle gespannt sein.

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Mit Konferenzen über seine Zukunft. Ich glaube, uns steht die erste Konferenz ganz kurz bevor, auf der ausschließlich über anstehende Konferenzen referiert wird. Um den Überblick nicht zu verlieren.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würden Sie sich freuen?

Alle, die es so weit geschafft haben.

6) Und wem auf Erden würden Sie am liebsten den Stift klauen?

Es gibt Journalismus, der gut ist für die Seele, und welchen, der gut ist für den angeregten Blutdruck. Und für regelmäßiges Toleranztraining und sich selbst Verorten.

7) Welchen anderen Beruf hätten Sie sich noch vorstellen können?

Konditorin. Es gibt nichts Besseres, als mit Arbeit andere zufrieden zu machen. Und die Wohnung gut duftend.

8) Ihr/e Wunschinterviewpartner/in?

Kim Jong Un.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Sie ganz alleinige Chefredakteurkönigin wärst? Und wie würde sie heißen?

Ich hätte unbegrenzt Budget für gute, faire, freundliche und von beiden Seiten für Geschichten brennende Leute, die unbegrenzt Zeit hätten, unbegrenzt gut formulierte und recherchierte Geschichten umzusetzen. Ihr Name: „Himmel!“

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?

Entschuldigung?! Für meine natürlich. Entweder mache ich es richtig, oder ich mache es gar nicht.

Dekret zum Verhalten nach Terroranschlägen

verfasst von Fluctuat nec mergitur-Prinzessin Ramona Ambs

"Vorschläge" wie dieser hier von FDP-Politikerin Kohli werden mit Erdbeerentzug von mindestens drei Jahren bestraft.

„Vorschläge“ wie dieser hier von FDP-Politikerin Kohli werden mit Erdbeerentzug von mindestens drei Jahren bestraft.

1. Haltet einfach mal die Klappe.

2. Wenigstens fünf Minuten lang.

3. Danach lasst Ihr bitte jeden so trauern, wie es ihm entspricht. Moralische Besserwisserei oder das Posaunen der einzig richtigen Weisheit ist grundsätzlich schon daneben, aber in solch einer Situation vollkommen ungezogen.

4. Journalisten, die sich freuen, dass der Terror von Paris die Flüchtlings-Debatte in eine „ganz neue frische Richtung“ befördert, sollen hundertmal in ihr Heft schreiben: „Ich will künftig kein Arschloch mehr sein!“

5. Gleiches gilt auch für Politikerinnen, die absurde Forderungen nach einem Ausgehverbot für Muslime stellen.

6. Zur allgemeinen Erbauung und zum Trost sollten vermehrt Bilder von kleinen Tierchen gepostet werden. Vorzugsweise mit Erdbeeren!

7. Liberté, Egalité, Fraternité! Vive la France!

Dieser Eintrag wurde am 16. November 2015 veröffentlicht. 2 Kommentare

Schwerster royaler Tadel für Lutz Bachmann

Screen Shot 2015-10-04 at 7.21.36 PMVon „Team Lügenpresse“-Gründerin Elke Wittich

Da rettet man unermüdlich Woche für Woche den Journalismus, unter anderem vor genau den Horden der Finsternis, die ebenfalls Woche für Woche unter lautem „Lügenpresse!“-Geblöke Fotografen, Journalisten und Fernsehteams tätlich angreifen, und dann das: Ausgerechnet Lutz Bachmann ist Besitzer eines Presseausweises und nutzt mutmaßlich alle damit verbundenen Vorteile genüßlich aus. Wir halten fest:

 

 

 

  1. Das ist insgesamt so knalltütig, dass uns die Worte fehlen.
  2. Naja, fast.
  3. Denn ein erschlichener Presseausweis passt im Grunde ja prima zu diesen Veranstaltungen. Bei denen wird schließlich vor allem dagegen protestiert, dass man selber nicht im totalen Luxus lebt und alle, die man nicht leiden kann, nicht in absolutem Elend dahinvegetieren.
  4. Und weil wir so viel Spaß daran haben, das Evidente noch einmal auszusprechen, halten wir fest: Lutz Bachmann ist ein Heuchler.
  5. Und wir Prinzessinnenreporter als offizielle Ausrüster des Teams Lügenpresse haben außerdem die schöneren T-Shirts, aber darum geht es ja eigentlich gar nicht, sondern darum:
  6. Wir erteilen hiermit die Höchststrafe, nämlich den schwersten royalen Tadel für Lutz Bachmann, inklusive lebenslangem Erdbeertörtchenverbot und Ausgelachtwerden. Ha!
Dieser Eintrag wurde am 13. November 2015 veröffentlicht. 1 Kommentar

Leitfaden zum Umgang mit säumigen Autoren

w6Von PR♕-Redakteurin Marit Hofmann (aus fadenscheinigen Gründen zwei Monate nach dem vereinbartem Termin verfaßt)

Für ein angenehmes Arbeitsverhältnis muss die Auftraggeberin zunächst herausfinden, zu welchem Abgabe-Typ (Mischformen möglich) ein neuer Autor gehört. Um das Wertesystem eines neuen Autors inklusive seiner Einstellung zu guten alten Dingen wie Arbeitsdisziplin zu testen, geht man so vor: Man setzt ihm einen (sehr frühen, sicher ist sicher) Abgabetermin und wartet ab, was passiert.

Langjährige Erfahrung ergab folgende Kategorisierung:


1) Der gewissenhafte frühe Vogel (ja, auch den gibt es, leider rar) wird weit vor dem Termin einen bereits mehrfach korrekturgelesenen, perfekt formatierten Text inklusive Vorschlägen für Überschrift und Illustration einreichen, nicht ohne sich für seine Überpünktlichkeit auch noch zu entschuldigen: „Dann hab ich’s vom Tisch.“ Gern behauptet der Gewifrüvo vorher, er wisse nicht genau, ob er den Termin wirklich schaffe – eine Aussage, die man bei ihm im Gegensatz zu allen anderen Abgabetypen nicht ernst nehmen muß. Wunderbar, das nächste Mal können wir dem Gewifrüvo sogar die wirkliche Deadline verraten – er wird sie verlässlich unterschreiten.


2) Auch auf diesen Felsen können Sie bauen: Den Text der Punktgenauen findet man auf die Minute des vereinbarten Termins im Postfach – es sei denn, sie hat Schnupfen, Dann kann es – „sorry, hoffentlich bringt Dich das nicht in Schwierigkeiten!“ – schon mal 20 Minuten später werden.


3) Der Ichlassmichdochnichthetzen ruft einem Tag vor Abgabe an, um mehr Zeit rauszuschlagen. Einstiegsfrage des Ilamidonihe: „Wann soll ich eigentlich noch mal abgeben? – Schon morgen?! Kann ich nicht noch das Wochenende haben? Morgen krieg ich nämlich Besuch, und ich hab das Buch/die Platte/den Film/das Thema noch gar nicht gelesen/gehört/gesehen/erfunden (Zutreffendes bitte ankreuzen).


4) Den creative Retardierern indes muß man hoch anrechnen, daß sich ihre Kreativität zwar (zunächst) nicht in dem bestellten Text, dafür aber in originellen Entschuldigungen niederschlägt: „Du glaubst nicht, was mir passiert ist, eine Silvesterrakete hat meine Schreibhand getroffen – und das mitten im Sommer!“, „Mein Dackel hat meinen USB-Stick gefressen, und ich muß jetzt warten, bis er wieder raus …“ Doch auch mit ihnen kann man sich, wenn man den Retardis ein wenig auf die Sprünge hilft bzw. die Alternative in Aussicht stellt (ich sage nur: Erdbeerminen), am Ende doch noch auf eine akzeptable Frist einigen ebenso wie mit


5) den Tränendrüsedrückern: „Meine Freundin hat mich heute verlassen“, „Mein Meerschweinchen ist gestorben“ – Hier ist die Redakteurin als Therapeutin gefragt. Die Deadline wird zur Nebensache, die man allerdings als gute Ablenkung von Liebeskummer und Malaisen aller Art verkaufen kann.


6) Die Hardcore-Princess sagt, wenn man ihr Thema und Abgabetermin nennt, sofort mit einem „na klar, kein Problem“ zu. Von ihr hörst du nie wieder etwas, solange du nicht nachfragst. Dann kommt ein „Oh, vergessen. Bis wann hab ich Zeit?“ Und sie wird in rasanten Tempo einen atemberaubenden Text hinlegen. Der Hacopri braucht man nur Deadlines, die nicht über 3 Stunden hinausgehen zu geben. Sie braucht nun mal das Adrenalin.


7) Der radikale Hinhalter hat im ungünstigsten Fall irgendwie (Spyware?) die wahre ultimative Todeslinie herausgefunden, die aber für keine Redaktion dieser Welt einzuhalten wäre, wenn sich alle Autoren so benähmen wie der Radihiha: „Hier, ich hab schon den Vorspann fertig. Rest kommt morgen. Ich schwör!“ Morgen kommt: nichts. Hier hilft nur, wenn überhaupt etwas hilft, 24-Stunden-Mail- und -Telefonterror, und, so leid es mir tut, Überwachung via soziale Netzwerke („Wie bitte, Du willst heute an der Party der glücklichen Prokrastinierer teilnehmen? Setz Dich gefälligst an den Schreibtisch!“)


8) Der DÜK (Deckeübernkopf), auch Godot genannt: Meldet sich nicht, antwortet nicht auf Nachfragen, ist unbekannt verzogen. Conclusio: Wir müssen den Autor ab- bzw. den Text selbst schreiben. Dem DÜK verdanken wir einige unvermutete Kreativitätsschübe.


Fazit: Mit allen Autorentypen läßt sich wunderbar arbeiten, man muß sie nur zu nehmen wissen – und klitzekleine Nervenzusammenbrüche einkalkulieren.

Dieser Eintrag wurde am 11. November 2015 veröffentlicht. 8 Kommentare

Der royale Journalistenfragebogen der Prinzessinnenreporter (34)

12231529_10206492291758362_1830674615_nAusgefüllt von Stefan Laurin. Er schreibt für die Welt, Welt am Sonntag, die Jüdische Allgemeine, Kress, K.West und die Jungle World über Wirtschaft und Politik. Als Hobby betreibt er das Blog Ruhrbarone.

Der Journalist – das unbekannte Wesen. Wir wissen zumindest: Journalisten sind vielbeschäftigte Leute. Dennoch baten wir ausgewählte Exemplare, sich einen Augenblick Zeit zu nehmen und unsere Fragen zu beantworten. Es ist schließlich zu ihrem Besten. Denn um den Online-Journalismus zu retten, brauchen die Prinzessinnenreporter ein paar Daten zur Evaluation. Und wir lassen nun mal auch gern andere für uns arbeiten. Die Prinzessinnenreporter bedanken sich huldvoll bei allen Teilnehmer/innen und veröffentlichen die Antworten in loser Folge.

1) Gerüchteweise achten eigentlich nur Journalisten auf die Autorennamen über oder unter einem Text – wann hast Du Dir zum ersten Mal einen Autorennamen gemerkt und warum?

Das war in den 80ern Hellmuth Karasek. Ich erinnere mich an die Kritik eines Filmes mit Robert de Niro, die wir uns nach dem Abi am Baggersee gegenseitig vorgelesen haben, weil sie so unglaublich lustig war.

2) Wie lautet Deine Lieblingsschlagzeile?
Weekly World News: „Elvis lebt!“

3) Dein peinlichstes Erlebnis auf einer Pressekonferenz?
Unglücklicherweise habe ich eine Zeit lang auch den Sportteil des Stadtmagazins Marabo betreut. Auf einer Pressekonferenz bei Schalke 04 hatte ich den Namen von Ebbe Sand vergessen, als ich Rudi Assauer eine Frage nach Ebbe Sand stellte. Ich stammelte etwas von „der Däne.“

4) Wie kann der Journalismus auf keinen Fall gerettet werden?

Durch staatliche Gelder. Journalismus hat nur Wert, wenn er unabhängig ist. Der Staat und die Politik stehen auf der einen Seite, wir auf der anderen.

5) Wenn es einen speziellen Himmel für Journalisten gäbe – auf wen da oben würdest Du Dich freuen?
Mit Hunter S. Thompson im Himmel zu trinken wäre bestimmt ein schönes Erlebnis. Zumal ich davon ausgehe, dass man dort keinen Kater bekommt und die Preise moderat sein werden.

6) Und wem auf Erden würdest Du am liebsten den Stift klauen?
Niemandem. Jeder soll schreiben was er will, solange ich nicht gezwungen werde es zu lesen.

7) Welchen anderen Beruf hättest Du Dir noch vorstellen können?

Jagdflieger. Die Berufseinstellung ist ja vergleichbar. Flugzeug meiner Wahl wäre eine Lockheed P-38. Ich fand die doppelten Leitwerkträger immer schon sehr beeindruckend.

8) Dein/e Wunschinterviewpartner/in?

Tom Wolfe. Er hat das Schreiben von Generationen von Journalisten geprägt, scheint viel Humor zu haben und ich mag alle seine Bücher – sowohl die Reportagen als auch die Romane. Außerdem habe ich noch nie jemanden gesprochen, der Gamaschen trägt.

9) Wie würde eine Zeitung aussehen, bei der Du ganz alleinige Chefredakteurkönigin wärst? Und wie würde sie heißen?

Eine Mischung aus Bild und Jungle World.

10) Wenn Gott Journalist wäre, für welche Zeitung tät sie schreiben?
Ich glaube Gott wäre heute beim Fernsehen. RTL – irgendwas mit sehr großer Reichweite. In der Bibel ist ja nur ein kurzer Text von ihm: Die zehn Gebote. Schreiben ist offenbar nicht seine große Leidenschaft.

Auf die Lügenpresse

Wenn es nicht beim Geschrei bleibt – Chronik der Angriffe auf Journalisten in der letzten Woche (plus ein etwas älterer Fall, der bislang eher unbeachtet blieb), zusammengestellt von Elke Wittich

Ende Oktober
Bielefeld
Der Fotograf Uwe Schmale entdeckt einen mit einem Hakenkreuz versehenen Drohbrief in seinem Briefkasten – der Staatsschutz ermittelt. Schmale hatte einen Bielefeld-Kalender herausgegeben, dessen Erlös wird jeweils zur Hälfte an den örtlichen Kinderfonds und an den Flüchtlingsfonds der Stiftung Solidarität gespendet. „Fällt Dir nichts Besseres ein als mit deinem Kalender Geld für Asylanten zu sammeln?“ heißt es unter anderem in dem Drohbrief, der mit einem Verweis auf den Messerangriff endet, bei dem die Kölner Politikerin Henriette Reker schwer verletzt wurde. Einen Bericht über den Fall gibt es hier.


2. 11. 2015

Berlin
Wie erst an diesem Tag bekannt wird, wurde Helmut Schümann bereits am 30. 10. im Berliner Stadtteil Charlottenburg von einem Unbekannten zuerst als Tagesspiegel-Autor identifiziert und dann als „linke Drecksau“ beleidigt und geschlagen. Der Tagesspiegel berichtet über den Fall.

Dresden

Am Rande der Pegida-Demo wird ein Fotograf von einem älteren Mann bis zu seinem Auto verfolgt, gefilmt und mit Reizgas attackiert. Die Dresdner Polizei veröffentlicht etwas später eine Personenbeschreibung des mutmaßlichen Täters, die hier zu finden ist.

Berlin
Während einer NPD-Demo gegen ein Flüchtlingsheim in Johannisthal wird das Videoteam der Tageszeitung „Die Welt“ von mindestens zwei Teilnehmern angegriffen. Martin Heller, Videochef der Welt, zeigt auf Twitter, dass der Attacke massive Hetze gegen „die Lügenpresse“ vom Lautsprecherwagen der Demo aus vorausging, zu sehen hier. Die Welt veröffentlicht ein Video des Angriffs: http://www.welt.de/politik/article148365295/Hier-greift-ein-NPD-Anhaenger-unser-Kamerateam-an.html.
Auch Andreas Kopietz von der „Berliner Zeitung“ wird von Demo-Teilnehmern angegriffen, wie er live auf Twitter berichtet.

7. 11. 2015
Berlin
Während der AfD-Demo in Berlin wird der Autor und Fotograf Khalil Rostamkhani von Anhängern der Partei beschimpft und attackiert. Rostamkhani, unter anderem Ehrenmitglied von PEN Kanada und USA, schildert etwas später in einem Facebook-Posting ausführlich, wie er von AfDlern beleidigt und bedrängt wurde.
Heute Show-Comedian Ralf Kabelka (ZDF) wird während der AfD-Demo ebenfalls bedrängt – er war bei der „Karnevalsveranstaltung“, wie er die Kundgebung anscheinend bezeichnet hatte, als Clown verkleidet mitgelaufen, was einigen Teilnehmern ganz und gar nicht gefiel, wie unter anderem dieses Video zeigt: AfDler versus Clown(Triggerwarnung: Enthält sehr engagiertes Lügenpresse!-Geschrei)

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Leidartikel-Philologendebatte!

Leidartikel- Philologendebatte: Anpassung an unsere Grundwerte erforderlich!

Liebe Mädchen, liebe junge Frauen!

mit Entsetzen vernahmen wir Prinzessinnenreporter den Aufruf des Philologenverbandes an Euch, die Beine zu verschließen, wenn ihr attraktiven muslimischen Männern begegnet. Sexuelle Abenteuer, mit einem dieser Immigranten sollt Ihr unbedingt vermeiden, steht da

Das schockiert uns natürlich sehr und wir möchten uns deshalb mit einem Leidartikel dem Problem annehmen.

Leider sind junge Menschen noch immer schutzlos den Mitgliedern des Philologenverbandes ausgeliefert. Eine Invasion von Philologen strömt als Lehrer in die Schulen,  weil sie hier ideale Aufnahmebedingungen vorfinden oder vorzufinden glauben. Ohne Zweifel ist es unsere humane Pflicht, Menschen, die wie auch immer in diesen Beruf abgedriftet sind, zu beschäftigen und versuchen zu integrieren. Dennoch sehen wir große Schwierigkeiten, denn grade männliche Lehrer fallen doch immer wieder mit unangenehmen Äußerungen auf.

Manchmal gelingt es, sie in andere Berufe zu vermitteln.

So zum Beispiel Björn Höcke, der mittlerweile nicht mehr als Lehrer arbeitet, sondern  seine Deutschlandfahnen-Neurose als Sesselpolsterer ausleben kann. Aber es können ja nun nicht alle zu Günther Jauch gehen. Legt man unsere ethischen und moralischen Vorstellungen an, würden viele Lehrer,- und insbesondere die Philologen, erstmal eine Umschulung benötigen. Denn viele glauben, dass sie in deutschen Schulen ihre Wertevorstellungen vermitteln und ausleben können. Gerade in Gymnasien ist es an der Tagesordnung, dass Kinder beschimpft und sogar gedemütigt werden!
Wir müssen unmissverständlich klarmachen, dass diejenigen, die als Lehrer daher kommen, sich unseren Grundwerten anzupassen haben und nicht umgekehrt!

Vor allem das Zusammenrotten der Lehrer, in pädagogischen Parallelgesellschaften, gilt es zu verhindern! Denn dort verlieren sie völlig den Bezug zur Realität!

Ja, wir brauchen Philologen, aber die richtigen Philologen, also ein Gesetz muss endlich in Kraft treten, dass dieses Problem endlich umfassend zu lösen hilft. Auch und gerade Lehrer müssen sich unseren Grundwerten anpassen- und nicht umgekehrt!

Deshalb hoffen wir, dass möglichst viele Mädchen möglichst viel Spaß haben bei sexuellen Abenteuern mit fremden Männern! Lebt alles aus, was Ihr wollt- und tut es intensiv und laut!
Nur durch diese harte Konfrontationstherapie ist entwicklungsresistenten Lehrern beizukommen!

Ramona Ambs, Prinzessin für sexuelle und philologische Angelegenheiten

 

krone

Dieser Eintrag wurde am 7. November 2015 veröffentlicht. 1 Kommentar

Abo-Kündigung mit Stil

kroneEin Musterschreiben von unserem Demokratie-Beauftragten Benjamin Weissinger

Guter Journalismus fängt beim Leser an – das ist ein Prinzessinnenmantra. Zurecht. Das beinhaltet natürlich nicht nur die Förderung von gutem Journalismus wie dem von PR, sondern auch die freundliche, aber bestimmte Zurückweisung von schlechtem Journalismus. Manchmal hilft da nur die Kündigung des Abonnements einer Zeitung. Doch nicht immer haben entsprechend aufmerksame Leser Zeit und Lust, an einem angemessenen Kündigungsschreiben zu feilen. Deshalb habe ich mich entschlossen, hier Abhilfe zu schaffen. Es folgt ein Muster für Kündigungen – zur freien Verfügung. XY kann hier je nach Fall und Anlass durch konkrete Namen und Inhalte ausgetauscht werden. Denn: Qualitätsjournalismus braucht Qualitäts-Abo-Kündigungen!

Ehemals verehrte Damen und Herren der XY-Redaktion,

hiermit kündige ich mein Abonnement Ihrer Zeitung zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Zu den Gründen will ich nicht länger schweigen, Sie müssen das alles lesen.

Lange Zeit hielt ich Ihr Blatt für eine gute Zeitung. Sie war nicht zu dick und nicht zu dünn, hatte solide Kreuzworträtsel (Lokalzeitung)/ein ordentliches Feuilleton (größere Zeitung), interessante Bilder und einen guten Sportteil, auch wenn ich mich schon vor einiger Zeit mit Ihrer Sportredaktion bezüglich der linken Ergebnis- und Terminspalte und der farblichen Gestaltung der Bundesligatabelle überworfen hatte. Aber damit konnte ich leben. Dann aber hatte ich rein interessehalber begonnen, einige Artikel zu lesen und war entsetzt, schockiert. Ich kann überhaupt nicht sagen, dass die Darstellungen von Sachverhalten immer meiner Sichtweise entsprachen, was ich bis dato angenommen hatte.

Die Weltlage ist sehr angespannt. Um die zahllosen Probleme zu lösen, bedarf es einer klaren Linie. Es kann nicht sein, dass jeden Tag etwas anderes in der Zeitung steht. Die Auswahl der Themen sollte eine bestimmte, klare Stoßrichtung erkennbar werden lassen. In meinem Fall geht es um das Thema XY. ES IST EINE ABSOLUTE UNVERSCHÄMTHEIT, WAS SIE DA ZULETZT VERANSTALTET HABEN.

Ferner missfallen mir Ihre Kommentare und Glossen. Erstere sind immer sehr subjektiv, über letztere kann und will ich nicht lachen. Humor ist Glückssache in diesem Land. Wenn doch mal etwas zum Schmunzeln dabei ist, dann deshalb, weil es sich da um UNFREIWILLIGE KOMIK handelt.

Ein Wort noch zu Ihren Werbeanzeigen und -beilagen. Es geht ja offensichtlich nurnoch darum, soviel Werbung wie möglich unterzubringen. Mich interessieren diese ganzen werbliche Angebote NICHT DIE BOHNE. Sicher war hier und da auch mal etwas beworben, was ganz gut ist, aber das hatte ich längst. SCHWACH!

Heute geht es ja nurnoch um Kommerz und das Geld bestimmt den Inhalt. Da informiere ich mich doch lieber auf diversen Online-Seiten, die mir Freunde in sozialen Netzwerken zuspielen. Die sind zumeist auf meine Sichtweise zugeschnitten und finden entsprechenden Anklang, auch mal Lob.

In diesen schwierigen Zeiten stellt natürlich auch die Ersparnis, die sich aus der Kündigung ergibt, eine Rolle. Das will ich garnicht leugnen. Wäre die Zeitung etwas günstiger und hätte man hin und wieder eine Aufmerksamkeit erhalten, hätte das zwar grundsätzlich nichts an meinen Argumenten geändert, aber das wollte ich nur mal am Rande betonen.

Sie sehen also, ich habe mir meine Entscheidung nicht leicht gemacht. Es ist einfach traurig, was aus Ihnen geworden ist. Schade. Ich erwarte ein sofortiges Bestätigungsschreiben.

Trotz allem mit Gruß, XY

Dieser Eintrag wurde am 5. November 2015 veröffentlicht. 1 Kommentar

Das aktuelle Aufhänger-Dekret

Aktuelle Aufhänger sind ein Grundübel. Sie sehen oft nicht gut aus, weil jeder sie durchgekaut hat und sie stehen außerdem überall im Weg rum. Daher ergeht nun ein „aktueller Aufhäger“-Dekret von
lieber schö
n als aktuell-Prinzessin Elke Wittich

1. Mit der Redakteurs-Frage nach dem „aktuellen Aufhänger“ beginnt ein Teufelskreis, der die Rettung des Journalismus nur unnötig erschwert.

2. Weil sie von mangelndem Redakeurs-Selbstbewusstsein zeugt. Und womöglich von einer Chefredaktion, die daran Schuld ist. Weil sie zB vergessen hat, dass das Hauptmerkmal einer wichtigen Story oder Geschichte nicht „sie ist so wunderbar aktuell“ ist, sondern „sie ist wichtig, weil“, „sie ist einfach interessant“ und, natürlich, auch: „wir haben sie zuerst“.

3. Wer nach dem „aktuellen Aufhänger“ fragt, meint damit nämlich oft: „Öh, auf Spiegel Online ist das aber grad kein Thema“.

4. In der Praxis sieht das so aus: Man bietet ein nicht aktuelles, weil nicht auf Spiegel Online erschienenes Thema an. Das umgehend abgelehnt wird, weil es nicht aktuell, also nicht auf Spiegel Online erschienen ist.
Drei Tage später – bei SpOn wurde das Thema schließlich nun doch behandelt – bekommt man im günstigsten Fall die Mitteilung, dass man den nunmehr brandaktuellen Text doch machen soll. Im ungünstigsten Fall hat sich der Redakteur dazu entscheiden, eine dpa-Meldung mit vielen Verweisen auf das, was Spiegel Online berichtete, zu nehmen, weil aktuell und Klickzahlen.

5. Das ist doch alles hochgradiger Bullshit.

6. Den großen Medien hinterherzuhecheln, statt ein bisschen Arroganz zu zeigen und eigene Themen zu setzen, ist nicht wirklich guter Journalismus und schon gar nicht tolles Redakteurssein. Es ist lahm, feige, langweilig und billig.

7. Lasst das!


8. Auf die zweite lästige Redakteursfrage, nämlich „Wo ist denn da der Deutschland-Bezug?“ kommen wir zu einem späteren Zeitpunkt zurück…
Screen Shot 2015-10-14 at 7.32.53 PM

Dieser Eintrag wurde am 4. November 2015 veröffentlicht. 2 Kommentare