Es gibt Menschen, die mehr für Bäume fühlen als nur Sympathie. Immer mehr wagen sich aus dem Dickicht. Gerade jetzt, im Schatten von „Shades of Grey“ und anderer aktueller Aufhänger
von PR♕-Reporterin Ramona Ambs
Viktoria hat von sich aus Kontakt zu uns Prinzessinnenreportern gesucht. In ihrer ersten Mail an die Redaktion klagte sie: „Die Leute wissen nichts oder zu wenig über Dendrophilie. Und die meisten Medien weigern sich über uns zu berichten. Dabei ist Liebe zu Bäumen nichts Verwerfliches!“ Sie wolle mit diesem ersten mutigen Schritt in die Öffentlichkeit anderen Menschen mit dendrophiler Neigung Mut machen, sich zu outen. Wir, das Prinzessinenreporterteam, entschlossen uns, darüber zu berichten.
Viktoria hat ein Geheimnis
Ich treffe Viktoria im Kronzecher, einem Café bei ihrem Lieblingspark. Sie ist Ende dreißig, ihre hellbraunen Haare sind zu einem modernen Bob geschnitten, sie trägt Jeans und einen unauffälligen Blazer. Victoria arbeitet in einem Büro für Personalvermittlung. Niemand dort ahnt etwas von ihrer sexuellen Neigung. Sie bestellt eine Bionade und wirkt ein wenig nervös. „Ich habe immer schon eine Affinität zu Bäumen gehabt“, beginnt sie zu erzählen. So mit zwölf etwa habe sie das erste Mal gemerkt, dass da aber mehr ist als nur Zuneigung. Ihr erstes Mal mit einer Eiche sei unbeschreiblich gewesen. „Sex mit einem Baum ist berauschend. Der Baum hat auf mich gewartet, er hatte eine enorme sexuelle Anziehungskraft und seine Rinde war unglaublich“, schwärmt sie. Ich will wissen, ob sie denn jemals auch mit Menschen eine sexuelle Beziehung hatte.
„Ja“, sagt sie und berichtet von ihrem ersten Mal nach einer Studentenparty mit einem Komilitonen, und von zwei weiteren Versuchen mit einem Arbeitskollegen. „Aber die turnen mich einfach nicht an. Männern fehlt diese sexuelle Urkraft von Bäumen. Und deren Standfestigkeit.“
Viktoria trinkt hastig aus ihrer Bionade, als müsse sie die Erinnerung an den zwischenmenschlichen Geschlechtsverkehr runterspülen.
Sie trinkt gerne Bionade
„Mir war immer wichtig, dass mich der Baum auch will. Dass es also nichts Einseitiges war. Ich respektiere Pflanzen in ihrer Persönlichkeit“ Ein großes Problem innerhalb der Dendrophilenszene sei der sexuelle Mißbrauch von Pflanzen. Einige Dendrophile würden leider nur ihr Vergnügen suchen und sich dann an Astlöchern oder fleischigen Ausbuchtungen am Wurzelwerk vergehen. Das sei sehr kontraproduktiv und würde dem Anliegen, nämlich als Dendrophile ohne Diskriminierung in der Gesellschaft leben zu können, vollständig zuwider laufen. „Es ist ja grade die besondere Form der Zuneigung und Liebe zu Bäumen und Pflanzen, die uns ausmacht!“ betont Viktoria. Wir zahlen und verlassen das Cafe. Viktoria möchte mir noch ihren derzeitigen Liebesbaum zeigen. Wir nähern uns einer glatten Buche. „Siehst Du diesen rötlichen Stamm?“ fragt Viktoria und legt zärtlich ihre Hand an den Baum. „Ich wünsche mir, dass wir Dendrophile offen mit unseren Neigungen umgehen können und uns die Gesellschaft akzeptiert!“ sagt sie. „Dank Euch Prinzessinenreportern bekommt unser Anliegen jetzt endlich auch mediale Beachtung. Und die brauchen wir dringend, denn Baumliebe ist ein Menschenrecht!“