Ein Besuch in Lyons gehobener Mittelschicht. Von Harald Nicolas Stazol
Gabrielle steht unter der hohen Decke des Lyoner Loft ihres Freundes auf einer Leiter, gestern ist die Französin 30 geworden, ihr Mann Ruben, ein Osteopath, hat mich samt Flug als Überraschung eingeladen. Auf die „Gilet Jaunes“ ist man nicht gut zu sprechen. Auf Goldfolie schon, deswegen hilft Künstlerfreundin Sabinne, die Decke für die Party am Abend vorzubereiten, wie einen kleinen Spiegelsaal.
Gestern haben sie mal eben frische Ente aus dem Supermarkt geholt und blutig gebraten „au sang“, so wie man sie im Le Canard nicht bekommen könnte, morgens gibt es allerfeinste Marzipancroissants – Mittelschicht in Frankreich. „Die Mittelklasse verschwindet, sie verarmt“, meint Sabinne gerade über einen Café au lait hinweg, in der tiefen Couchgarnitur, die Oper von Jean Nouvel ist nur einen Steinwurf entfernt. Bei der Morgenzigarette am Fenster sehe ich die Geschäftsleute, drüben an der Ecke öffnet der Juwelier Histoire dÓr, gestern abend schallte das Lachen noch nach zwölf die Gassen hinauf – Frankreich, wie geht es dir? Weiterlesen






