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Zivilisation – Vierter Teil: Preußen und Friedrich II.
Ein Tag im Frühling
Ein Gedicht zum Monatswechsel von unserem Hofpoeten Robert Friedrich von Cube

Ich war heute früh in der Stadt
Um zu sehen, was der Wochenmarkt hat
Ich schaute genauer beim Lauch
Und Blumenkohl suchte ich auch
Und dann sah ich da drüben
Zwischen Möhren und Rüben
Bei den Grünspargelspitzen
Etwas glitzern und blitzen
Etwas leuchten und blinken
und es fing an zu stinken
Zu flackern, zu beben
und plötzlich zu schweben
Doch – puff – war es weg
Und es blieb nur der Schreck
*
Ich sah mich dann um nach den andern
Die über den Wochenmarkt wandern
Der Spargel lag jetzt in Trümmern
Bloß schien das hier keinen zu kümmern
Um mich der Brodem von Schwefel
Und sündiges Knistern von Frevel
Ich hörte ein Fluchen
Verstärkte mein Suchen
Durchwühlte die Möhren
Und hörte ein Röhren
Ein Schelten und Schimpfen
Ein Gott Ver-un-glimpfen
Ein Sich-Zerfleischen
Ein Brüllen und Kreischen
Zetern und Greinen
Bellen und Weinen
Und denke: Zum Teufel –
Ein Teufel!
*
Ein kleiner mit Hörnern und Schwanz
Vollführt da vor Wut einen Tanz
Rumpelstilzt zornig herum
Beugt alle zehn Fingerchen krumm
Guckt mich an und flüstert mir zu:
„Ein störender Zeuge bist du“
„Vergiss besser mein Missgeschick
Oder breche dir gleich das Genick“
„Ich fresse dich auf
Und ich spring auf dich drauf“
„Ich schlag dich zu Brei
Und ich hau dich entzwei“
„Ich hack dich kaputt
Und zermahl dich zu Schutt“
„Ich brech dir die Knochen
Ich werde dich kochen“
„Zerstückeln, zerfetzen
in Säure zersetzen“
Da schlug ich ihn um
Und er war wieder stumm
*
Ich machte gleich großen Rabatz
Und schrie übern Wochenmarktplatz
Ich rief alle Leute zu mir
Und verwies auf das teuflische Tier
Mit Gesten und Rufen
beschrieb ich die Hufen
Den Schwanz und die Klauen
Die Männer und Frauen
Die kamen gerannt
Mit Phone in der Hand
Zu sehen, wer da schreit
Zum Filmen bereit
Und ich brüllte: Zum Teufel –
der Teufel?
*
Das Wesen war fort ohne Spur
Dabei schrie ich noch in einer Tour
Der Spargel war wieder intakt
Als ein Herr mich am Handgelenk packt
Und mich fragt: „Was ist denn hier los?
Gibt es einen Gesetzesverstoß?“
„Ich weiß, es ist wirklich geschehen
Ich hab einen Teufel gesehen!“
Auf mir ruhen dreißig Paar Augen
Ich kann das jetzt selbst nicht mehr glauben
Mein Gesicht wird schamesvoll rot
Am liebsten wäre ich tot
Will im Boden versinken
Mich sofort betrinken
Doch muss ich es wagen
Jetzt etwas zu sagen
Erläutern, begründen
wenn sie es verstünden
Dann wär ich erlöst
Und dann stößt
*
Mein Blick auf die Datumsanzeige
Sodass ich nun nicht länger schweige
Ich räusper mich laut
bis mich jeder anschaut
Bis keiner mehr stört
Und einjeder mich hört
Bis alle mich sehen
sie sollen verstehen
Sie glotzen und stieren
Lauschen und gieren
Es ist jetzt ganz still
Und ich flüstere leise:
„April, April“
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Der Zivilisation dritter Teil
Die Bedeutung der Zivilisation (2)
Vom Gemüsemann über die Russische Revolution zu den Freunden. Zweiter Teil einer zivilsierten Serie von Lord Harald Nicolas Stazol
Was Zivilisation bedeutet
Buch, Bücher, am Buchsten
Gastprinzessin Kuku Schrapnell hat eine erschlichene Tageskarte für die Buchmesse wieder für eine unglaublich spannende und wichtige Hintergrund-Reportage genutzt
Die Leipziger Buchmesse ist ja schon immer so ein Ereignis. Mit dem fünften Besuch stellt sich aber auch eine gewisse Abgeklärtheit ein. Es gibt halt viele Verlage, unzählige Autor*innen, die ganze Bandbreite des bildungsbürgerlichen Spektrums und Bücher. Richtig viele Bücher. Vor allem so Bücher, die man dann bei einer Lesung vorgestellt bekommt oder von einem Klappentext, und man denkt sich: „Das müsste ich echt mal lesen.“ Und dann landet es doch nur auf dem riesigen „Das müsste ich echt mal lesen“-Stapel. Das ist der Stapel neben dem „Ach, der Anfang war ja ganz gut, bald lese ich es wirklich mal“-Haufen und dem „Das könnte ich auch echt mal wieder lesen“-Regalbrett.
Hunde, wollt ihr ewig lesen?
Der neuste Trend auf der Leipziger Buchmesse: Vorleseliteratur für Hunde. Ein Exklusivbericht von unserem belesenen Zeremonienmeister Fritz Tietz
Hunde, denen vom frühen Welpenalter an regelmäßig vorgelesen wird, bilden ihre kognitiven Fähigkeiten besser aus als ihre „unbelesenen“ Artgenossen. Das haben Langzeitstudien ergeben, die seit den Achtzigerjahren am tierpsychologischen Institut der Universität von Ohio durchgeführt werden. Demnach passen sich „literarisch geprägte“ Hunde spürbar einträchtiger ihrer Umgebung an. Sie sind folg- und genügsamer, lern- und apportierbereiter und im Durchschnitt dreimal schneller stubenrein als Hunde, denen nie vorgelesen wird. Weiterlesen
Statt Presseschau
Eigentlich hätte diese Woche eine neue Presseschau erscheinen sollen, aber angesichts des Nazi-Terrors in Christchurch ist uns nicht besonders rosarot zumute. Zwei Beispiele für Anstand und Courage möchten wir unseren Qualitätslesern aber nicht vorenthalten.
♕ Großer Dank geht zum einen – wer hätte das gedacht – an die sonst auch nicht immer anständige Hamburger Morgenpost.
Auch Boulevard kann man mit Anstand machen. Danke, @mopo pic.twitter.com/ARjGFeSp9G
— Jens Scholz (@jensscholz) 16 March 2019
♕ Und dann war da noch Will „Eggboy“ Connolly: Der 17jährige Australier hatte eine treffende Antwort auf die Absonderungen des Rechtsaußen-Politikers Fraser Anning, der die muslimische Einwanderung als Ursache des Terrors bezeichnete. Auf einem Spendenkonto für die zu erwartenden Gerichtskosten waren nach einem Tag bereits 30.000 Dollar für den Teenager zusammengekommen.
Give #eggboy a medal. pic.twitter.com/9CWickVclI
— SHINJI (@ShinjiAn12sla) 17 March 2019
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Holy Shit Shopping
Die Grenze von Mode und Religion ist seltsam durchlässig geworden.
Von unserem royalen Modeexperten Harald Nicolas Stazol
Mit diesem Schuljungen kann man jetzt schon ein wenig Mitleid haben, der da im Pelzmäntelchen von Gucci über den Hof wandeln muß, zur großen Pause. Und zur Freude seiner Mitschüler. Die bestimmt ganz ruhig bleiben werden, und sich nichts anmerken lassen. Während sie ihn lautstark auslachen. Weiterlesen



